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313 Fälle

Kriminalstatistik: Hasskriminalität gegen LGBTI geht leicht zurück

Laut der offiziellen Kriminalstatistik werden vier Prozent aller Hassdelikte aus Abneigung gegenüber sexuellen oder geschlechtlichen Minderheiten begangen. Die Statistik hat allerdings Lücken.


Laut der Statistik geht die Kriminalität in Deutschland generell zurück, dazu gehören auch aus Hass verübte Verbrechen

Die am Dienstag veröffentlichte bundesweite Kriminalstatistik 2017 verzeichnet neben einem generellen Rückgang der Kriminalität auch weniger Straftaten "gegen die sexuelle Orientierung" als im Vorjahr (PDF). Dieser Bereich umfasst laut Bundesregierung "alle gegen Lesben, Schwule, Trans- und Intersexuelle motivierte Straftaten".

Insgesamt wurden 313 Vorfälle gegen LGBTI erfasst, davon 74 Gewalttaten. Im Vergleich zu 2016 (PDF) entspricht das einem Rückgang um ein Prozent bzw. neun Prozent bei Gewalttaten.

99 der Fälle von Hasskriminalität gegen LGBTI im Jahr 2017 wurden Tätern mit rechter Ideologie zugeordnet und damit 13 mehr als im Jahr zuvor. In fünf dieser Fälle kam es zu Gewalt (minus vier im Vergleich zu 2016). Außerdem werden in der Statistik zwei gewaltfreie Hassdelikte gegen LGBTI von Tätern aus dem linken Milieu genannt. Zu den 2017 erstmals aufgeführten Merkmalen "ausländische Ideologien" und "religiöse Ideologien" sind 14 bzw. neun homo- oder transphobe Delikte aufgeführt (inklusive fünf bzw. zwei Gewalttaten). Die Mehrheit der Fälle – insgesamt 189, davon 62 Gewalttaten – wurden keiner Ideologie zugeordnet. Bei keinem anderen Merkmal hatte die Polizei mehr Probleme mit der Zuordnung – im Bereich von rassistischen Hassdelikten waren die Behörden beispielsweise nur in 0,3 Prozent der Fälle nicht in der Lage, eine ideologische Motivation zuzuordnen.

Damit spielt die homo- und transphobe Gewalt in der Statistik nur eine untergeordnete Rolle. 4,0 Prozent aller Hassdelikte und 7,5 Prozent aller gewalttätigen Hassdelikte sind demnach (auch) aus Abneigung gegen LGBTI verübt worden. Die große Mehrheit der Hasskriminalität erfolgte aus fremdenfeindlichen Motiven, gefolgt von antisemitischer und rassistischer und islamfeindlicher Motivation.

Deutsche Statistik weist Schwächen auf

In anderen Ländern, die ebenfalls LGBTI-feindliche Übergriffe melden, ist der Anteil dieser Delikte weit höher als in Deutschland. In den offiziellen Zahlen des amerikanischen FBI geht etwa jeder fünfte Fall der Hasskriminalität auf Abneigung gegen sexuelle oder geschlechtliche Minderheiten zurück (queer.de berichtete).

Die unterschiedlichen Zahlen bedeuten nicht unbedingt, dass es hierzulande friedlicher zugeht, da die deutsche Statistik nur bedingte Aussagekraft besitzt. Der Grund: Die Polizei behandelt die Taten je nach Bundesland bisher sehr unterschiedlich und setzt verschiedene Kriterien an. In Nordrhein-Westfalen, dem mit Abstand einwohnerstärksten Bundesland, meldete die Polizei etwa in ihren offiziellen Kriminalstatistiken zwischen 2007 und 2016 nur einen einzigen Raubüberfall aus LGBTI-feindlicher Motivation (queer.de berichtete). In Berlin hingegen sprach die Polizei für das letzte Jahr in einer vorläufigen Statistik von insgesamt 161 Vorfällen im Bereich "sexuelle Orientierung", auch hier ein leichter Rückgang um drei Fälle im Vergleich zu 2016. LGBTI-Verbände gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, der LSVD spricht bundesweit von einer Größenordnung von 80 Prozent.

Insgesamt ging die Hasskriminalität stark zurück: Wurden im Jahr 2016 noch rund 11.000 Fälle gemeldet, sank die Zahl ein Jahr später auf rund 8.000 Fälle. Das bedeutet einen Rückgang um 26 Prozent. Allerdings waren die Zahlen in den Jahren 2015 und 2016 stark angestiegen.

Auch die Gesamtkriminalität ging laut der Statistik stark zurück und liegt jetzt auf dem Niveau von 1992. Die Behörden erfassten im vergangenen Jahr 5,76 Millionen Straftaten – und damit rund zehn Prozent weniger als 2015. Zwei Drittel der Tatverdächtigen sind Männer, ein Drittel hat keinen deutschen Pass. "Deutschland ist sicherer geworden", erklärte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bei der Vorstellung der Zahlen in Berlin.

Direktlink | Vorstellung der Kriminalstatistik durch Bundesinnenminister Seehofer



#1 Petrus48Anonym
  • 08.05.2018, 14:06h
  • Selten habe ich so gelacht wie bei dieser Meldung heute.

    So, so die aktuelle Bundesregierung will uns also einen Rückgang der Hasskriminalität gegen LSBTI Personen vorgaukeln.

    Dazu kann ich als langjähriger LSBTI-Aktivist noch noch antworten:

    WIR haben bis auf das Bundesland Berlin, wo die Polizei vorbildlich handelt, in den anderen Bundesländern KEINE Statistiken, die gesondert homophob motivierte Straftaten erfassen, dokumentieren und in den Polizeiberichten öffentlich ausweisen.

    NUR das Bundesland Berlin verfolgt hier eine andere Marschroute bei den Polizeistatistiken und Polizeiberichten.

    Die Organisation Velspol verlangt schon seit Jahren von den anderen Bundesländern, das hier die Polizeiarbeit bei den Statistiken, bei den Polizeiberichten und bei der Veröffentlichung an die Allgemeinheit eine Reform erfolgt. ABER dies geschieht nicht, weil die Bürger "dumm" gehalten werden sollen und weil insbesondere auch engagierte LSBTI-Aktivisten und Blogger nicht erfahren sollen, wo und wann wiedereinmal eine homophob motivierte Straftat geschehen ist.

    Diese heute veröffentliche Polizeistatistik kann man eigentlich "in die Mülltonne werfen", denn Sie stimmt in keiner Weise.

    Ausdrücklich davon ausnehmen möchte ich hier nur die Polizei in Berlin !!!
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#2 Petrus48Anonym
  • 08.05.2018, 15:43h
  • Antwort auf #1 von Petrus48
  • Achso und zu betonen gilt, die Aussage des LSVD, das locker eine Dunkelziffer von bis zu 80 Prozent besteht, das ist im Bericht auch gut dargestellt.

    Und noch etwas ist zu erwähnen, warum die Kriminalstatistik für die "Tonne" ist.

    Bagatelldelikte (worunter dann die Beleidigungsdelikte fallen), Verkehrsdelikte, Zolldelikte, Vandalismusdelikte (z.B. Graffiti an Privatwänden) sind ebenso nicht in der Kriminalstatistik erfasst.

    Der Bund der Deutschen Polizeigewerkschaft fordert daher auch zusätzlich Sicherheitsberichte, in den dann dokumentiert ist, dass die Fallzahlen viel, viel höher sind.

    Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, sieht die PKS kritisch. "Die Statistik hat nur eingeschränkten Aussagewert über die wirkliche Kriminalitätsbelastung in Deutschland", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Gewerkschaft fordert einen jährlichen Sicherheitsbericht, der auch Straftaten, die nicht angezeigt werden, sowie Vandalismus-Schäden und Bagatelldelikte erfasst.

    www.tagesschau.de/inland/pks-kriminalstatistik-101.html

    Eine Polzeikriminalitötsstatistik, in der die homophob motivierte Beleidigungsdelikte nicht enthalten sind ("da es Bagatelldelikte sind"), kann man "in die Tonne kloppen", wenn man Aussagen über homophob motivierte Straftaten treffen will. DENN es geht gerade um die Vielzahl von Beleidigungsdelikte, die täglich homosexuelle Opfer in unserem Lande erleiden. Das Ausmass dieser Deliktsgruppe der Beleidigungen dürfte erschreckend hoch in Wahrheit sind.
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