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Evangelische Homophobie

Nach Arbeitsverboten: Schwuler Jugendwart schmeißt hin

Homophobie in der evangelischen Kirche in Sachsen: Weil ein Jugendwart schwul ist, verbieten ihm Kirchengemeinden den Kontakt zu Jugendlichen – jetzt hat Jens Ullrich genug. Er ist kein Einzelfall.


In Sachsen sind Homo­sexuelle in der evangelischen Kirche nicht willkommen (Bild: Sebastian Rittau / flickr)

  • 27. April 2018, 12:39h 37 2 Min.

Der evangelische Jugendwart Jens Ullrich aus dem sächsischen Aue wird laut einem Bericht der "Freien Presse" zum Monatsende kurzfristig sein Arbeitsverhältnis beenden und den Freistaat verlassen. Der 54-Jährige möchte nun eine Stelle bei einer anderen Landeskirche antreten, in der seine Homosexualität als weniger problematisch angesehen wird.

Der Grund für den Rückzug: Mehrere Kirchengemeinden hatten Ullrich in den letzten Jahren wegen seiner sexuellen Orientierung verboten, an Veranstaltungen mit Jugendlichen teilzunehmen. "Man bezweifelt, dass ich weiter 'segensreich' wirken könnte", so Ullrich im vergangenen Jahr.

Die Probleme des langjährigen Kirchenmitarbeiters hatten im September 2015 begonnen, als er sich mit einem Mann verpartnerte – hinzu kam, dass sein Partner ein Venezolaner ist, was im nicht gerade ausländerfreundlichen Sachsen ein weiteres Problem bedeutete. Daraufhin gab es teils gehässige Kommentare in christlichen Foren und Ullrich erhielt Hassbriefe. Die St.-Nicolai-Gemeinde in Aue verbot ihm als erste Gemeinde den Kontakt zu Jugendlichen, mehrere weitere Gemeinden in der Region folgten.

Auch homosexuelle Pfarrer werden weggemobbt

Die evangelische Wochenzeitung "Der Sonntag" berichtet, dass Ullrich in Sachsen kein Einzelfall ist: Auch das schwule Pfarrerehepaar Ciprian Mátéfy und Stephan Rost wechselte nach Anfeindungen nach Schleswig-Holstein, die lesbische Pfarrerin Katrin Jell floh von Sachsen nach Mecklenburg-Vorpommern und die lesbische Vikarin Jennifer Scherf verließ den Freistaat in Richtung Sachsen-Anhalt. "Das Klima in der sächsischen Landeskirche ist im Moment schwierig für gleichgeschlechtlich liebende Paare", erklärte Scherf nach ihrer Flucht. Als Grund wird genannt, dass evangelikale Kräfte in Sachsen besonders stark seien.

Das Mobbing gegen Jugendwart Ullrich ging selbst dem homophoben Landesbischof Carsten Rentzing zu weit. Der Geistliche, der Schwulen und Lesben in der Vergangenheit schon mal vorgeworfen hatte, "gegen den Willen Gottes" zu verstoßen, bezeichnete den Vorgang um Ullrich als "für unsere Kirche nicht akzeptabel" – eine Lösung des Problems wurde aber trotzdem nicht herbeigeführt.

In den letzten Jahren gab es allerdings auch einige Signale einer Liberalisierung in der Landeskirche Sachsens. So gründeten einige Pfarrer 2015 ein Forum für eine LGBTI-freundliche Kirche (queer.de berichtete). Im selben Jahr wurde auch die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren erlaubt, wenn auch nur "im Einzelfall" (queer.de berichtete). (dk)

-w-

#1 goddamn liberalAnonym
  • 27.04.2018, 15:01h
  • Was in Württemberg der gewöhnliche Evangelikale ist, wie man ihn auch aus dem Siegerland, den Niederlanden oder aus den USA oder Brasilien kennt, ist in (Ost-)Sachsen im dunkeldeutschen Tal der Ahnungslosen eher eine Tradition, die in der NS-Organisation 'Deutsche Christen' wurzelt. Deshalb auch der rassistische Einschlag bei der ganzen Affäre.
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#2 HallelujaAnonym
#3 Tommy0607
  • 27.04.2018, 17:56hEtzbach
  • Hallelujah !
    Ganz "toll" von den so "tollen" , toleranten Christen , haha
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