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Appell zum Katholikentag

Völklinger Kreis kritisiert kirchliches "Sonderrecht auf Diskriminierung"

Die schwulen Führungskräfte zeigen sich anlässlich des Katholikentages enttäuscht, dass die Kirchen in staatlich finanzierten Kitas, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen noch immer Schwule und Lesben diskriminieren dürfen.


Arbeitgeber unter diesen Symbol dürfen laut Gesetz Angestellte feuern, wenn sie von deren Homosexualität erfahren (Bild: Mario Micklisch / flickr)

Der Völklinger Kreis, der bundesweit organisierte Berufsverband schwuler Führungskräfte und Selbständiger hat am Mittwoch an die Politik appelliert, das "Sonderrecht auf Diskriminierung" durch die Kirchen zu beenden. "Schluss mit der Diskriminierung von lesbischen und schwulen Beschäftigten in kirchlichen Einrichtungen!", erklärte VK-Vorstandsmitglied Alf Spröde. Er forderte das Ende der Ausnahmen für die Kirchen beim Kündigungs- und Diskriminierungsschutz sowie im Betriebsverfassungsgesetz.

"Es ist in Ordnung, wenn Kirchen im Bereich der religiösen Verkündigung Sonderrechte haben – wie andere Tendenzbetriebe auch", so Spröde. Unerträglich sei es aber, wenn Beschäftigte in Kindergärten, Pflegeheimen, Krankenhäusern und anderen Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft wegen ihrer sexuellen Orientierung gekündigt oder benachteiligt werden dürften. "Insbesondere die katholische Kirche missbraucht weiterhin ihre Privilegien als Trägerin dieser Sozialunternehmen, obwohl deren Einnahmen zum größten Teil aus staatlichen Sozialabgaben und Steuern stammen und nur zu geringsten Teilen aus kircheneigenen Mitteln", erklärte der 53-Jährige.

Alf Spröde war selbst bis vor wenigen Jahren als katholischer Priester im Erzbistum Köln tätig. Heute arbeitet er als Coach und Berater im Trainingsinstitut eines Kommunalverbandes.

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Gleichbehandlungsgesetz hat Ausnahmeregelungen für Kirchen

Bei der Schaffung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes hatte die Politik den Kirchen Sonderrechte eingeräumt. Die katholische Kirche nutzte diese unter anderem dazu, die Putzfrau eines Kindergartens zu feuern, weil sie mit ihrer Partnerin zum Standesamt gehen wollte (queer.de berichtete). Allerdings hat der Europäische Gerichtshof vergangenen Monat dem kirchlichen Selbstbestimmungsrecht Grenzen gesetzt – wo diese genau liegen, müssen deutsche Gerichte noch ausloten (queer.de berichtete).

Der 101. Katholikentag wird noch bis zum Sonntag im westfälischen Münster stattfinden. Dabei stehen auch mehrere Veranstaltungen auf dem Programm, die Themen aus den Lebenswelten homo- und transsexueller Menschen aufgreifen. Auch ein Regenbogenzentrum für queere Besucher wurde eingerichtet (queer.de berichtete). (pm/dk)



#1 Petrus48Anonym
  • 09.05.2018, 11:53h
  • Das Grundsatzurteil des EuGH hat klar bestimmt, das bei den "sonstigen" Berufen im Gegensatz zu den "verkündnungsnahen" Berufen eine Entlassung wegen Eingehens einer Ehe durch einen homosexuellen Mitarbeiter rechtlich nicht mehr vor den Gerichten akzeptiert wird.

    Und bei den 20 Landeskirchen der EKD und der Diakonie ist dies sowieso noch nie ein Kündigungsgrund gewesen, da die EKD bereits 2001 damals das Lebenspartnerschaftsinstitut befürwortet und unterstütz hat und auch letzten Sommer die Ehe für alle befüwortet und unterstützt hat.

    Auch die Katholische Kirche hat mit der Caritas keine rechtliche Chance mehr, vor den Gerichten zu gewinnen, wenn die Kündigung tatsächlich auf dem Eingehen einer Ehe durch einen homosexuellen katholischen Mitarbeiter beruht; künftig anders schaut dies nur noch weiterhin bei den "verkündungsnahen" Berufen aus.
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#2 AndreasKAProfil
  • 09.05.2018, 12:29hKarlsruhe
  • Antwort auf #1 von Petrus48
  • Mein lieber Petrus48,

    die Realität sieht völlig anders aus, wie du sehr wohl wissen müsstest!

    Ich erinnere nur an den Beitrag hier in queer.de, dass eine lesbische Erzieherin, die bei kirchens arbeitet vom Arbeitgeber gefeuert wurde, obwohl sie sehr gute Arbeit geleistet hatte und gewiss nicht in einer Verkündigungsposition stand!

    Die kirchliche Arbeitswelt ist voll mit solchen Ereignissen. Du berufst dich nur auf Papier - und dann nur auf den Stapel davon, der in dein Kirchen-apologetisches Weltbild passt!

    Nach wie vor haben Tendenzbetriebe wie die Kirchen das Recht, "Abweichler" zu entlassen - und es ist mehr oder weniger Gnade und Ungnade, wie das vor Ort tatsächlich gehandhabt wird.

    Es kann nicht angehen, dass man in einem Rechtsstaat auf Gefühl und Wellenschlag von Arbeitgebern vor Ort angewiesen ist.

    Ist das so schwer zu verstehen?
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#3 AndreasKAProfil
  • 09.05.2018, 12:57hKarlsruhe
  • Antwort auf #1 von Petrus48
  • ... hier noch zwei Links, um dir mal in Erinnerung zu rufen, dass auch in der evangelischen Kirche der Glaube dazu verwendet wird, queere Menschen auszugrenzen, zu mobben und zu drangsalieren ... in beiden hast du übrigens mitkommentiert - ergo diese Vorfälle zur Kenntnis genommen.

    "Nach Arbeitsverboten - Schwuler Jugendwart schmeißt hin" - queer 27.04.2018

    www.queer.de/detail.php?article_id=31081

    Pfarrer: Schwule und Lesben betreiben biologisch sinnlose Paarung - queer 26.02.2018

    www.queer.de/detail.php?article_id=30724

    Ich habe nichts dagegen, wenn Fortschritte in den Kirche hier aufgeführt werden. Dabei sollte aber die rosarote Brille abgesetzt werden - denn die Fortschritte erachte ich solange als viel zu klein an, solange es noch ein allgemeines Rechtssystem den reaktionären Auslegern genug Luft lässt, ihren Sonderrechtsspielraum zu nutzen.

    Und das ist noch immer Fakt!

    Es geht nicht darum, dass ich "es mir loben kann", wenn Regionalkirche sowieso oder EKD-Zusammenkunft dannunddann homefreundliche Beschlüsse fassen.

    Es geht ganz klar darum, dass Kirchen keine Rolle in der Rechtsprechung spielen dürfen, keinen Einfluss auf Medien oder Gesetze nehmen dürfen und erst recht nicht durch den Staat durch Hilfestellung bei finanziellen Angelegenheiten bevorzugt werden dürfen.
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#4 ursus
  • 09.05.2018, 13:34h
  • die legale möglichkeit, beschäftigte wegen ihrer weltanschauung zu diskriminieren, beispielsweise wegen engagements für eine kirchenkritische organisation oder einfach wegen nicht-mitgliedschaft in der jeweiligen trägerorganisation, scheint dem völklinger kreis keine silbe wert zu sein.

    schade. so viel hätte es nicht gekostet, das zumindest auch zu erwähnen, wenn man schon mal dabei ist, diskriminierungen zu kritisieren.
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#5 SchwulerMannAnonym
  • 09.05.2018, 13:43h
  • Zwei Bereiche des Lebens sind den Regierungen in diesem Land schon immer heilig gewesen. Das eine ist die Autoindustrie, das andere sind die Kirchen.
    Ungehindert dürfen die Kirchen diskriminieren, unterdrücken, kriminellen Aktivitäten nachgehen und strafrechtlich relevante Vorgänge intern regeln.
    Ich hoffe das ich in meinem Leben noch den Sturz dieser durch und durch korrupten Institution erleben darf.
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#6 von_hinten_genommenAnonym
#7 RenarenateAnonym
  • 09.05.2018, 17:58h
  • Sowas nennt sich "Eigenkapitalrentabilität".

    Mit so wenig eigenem Geld so viel wie möglich für den eigenen Geschäftsbetrieb erreichen.

    Die RKK ist eines der größten und erfolgreichsten Unternehmen. Leider hat sie auch den Staat in der Tasche.
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#8 SchwulerMannAnonym
  • 09.05.2018, 18:30h
  • Antwort auf #6 von von_hinten_genommen
  • Und was will uns deine Aussage jetzt sagen?
    Weil auch andere Organisationen diskriminieren ist das schon ok was die Kirche macht.
    Ein Unternehmen was sich Nächstenliebe auf die Fahnen schreibt, ist in solchen Dingen noch kritischer zu betrachten. Es gibt keinen verlogeneren Verein als die Kirche. Und das kann man sehr wohl verallgemeinern
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#9 Unrecht beendenAnonym
  • 10.05.2018, 00:05h
  • Unerträglich, dass Menschen wegen ihrer Sexualität gekündigt wird - dass widerspricht jeder Selbstbestimmung und Würde des Menschen! Da besteht denn eben auch der Unterschied zum Tendenzbetrieb. Mag sein, dass der Arbeitgeber Kirche für Homosexuelle kein Heimspiel ist. Nur führt spätestens die Ehe für alle das kirchliche Sonder(un)recht doch absurdum - steht denn nicht die Ehe unter grundgesetzlichem Schutz? Kirchliche Kündigung wegen lesbisch sein ist widerwärtig und perfide wie bis zuletzt der Schwulenparagraph. Letzten Endes ist es grobes Unrecht dass endlich aus der Welt geschaffen werden muss!
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#10 Homonklin44Profil
  • 10.05.2018, 00:44hTauroa Point
  • ""Unerträglich sei es aber, wenn Beschäftigte in Kindergärten, Pflegeheimen, Krankenhäusern und anderen Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft wegen ihrer sexuellen Orientierung gekündigt oder benachteiligt werden dürften. "Insbesondere die katholische Kirche missbraucht weiterhin ihre Privilegien als Trägerin dieser Sozialunternehmen, obwohl deren Einnahmen zum größten Teil aus staatlichen Sozialabgaben und Steuern stammen und nur zu geringsten Teilen aus kircheneigenen Mitteln", erklärte der 53-Jährige.""

    Klar ist das unerträglich, aber man mussdoch wissen, dass sich dieser Glaubenskonzern den Absolutheitsanspruch gönnt, darüber entscheiden zu dürfen, welche Menschen mehr Wert als andere haben, und das richtet sich an deren Weltbild an Eigenschaften des Selbst, der Person aus. Personen mit den verkehrten Merkmalen fallen da in Ungnade, das weiß man doch längst. Es liegt an der faschistoiden Nähe einiger Inhalte des Glaubensweltbilds, die auf merkmalsbedingter, Gruppen bezogener Menschenfeindlichkeit fußen, was von stur beibehaltenem Rückstand und Unkenntnis, Wissenslücken und Fehlbeurteilungen immer neu bestärkt wird.

    Zudem müsste das säkulare Bewusstsein unseres Staates solche Art Diskriminierung beenden. Die Kirchen haben sich hier an Gesetze zu halten. Man bekommt auch keine Ausnahme, weil man an Chewbacca von den Wookies glaubt, und zu wenig behaarten Mitarbeitern kündigt.
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