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Polizeibericht
Berlin-Neukölln: 16-Jähriger tritt auf Schwulen ein
Der alkoholisierte Jugendliche griff – laut Polizei "möglicherweise aus einem homophoben Grund"- einen 28-Jährigen an, der mit seinem Ehemann unterwegs war.

- 19. Mai 2018, 10:24h 3 Min.
Im Berliner Stadtteil Neukölln könnte es am Freitagabend erneut zu einer Gewalttat aus Homophobie gekommen sein. Wie die Berliner Polizei am Samstag mitteilte, alarmierte ein 28-Jähriger kurz nach 21.15 Uhr die Polizei zur Richardstraße Ecke Kirchgasse.
Den Einsatzkräften gegenüber gab er an, dass er mit seinem gleichaltrigen Ehemann zu Fuß unterwegs war und an dieser Ecke plötzlich von einem zunächst unbekannten Jugendlichen laut angeschrien und bedroht wurde. Dann sei der stark alkoholisierte junge Mann auf ihn zugekommen und habe ihn gegen den Unterschenkel getreten, so dass er stürzte und sich leicht verletzte. Weitere körperliche Angriffe sollen durch den unbekannten Begleiter des Jugendlichen verhindert worden sein.
Polizisten des Abschnitts 54 suchten die nähere Umgebung ab und nahmen den 16-jährigen Tatverdächtigen, der durch das Paar identifiziert werden konnte, fest. Er wurde zur Feststellung seiner Personalien und zur Blutentnahme in ein Polizeigewahrsam gebracht. Auf Grund der starken Alkoholisierung musste der Jugendliche anschließend mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gefahren werden, wo er stationär aufgenommen wurde. Seine Mutter wurde verständigt.
Die Polizei spricht derzeit von einer Tat "möglicherweise aus einem homophoben Grund". Weitere Angaben zu den Beteiligten machte sie wie bei Erstmeldungen üblich zunächst nicht. Anders als in anderen deutschen Städten werden mögliche homo- oder transfeindliche Hintergründe von Straftaten gezielt in den Polizeiberichten Berlins publik gemacht. Die Polizei und Staatsanwaltschaft der Hauptstadt besitzen eigene Ansprechpartner für LGBTI.
Mehrere Vorfälle in wenigen Wochen
Zu dem Angriff kam es einen Tag nach dem Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie, der in Berlin an mehreren Orten mit Kundgebungen begangen wurde. Wenige Tage zuvor, am 11. Mai, hatten rund 1.000 Menschen speziell in Neukölln gegen homo- und transfeindliche Gewalt demonstriert (queer.de berichtete). Für den 26. Mai hat die Bar Ludwig zusammen mit einigen Szenegrößen zudem zu einem Tuntenspaziergang durch den Stadtteil aufgerufen.
Den Kundgebungen waren mehrere Gewaltfälle vorausgegangen. Am 5. Mai war eine 53-Jährige Transfrau an einer Bushaltestelle an der Sonnenallee von einem Unbekannten spontan angegriffen und mit Schlägen gegen den Kopf und einem Fußtritt gegen den Kehlkopf verletzt worden (queer.de berichtete). Mitte April war zudem ebenfalls auf der Sonnenallee ein 23-Jähriger aus einer Gruppe von rund 15 Personen beleidigt, angegriffen und mit Reizgas besprüht worden (queer.de berichtete). Ähnliche Vorfälle hatte es in Neukölln wie auch anderen Stadtteilen Berlins in den letzten Monaten immer wieder gegeben.
Laut einer vorläufigen Statistik der Berliner Polizei kam es im letzten Jahr in der ganzen Stadt zu insgesamt 161 angezeigten Taten im Bereich "sexuelle Orientierung"; die Statistik umfasst u.a. auch Beleidigungen und Propagandadelikte. Im Vorjahr waren es 164 Vorfälle, darunter 44 Gewalttaten (2015: 105/38, 2014: 80/26, 2013: 132/46). Die Tatorte lagen vorwiegend in den Bezirken Mitte, Schöneberg und Neukölln. Untersuchungen der Fälle zeigten sehr unterschiedliche Motive. Das Überfalltelefon Maneo kam in seiner vor wenigen Tagen vorgestellten eigenen Statistik für das letzte Jahr auf 324 Fälle mit homo- oder transphobem Hintergrund, was einen Anstieg von zwölf Prozent bedeuten würde (queer.de berichtete). (nb/pm)














