Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?31175

Magnus Hirschfeld

Es lebe der Senator für Sexualität und Menschenrechte!

Mit einem bewegenden Festakt wurde am Montagabend in Berlin der 150. Geburtstag des Sexualwissenschaftlers und Mitgründers der ersten Homosexuellenbewegung Magnus Hirschfeld gefeiert.


Die Historikerin Prof. Dr. Dagmar Herzog würdigte Magnus Hirschfeld als "echten Volksaufklärer" (Bild: BMH / Brigitte Dummer)

Wäre Magnus Hirschfeld, würde er heute in der Regenbogenhauptstadt Berlin leben, Senator für Sexualität und Menschenrechte? Mit ihrer flapsigen Überleitung zum Grußwort von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hat Moderatorin Manuela Kay das Vermächtnis des Sexualwissenschaftlers und Mitgründers der weltweit ersten Homosexuellenbewegung eigentlich ganz gut zusammengefasst. Wobei Bundesminister für Sexualität und Menschenrechte natürlich noch besser wäre…

Immerhin zwei echte Mitglieder des vierten Merkel-Kabinetts waren am Montagabend – zusammen mit rund 900 anderen Gästen – in das Berliner Haus der Kulturen der Welt gekommen, um auf Einladung der Bundestiftung Magnus Hirschfeld den 150. Geburtstag ihres Namensgebers zu feiern: Justizministerin Katarina Barley (SPD), die auch Vorsitzende des Kuratoriums der Hirschfeld-Stiftung ist, sowie Familienministerin Franziska Giffey (SPD). Mit dabei waren auch Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, und Aiman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, die erstmals gemeinsam ein LGBTI-Event besuchten (queer.de berichtete).


Die "Hirschfeld-Boyband" im Interview mit der Moderatorin (v.l.n.r.): Jan Feddersen (Freunde Elberskirchen-Hirschfeld-Haus E2H), Ralf Dose (Magnus Hirschfeld Gesellschaft), Manuela Kay, Jörg Litwinschuh (Bundesstiftung Magnus Hirschfeld) (Bild: BMH / Brigitte Dummer)

Als Schwuler, Jude und Sozialist von den Nazis verfolgt

Die Solidarität der Minderheiten untereinander als Antwort auf die Gefahr von rechts, damals wie heute, war denn auch der rote Faden des bewegenden Festakts am historischen Ort – am heutigen Haus der Kulturen der Welt stand einst das von Hirschfeld 1919 gegründete und von den Nationalsozialisten 1933 zerstörte Institut für Sexualwissenschaft. Als Schwuler, Jude und Sozialist wurde der Arzt und Aktivist von den Nazis gleich dreifach verfolgt.

Die Grußworte waren allesamt stark: Justizministerin Katarina Barley präsentierte sich als glaubhafte LGBTI-Mutti der Bundesregierung, die so richtig loslegen würde, wäre da nicht die Union. Berlins Kultursenator Klaus Lederer übte in einer klugen Lecture auch Kritik an Hirschfelds eugenischen und biologistischen Denkweisen und ermahnte, Karl Heinrich Ulrichs nicht zu vergessen, der sich als Einzelkämpfer schon vor dem Gefeierten für die Streichung des Paragrafen 175 einsetzte. Ex-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) erinnerte als Vorsitzende des Förderkreises der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld in einem verlesenen Grußwort an die Homosexuellenverfolgung nach 1945, den langwierigen Kampf um die Rehabilitierung und eine angemessene Erinnerung an die frühen Aktivisten.


Sorgten für die passende musikalische Untermalung des Abends: Sängerin Vivian Kanner und Musiker Maxim Shagaev (Bild: BMH / Brigitte Dummer)

Von Hirschfelds Hartnäckigkeit und Optimismus lernen

Höhepunkt des Festakts war schließlich die Rede der Historikerin Dagmar Herzog, die unter dem Titel "Liebe und Gerechtigkeit" die Verdienste Magnus Hirschfelds in den Vordergrund rückte. "Queerer geht's eigentlich nicht", meinte die Professorin an der City University of New York etwa zu dessen Aussage, dass es 43 Millionen sexuelle Orientierungen gebe.

Die Bejahung der Sexualität unter Erwachsenen in ihrer Vielfalt und ihren Schutz vor staatlicher Regulierung definierte Herzog als ersten Leitsatz von Hirschfelds Lehre, die heute so aktuell sei wie im letzten Jahrhundert. Mit der Aussage "Gerechtigkeit kommt nicht von allein" würdigte sie als zweiten Punkt die beeindruckende Hartnäckigkeit des Sexualwissenschaftlers. Als Drittes könne sich die heutige LGBTI-Bewegung Hirschfelds Mut und Hoffnung zu Herzen nehmen: "Die Menschheit ist lernfähig", zeigte sich Herzog überzeugt. Nach Rückschlägen dürfe man nicht resiginieren.

Musikalisch begleitet wurde der Abend von Vivian Kanner und Maxim Shagaev, die nach weit über zwei Stunden mit spannenden Talks und Reden den Festakt mit einem Geburtstagsständchen beendeten. "Für dich soll's rote Rosen regnen", sangen sie für Magnus Hirschfeld. Nicht nur bei Moderatorin Manuela Kay kullerte da eine Träne aus dem Auge.



#1 Svetlana LAnonym
  • 16.05.2018, 17:11h
  • Schade, dass die Aufzeichnung des Festakts nicht mehr verfügbar ist. Ich hätte mir die einzelnen Reden gerne nochmal angehört.
  • Antworten » | Direktlink »
  • Anm. d. Red.: Das aktualisierte Facebook-Video sollte funktionieren.