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#iamgay wird zum Trotz-Trend
Weibo will homosexuelle Inhalte verbannen
Der chinesische Kurznachrichtendienst will seine Plattform von vermeintlich "illegalen" Inhalten säubern – tausende Nutzer zeigten öffentlich Protest.

Neun Jahre nach seiner Gründung gilt der Dienst Weibo als einer der erfolgreichsten der Welt – das in den USA börsennotierte chinesische Unternehmen fährt auch ordentliche Umsätze ein
- 14. April 2018, 11:03h 2 Min.
Das chinesische Internet-Unternehmen Sina Corporation hat am Freitag bekannt gegeben, seinen beliebten Microblogging-Dienst Weibo im Rahmen einer dreimonatigen "Clean-up-Campaign" von bestimmten Inhalten zu befreien, um ein "harmonisches" Community-Umfeld zu schaffen.
In den veröffentlichten Richtlinien heißt es, die Dienst werde in dem Zeitraum Texte, Bilder und Comics, Videos sowie Spiele sehr genau auf "illegale" Inhalte überprüfen, darunter solche mit "pornografischen Andeutungen, solche, die Gewalt bewerben, oder solche, die sich auf Homosexualität beziehen".
Der Dienst mit rund 400 Millionen aktiven Nutzern pro Monat gab an, er reagiere damit auf neue Sicherheitsgesetze des Landes, die eine striktere Datenüberwachung vorsähen. In einem ersten Schritt habe man 56.240 Einträge entfernt und 108 Nutzer-Konten gelöscht.
Großer Nutzer-Protest
Die Ankündigung des Unternehmes wurde selbst zu einem viralen Hit, mit über 25.000 Kommentaren, die allerding nicht angezeigt wurden, und 120.000 Weiterleitungen. Und das war erst der Beginn des Unmuts: Bevor Weibo den Hashtag am Samstag offenbar sperrte, posteten etliche Nutzer mit der chinesischen Version des Schlagwortes #iamgay ihren Unmut über die Zensur.
/ WhatsOnWeiboSina Weibo issues a ban on homosexuality, netizens respond with hashtag: I AM GAY # https://t.co/xdxrBNhYAW pic.twitter.com/FzZ9vCUN7Y
What's on Weibo (@WhatsOnWeibo) April 13, 2018
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Die Nachrichtenagentur AFP zählte über 170.000 Nutzungen des Hashtags. "Ich bin schwul und stolz drauf, selbst wenn ich zensiert werde, gibt es dutzende Millionen wie mich", hieß es in einem weit verbreiteten Eintrag. Kritik kam laut der Nachrichtenagentur auch von mehreren großen Online-Communities von "funu" – jungen, heterosexuellen Chinesinnen, die fiktionale Geschichten über homosexuelle Romanzen teilen.
Einige der bemerkenswert kritischen Einträge sind inzwischen nicht mehr aufrufbar, stattdessen ist von einem "illegalen Eintrag" die Rede, der entfernt wurde. "Darf es im Sozialismus keine Homosexualität mehr geben?", hatte ein anderer Nutzer beklagt. Manche Nutzer hatten dem #iamgay-Hashtag auch solche hinzugefügt, die "ich bin illegal" oder "ich breche das Gesetz" bedeuten.
China hatte Homosexualität 1997 entkriminalisiert, das Thema ist aber teilweise weiter ein großes Tabu. Erst vor wenigen Wochen musste das Pekinger Filmfestival den Film "Call Me By Your Name" aus dem Programm streichen. Im letzten Sommer hatte das Land eine Zensur von homosexuellen Inhalten in Online-Videos beschlossen (queer.de berichtete). (nb)














