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Katholische Kirche
Belgischer Kardinal: Kirche muss schwulen und lesbischen Sex respektieren
Offiziell verlangt der Vatikan von Homosexuellen Enthaltsamkeit. Jozef Kardinal De Kesel, katholischer Erzbischof von Mecheln-Brüssel, widerspricht: "Jeder fühlt, dass diese Position nicht mehr haltbar ist."

Jozef Kardinal De Kesel ist römisch-katholischer Primas von Belgien und Erzbischof von Mecheln-Brüssel
- 6. Mai 2018, 10:15h 2 Min.
Der belgische Kardinal Jozef De Kesel hat sich bei einem Gespräch mit Vertretern eines LGBTI-Verbands für eine Neubewertung der Sexualität von Schwulen und Lesben durch die katholische Kirche ausgesprochen. Dies berichteten am Wochenende mehrere flämische Medien.
"Die katholische Kirche muss Schwule und Lesben mehr respektieren, auch in ihrer Erfahrung von Sexualität", meinte der 70-Jährige zum Vorstand des Homo- en Lesbiennewerking Mechelen (HLWM), den er am 24. April zu einem anderthalbstündigen Gespräch im erzbischöflichen Palast empfing. Offiziell verlangt der Vatikan von Homosexuellen Enthaltsamkeit. "Jeder fühlt, dass diese Position nicht mehr haltbar ist", sagte der Primas der katholischen Kirche Belgiens. De Kesel schränkte jedoch ein, die Sexualität müsse "im Kontext einer Beziehung geschehen, in der Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Verbindlichkeit im Mittelpunkt stehen. Ich bin sicher nicht für promiskuitives Verhalten, weder bei Homo- noch bei Heterosexuellen."
Segen für Hetero-, Gebetsfeiern fürs Homo-Ehepaare
Bei dem Treffen sprach sich De Kesel auch für Gottesdienstformen für gleichgeschlechtliche Paare aus. Zwar könne es keinen kirchlichen Segen und keine Treuebekenntnisse wie einen Austausch von Ringen vor dem Altar geben, denkbar seien jedoch Dank- oder Gebetsfeiern. "Ich habe absolut nichts gegen die bürgerliche Homo-Ehe. Aber ich habe Einwände gegen eine religiöse Homo-Ehe", stellte der Kardinal klar. "Das Sakrament der kirchlichen Ehe ist etwas zwischen einem Mann und einer Frau im Hinblick auf die Fortpflanzung."

Der HLWM-Vorstand zu Besuch beim Kardinal (Bild: HLWM)
De Kesel bat Schwule und Lesben um Geduld: "Die Kirche braucht Zeit, um zu lernen, Homosexualität zu verstehen." Er selbst hätte vor zwanzig Jahren anders über das Thema gesprochen und wäre der offiziellen Lehre der Kirche gefolgt: "Heute betrachte ich es viel umfassender. Wo Respekt zentral ist." Der HLWM-Vorstand lobte den Primas nach dem Gespräch: "Wir haben einen Kardinal, der sich ernsthaft für das Wohlergehen von Schwulen und Lesben interessiert."
Jozef De Kesel hatte bereits vor zwei Jahren für internationale Schlagzeilen gesorgt, als er sich in einem Interview für die Möglichkeit einer Priesterweihe von verheirateten Männern aussprach. Der 70-Jährige ist seit 2015 Erzbischof des belgischen Hauptstadtbistums, zuvor war er Bischof von Brügge. Papst Franziskus nahm De Kesel 2016 ins Kardinalskollegium auf. Im Dezember letzten Jahres ernannte er ihn zum Mitglied des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben. (cw)















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