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"Menschliches Versagen"

Psychotherapie-Prüfung: Schwule und Lesben sind gestört

Bei der deutschen Staatsprüfung für Psychotherapeuten wurden Homosexualität als "Störung" bezeichnet – ein peinlicher Fehler, wie die Autoren zugeben.


Früher wurde Homosexualität für eine "Störung" gehalten, die man beheben müsse – jetzt tauchte dieses Konzept in einer Psychotherapeuten-Prüfung des Jahres 2018 in Deutschland wieder auf

  • 13. April 2018, 09:10h 29 2 Min.

Angehende Psychotherapeuten staunten am 15. März bei ihrer Staatsprüfung nicht schlecht: In Frage 74 wurden fünf angebliche Störungen aufgeführt, darunter Homosexualität und Pädophilie. Die Studenten sollten beantworten, welche dieser "Störungen" keine "Störung der Sexualpräferenz" sei. In Wirklichkeit entfernte die American Psychiatric Association 1973 Homosexualität aus der Liste anerkannter Krankheiten, die Weltgesundheitsorganisation folgte 1990.

Wörtlich hieß es in der Prüfung: "Welche der folgenden Störungen zählt nicht zu den Störungen der Sexualpräferenz nach ICD-10", so die Frage (ICD-10 ist eine internationale Klassifikation von Krankheiten). Als Antwortmöglichkeiten wurden "Exhibitionismus", "Fetischismus", "Homosexualität", "Pädophilie" und "Voyeurismus" genannt.

Das für die Prüfung verantwortliche "Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen" (IMPP) veröffentlichte nun eine Richtigstellung zur Frage auf ihrer Website: "Das Prüfziel der Prüfungsaufgabe 74 ist es, zu erkennen, dass es sich bei der Homosexualität nicht um eine Störung der Sexualpräferenz handelt", heißt es darin. "Richtig ist, dass Homosexualität keine Störung darstellt. Dies sollte in der Aufgabe erfragt werden. Die korrekte Frage sollte lauten: 'Welche der folgenden sexuellen Orientierungen oder Präferenzen zählt nicht zu den Störungen der Sexualpräferenz nach ICD-10?' Leider wurde bei der Überarbeitung der Frage versehentlich der Begriff 'Störung' zweimal eingefügt, davon einmal an falscher Stelle."

"Ein klarer Fehler, den wir sehr bedauern"

Gegenüber "Spiegel Daily" ergänzte IMPP-Direktorin Jana Jünger, die Frage sei "durch menschliches Versagen" in den Examensbogen gelangt. "Das war ein klarer Fehler, den wir sehr bedauern", so Jünger.

Eine Minderheit von Psychotherapeuten oder anderen Medizinern halten Homosexualität nach wie vor für eine "Störung", die "geheilt" werden könne. 2009 kam das britische Fachmagazin "BMC Psychiatry" etwa zu dem Ergebnis, dass 18 Prozent der Psychotherapeuten auf der Insel versucht hätten, Homosexuelle zu Heterosexuellen zu machen (queer.de berichtete).

In den letzten Jahren ist die sogenannte "Ex-Gay-Bewegung" aber auf dem Rückzug. 2013 löste sich die größte Organisation "Exodus International" 37 Jahre nach ihrer Gründung auf und entschuldigte sich bei Schwulen und Lesben (queer.de berichtete). Im selben Jahr verabschiedete der Weltärztebund eine Stellungnahme, nach der Konversionstherapien "die Menschenrechte verletzen und nicht zu rechtfertigen" seien.

Mehrere US-Bundesstaaten haben inzwischen "Therapien" zur "Heilung" von Homosexualität bei Jugendlichen verboten, zuletzt der Staat Washington (queer.de berichtete). In Deutschland dürfen Mediziner aber weiterhin diese gefährliche "Therapie" anbieten: Erst vergangenes Jahr erklärte die Bundesregierung, dass sie kein derartiges Verbot plane (queer.de berichtete). (dk)

-w-

#1 PeerAnonym
  • 13.04.2018, 11:21h
  • Wenn eine "Prüfung" solche Fehler enthält, scheint es wohl um die Qualität der Schlusskontrolle (und damit der ganzen Prüfung) nicht besonders gut bestellt zu sein.
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#2 DocPhilAnonym
  • 13.04.2018, 11:21h
  • So fern man nicht selbst darunter leidet oder Leidensdruck verspürt ist alles ok.

    Entstellungen oder Ticks werden auch erst behandelt wenn diese einen einschränken.

    Eine Sexualität wie die der LGBTIQs gehört da nicht dazu.

    ----------------------(damit nicht schwule in nem Topf mit Pädophilie landen )
    Pädophile und andere sozialkrankhaften Sexualitäten zähle ich aber auch durch den Leidensdruck der betroffenen definitiv zu Behandlungsnötig. Um kein Täter zu werden.
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#3 Homonklin44
  • 13.04.2018, 11:47hTauroa Point
  • Esistschon merkwürdig, dass bei dem hohen Anspruch, den die Psychotherapie an ihre eigenen Richtlinien legt, solche dumpfen Fehler unterlaufen.

    Leider kenne ich es auch, dass Verlage ödter Fehler wieder drucken, die man zuvor beanstandet und eliminiert hat. Also kann es davon abhängen, ob beim Druck der Prüfungsblätter geschlampt wurde.

    Warum man in Deutschland keine Notwendigkeit zum Verbot von Konversions-"Therapien" sieht, wird sich entweder am Einfluss der so genannten Christsozialen in der Politik verantworten, oder daran, dass Deutschland aus der wissenschaftlichen Sicht nicht gerade zu den fortschrittlichen Ländern gehört. Es wird zwar damit in der ganzen welt geprahlt, wie weit man ethisch und technisch vorne an sei, bei manchem Punkt ist das aber nur heiße Luft. Vielleicht wollen sich da einige ihre Begünstigung auch nicht verspielen, wo es um konservativ bornierte Wähler und Spender geht, wer weiß.
    Die Entschädigungen werden auch da wohl einmal in Millionenhöhen gehen können, wo solche "Therapien" dem Heilanspruch zuwider laufen. Geld kann die so mutwillig zerstörten Persönlichkeiten aber nicht wieder auf Reset stellen.
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