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Trotz Streits in der Regierungskoalition

Griechenland: Homo-Paare dürfen Pflegeeltern werden

Kleiner Fortschritt in Griechenland: Das innerhalb der Regierungskoalition von Alexis Tsipras umstrittene Gesetz, das verpartnerten Paaren erlaubt, sich um Pflegekinder zu kümmern, wurde im Parlament verabschiedet.


Ministerpräsident Alexis Tsipras, der Griechenland seit 2015 regiert, hat Schwulen und Lesben mehr Rechte versprochen (Bild: Joanna / flickr)

  • 11. Mai 2018, 14:48h, noch kein Kommentar

Das griechische Parlament hat am Mittwoch mit 161 zu 103 Stimmen beschlossen, dass auch gleichgeschlechtliche Paare in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft Kinder zur Pflege aufnehmen dürfen. Für die Entscheidung stimmten die Regierungspartei Syriza sowie andere Parteien des Mitte-links-Lagers. Dagegen votierten vor allem rechte und rechtsextreme Parteien.

Der Beschluss war innerhalb der Regierungskoalition umstritten – in Griechenland regiert derzeit die linkspopulistische Syriza in einer Koalition mit der europafeindlichen und rechtspopulistischen Partei der "Unabhängigen Griechen" (Anel). Während Ministerpräsident Alexis Tsipras (Syriza) das Abstimmungsergebnis begrüßte, setzte der Anel-Abgeordnete Konstantinos Katsikis Homosexualität mit Kindesmissbrauch gleich. "Ich stelle infrage, dass Homo-Paare gute Absichten haben", so Katsikis weiter. "Diese Leute verweigern sich der Reproduktion, wollen aber Pflegeeltern werden."


Konstantinos Katsikis packte bei der Debatte im Parlament die Pädo-Keule aus

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Aktivisten: "Kleiner Schritt" der Regierung

LGBTI-Aktivisten begrüßten die Entscheidung, erinnerten Tsipras aber daran, dass er bereits vor Jahren die Gleichstellung von Homo-Paaren im Adoptionsrecht und die Öffnung der Ehe versprochen hatte. "Das ist ein kleiner Schritt von einer Regierung, die viel mehr versprochen als gehalten hat", sagte etwa der Aktivist Grigoris Vallianatos gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Scharfe Kritik an der Entscheidung kommt von der griechisch-orthodoxen Kirche, der neun von zehn Griechen angehören. "Leider hat die politische Korrektheit wieder einmal gesiegt. Die natürliche Ordnung und das Kindeswohl sind die Verlierer", so die Kirche in einer Pressemitteilung. Die Kirche hatte in der Vergangenheit immer wieder gegen Homosexuelle polemisiert und sogar zur Gewalt aufgerufen; 2015 sagte etwa Bischof Ambrosios von Kalavryta angesichts der Debatte um Lebenspartnerschaften: "Wann und wo auch immer Sie diese Leute [Homosexuelle] treffen: Spucken Sie auf sie!" (queer.de berichtete).

In Griechenland gibt es seit Jahren viel Widerstand gegen die Gleichbehandlung, obgleich laut Umfragen inzwischen die Hälfte der Bevölkerung die Ehe für alle befürwortet. Immerhin hatte es vor drei Jahren im Parlament eine Mehrheit dafür gegeben, das für Heterosexuelle bereits bestehende Institut der Lebenspartnerschaft auch für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen (queer.de berichtete). Dieses Rechtsinstitut enthält aber kein Adoptionsrecht und beinhaltet auch in anderen Bereichen Einschränkungen im Vergleich zum Ehe-Recht. Tsipras hatte sich damals bei Schwulen und Lesben dafür entschuldigt, dass die Verabschiedung so lange gedauert hatte. (dk)