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Neunte Staffel auf Pro Sieben

Besser, politischer, noch komischer: "Will & Grace" sind zurück!

Unsere alten Bekannten Will, Grace, Jack und Karen sorgen ab heute Abend auch in Deutschland – nach zehnjähriger Pause – für ein kleines Fernsehwunder und ein Dauerfeuerwerk guter Witze.


Comeback in Hochform (v.l.): Jack (Sean Hayes), Grace (Debra Messing) und Karen (Megan Mullally) (Bild: Chris Haston / NBC)

Eigentlich ist Donald Trump dafür verantwortlich, dass "Will & Grace" wieder da sind. Denn seine Kandidatur für das oberste Staatsamt der USA rüttelte die Erfinder der Serie, Max Mutchnick und David Cohen, so auf, dass sie im Winter 2016 ihre vier Stars zusammentrommelten, um einen acht Minuten langen Spot zu drehen, in dem Debra Messing, Sean Hayes, Will McCormack und Megan Mullally zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder als Will, Grace, Karen und Jack vor der Kamera standen und indirekt dazu aufriefen, für Hillary Clinton zu stimmen.

Es half nichts, wie man weiß, aber der Clip hatte innerhalb weniger Tage über zehn Millionen Klicks auf Youtube. Was wiederum dazu führte, dass sich die Verantwortlichen beim amerikanischen Haussender der Serie, NBC, mit Machern und Schauspielern zusammensetzten und beschlossen: Das machen wir nochmal.

Während Trump sich anschickte ins Weiße Haus einzuziehen, zog das Team der Serie zurück in sein angestammtes Studio und begann, 16 neue Folgen der Serie zu drehen. Das hatte es vorher in der amerikanischen Fernsehgeschichte noch nie gegeben. Aber es ist nur folgerichtig.

Denn dass die Serie 2008 nach acht sehr erfolgreichen Staffeln eingestellt worden war, hatte auch mit einer Veränderung des politischen Klimas zu tun: George W. Bush war Präsident und der konservative Umschwung führte auch zu einem "Muss das noch sein?" in der TV-Landschaft. Was auch daran lag, dass die achte Staffel von "Will & Grace" deutlich politische Töne anschlug.

Eine geniale Abrechnung mit Donald Trump

So viel sei gleich gesagt: So geht es weiter. Schon die erste Folge der neuen Staffel geht in die Vollen und stellt sich so deutlich gegen den neuen Präsidenten, wie es das Comedy-Format eben noch zulässt. Vorher müssen allerdings ein paar Steine aus dem Weg geräumt werden. Denn war es nicht so, dass Will und Grace am bisherigen Ende der Serie ein Ehepaar waren und Kinder großgezogen hatten, die einander dann heirateten? Schon, allerdings passierte das, so erfahren wir in den ersten zwei Minuten der ersten Folge der neuen Staffel, nur im Kopf einer der Figuren. Das Deus ex Machina "Es war alles nur ein Traum"-Motiv ist spätestens, seit Bobby in "Dallas" aus der Dusche stieg, berühmt-berüchtigt, wird aber hier so eingesetzt, dass es nicht nur Sinn macht, sondern auch für einige wirklich schöne Pointen gut ist.


Will (Eric McCormack, re.) und Jackson (Nick Offerman) in der Küche (Bild: Chris Haston / NBC)

Und dann geht es los: Grace soll, weil sie doch Innenarchitektin ist, das Oval Office neu gestalten und alle Figuren landen im Weißen Haus, wo die Autoren sie Dinge tun lassen, die klarmachen, dass "Will & Grace" 2018 eine Show mit einem festen Standpunkt ist. Der auch im weiteren Verlauf der Staffel immer wieder klar gemacht wird, von Kuchen, die eine Konditorin nicht backen will, über Schnitzeljagden, die Karen mit einer gewissen Melania veranstaltet, bis zu Diskussionen über Trumps offensichtlichen Rassismus. Ohne dass die Show dabei zu einer demokratischen Lehrstunde gerinnt. Im Gegenteil: Komischer war die Serie vielleicht noch nie, was eventuell auch heißt, dass sie nie besser war als in der neuen Version.+

Denn aus den vier neurotischen Mitdreißigern, die man als Zuschauer vor elf Jahren verabschiedet hat, sind Erwachsene geworden, ohne dass ihre Archetypen dabei beschädigt werden. Will ist nach wie vor ein erfolgreicher Anwalt und ein bisschen verklemmt, Grace' Firma läuft besser als je zuvor, Jack ist immer noch hauptsächlich mit Schwulsein und Jungbleiben beschäftigt und Karen ist auch jetzt ständig drauf, sehr reich und hat, wie könnte es anders sein, für Trump gestimmt.

Witze über Älterwerden, Kindererziehung und Homo-"Heilung"

Aus genau dieser Konstellation schlägt "Will & Grace" nicht nur nach wie vor komödiantische Funken, sie gestattet den Autoren der Serie; sich in den ersten vier Folgen der neuen Staffel, die Pro Sieben in einem Marathon ausstrahlt, mit der aktuellen politischen Lage, Älterwerden, Kindererziehung und Homo-"Heilung" zu beschäftigen. Klingt nach Problemfernsehen, ist es aber nicht, sondern ein Dauerfeuerwerk guter Witze.

Die auch nach wie vor nie auf Kosten der Figuren gehen. Niemand lacht hierüber Schwule, Jack und Will sind der Normalzustand. Was vor zwanzig Jahren, als die Serie anlief, eine Revolution war, ist heute einfach gelebte Realität und bedarf deswegen keiner weiteren Erklärung.

Gelacht werden darf in der neuen Fassung hauptsächlich über alte Bekannte: Beverley Leslie tritt genauso auf wie Wills Mutter, Graces Vater, Graces und Wills Exmänner und Lorraine Finster. Das bedeutet auch, dass die Serie vor Gaststars nur so strotzt. Die werden schon deswegen gern wiedergekommen sein, weil sie nicht aus sentimentalen Gründen zurückgeholt werden, sondern oft anarchischer sein dürfen als sie je waren.


"Will & Grace" ist die meistgesehene Comedy-Serie auf NBC (Bild: Chris Haston / NBC)

Nur eine ist nicht dabei: Shelley Morrison, die Megan Mullallys Karen sieben Jahre lang als ihr Hausmädchen Rosario zur Seite gestanden hatte, gab schon im letzten Jahr bekannt, nicht mehr mitspielen zu wollen. Morrison ist 81 Jahre alt und lange im wohlverdienten Ruhestand.

Was "Will & Grace" in der sechsten Folge der neuen Staffel aus dieser Situation machen, muss man gesehen haben, um es zu glauben. "Rosarios Quinceanera" ist der absolute Höhepunkt einer ohnehin überdurchschnittlichen Serie: zart und zum Brüllen komisch, traurig und zutiefst albern, hinreißend und nachdenklich zu gleichen Teilen. Ein kleines Fernsehwunder. Was man über viele Folgen der neuen Staffel sagen könnte.

Zwei weitere Staffeln sind schon bestellt

"Will & Grace" scheint wie ein guter Wein zu sein, dem es nichts ausmacht, wenn er mal zehn Jahre im Keller liegt, sondern der dadurch eher besser wird. Denn auch die alten Kritikpunkte an der Serie (zu weiß, zu schwul), werden neu angesehen und bearbeitet. An den Hauptfiguren kann man nichts ändern, aber die Nebenfiguren haben jede Art von Abstammung und Lesben und trans* sind inzwischen längst selbstverständliche Bestandteile der Welt, in der Will, Grace, Karen und Jack leben.

Das Publikum in den USA kam schon im Herbst in den Genuss der neuen Staffel und war begeistert: "Will & Grace" ist die meistgesehene Comedy-Serie ihres Haussenders, Kritiker brachen geschlossen in Jubel aus, und zwei weitere Staffeln sind schon bestellt. Erfolg kann man aber auch anders als in Kritiken und Zuschauerzahlen bemessen: Schon nach der Ausstrahlung der ersten Folge, fühlten sich Trump-Wähler massiv auf den Schlips getreten und beschwerten sich darüber, wie unlustig das alles sei. Es ist sehr wahrscheinlich, dass "Will & Grace" noch läuft, wenn Trump längst nicht mehr US-Präsident ist. Was bedeuten würde, dass Mutchnick und Cohen ihr Ziel von 2016 doch noch erreichen würden. Späte Rache ist süßer – und viel komischer.

Sendetermine

Will & Grace. Staffel 9. Am 9. Mai 2018 ab 21.15 Uhr vier Folgen auf Pro Sieben, ab dann jeden Mittwoch eine Doppelfolge
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#1 MarcAnonym
#2 TommmiAnonym
#3 notmycupofteaAnonym
  • 10.05.2018, 14:50h
  • Die Serie hab ich nie als queer angesehen. Der schwule Will war immer ein Abziehbild, clean und unschwul, voller Klischees und ohne queeren Inhalt. Hat Will jemals vor der Kamera eine schwules Intermezzo ... ausser belangloser Brzderküssen. Und Sean Hayes hat sich zu Serienzeiten immer als straight beschrieben. Das schwule war Marketing und kein support für die community.
    Immerhin: Karen und Rosario rocks.
    Die Serie ist für LGBT Anspruch bedeutungslos, kein Vergleich zu Queer as Folk oder Six Feet under.
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