Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?30995

#iamgay wird zum Trotz-Trend

Weibo will homosexuelle Inhalte verbannen

Der chinesische Kurznachrichtendienst will seine Plattform von vermeintlich "illegalen" Inhalten säubern – tausende Nutzer zeigten öffentlich Protest.


Neun Jahre nach seiner Gründung gilt der Dienst Weibo als einer der erfolgreichsten der Welt – das in den USA börsennotierte chinesische Unternehmen fährt auch ordentliche Umsätze ein

Das chinesische Internet-Unternehmen Sina Corporation hat am Freitag bekannt gegeben, seinen beliebten Microblogging-Dienst Weibo im Rahmen einer dreimonatigen "Clean-up-Campaign" von bestimmten Inhalten zu befreien, um ein "harmonisches" Community-Umfeld zu schaffen.

In den veröffentlichten Richtlinien heißt es, die Dienst werde in dem Zeitraum Texte, Bilder und Comics, Videos sowie Spiele sehr genau auf "illegale" Inhalte überprüfen, darunter solche mit "pornografischen Andeutungen, solche, die Gewalt bewerben, oder solche, die sich auf Homosexualität beziehen".

Der Dienst mit rund 400 Millionen aktiven Nutzern pro Monat gab an, er reagiere damit auf neue Sicherheitsgesetze des Landes, die eine striktere Datenüberwachung vorsähen. In einem ersten Schritt habe man 56.240 Einträge entfernt und 108 Nutzer-Konten gelöscht.

- Werbung - Video (60s): KLM – Wir sind eine Airline

Großer Nutzer-Protest

Die Ankündigung des Unternehmes wurde selbst zu einem viralen Hit, mit über 25.000 Kommentaren, die allerding nicht angezeigt wurden, und 120.000 Weiterleitungen. Und das war erst der Beginn des Unmuts: Bevor Weibo den Hashtag am Samstag offenbar sperrte, posteten etliche Nutzer mit der chinesischen Version des Schlagwortes #iamgay ihren Unmut über die Zensur.

Twitter / WhatsOnWeibo

Die Nachrichtenagentur AFP zählte über 170.000 Nutzungen des Hashtags. "Ich bin schwul und stolz drauf, selbst wenn ich zensiert werde, gibt es dutzende Millionen wie mich", hieß es in einem weit verbreiteten Eintrag. Kritik kam laut der Nachrichtenagentur auch von mehreren großen Online-Communities von "funu" – jungen, heterosexuellen Chinesinnen, die fiktionale Geschichten über homosexuelle Romanzen teilen.

Einige der bemerkenswert kritischen Einträge sind inzwischen nicht mehr aufrufbar, stattdessen ist von einem "illegalen Eintrag" die Rede, der entfernt wurde. "Darf es im Sozialismus keine Homosexualität mehr geben?", hatte ein anderer Nutzer beklagt. Manche Nutzer hatten dem #iamgay-Hashtag auch solche hinzugefügt, die "ich bin illegal" oder "ich breche das Gesetz" bedeuten.

China hatte Homosexualität 1997 entkriminalisiert, das Thema ist aber teilweise weiter ein großes Tabu. Erst vor wenigen Wochen musste das Pekinger Filmfestival den Film "Call Me By Your Name" aus dem Programm streichen. Im letzten Sommer hatte das Land eine Zensur von homosexuellen Inhalten in Online-Videos beschlossen (queer.de berichtete). (nb)



#1 Eric LassardAnonym
#2 schwarzerkater
  • 14.04.2018, 14:59h
  • also ich traue der regierung von china so viel wie den islamischen diktaturen - nämlich nullkommanull.
    wir sollten alle kraft dafür aufwenden, dass europa vielfältig und weltoffen bleibt und denen den kampf ansagen, die unsre rechte beschränken wollen, oder die unsere demokratie untergraben.
    wenn sich das chinesische volk nicht zensieren lassen möchte, dann muss das chinesische volk dagegen aufbegehren. freiheiten bekommt man nicht geschenkt, die muss man sich erkämpfen.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 ursus
  • 14.04.2018, 15:22h
  • Antwort auf #1 von Eric Lassard
  • "Dann nutzt man deren App einfach nicht mehr..."

    sicher. und wenn alle bäckereien einer stadt schilder mit "juden unerwünscht" ins fenster stellen, dann gehen die halt einfach in einer anderen stadt brot kaufen.

    sorry, aber wer das problem nicht erkennt, hat selber eins.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 FelixAnonym
  • 14.04.2018, 19:30h
  • Worüber ich mit anderen kommuniziere ist (solange ich mich an Recht und Gesetz halte) nur meine Entscheidung und die meiner Kommunikationspartner.

    Wer meint, mir vorschreiben zu können, worüber ich mit anderen kommuniziere, darf nicht erwarten, dass ich mich dem auch noch freiwillig unterwerfe... Fazit: diesen Dienst werde ich garantiert niemals nutzen!!!!
  • Antworten » | Direktlink »
#5 PeerAnonym
  • 14.04.2018, 20:45h
  • Das ist nicht nur Bevormundung, sondern homophobe Zensur und Denkverbote. Das ist sehr gefährlich...
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Patroklos
#7 BEARAnonym
#8 stromboliProfil
  • 14.04.2018, 21:14hberlin
  • ORWELL.. "1984" , mit etwas verspätung 2018

    Hört auf ,mit eurer zukunft herumzuspielen!
  • Antworten » | Direktlink »
#9 LorenProfil
  • 14.04.2018, 22:18hGreifswald
  • Antwort auf #8 von stromboli
  • Die chinesische Diktatur erprobt gerade, wie man die Menschen kontrollieren und manipulieren kann mit Hilfe des Internets. Ich befürchte, es wird nicht nur lernwillige Regierungen andernorts geben, sondern auch mehr als genug Hirnverbrannte dort, die freiwillig mitmachen. Aber auf jede Landflucht kann auch eine Stadtflucht folgen. Mal sehen, was sich da durchsetzt, wo Menschen nicht autoritär unterworfen werden. Und ob sich die Staaten, die weniger autoritär regiert werden, behaupten können.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 stromboliProfil
  • 14.04.2018, 22:52hberlin
  • Antwort auf #9 von Loren
  • ein interessanter ansatz!
    Ich befürchte allerdings, das die stadtflucht hin aufs unkontroilierbarere land nicht mehr möglich ist angesichts der zunehmenden verdichtung durch bevölkerungszuwachs und natürlich auch dem bestreben der herrschenden, ihre kontrollmechanismen noch verfeinerter über das ganze land auszudehnen.

    Hierzu passend die "digital-diskussion, wo dem bürger ein "versäumnis vorgegaukelt wird, weil nicht mit der schnellsten verbindungshalbleitern und sonstigem kabelwerk verbunden ...

    Also ich sehne mich manchmal nach dem guten alten briefverkehr mit seiner langzeitzustellung.. besonders wenn ich via forum mich mit lueten auseinader setze, wo man lieber eine langzeitzustellung in kauf nehmen würde.
    Entsprechend hätte man zeit, sich in ruhe seine argumente zurecht zu legen, statt im twittermodus weltgeschichte machen zu wollen ( siehe trump und jetzt auch macron..)
    Na ja, auch im net tut sich was...wenigstens mal was erfreuliches zu vermelden..

    www.taz.de/Grossdemonstration-in-Berlin/!5498560/

    Die abschlusskundgebung war quasi vor meiner haustür, also auch für gehbehinderte erreichbar.
    hab ein schönes wochenende!
  • Antworten » | Direktlink »