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Hass-Sänger aus Jamaika

Bounty Killer soll auch in Berlin auftreten

Der Hass-Sänger, der in Liedern zur Ermordung von Homosexuellen aufruft, plant auch einem Auftritt im angesagten Festsaal Kreuzberg.


Bounty Killer könnte im April und Mai in Deutschland, Österreich und der Schweiz seinen Hass verbreiten – laut den Veranstaltern hat er sich aber vom Saulus zum Paulus gewandelt (Bild: Screenshot Youtube)
  • Von Dennis Klein
    9. April 2018, 12:45h, noch kein Kommentar

Der jamaikanische Sänger Bounty Killer soll trotz seiner homophoben und gewaltverherrlichenden Texte im kommenden Monat auch in Berlin-Kreuzberg auftreten. Für den 10. Mai ist ein Konzert des 45-Jährigen im Festsaal Kreuzberg geplant. Bislang regte sich bereits Widerstand gegen einen Auftritt in Regensburg am 11. Mai (queer.de berichtete). Weitere Konzerte sind aber auch in Dortmund, und Wuppertal sowie in Zürich und Wien geplant.

Der Kreuzberger Veranstaltungsort ist eigentlich nicht für Hassveranstaltungen bekannt: Hier trat etwa der ein Jahr lang vom Erdogan-Regime festgehaltene "Welt"-Journalist Deniz Yücel erstmals seit seiner Freilassung auf. Im vergangenen Herbst hatte die Linkspartei ihre Bundestags-Wahlparty in der laut Eigenwerbung "besonderen Location für schöne Momente".

Anders als bei anderen Veranstaltungen wird Bounty Killer für seinen Berliner Auftritt online nicht unter seinem bekannten Künstlernamen beworben, sondern unter seinen Geburtsnamen und einigen weniger bekannten Pseudonymen.


Werbung für das Konzert auf der Homepage des Festsaals Kreuzberg


Facebook-Werbung für das Berliner Konzert

Auf queer.de-Anfrage erklärte ein Sprecher des Festsaals Kreuzberg am Montag, dass das Konzert von einem Fremdveranstalter organisiert werde, der mehrfach zugesichert habe, "dass der Künstler keine menschenverachtenden Songs spielt und keine Äußerungen dazu macht". Das sei auch vertraglich festgeschrieben. Ferner behauptete der Sprecher, dass Bounty Killer seit zehn Jahren keine homophoben Songs mehr gespielt und bei ihm ein "Umdenkprozess" stattgefunden habe. Man sei aber mit Grünen-Politikern, verschiedenen Verbänden und der Bookingagentur des Künstlers im Gespräch, "um über diese Themen zu reden".

"Alles in allem ist es wichtig, auf solche Themen hinzuweisen und zu kritisieren. Der Prozess hin zu mehr Toleranz der innerhalb der Reggae-Szene in den letzten zehn Jahren stattgefunden hat, ist aber auch ein guter und wichtiger Schritt in die richtige Richtung", so das Resümee des Veranstaltungsorts.

Der belgische Manager von Bounty Killer, Mike De Herdt von "Music Got Soul", hatte Ende März gegenüber queer.de in einem langen Statement behauptet, dass der Sänger nicht mehr homophob sei: "Bounty verwendet keine Liedtexte mehr, die Hass oder Gewalt gegenüber Schwulen verbreiten." Der Künstler habe sich in den letzten Jahren in seiner persönlichen Einstellung gewandelt (queer.de berichtete).

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"Meinungswandel" fraglich

Öffentliche Aussagen des Sängers zu diesem angeblichen Meinungsandel sind allerdings nicht bekannt. Vielmehr hat er sich mit seiner Homophobie profiliert: Anders als andere umstrittene Hass-Sänger wie Beenie Man hat Bounty Killer etwa 2012 nicht den "Reggae Compassionate Act" unterzeichnet, mit denen sich die Künstler von früheren Werken distanzieren und versprechen, diese nicht mehr aufzuführen.

Bounty Killer kritisierte damals sogar einen Sangeskollegen dafür, den "Reggae Compassionate Act" unterschrieben zu haben, und erklärte, er habe eine Abneigung gegenüber Homosexuellen – dabei nutzte er wiederholt abwertende Bezeichnungen für schwule Männer.

Bounty Killer: Schwule ertränken, verbrennen und mit einem Laser-Strahl töten

Bereits seit anderthalb Jahrzehnten protestieren queere Aktivisten immer wieder gegen Auftritte des Hass-Sängers aus Jamaika (queer.de berichtete). Ursache sind mehrere Liedtexte, in denen er zu Gewalt und sogar zur Ermordung von Homosexuellen aufruft. So erklärte er im Song "Another Level", dass Schwule zu verbrennen und zu ertränken seien. in "Look Good" hieß es: "Lösche die Schwuchtel mit einem Laser-Beam aus". Mit diesen Liedern verdient Bounty Killer weiterhin Geld, denn sie sind nach wie vor mit den homophoben Textstellen auf Streamingdiensten erhältlich.

Queer.de-Leser berichten, dass sie die aktuellen Konzertorte auf ihren jeweiligen Werbeseiten in sozialen Netzwerken auf die Homophobie des Sängers hingewiesen hätten, eine Debatte dazu aber nicht zustande gekommen sei: "Kommentare in der Veranstaltungsseite müssen erst freigegeben werden, was mit meinem kritischen Kommentar nicht geschah", schrieb ein Leser.

Wöchentliche Umfrage

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