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Oberverwaltungsgericht gibt sein Okay

Homophobes Bushido-Album darf bald wieder an Kinder verkauft werden

"Du Schwuchtel wirst hier ausradiert" – solche Texte müssen nach Ansicht des Oberverwaltungsgerichts Münster nicht auf den Index gesetzt werden.


Bushido bei einem Auftritt in der ARD-Talkshow "Maischberger" am 2. Mai (Bild: Screenshot Das Erste)

Das Oberverwaltungsgericht Münster hat in einem am Dienstag bekannt gegebenen Urteil entschieden, dass das Bushido-Album "Sonny Black" aus dem Jahr 2014 wieder vom Index gestrichen werden muss. Es erklärte damit die Einschätzung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien für ungültig, die das Album wegen wegen homophober, frauenfeindlicher und gewaltverherrlichender Texte mit einem Werbe- und Jugend-Verkaufsverbot belegt hatte. Wird das Urteil rechtskräftig, kann "Sonny Black" wieder an Minderjährige abgegeben werden. Das Gericht ließ aber eine Revision ausdrücklich zu.

Die Richter argumentierten, dass die Prüfstelle nicht sorgfältig genug zwischen Jugendschutz und Kunstfreiheit abgewogen habe. Die Anwälte Bushidos hatten zuvor erklärt, dass Jugendliche heutzutage wirklichkeitsnäheren Darstellungen von Gewalt und Sex ausgesetzt seien als den bewusst überzeichneten Gangster-Rap-Texten. Das Genre könne vielmehr für junge Hörer identitätsstiftend sein und ihnen Halt geben.

Dagegen hatte die Bundesprüfstelle die Indizierung damit begründet, dass die Texte auf dem Album "verrohend" wirkten und "Frauen und homosexuelle Menschen" diskriminierten. Die Texte bestünden "ausnahmslos aus Selbstüberhöhungen, sexuellen Diskriminierungen und Gewaltdarstellungen". Die Bonner Behörde wertete die Wahrscheinlichkeit, "dass Minderjährige die geäußerten Demütigungen in ihren Wortschatz und in ihr eigenes Verhalten übernehmen" könnten, als "sehr hoch" ein.

"Du schwuler Spast"

Die 15 Songs auf dem Album enthalten teils extrem homophobe Texte – so ist in mehreren Liedern von "Schwuchteln" die Rede. Auch Ausdrücke wie "Du schwuler Spast" finden sich dort. In einem Song heißt es: "Berlin ist mein Hauptquartier, Du Schwuchtel wirst hier ausradiert."

In der Vorinstanz hatte das Verwaltungsgericht in Köln im vergangenen Spätsommer noch der Bundesprüfstelle Recht gegeben (queer.de berichtete).

Die praktische Auswirkungen der Indizierung werden von Brancheninsidern als gering eingeschätzt, da die Zielgruppe das Album weiterhin problemlos aus dem Internet von Anbietern außerhalb Deutschlands herunterladen kann. Vielmehr könnte die Debatte um die Indizierung den Verkauf noch gefördert haben, da sich Bushido als Opfer von Zensur stilisieren könne und gerade für Jugendliche "das Verbotene" besonders interessant sei.

Bereits 2015 hatte Bushido nach der Indizierung des homophoben Songs "Stress ohne Grund" vor dem Münsteraner Gericht Erfolg: Trotz Texten wie "Du Schwuchtel wirst gefoltert" erlaubte das Oberlandesgericht den Verkauf an Jugendliche und Kinder (queer.de berichtete). (dk)



#1 felix-cgnAnonym
  • 16.05.2018, 16:27h
  • Wie im Text erklärt, spielt die nicht-mehr-Indizierung keine große Rolle, weil sie sowieso umgangen wird. Viel schlimmer ist, dass Bushido offenbar ein großes Interesse daran hat, seinen Hass in die Köpfe der jungen Menschen zu tragen und klagt.

    Hallo Buhsido, jedes homophobe Opfer ist dein Opfer!
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#2 Ralph
  • 16.05.2018, 16:33h
  • Viele deutsche Richter stehen noch immer dort, wo Deutschland Justiz 1945 stand: rechts außen. Dass Gewaltphantasien und Mordaufrufe von der Kunstfreiheit gedeckt sein sollen, wundert nicht in einem Land, in dem Gewalttaten gegen Minderheiten längst wieder an der Tagesordnung sind. Diese Richter wehren nicht den Anfängen, sondern sie fördern sie.
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#3 LaurentEhemaliges Profil
  • 16.05.2018, 17:10h
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • So weit würde ich jetzt doch nicht gehen, geben sich unsere Richter ansonsten doch zumeist sehr zahm.

    Wenn einer (sog.) Kunstfreiheit der Vorrang vor dem Jugendschutz eingeräumt werden soll oder kann, stimmt etwas nicht in diesem Land und seinen Gesetzen.
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#4 userer
  • 16.05.2018, 18:12h
  • Erzkatholisches Münsterland mit sehr wahrscheinlich erzkatolischen Richtern ... Ein Blick in das Märchenbuch der Christen zeigt: Homophobie, Frauenfeindlichkeit und Gewaltverherrlichung sind das täglich Brot dieser Religiösen. Dass solch eine rückschrittliche Entscheidung in Münster getroffen wird, darf also wohl nicht weiter verwundern.
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#5 Rabauke76Anonym
#6 LaurentEhemaliges Profil
#7 von_hinten_genommenAnonym
  • 16.05.2018, 19:22h
  • Kunstfreiheit vs. Jugendschutz?
    An dieser Stelle ganz klar die unpassende Gegenüberstellung.
    Wenn es um Diskriminierung geht und um homofeindliche Äußerungen, dann hat die Kunstfreiheit ihre Grenzen. Diskriminierung und Homofeindlichkeit ist keine Kunstfreiheit.

    Das Album gehört weiterhin verboten.
    Bushido hat fertig.
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#8 axelsProfil
  • 16.05.2018, 19:24h-
  • Könnte da nicht zum Boykott aller Geschäfte aufgerufen werden, die bereit sind, mit solchen Platten Geld zu verdienen?
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#9 easykeyProfil
  • 16.05.2018, 19:53hLudwigsburg
  • "Du Schwuchtel wirst hier ausradiert"...wie wäre die Entscheidung ausgefallen wenn die Textzeile "Du Richter wirst hier ausradiert" hieße?
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#10 NielsAnonym