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Kinostart

Das ist das süße schwule Paar aus "Die Nacht der Nächte"

Bill Novak und Norman MacArthur sind seit 1961 zusammen. Bevor sie 2015 endlich heiraten konnten, wurden sie Vater und Sohn. Ihre Geschichte ist jetzt im Kino zu sehen.


Bill Novak und Norman MacArthur sind seit 57 Jahren ein Paar

In dem berührenden, unterhaltsamen und tiefsinnigen Dokumentarfilm "Die Nacht der Nächte" erzählen die Schwestern Yasemin und Nesrin Samdereli ("Almanya – Willkommen in Deutschland" von vier Paaren aus sehr unterschiedlichen Kulturen, die jeweils seit mehr als einem halben Jahrhundert gemeinsam durchs Leben gehen. Mit überraschender Offenheit erzählen ihre Protagonisten von Sex und Moral, Liebe und Gesellschaft, Kinder und Partnerschaft.

Mit dabei: ein indisches Ehepaar, das gegen das Kastensystem geheiratet hat und deshalb mit seinen Familien brechen musste. Ein japanisches Ehepaar, das zwangsverheiratet wurde und sich sehr schwer tat mit dem Lieben. Ein knorriges Nachkriegspaar aus dem Ruhrpott. Und zwei schwule Männer aus den USA, die erst heiraten durften, nachdem sie schon fünf Jahrzehnte zusammen waren und die damit verbundenen rechtlichen Probleme lösten, in dem der eine den anderen adoptierte.

Liebe auf den ersten Blick


Poster zum Film: "Die Nacht der Nächte" läuft seit Donnerstag im Kino

Kennengelernt haben sich Norman MacArthur und Bill Novak auf einer Hochzeit. Statt mit den Frauen am Tisch zu flirten, sprachen die beiden den ganzen Abend nur miteinander und merkten, dass sie sich blendend verstanden. Bill erzählt, dass er sofort wusste, dass sie entweder sehr gute Freunde oder ein Paar werden würden: "Er war einer der sehr seltenen Exemplare von Menschen, die an meine Vorstellung vom 'Richtigen' heranreichten."

Aber ganz so einfach war es dann doch nicht. Auch weil Bill nur noch einen einzigen Tag in Amerika hatte, bevor er für mehrere Monate nach Europa aufbrach. Sie nutzten diesen letzten gemeinsamen Tag. Gingen ins MoMA in eine Ausstellung und anschließend gemeinsam essen. Mehr nicht. Aber Bill schickte Norman den ganzen Sommer über Postkarten. Norman erzählt, wie beeindruckend diese waren und dass er es kaum erwarten konnte, Bill wieder zu sehen.

Homosexualität war damals noch verboten


In der Doku sind die Paare auch als Puppen zu sehen (Bild: Concorde Filmverleih GmbH)

Als nach Monaten der Trennung Bill endlich wieder zurück war, konnte ihre Liebesgeschichte beginnen. Beiden Männern wurde klar, dass sie sich ineinander verliebt hatten. Da Homosexualität in den USA der Sechzigerjahre verboten war und beide noch bei ihren Eltern lebten, mussten sie die Dinge grundlegend ändern. Nur so war ein gemeinsames Leben möglich.

Sie zogen um. New York wurde ihre neue Wahlheimat, bot die Freiheit und Weltoffenheit, die es in der Provinz nicht gab. Beide fanden Jobs, eine gemeinsame Wohnung und konnten ihr Leben miteinander teilen. Die Familien akzeptierten ihre Homosexualität, darüber offen gesprochen wurde jedoch nie.

Der 63-Jährige adoptierte den 61-Jährigen


Norman und Bill fanden in New York City ein tolerantes Zuhause (Bild: Concorde Filmverleih GmbH)

Obwohl sie ihr ganzes Leben miteinander geteilt hatten, wurde ihnen im Alter klar, dass ihrer Beziehung jeglicher rechtliche Schutz fehlte. Falls einer erkranken oder sterben sollte, hätte der andere kein Anrecht aufs Erbe – nicht einmal im Krankenhaus dürfte er ihn besuchen. Das musste sich ändern. So wie vielen anderen Homosexuellen wurde ihnen nahegelegt, sich zu adoptieren. Bill wurde im Jahr 2000 mit 63 Vater des 61-jährigen Norman. Juristisch waren sie nun abgesichert, dennoch empfanden sie die Situation persönlich als wenig ideal.

Als 15 Jahre später der Oberste US-Gerichtshof die Ehe öffnete, galt es für Norman und Bill ihre Adoption zu annullieren, um endlich heiraten zu können. Der Richter, der dies tat, schrieb damit Geschichte. Endlich war – nach 53 gemeinsamen Jahren – der Weg frei für ihre Hochzeit. Und sie schrieben damit auch Schlagzeilen. So titelte beispielsweise eine Zeitung: "Vater heiratet Sohn." (cw)

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film

Infos zum Film

Die Nacht der Nächte. Dokumentarfilm. Deutschland 2018. Regie & Buch: Yasemin & Nesrin Samdereli. Mitwirkende: Hildegard & Heinz Rotthäuser, Kamala & Nagarajayya Hampana, Shigeko & Isao Sugihara, Norman MacArthur & Bill Novak. Laufzeit: Minuten. Sprache: deutsch-englisch-japanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 0. Verleih: Concorde. Im Kino seit 5. April 2018


#1 herzesEhemaliges Profil
  • 07.04.2018, 13:55h
  • Der Respekt vor diesen Beiden sollte eigentlich von sich aus jeden Unkenruf, bzgl. "heteronormativ, zwangsangepasst u. a." im Keim ersticken.
    Ein wunderbarer Lebensentwurf, bei dem gemeinsam durch dick und dünn die Probleme gemeistert wurden und den ich mir gerne zum Vorbild nehme.
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#2 Danny387Profil
#3 PeerAnonym
  • 07.04.2018, 15:02h
  • Diesen Film werde ich nicht gucken, weil ich den Trailer diskriminierend finde:

    Alle anderen Paare dürfen gemeinsam vor der Kamera sein.

    Das schwule Paar sieht man nur einmal kurz von hinten vor der Skyline New Yorks und einer der beiden darf nur alleine reden ohne seinen Partner und das was er sagt, lässt nicht mal auf Homosexualität schließen.

    Wenn der Film so ein Ungewicht hat wie der Trailer brauche ich den nicht zu sehen... Denn Quoten-Schwule, die nur den Film länger machen sollen, braucht niemand.
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#4 BEARAnonym
#5 daVinci6667
  • 07.04.2018, 15:22h
  • Antwort auf #1 von herzes
  • Yep. Da unterstütze ich Dich sehr gerne!

    Leider gibt es unter uns Schwulen einige die andere nicht akzeptieren wollen. Dabei sind wir Menschen unabhängig der sexuellen Orientierung einfach unterschiedlich gestrickt und veranlagt.

    Die einen schiessen gegen treue (egal wie die es für sich definieren) schwule Paare, die sich verheiraten wollen und schimpfen diese angepasste Heteronormative.

    Andere die offene Beziehungen leben und denen heiraten wenig bedeutet werden von den anderen ebenso wieder ausgegrenzt.

    Ich verstehe das nicht. Warum nur nicht einfach jeder so wie es für ihn stimmt?

    Wir beide brauchen Verlässlichkeit, Geborgenheit Sicherheit etc. Auch in nicht privaten Dingen. Vielleicht auch weil wir dies in der Kindheit zu wenig hatten. Wir haben zusammen eine Wohnung gekauft, typisch schweizerisch viele Versicherungen abgeschlossen und uns vor vielen Jahren verpartnert, sobald dies möglich wurde und gehen im Alltag und im Leben nur kalkulierbare vernünftige Risiken ein.

    Andere brauchen das alles nicht. So what? Was soll daran heteronormativ sein? Eine Frau spielt in unserem Leben nirgends eine Rolle noch übernimmt jemand die klassisch definierte Frauenrolle weder im Schlafzimmer, der Küche noch sonstwo.
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#6 BEARAnonym
  • 07.04.2018, 16:08h
  • Antwort auf #5 von daVinci6667
  • "Die einen schiessen gegen treue (egal wie die es für sich definieren) schwule Paare, die sich verheiraten wollen und schimpfen diese angepasste Heteronormative."

    Aber auch nur dann, wenn diese von ALLEN verlangen, gefälligst genau so zu leben, sich "normal" zu verhalten und doch "möglichst nicht so aufzufallen".

    Kleiner, aber entscheidender Unterschied.

    JEDE_R soll so leben können, wie er_sie möchte. Natürlich. Aber es darf eben keinen Normativitätsdruck geben. Und der wird - leider auch hier - von vielen ausgeübt.

    Im übrigen gibt es für das von Dir benannte Phänomen einen noch "schöneren" Begriff:

    de.wikipedia.org/wiki/Homonormativit%C3%A4t

    Daraus zitiere ich kurz:
    "Homonormativität führte zur Auslöschung politischen Engagements, sobald die LGBT-Bewegung ihre vorrangigen Ziele der gleichgeschlechtlichen Ehe [...] erreicht habe."

    Zu dieser Auslöschung darf es eben NICHT kommen. Und dagegen werden Leute wie ich auch weiterhin kämpfen:

    Gleiche Rechte für alle - ja, selbstverständlich!
    Gleichmacherei, Spießbürger- und Duckmäusertum für alle: Auf keinen Fall!
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#7 PeerAnonym
  • 07.04.2018, 16:18h
  • Antwort auf #4 von BEAR
  • Ja, das Gefühl hatte ich leider auch...

    Bloß nicht zu viel von dem schwulen Paar zeigen, um das nicht zu sehr zu betonen und niemanden zu verschrecken.

    Aber mit diesem Straight-Washing haben Sie mich z.B. verloren.
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#8 BEARAnonym
  • 07.04.2018, 16:22h
  • Antwort auf #7 von Peer
  • "um das nicht zu sehr zu betonen"

    Genau da liegt das Problem.
    Eine gleichwertige und gleichrangige Darstellung wird bereits als Überbetonung gewertet.

    So lange dieser sehr, sehr tief verankerte Mechanismus noch so funktioniert, erreichen wir keine vollständige Akzeptanz.
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#9 herzesEhemaliges Profil
  • 07.04.2018, 16:27h
  • Antwort auf #7 von Peer
  • Ich habe einen Bericht über den Film auch bei Tagesschau24 gesehen und damit keiner in homophobe Panik ausbrechen muss... beide werden umfassend, händchenhaltend, im gemeinsamen Gespräch bzw. Interview und sogar von vorne gezeigt.
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#10 0704BenjaminAnonym
  • 07.04.2018, 17:00h
  • Antwort auf #3 von Peer
  • Die Meinung kann ich leider nicht nachvollziehen. Ich finde, dass aus dem Trailer klar herauskommt, dass ein älteres schwules Paar aus den Staaten dabei ist und wenn man den Trailer genau schaut, dann zeigt er dieses angeblich so diskriminierte Paar sogar als innigstes und intimstes, ohne es m.E. nach über- oder unterzubringen.
    Ich bin gespannt auf den Film und werde ihn mir gerne ansehen.
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