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Grand Prix aus Lissabon
Eurovision-Finale 2018: Das sind alle Teilnehmer
Wir stellen euch die 26 Songs des ESC-Finales vor und tippen, welche Länder bei der Jury und den Zuschauern punkten können.

Die Favoritinnen Eleni (Zypern) und Netta (Israel), Michael Schulte (Deutschland) und die Tänzer aus Irland. Bilder: alanmcgrath / instagram sowie Andres Putting und Thomas Hanses (EBU, alle ESC-Bilder auf dieser Seite)
- Von Norbert Blech
12. Mai 2018, 12:54h 14 Min.
Ab 21 Uhr ist es im Ersten und auf Parties im ganzen Land wieder soweit: In Lissabon geht das Finale des Eurovision Song Contests über die Bühne. Auch auf eurovision.de kann man die große Show als Webstream genießen. Zuvor gibt es den von Barbara Schöneberger moderierten "Countdown" von der Reeperbahn, u.a. mit Max Giesinger, Lotte, Revolverheld, Mary Roos, Mike Singer, voXXclub, Simple Minds, Sasha, Namika und dem wie immer unpassenden "Wort zum Sonntag".
Schöneberger wird während der Show auch die Punkte der deutschen Jury verlesen, die bereits am Freitagabend zu einem Dress Rehearsal vor Publikum abstimmte. Die Ergebnisse aus ganz Europa werden mit Spannung erwartet: In einem Jahr, in dem u.a. Aserbaidschan und gar Russland in den Semis scheiterten und es mehrere Favoriten gibt, scheint vieles möglich.
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Selbst der deutsche Beitrag, Michael Schulte mit "You Let Me Walk Alone", kletterte in den letzten Tagen bei den Buchmachern nach oben und liegt inzwischen auf Platz fünf. Irland mit den schwulen Backgroundtänzern, vor dem ersten Semi noch als klarer Ausscheidungs-Kandidat gehandelt, liegt inzwischen gar auf Platz 3, nach Zypern und Israel, das seinen monatelangen Platz an der Spitze in den letzten Tagen abgeben musste.
01. Ukraine: Mélovin – "Under The Ladder"

Während die Aufteilung der Beiträge auf zwei Hälften des Finales ausgelost wird, legen die Produzenten der Show die genaue Startreihenfolge fest und starten generell mit einem Kracher. Auftritt Mélovin, 21-jähriger X-Factor-Gewinner, mit einer energiegeladenen Show voller Pyro, Props und Proken English. Sein Markenzeichen, eine gefärbte Kontaktlinse, und sein Outfit lassen ihn gruselig und Vampir-haft erscheinen – ein guter ESC-Einstieg, aber wer stimmt für so etwas?
Homo-Faktor: Als der damals noch blonde Mélovin bei "The X Factor" antrat, spielte das Fernsehen zur Vorstellung "Smalltown Boy" ein. Sicher zufällig. Für Lissabon hat er prominente Unterstützung:
02. Spanien: Alfred und Amaia – "Tu Canción"

Auf den Todesplatz 2 gesetzt wurde diese Liebesballade mit leichten Fummeleinlagen – der 21-Jährige und die 19-Jährige sind privat ein Paar. Und musikalisch und optisch stellen sie jene Art von Paar dar, die mit überzogener Verliebtheit die ganze Umgebung nervt.
Homo-Faktor: Die spanisch-europäische Hassgruppe "Hazte Oir", sonst bekannt für Petitionen und Bustouren gegen LGBTI-Rechte und Abtreibungen, hat eine Petition mit bisher 40.000 Unterschriften zum sofortigen Stopp der Teilnahme gestartet, weil der (ansonsten so arg brave) Katalane seiner Liebsten ein Buch mit dem Titel "Espana de Mierda" (Scheiß-Spanien) geschenkt hatte.
03. Slowenien: Lea Sirk – "Hvala, Ne!"

"Where is the music", fragt Lea unschuldig zum geplanten Musikstopp in der Mitte ihres Beitrags, um das Publikum zu animieren. Eine rechte Melodie vermisst man danach weiter. Wir lernen: "Hvala, ne!" heißt "Danke, Nein!"
04. Litauen: Ieva Zasimauskaitė – "When We're Old"

Eigentlich eine schön zurückhaltend inszenierte Ballade über die Liebe hat es da halb überraschend aus Litauen ins Finale geschafft. Zurückhaltend ist leider auch Ievas Sangeskunst, was von vielen ESC-Blogs überraschenderweise anders gesehen wird.
05. Österreich: Cesár Sampson – "Nobody But You"

Der sympathische 34-Jährige, der an dem Titel ebenso mitschrieb wie am letztjährigen zweiten Platz aus Bulgarien, hat eine Stimme, Charisma und einen halbwegs okayen Mitklatsch-Song im Gepäck – warum man ihn zunächst statisch auf eine Hebebühne stellt und in diese Klamotten steckt, wird später einmal analysiert werden.
Homo-Faktor: Die ersten Momente im Halbdunkel wirken wie das nervöse Kennenlernen im Darkroom oder in der Dampfsauna.
06. Estland: Elina Netšajeva – "La Forza"

Ein Kleid mit Projektionen ist keine neue ESC-Idee, die melodramatische Operetten-Pop-Nummer klingt auch wie dutzendfach gehört. Die Stimme ist perfekt, doch mitreißen wird das ganz Europa eher nicht.
07. Norwegen: Alexander Rybak – "That's How You Write A Song"

Der (verdiente) Gewinner des ESC 2009 sollte Kurse geben, wie man sichtbar so wenig altert – aber keine Kurse, wie man Songs schreibt. Sein neuer Versuch ist nervig und in jeder Beziehung überladen. Die Gefahr, das als Nerv-Ohrwurm demnächst in deutschen Radios zu hören, ist dennoch groß – mit dem Songtitel könnte er so doch noch Recht haben. Den Schelm in sich bringt er auf der Bühne gut rüber.
08. Portugal: Cláudia Pascoal – "O Jardim"

In einer sehr schönen, leicht zersungenen Indie-Ballade erinnert Cláudia lyrisch an jemand im Himmel – allerdings nicht an die plötzlich auftauchende und für Verwirrung sorgende Gesangspartnerin Isaura. Diese ist die Komponistin des Liedes, das von ihrer Großmutter handelt und deren Garten sie real und als Metapher weiter pflegen will.
09. Großbritannien: SuRie – "Storm"

Schön: Die retro-moderne Inszenierung mit den Stangen mit leichtem 3D-Effekt. Unschön: Das Kleid wirkt wie aus dem NDR-Fundus der letzten Jahre, der Song auch. SuRie war Backgroundsängerin und -tänzerin beim belgischen Beitrag 2015, Loïc Nottets "Rhythm Inside", und musikalische Leiterin bei Blanches "City Lights" zwei Jahre später. Im Vergleich wirkt "Storm" recht egal.
10. Serbien: Sanja Ili & Balkanika – "Nova Deca"

Viel bedeutungsschwangeren Quatsch bringt Serbien auf die Bühne nach Lissabon – die düstere Inszenierung wirkt, als liege man im Hospiz und eralbträume sich ein letztes Ständchen der Krankenpflegerinnen, Stations-Tucke inklusive.
11. Deutschland: Michael Schulte – "You Let Me Walk Alone"
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Nach sehr tristen Jahren ist Deutschland zurück im ESC-Business, mit einem sympathischen und kompetenten Songwriter, der seine zeitgemäße Ode an den verstorbenen Vater perfekt singt, dabei hörbar die ein oder andere Träne vergießt, ohne an Authentizät zu verlieren. Selbst, wenn das ungerechter- wie unerwarteterweise nur im Mittelfeld landen sollte, verdienen Michael und der NDR größtes Lob, größte Achtung.
Weniger toll, und das ist wie alles hier subjektiv: Im ersten Jahr seit langem ohne LED-Leinwände mit einer Projektion anzureisen, die dann auch noch Englisch-für-Dumme-artig die Botschaft sehr albern eintrichtert. Einige könnte stören, dass das auch optisch auftrumpfende Finale nur bedingt zum Inhalt passt; anderen könnte das Lied auf unangenehme Art zu persönlich sein. Und dennoch: Endlich mal ein deutsches Talent beim ESC.
Homo-Faktor: Michael ist Halbbruder des Berliner SPD-Bezirksverordneten Marc Schulte, der mit seinem Mann Martin das ESC-Blog des Vorwärts betreibt. Mehr dazu hier.
12. Albanien: Eugent Bushpepa – "Mall"

Eine Softrock-Nummer mit Bon-Jovi-Versatzstücken, bei der man besser die Band aus der Inszenierung gelassen hätte – eine richtige Rockatmosphäre kommt beim ESC mit Instrumenten von CD ohnehin fast nie auf, die Musiker wirken lustlos. Der Titel, "Sehnsucht", lebt voll und ganz von seinem bemerkenswert fähigen Sänger Eugent Bushpepa.
13. Frankreich: Madame Monsieur – "Mercy"

In den letzten Tagen ist "Mercy" bei den Buchmachern nach oben geklettert, aktuell auf Platz 4. Das verwundert: Zunächst wirkt die Inszenierung völlig ideenlos, der Gitarreneinsatz fast ironisch; dann entdeckt man immerhin noch den Laufsteg und das Publikum. Im – an sich bewegenden und stimmlich perfekt dargebotenen – Lied geht es um das das Mädchen "Mercy", das auf einem Flüchtlingsboot im Mittelmeer zur Welt kommt – wer kein Französisch kann und das Musikvideo nicht kennt, sieht beim besten Willen eine recht müde Beteiligung des Publikums mit einer rätselhaften Handbewegung.
14. Tschechien: Mikolas Josef – "Lie To Me"

Der 22-Jährige verletzte sich bei seiner ersten Probe und verzichtet seitdem u.a. auf einen Backflip. Den modernen Funk-Song mit Jazz- und Beat-Einlagen bringt Mikolas in den Strophen nur hektisch rüber – vielleicht muss man auch nicht verstehen, dass er u.a. "Mit der Art, sich zu bewegen, ließ sie mich eine Pfütze machen" singt. Tschechien hat es bisher nur einmal ins Finale geschafft und landete auf dem vorletzten Platz – hier bahnt sich ein Rekord an.
Homo-Faktor: Sein Instagram-Kanal.
15. Dänemark: Rasmussen – "Higher Ground"

Zum maritimen Thema des portugiesischen ESC passend schicken die Dänen Wikinger mit einer düsteren und zugleich warmen, harmonischen Inszenierung. Im zweiten Halbfinale trat Alexander Rybak mit dem 1.500 Song der Eurovision-Geschichte an, und man hat leider den Eindruck, "Higher Ground" schon mehrfach gehört und gesehen zu haben.
16. Australien: Jessica Mauboy – "We Got Love"

Mit einem Backdrop, der mit dem britischen harmoniert, tritt Australien zum vierten Mal an und könnte erstmals die Top Ten verfehlen: Mauboy zeigte im Halbfinale deutliche Gesangs- und Ausdrucks-Schwächen. "We Got Love" ist der bisher schwächste Beitrag des Landes, das den Grand Prix mit immer zeitgemäßen Popsongs durchaus bereichert. Beim ESC 2014 war das Land – mit Mauboy – erstmals dabei, damals noch als Gast außer Konkurrenz.
17. Finnland: Saara Aalto – "Monsters"

Nach einer Werbepause sorgt Finnland für Stimmung, wenngleich die Inszenierung etwas rätselhaft-unsympathisch und hektisch geraten ist: Aalto, Casting-Show-Teilnehmerin in Großbritannien und Finnland, sollte sich besser auf ihre – tolle – Stimme konzentrieren, anstatt sich an der kleinteiligen Choreo zu beteiligen. Nach drei Jahren Aus im Semi könnte Aalto dennoch darum kämpfen, den 11. Platz des Landes 2014 zu übertreffen.
Homo-Faktor: Das offizielle Musikvideo zeigt ein queeres Abendmahl, Aalto lebt offen lesbisch und "Monsters" lässt sich auch als Coming-out-Song verstehen.
Instagram / saaraaalto | Aalto mit ihrer Verlobten Meri und zwei Hunden
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18. Bulgarien: Equinox – "Bones"

Bulgarien trat in den letzten Jahren mit zwei sehr zeitgemäßen Nummern an und auch "Bones" gehört auf der CD zu den stärksten Songs des Jahres. Die Inszenierung schwächelt aber, statt der zusammengecasteten Gruppe mit Profis aus Bulgarien und den USA hätte dem Song eine Beschränkung auf ein oder zwei Sänger gut getan. So verliert man etwas die Konzentration und fragt sich, wer der oder die Schwule(n) der Gruppe sein könnte(n) oder ob die einzige Sängerin nicht eine Drag Queen ist (zum Weiterverfolgen des heiteren Ratens sei ein Interview verlinkt). Dennoch: Ein guter Beitrag für die Top Ten.
19. Moldawien: DoReDoS – "My Lucky Day"

Eigentlich nicht mehr zeitgemäß ist hingegen diese vermeintliche Party-Nummer: Wer hört denn noch so etwas freiwillig? Immerhin: Die Inszenierung (eine Anstrengung hinter den Kulissen) unterhält doch sehr und sorgt für gute Laune.
Homo-Faktor: Eine unterhaltsame Inszenierung gibt es auch hinter den Kulissen. Komponiert hat den Song das russische ESC-Urgestein Filipp Kirkorow (eigener Beitrag ESC 1995, später Komponist u.a. von Sergey Lazarevs "You Are the Only One"), Unterstützer von Donald Trump und Wladimir Putin (der ihn gerade mit einer Ehrenmedaille auszeichnete), Familienvater – und Klemmschwester und größte Promitunte Osteuropas, die in Lissabon ein wildes Fest zu ihrem Geburtstag schmiss. Bemerkenswert verlogen alles, aber zuletzt hatte sich Kirkorow immerhin gegen das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" ausgesprochen oder nach dem ESC 2014 Conchita Wurst verteidigt.

20. Schweden: Benjamin Ingrosso – "Dance You Off"

Im zweiten Jahr in Folge setzt Schweden auf ein Lied, das die 80er wiederbelebt, leichte Bee-Gees-Anklänge inklusive, und dabei in der Inszenierung mehr selbstverliebt als verliebt wirkt. Die Generation Instagram ist beim ESC angekommen, belebt den Wettbewerb und landet wieder in den Top Ten.
Homo-Faktor: Während Benjamins Nachname nach einem Bankangebot klingt, entstammt einer schwedischen Künstlerfamilie. Er ist Neffe von Charlotte Perrelli und seine Mutter Pernilla Wahlgren ist eine bekannte Sängerin und Schauspielerin und nahm den Sohnemann, wie er dem Homo-Magazin QX verriet, mehrfach in Schwulenclubs zu ihren Freunden mit. Er fühlte sich dort wohl und wurde in der Jugend oft für schwul gehalten, ist aber mit seiner Freundin glücklich. Im Sommer wird er erneut beim Stockholmer CSD auftreten. Ob er da auch die in Lissabon versteckten fünf Background-Sängerinnen und -Sängern mitbringt?
21. Ungarn: AWS – "Viszlát nyár"

Die Schwierigkeit, als Band beim ESC authentisch aufzutreten, mit nicht eingestöppselten Instrumenten und halt einer Horde von ESC-Schwuppen vor einem, meistert diese Metal-Band in Landessprache bemerkenswert gut: Zwischenzeitlich kommt gar eine echte Konzertatmosphäre auf. AWS haben auf jedes Weichspülen verzichtet, und das ist auch gut so. In den Lyrics richtet sich der sterbende Vater an den Sohn mit dem Wunsch, in ihm weiterzuleben; Sänger Örs Siklósi verarbeitet so den Tod des eigenen Vaters, auf ganz andere Weise als Michael Schulte.
22. Israel: Netta Barzilai – "TOY"

Macht die tolle Netta ihrem Land ein Geburtstagsgeschenk? Eigentlich lief es bis zur ersten Probe rund: Die 25-Jährige hatte sich überraschend durch den nationalen Vorentscheid geboxt, mit einer ungewöhnlichen Kombination aus Gesang und DJ-Set, bei dem sie live mit Effekten ihrer eigenen Stimme spielt.
Und sie hat eine Stimme, und was für eine!
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Nach Veröffentlichung des Musikvideos von "Toy" (25 Mio. Aufrufe) wurde sie zurecht zur monatelangen Favoritin: Nach den ersten rätselhaften Hühnchen-Tönen zieht Netta die Zuhörer in den Bann ihrer Persönlichkeit und ihres catchigen, mit leichten Middle-East-Anklängen und hebräischen Einsprengseln versetzten Songs, der im Zuge von #metoo eine Kampfansage ist und sich doch zum Partyhit eignet.
In Lissabon stufte die EBU allerdings Nettas Mischpult als Instrument ein, das nicht zum Einsatz kommen darf (die allgemeine Regel soll zeitaufwändiges Verkabeln verhindern) – nun müssen sie und ihre Backgroundtänzer alle Effekte live einsingen, was dem Song ebenso schadet wie das vielleicht doch zu hektische Getanze. Netta steht für eine Modernisierung des ESC und sie könnte – und sollte – die Show entgegen den Wett-Trends weiter gewinnen.
Homo-Faktor: Der schwule Komponist Doron Medalie verantwortete schon den Kracher "Golden Boy" (2015, Final-Platz 9), "Made of Stars" von Hovi Star ein Jahr später und einen Song zur Bewerbung des Tel-Aviv-Pride, der 2013 mit Zeilen über das Erigieren in der nächtlichen Metropole zum unerwarteten Sommerhit des Landes wurde.
23. Niederlande: Waylon – "Outlaw In 'Em"

Der Sänger der Common Linnets ist zurück mit einem Best-of von oft gehörten Rock- und Country-Versatzstücken: Musikalisch alles stimmig, aber auch nicht großartig individuell oder mitreißend. Die teils chaotische Inszenierung hilft auch nicht.
24. Irland: Ryan O'Shaughnessy – "Together"

Die Kurzfassung: Junger Ire, der vor Jahren bei Britain's Got Talent einen viralen Hit landete, tritt mit einem erneut selbst komponierten, leisen Liebeslied an und setzt im Musikvideo auf zwei tanzende Jungs, bringt diese überraschend mit nach Lissabon und holt sich so im Rahmen einer insgesamt stimmigen Inszenierung – der traurige Song über das Auseinanderleben wird schön durch das erstverliebte Backgroundpaar konterkariert – den Finaleinzug. Der von Wettbüros als Semi-Ausscheider gehandelte 25-Jährige steigt binnen weniger Tage von Platz 30 auf Platz 3 auf, wozu der späte Final-Startplatz ebenso beiträgt wie die große Publicity, nachdem China den Song im Halbfinale zensiert – und die EBU deswegen die Zusammenarbeit mit dem Sender einstellt.
Mehr zu all dem haben wir schon hier abgehandelt:
- Eine schwule Romanze und eine queere Hymne beim ESC (01.05.2018)
- Eurovision: China zensiert irischen Beitrag und Regenbogenflagge (09.05.2018)
- EBU greift nach Eurovision-Zensur durch (10.05.2018)
O'Shaughnessy, dessen Freundin inzwischen zur Verstärkung eingeflogen ist, bleibt sich in Statements seiner Botschaft – Liebe ist Liebe – treu und hofft zugleich, dass bei all dem Zirkus seine Musik nicht in Vergessenheit gerät. Entgegen den Wettbüros könnte ein Top-Ten-Einzug schwierig werden, aber ein besserer Platz als bei seinem Onkel Gary beim ESC 2001 ("Without Your Love", Platz 21) scheint ihm sicher.
/ Ryan_AcousticRussias commentators described our performance as a great male friendship and China censored the rainbow flags on Tuesday night. The EBU have since revoked chinas rights to broadcast the final! Great decision by the EBU #LoveIsLove #Together #Ireland
Ryan O'Shaughnessy (@Ryan_Acoustic) May 11, 2018
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Bonus-Homo-Faktor: Tänzer Alan McGrath, der auf Instagram seinen wahren Partner Alan zum Hashtag "LoveIsLove" vorstellte, war schon beim letzten Finaleinzug Irlands 2013 dabei (links):

25. Zypern: Eleni Foureira – "Fuego"

Zypern hat sich aufgrund der bombastischen Inszenierung an die Spitze der Wettbüros gesetzt und hat wahrlich Chancen auf einen Sieg: Eleni, eine gestandene Größe der griechischen Musikszene, hat eine starke Bühnenpräsenz und gibt alles, damit man die Schwächen des leicht billigen Stampfers übersieht.
Salvador Sobral, der bereits bei seiner Siegesansprache über wahre Musik zumindest einem Teil seiner Mitbewerber ungerecht vor den Kopf stieß, sorgte die Tage für einen leichten Skandal, indem er als schlechter Gewinner und Gastgeber Nettas "Toy" als "schreckliches Lied" bezeichnete und beklagte, dass sich seit seinem Lied nichts geändert habe (die Israelin antwortete auf Twitter perfekt: "Ich sende einfach nur Liebe an Salvador und an alle Künstler jeglicher Genres"). Sehr subjektiv wünscht man sich, er hätte die Kritik an Zypern gerichtet, dass auch durch die Startreihenfolge in direkter Konkurrenz zu Israel liegt, künstlerisch meilenweit entfernt scheint und doch gewinnen könnte.
Zypern mit seinen je nach Zählweise rund 850.000 oder 1,2 Mio. Einwohnern hat derweil übrigens ausrichten lassen, dass man sich nach dem Junior Eurovision Song Contest 2008 auch die Abhaltung des großen Bruders zutraue.
26. Italien: Ermal Meta und Fabrizio Moro – "Non Mi Avete Fatto Niente"

Vor einem Jahr haben wir uns zu Sobrals Siegeslied gewünscht, man hätte eine Übersetzung seiner lyrischen Zeilen ins Englische eingeblendet. Nun kommt der Trick tatsächlich – allerdings in etlichen Sprachen hintereinander, was nur verwirrend wirkt. Eigentlich sollte es beim italienischen Beitrag für alle Welt verständlich um eine universelle wie trotzige Wehklage über Krieg und Terror gehen – mehrere Orte des Schreckens, darunter London, Paris und Nizza, werden in den Lyrics aufgegriffen und gen Terroristen betont: Ihr habt nichts verändert, wir leben so weiter, wie wir sind! Ein guter Ausklang des Wettbewerbs.
Prognose Top 10:
In alphabetischer Reihenfolge: Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Israel, Moldawien, Norwegen, Schweden, Tschechien, Ungarn und Zypern.

Die Show beginnt mit einer Flaggenparade
Ansonsten bietet das Finale aus Lissabon erneut die vier Moderatorinnen aus den Semis samt unerwartet müden Scherzen. Sängerin Ana Moura eröffnet die Show, vor der Punktevergabe ist dann u.a. Salvador Sobral zu sehen. Kurz wird auch an Lys Assia erinnert, die Gewinnerin des ersten ESC 1956. Die Schweizerin ist am 24. März im Alter von 94 Jahren verstorben.
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Update 13.5., 01.01h: Israel gewinnt ESC
In dem spannendsten und überraschendsten Voting seit Jahren, bei dem völlig unerwartet Österreich den Spitzenplatz der Jurys belegte, holte Israel den Gesamtsieg mit 529 Punkten. Platz 2 ging an Zypern (436), 3 an Österreich (342) und 4 an Deutschland (340). Irland holte den 16. Platz, im ersten Semi schaffte es den sechsten Platz. Finnland wurde Vorletzte(r).
Finale – Gesamtergebnis
01. 529 Punkte Israel
02. 436 Zypern
03. 342 Österreich
04. 340 Deutschland
05. 308 Italien
06. 281 Tschechien
07. 274 Schweden
08. 245 Estland
09. 226 Dänemark
10. 209 Moldawien
11. 184 Albanien
12. 181 Litauen
13. 173 Frankreich
14. 166 Bulgarien
15. 144 Norwegen
16. 136 Irland
17. 130 Ukraine
18. 121 Niederlande
19. 113 Serbien
20. 099 Australien
21. 093 Ungarn
22. 064 Slowenien
23. 061 Spanien
24. 048 Großbritannien
25. 046 Finnland
26. 039 Portugal
Erstes Halbfinale Gesamtergebnis
1. Israel (283)
2. Zypern (262)
3. Tschechien (232)
4. Österreich (231)
5. Estland (201)
6. Irland (179)
7. Bulgarien (177)
8. Albanien (162)
9. Litauen (119)
10. Finnland (108)
11. Aserbaidschan (94)
12. Belgien (91)
13. Schweiz (86)
14. Griechenland (81)
15. Armenien (79)
16. Weißrussland (65)
17. Kroatien (63)
18. Mazedonien (24)
19. Island (15)
Zweites Semi Gesamtergebnis
1. Norwegen (266)
2. Schweden (254)
3. Moldawien (235)
4. Australien (212)
5. Dänemark (204)
6. Ukraine (179)
7. Niederlande (174)
8. Slowenien (132)
9. Serbien (117)
10. Ungarn (111)
11. Rumänien (107)
12. Lettland (106)
13. Malta (101)
14. Polen (81)
15. Russland (65)
16. Montenegro (40)
17. San Marino (28)
18. Georgien (24)
Finale – Jury:
01. Österreich: 271
02. Schweden: 253
03. Israel: 212
04. Deutschland: 204
05. Zypern 183
06. Estland 143
07. Albanien 126
08. Frankreich 114
09. Bulgarien 100
10. Moldawien 94
11. Litauen 90
12. Australien 90
13. Niederlande 89
14. Irland 74
15. Tschechien 66
16. Norwegen 60
17. Italien 59
18. Spanien 43
19. Slowenien 41
20. Dänemark 38
21. Serbien 38
22. Ungarn 28
23. Großbritannien 23
24. Finnland 23
25. Portugal 21
26. Ukraine 11
Finale – Televoting:
01. Israel 317
02. Zypern 253
03. Italien 249
04. Tschechien 215
05. Dänemark 188
06. Deutschland 136
07. Ukraine 119
08. Moldawien 115
09. Estland 102
10. Litauen 91
11. Norwegen 84
12. Serbien 75
13. Österreich 71
14. Bulgarien 66
15. Ungarn 65
16. Irland 62
17. Frankreich 59
18. Albanien 58
19. Niederlande 32
20. Großbritannien 25
21. Finnland 23
22. Slowenien 23
23. Schweden 21
24. Spanien 18
25. Portugal 18
26. Australien 9
Alle Ergebnisse aufgeteilt nach Ländern und Shows sowie Jurys und Televoting sollten in Kürze auf eurovision.tv veröffentlicht werden.















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