Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?31119

Katholische Kirche

Belgischer Kardinal: Kirche muss schwulen und lesbischen Sex respektieren

Offiziell verlangt der Vatikan von Homosexuellen Enthaltsamkeit. Jozef Kardinal De Kesel, katholischer Erzbischof von Mecheln-Brüssel, widerspricht: "Jeder fühlt, dass diese Position nicht mehr haltbar ist."


Jozef Kardinal De Kesel ist römisch-katholischer Primas von Belgien und Erzbischof von Mecheln-Brüssel

Der belgische Kardinal Jozef De Kesel hat sich bei einem Gespräch mit Vertretern eines LGBTI-Verbands für eine Neubewertung der Sexualität von Schwulen und Lesben durch die katholische Kirche ausgesprochen. Dies berichteten am Wochenende mehrere flämische Medien.

"Die katholische Kirche muss Schwule und Lesben mehr respektieren, auch in ihrer Erfahrung von Sexualität", meinte der 70-Jährige zum Vorstand des Homo- en Lesbiennewerking Mechelen (HLWM), den er am 24. April zu einem anderthalbstündigen Gespräch im erzbischöflichen Palast empfing. Offiziell verlangt der Vatikan von Homosexuellen Enthaltsamkeit. "Jeder fühlt, dass diese Position nicht mehr haltbar ist", sagte der Primas der katholischen Kirche Belgiens. De Kesel schränkte jedoch ein, die Sexualität müsse "im Kontext einer Beziehung geschehen, in der Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Verbindlichkeit im Mittelpunkt stehen. Ich bin sicher nicht für promiskuitives Verhalten, weder bei Homo- noch bei Heterosexuellen."

- Werbung - Video (60s): KLM – Wir sind eine Airline

Segen für Hetero-, Gebetsfeiern fürs Homo-Ehepaare

Bei dem Treffen sprach sich De Kesel auch für Gottesdienstformen für gleichgeschlechtliche Paare aus. Zwar könne es keinen kirchlichen Segen und keine Treuebekenntnisse wie einen Austausch von Ringen vor dem Altar geben, denkbar seien jedoch Dank- oder Gebetsfeiern. "Ich habe absolut nichts gegen die bürgerliche Homo-Ehe. Aber ich habe Einwände gegen eine religiöse Homo-Ehe", stellte der Kardinal klar. "Das Sakrament der kirchlichen Ehe ist etwas zwischen einem Mann und einer Frau im Hinblick auf die Fortpflanzung."


Der HLWM-Vorstand zu Besuch beim Kardinal (Bild: HLWM)

De Kesel bat Schwule und Lesben um Geduld: "Die Kirche braucht Zeit, um zu lernen, Homosexualität zu verstehen." Er selbst hätte vor zwanzig Jahren anders über das Thema gesprochen und wäre der offiziellen Lehre der Kirche gefolgt: "Heute betrachte ich es viel umfassender. Wo Respekt zentral ist." Der HLWM-Vorstand lobte den Primas nach dem Gespräch: "Wir haben einen Kardinal, der sich ernsthaft für das Wohlergehen von Schwulen und Lesben interessiert."

Jozef De Kesel hatte bereits vor zwei Jahren für internationale Schlagzeilen gesorgt, als er sich in einem Interview für die Möglichkeit einer Priesterweihe von verheirateten Männern aussprach. Der 70-Jährige ist seit 2015 Erzbischof des belgischen Hauptstadtbistums, zuvor war er Bischof von Brügge. Papst Franziskus nahm De Kesel 2016 ins Kardinalskollegium auf. Im Dezember letzten Jahres ernannte er ihn zum Mitglied des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben. (cw)

Wöchentliche Umfrage

» Was glaubst du: Wird sich die katholische Kirche jemals komplett gegenüber Lesben und Schwulen öffnen?
    Ergebnis der Umfrage vom 07.05.2018 bis 14.05.2018


#1 KMBonnProfil
  • 06.05.2018, 12:36hBonn
  • Seine Bitte um Geduld kann er sich sonstwohin stecken. Ich lebe jetzt und nicht in hundert Jahren. Ich lasse mir nicht von irgendeinem geweihten Röckchenträger wie Bischof Laun sagen, meine seit 20 Jahren bestehende Beziehung und nunmehrige Ehe sei so wenig segnenswert wie ein KZ.

    Jetzt in diesem Moment erleben queere Jugendliche ihr Coming-Out und bekommen von irgendwelchen Religioten in der Verwandtschaft irgendwelchen religiotischen Blödsinn erzählt, werden in Elend und Depression bis hin zum Selbstmord getrieben - und da soll es Geduld geben?

    Nein und zehn Mal Nein! Das glückliche und erfüllte Leben von Menschen hat einen sehr viel höheren Stellenwert als das überkommene Regelwerk irgendeines Vereins.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 von_hinten_genommenAnonym
#3 Petrus48Anonym
  • 06.05.2018, 14:31h
  • Antwort auf #1 von KMBonn
  • Ja die Katholische Kirche hat viel Schuld im Umgang mit homosexuellen Paaren auf sich geladen, das ist vollkommen klar. Erinnert sei auch an die Hexenprozesse des Mittelalters.

    Und Sie hat über Jahrhunderte hinweg massive Schuldgefühle bis hin zum Suizid bei vielen homosexuellen Menschen verursacht, das ist auch vollkommen klar.

    Ich selbst bin vor 17 Jahren nunmehr zu den Landeskirchen der EKD übergetreten, weil dort zum einem die Frauenordination seit den 1970er in allen Landeskirchen der EKD erlaubt ist und weil damals mit der Einführung des Lebenspartnerschaftsinstitutes zumindest die EKD im Unterschied zur katholischen Kirchenleitung die damalige Öffnung der Standesämter unterstützte ("erinnert sei an das damalige EKD-Grundsatzpapier Verantwortung und Verlässlichkeit stärken").

    Erst jetzt mit der Ehe für alle in Deutschland und der Einführung des standesamtlichen Lebenspartnerschaftsinstitutes "kommt" langsam Bewegung bei den rk Klerikern der Leitungsebene. Eine ganze Reihe von rk Kirchenorganisationen (Caritas, Bund de deutschen Katholischen Frauen, Bund der deutschen Katholischen Jugend, Kirche von unten, Zentralkomitee der deutschen Katholiken, usw.) haben alle bereits Beschlüsse gefasst, die öffentliche Segnungsgottesdienste für verheiratete homosexuelle Paare fordern, wie sie längst in fast allen Landeskirchen der EKD (Ausnahme: Württemberg) erlaubt sind.

    ABER eines muss man auch der Wahrheitshalber klar benennen: die Klöster und das Priestersemiar boten auch über Jahrhunderte trotz aller Einsamkeit und trotz aller schlechter Gewissensbisse, wenn man sich dort heimlich befriedigte, einen Schutzraum vor der repressiven Umwelt, denn dort war es noch wesentlich schlimmer, in dieser Umgebung als Single klar zu kommen.

    Ich begrüße es, wenn nunmehr auch Bischof Franz-Josef Bode im Bistum Osnabrück, Kardinal Marx im Erzbistum München oder auch der belgische Kardinal De Kesel im Bistum Mecheln-Brüssel sich öffentlich für Segnungsgottesdienste für verheiratete Paare stark macht.

    Gleichwohl die evangelischen (lutherisch, reformiert, uniert), anglikanischen, quäkerischen, presbyterianischen oder auch mennonitische Kirchen sind schon viel weiter: Segnungsgottesdienst gibt es dort schon länger und nunmehr werden dort reguläre kirchliche Trauungen erlaubt.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 JadugharProfil
  • 06.05.2018, 15:00hHamburg
  • Die Kirchen, egal ob katholisch, orthodox, protestantisch usw. fressen Kreide, weil ihnen die Mitglieder verloren gehen. In Wirklichkeit halten sie sich an eine jahrtausendalte Doktrin und sie wird wieder umgesetzt, sofern der Schäfchenbestand gesichtert ist. An der Bibel darf nicht gerüttelt werden. Kein Iota darf verändert werden, so steht es auch in der Bibel. Evangelikale sind dann die treibende Kraft. Verlassen die Leute die evangelikalen fundamentalistischen Organisationen, so landen sie in einer protestantischen oder katholischen Kirche.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Gerlinde24Profil
  • 06.05.2018, 15:04hBerlin
  • " Ich bin sicher nicht für promiskuitives Verhalten, weder bei Homo- noch bei Heterosexuellen."

    Anders ausgedrückt: Lebt genauso ein langweiliges homosexuelles Leben, wie es Eure heterosexuellen Eltern getan haben!
    Na, schönen Dank auch!
    Was erdreistet sich der zölibatär (hoffentlich) lebende Geistliche, mir und anderen Menschen die Sexualität vorzuschreiben?
  • Antworten » | Direktlink »
#6 ursus
  • 06.05.2018, 16:16h
  • Antwort auf #3 von Petrus48
  • "Ich begrüße es, wenn nunmehr auch [...] Kardinal Marx im Erzbistum München [...] sich öffentlich für Segnungsgottesdienste für verheiratete Paare stark macht."

    das tut marx nur in deinem pippi-langstrumpf-universum.

    "Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, fühlt sich in der Debatte um den Umgang seiner Kirche mit homosexuellen Paaren missverstanden. 'Es geht nicht um das Finden von Segnungsmöglichkeiten', betonte der Münchner Erzbischof zum Auftakt der Vollversammlung der katholischen deutschen Bischöfe am Montag in Ingolstadt. Er habe nicht von Segnung gesprochen, obwohl er vielfach so wiedergegeben wurde."

    www.fr.de/politik/homosexuelle-paare-marx-will-nicht-von-seg
    nung-gesprochen-haben-a-1451628
  • Antworten » | Direktlink »
#7 JadugharProfil
  • 06.05.2018, 16:23hHamburg
  • Antwort auf #5 von Gerlinde24
  • Der Sinn und Zweck der Existenz von Kirchen und Geistlichen ist es, Menschen in allen Lebensbereichen zu gängeln und das gesamte Leben vorzuschreiben. Das ist ihre Arbeit, wofür sie von der Allgemeinheit bezahlt werden. Nur psychopathische hochgradige Volliditioten machen anderen Leuten Vorschriften und dieses zu ihrer Berufung, weil sie alles, was sie nicht verstehen als Bedrohung ihrer Existenz ablehnen. Die Institution Kirche sorgt dafür, daß diese Vollidioten für sehr dümmliche Vorschriften bezahlt werden, die durch Steuerabgaben von den Bürgern auch bei den Nichtgläubigen ausgepreßt werden. Es ist höchste Zeit, daß das mal ein Ende hat und diese Leute laut Bibel im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot sehr hart verdienen.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 ursus
  • 06.05.2018, 16:34h
  • Antwort auf #3 von Petrus48
  • "erinnert sei an das damalige EKD-Grundsatzpapier Verantwortung und Verlässlichkeit stärken."

    ja, erinnern wir uns noch einmal daran, was deine kirche damals verzapft hat. ich zitiere aus diesem dokument:

    "Die Öffnung des Rechtsinstituts der Ehe für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften oder die Schaffung eines Rechtsinstituts, auf das - ohne den Namen "Ehe" zu gebrauchen - die für die Ehe geltenden rechtlichen Bestimmungen unterschiedslos angewandt würden, kommen nicht in Betracht."

    -> eheöffnung und volle rechtliche gleichstellung werden explizit ABGELEHNT.

    "Die Ausweitung der für Ehepartner entwickelten Regelungen auf einen weiteren Personenkreis hätte untragbare, jetzt noch gar nicht in vollem Umfang absehbare Konsequenzen."

    - > es werden nebulöse gefahren für die gesellschaft bei rechtlicher gleichstellung beschworen.

    "Vor allem aber ist die Ungewißheit über die psychologischen, sozialen und kulturellen Auswirkungen einer derart tiefgreifenden Veränderung zu berücksichtigen"

    -> noch mehr nicht genannte gefahren werden beschworen, ohne jeden konkreten beleg.

    "dies um so mehr, als derzeit nur eine kleine Minderheit von gleichgeschlechtlich geprägten Menschen mit einem Partner oder einer Partnerin in einer auf Dauer angelegten Lebensgemeinschaft zusammenlebt und viele eine solche Lebensform dezidiert nicht anstreben."

    -> rechte werden marginalisiert, weil sie angeblich nur minderheiten betreffen. außerdem wird mit leicht widerlegbaren lügen das klischee der instabilen homo-beziehungen bedient.

    "Das auf Dauer angelegte menschliche Zusammenleben und die Formen, die sich kulturell und rechtlich dafür entwickelt haben, sind verletzlich und haben eine komplexe Dynamik. Darum ist ein äußerst behutsames Vorgehen angebracht."

    -> noch mehr schüren diffuser ängste.

    "Die Einrichtung eines neuen familienrechtlichen Instituts weckt Bedenken, ob dabei nicht eine Verwechselbarkeit mit der Ehe entsteht. Diese Bedenken lassen sich nur ausräumen, wenn das neue familienrechtliche Institut deutlich enger als die Ehe gefaßt wird und sich strikt auf solche Regelungen beschränkt, die gravierende und nicht durch Sachgründe erzwungene Ungleichbehandlungen gegenüber der Ehe beseitigen. Der Abstand zur Ehe kann auch dadurch zum Ausdruck gebracht werden, daß die öffentliche Registrierung nicht im Standesamt erfolgt."

    -> die notwendigkeit der UNGLEICHBEHANDLUNG wird ausgiebig begründet, allerdings ohne stichhaltige argumente.

    "Die Möglichkeit gemeinschaftlicher Adoption sollte für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften nicht eröffnet werden."

    -> klar genug?

    "Die zusätzliche Eröffnung der rechtlichen Möglichkeit zu einer gemeinschaftlichen Adoption aufgrund einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft würde jedoch eine Abkehr von der grundsätzlichen Einsicht bedeuten, daß dem Kindeswohl im allgemeinen am besten in Verhältnissen gedient ist, in denen ein Kind mit Vater und Mutter aufwachsen kann, anstatt mit zwei Vätern oder zwei Müttern aufzuwachsen."

    -> gefahren für das kindeswohl durch regenbogenfamilien werden behauptet.

    www.ekd.de/lebensgemeinschaft_2000.html

    im gesamten text gibt es KEINE befürwortung der vollen gleichstellung, aber mehrere passagen, die explizit die angebliche NOTWENDIGKEIT DER UNGLEICHBEHANDLUNG rechtfertigen, und zwar mithilfe mehrerer wohlbekannter homophober vorurteile. mehrfach werden diffuse ängste geschürt und gefahren für die gesellschaft an die wand gemalt.

    das angeblich so homofreundliche dokument ist in wirklichkeit immer noch ein dokument aktiver homophobie.

    das beste, was man über dieses dokument sagen kann: es war ein schritt von totaler ignoranz zu leicht gemäßigter homophobie.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 TröteAnonym
  • 06.05.2018, 16:52h
  • "Das Sakrament der kirchlichen Ehe ist etwas zwischen einem Mann und einer Frau im Hinblick auf die Fortpflanzung."

    Dann bin ich aber auch für eine Zwangsannulierung der kirchlichen Ehe, wenn nach einer gewissen Zeit noch kein Nachwuchs da ist ;-)
  • Antworten » | Direktlink »
#10 TimonAnonym
  • 06.05.2018, 16:56h
  • Erstens ist auch Respekt noch keine volle Akzeptanz, inkl. Akzeptanz der Eheöffnung und der Volladoption.

    Und zweitens: selbst wenn das alles käme, käme es viel zu spät und würde nicht wiedergutmachen, was die Kirche über Jahrhunderte angerichtet hat und an Unheil über die Menschen gebracht hat.
  • Antworten » | Direktlink »