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Evangelische Homophobie

Nach Arbeitsverboten: Schwuler Jugendwart schmeißt hin

Homophobie in der evangelischen Kirche in Sachsen: Weil ein Jugendwart schwul ist, verbieten ihm Kirchengemeinden den Kontakt zu Jugendlichen – jetzt hat Jens Ullrich genug. Er ist kein Einzelfall.


In Sachsen sind Homosexuelle in der evangelischen Kirche nicht willkommen (Bild: Sebastian Rittau / flickr)

Der evangelische Jugendwart Jens Ullrich aus dem sächsischen Aue wird laut einem Bericht der "Freien Presse" zum Monatsende kurzfristig sein Arbeitsverhältnis beenden und den Freistaat verlassen. Der 54-Jährige möchte nun eine Stelle bei einer anderen Landeskirche antreten, in der seine Homosexualität als weniger problematisch angesehen wird.

Der Grund für den Rückzug: Mehrere Kirchengemeinden hatten Ullrich in den letzten Jahren wegen seiner sexuellen Orientierung verboten, an Veranstaltungen mit Jugendlichen teilzunehmen. "Man bezweifelt, dass ich weiter 'segensreich' wirken könnte", so Ullrich im vergangenen Jahr.

Die Probleme des langjährigen Kirchenmitarbeiters hatten im September 2015 begonnen, als er sich mit einem Mann verpartnerte – hinzu kam, dass sein Partner ein Venezolaner ist, was im nicht gerade ausländerfreundlichen Sachsen ein weiteres Problem bedeutete. Daraufhin gab es teils gehässige Kommentare in christlichen Foren und Ullrich erhielt Hassbriefe. Die St.-Nicolai-Gemeinde in Aue verbot ihm als erste Gemeinde den Kontakt zu Jugendlichen, mehrere weitere Gemeinden in der Region folgten.

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Auch homosexuelle Pfarrer werden weggemobbt

Die evangelische Wochenzeitung "Der Sonntag" berichtet, dass Ullrich in Sachsen kein Einzelfall ist: Auch das schwule Pfarrerehepaar Ciprian Mátéfy und Stephan Rost wechselte nach Anfeindungen nach Schleswig-Holstein, die lesbische Pfarrerin Katrin Jell floh von Sachsen nach Mecklenburg-Vorpommern und die lesbische Vikarin Jennifer Scherf verließ den Freistaat in Richtung Sachsen-Anhalt. "Das Klima in der sächsischen Landeskirche ist im Moment schwierig für gleichgeschlechtlich liebende Paare", erklärte Scherf nach ihrer Flucht. Als Grund wird genannt, dass evangelikale Kräfte in Sachsen besonders stark seien.

Das Mobbing gegen Jugendwart Ullrich ging selbst dem homophoben Landesbischof Carsten Rentzing zu weit. Der Geistliche, der Schwulen und Lesben in der Vergangenheit schon mal vorgeworfen hatte, "gegen den Willen Gottes" zu verstoßen, bezeichnete den Vorgang um Ullrich als "für unsere Kirche nicht akzeptabel" – eine Lösung des Problems wurde aber trotzdem nicht herbeigeführt.

In den letzten Jahren gab es allerdings auch einige Signale einer Liberalisierung in der Landeskirche Sachsens. So gründeten einige Pfarrer 2015 ein Forum für eine LGBTI-freundliche Kirche (queer.de berichtete). Im selben Jahr wurde auch die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren erlaubt, wenn auch nur "im Einzelfall" (queer.de berichtete). (dk)



#1 goddamn liberalAnonym
  • 27.04.2018, 15:01h
  • Was in Württemberg der gewöhnliche Evangelikale ist, wie man ihn auch aus dem Siegerland, den Niederlanden oder aus den USA oder Brasilien kennt, ist in (Ost-)Sachsen im dunkeldeutschen Tal der Ahnungslosen eher eine Tradition, die in der NS-Organisation 'Deutsche Christen' wurzelt. Deshalb auch der rassistische Einschlag bei der ganzen Affäre.
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#2 HallelujaAnonym
#3 Tommy0607Profil
#4 willieAnonym
  • 27.04.2018, 17:58h
  • Antwort auf #1 von goddamn liberal
  • Vielen dank für diese Info, goddamn liberal.

    Das war mir nicht bekannt, und es erklärt einiges.
    Ich habe kürzlich ein Buch zum Thema Rechte in der DDR vor der Widervereinigung gesehen. Das scheint ein grösseres Problem gewesen zu sein als man dachte.
    Hast du dazu noch mehr Informationen?
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#5 entschleunigungAnonym
  • 27.04.2018, 18:44h
  • ...warum glauben Angehörige diskriminierter Minderheiten in Deutschland immer, dass ihre Diskriminierung endet, indem sie bei ihren Feinden jahrelange "Überzeugungsarbeit" leisten, anstatt ihr Recht einzuklagen?

    Und warum klagen sie ihre Rechte nie ein, obwohl sie bereits bestehen?

    So viele Fragen...Fragen über Fragen...sie nehmen kein Ende...

    www.queer.de/detail.php?article_id=31018
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#6 PeerAnonym
  • 27.04.2018, 18:54h
  • Die Evangelen sind keinen Deut besser als die Katholen.

    ALLE Religionen sind gleich und basieren auf Bevormundung, Unterdrückung und Hass. Liebe und Freiheit sind denen ein Gräuel.
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#7 Homonklin44Profil
  • 27.04.2018, 20:12hTauroa Point
  • Es ist nun ja nicht verwunderlich, denn in der ausgewählten Niederschätzung von Menschen mit unerwünschten Merkmalen sind die Christen diverser christlicher Sekten gewöhnlich konsequent geblieben. Auch wenn welche in religionsgeschichtlich moderneren Sekten mal etwas weniger diskriminierend auftreten mögen, im Grunde genommen erfüllen sie doch immer wieder dieselben Ausgrenzungs-Aktivitäten, sobald ein Mensch nicht so liebt, wie sie es kollektiv lieber hätten.

    Ich verstehe auf der anderen Seite auch nicht, welches internalisierte Anbiedern Betroffene da antreibt, immer wieder zu diesem strafenden System zurück zu laufen, und noch mehr braven, Ausgrenzung hinnehmenden traurigen Kirchensoldaten zu spielen.

    Dann beendet das doch via www.kirchenaustritt.de und befreit euch selbst von der Gehässigkeit eurer lieben MitchristInnen.
    Wenn ihr nun meint, unbedingt dem Jahwe huldigen zu müssen, das geht auch ohne andauernd wieder ausgrenzende Kirchen und deren selektives Hass-System.

    Die offenbar sauer sind, wenn ein schwuler Jugendwart ihre Kinder vor den Pädophilen aus den Kirchen und aus religiösen Familien beschützt, oder warum auch immer er nicht mit Jugendlichen arbeiten soll.
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#8 Patroklos
#9 Danny387Profil
  • 27.04.2018, 21:20hMannheim
  • Die sächsische Landeskirche ist eine der intolerantesten, unchristlichsten ganz Deutschlands. Der bigotte Bischof Rentzing gießt hier leider auch nur Öl ins Feuer und seine "Versöhnungsangebote" sind nur Schall und Rauch. Ich wünsche Herrn Ullrich und seinem Partner alles Gute und viel Kraft, die erlittenen Demütigungen zu ertragen.
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#10 PeerAnonym