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Erschienen im Cursed Verlag

Der etwas andere schwule Bärenroman

In seinem neuen Buch "Wildfang" erzählt Fantasy-Autor Raik Thorstad von der magischen Begegnung zwischen einem stotternden Tierpfleger und einem Gestaltwandler.


Der Kodiakbär gehört zu den größten an Land lebenden Raubtierer der Erde (Bild: LadyofHats / wikipedia)

Wenn ein Autor in der heutigen Zeit in loser Abfolge nahezu jedes Jahr ein oder zwei Bücher auf den Markt wirft, dann gibt es meist nur zwei Möglichkeiten. Massenware oder höllisch talentiert. Auf Raik Thorstad trifft glücklicherweise das Letztere zu, was das Buch "Wildfang" aus dem Cursed Verlag wieder einmal eindrucksvoll belegt.

Wer allerdings anhand des Titelbildes meint, die Handlung wäre – nur weil es ja ein schwuler Roman ist – in der Bärenszene angesiedelt, der denkt leider in die falsche Richtung. So flach sind weder Thorstads Gedankengänge noch seine Schilderungen.

Ein schwuler Prachtkerl mit Sprachfehler


Der 470-Seiten-Roman ist auch als Ebook erhältlich

Tierpfleger Mark ist das, was man gemeinhin sicher als Kerl bezeichnen würde. Trainiert, aber eben nicht Muckibude, sondern harte Arbeit. Kurze Haare und lustige wache Augen vervollständigen ein Bild von einem schwulen Mann, nachdem sich viele die Finger oder mehr lecken würden. Zumindest wenn sie ihn sehen würden, denn Mark hat ein Talent dazu, sich ganz und gar unauffällig zu verhalten und so auch ganz gern übersehen zu werden. Der Grund dafür liegt bei weitem nicht in seinem Äußeren, wie gesagt.

Mark hat einen Sprachfehler, genauer gesagt, er stottert, und zwar heftig. Selbst wenn er sich konzentriert und ganz langsam spricht, kriegt er keinen ganzen Satz wirklich gerade raus. Das hat von Kindesbeinen an dazu geführt, dass er sich zu einem Einzelgänger entwickelte. Er lebt lieber in einem kleinen, einsam stehenden Haus mitten im Wald, und von dort aus hat er es auch nicht weit zur Arbeit. Mark arbeitet als Tierpfleger in einem Auffanglager für Tiere. Hauptsächlich als Park für Bären angelegt, hat sich aber auch ein Wolfsrudel dazu gesellt. Inzwischen nimmt der Park auch Anlauf, sich für Besucher komplett zu öffnen.

Ein Neuzugang mit Folgen

Im Park herrscht Aufregung, denn es gilt einen Neuzugang willkommen zu heißen. Ein ausgewachsener Kodiakbär soll die bisher aufgenommenen Arten ergänzen und vielleicht mit den anderen vergesellschaftet werden. Aber davor ist viel Arbeit zu tun, denn Matunnos, benannt nach dem Bärengott, scheint verletzt zu sein. Eine OP an dem Riesen bringt seltsam verkapselte Munition zu Tage. Während die Genesung des Patienten gut voran schreitet, wirft die Munition aber immer mehr Fragen auf.

Hingebungsvoll kümmert sich Mark um seinen Schützling Matunnos und tut alles, was er kann, um ihm die Eingewöhnung zu erleichtern. Seine Kollegen schätzen ihn für seine aufopfernde Art, legen sie diese doch alle an Tag. So ist es auch eher eine Selbstverständlichkeit, sich mit den Nachtwachen bei dem Patienten abzuwechseln. Und genau mitten in Marks Nachtwache geschieht Unglaubliches: Ein junger Mann steht plötzlich im schummrigen Nachtlicht am Gitter des Käfigs, in dem gerade noch der Kodiakbär war. Zwei Worte verlassen dessen Lippen: "Help me!"

Fantasy in der Gegenwart? Funktioniert tatsächlich!

Wer Thorstads Schaffen verfolgt hat, dem ist schon vor einiger Zeit aufgegangen, dass da ein Buchprojekt über Gestaltenwandlung in Arbeit war. Und das wirft dann schon Fragen auf: Gestaltwandlung und Fantasy im Hier und Jetzt angesiedelt – kann das gutgehen? Ja, das kann es und tut es.

Mit gewohnt sicherer Hand werden die Figuren charakterisiert und wachsen dem Leser ans Herz. Gern begleitet man die Akteure in dem Bestreben, den Park voran zu bringen und dabei das Beste für die Tiere zu tun. Drum herum spinnen sich all die üblichen Lebens- und Liebesgeschichten, die das Leben verkomplizieren, aber ihm eben auch seine Würze verleihen.

So zieht sich die Spannung durch das ganze Buch, bis zu dem Moment, in dem der Mensch im Käfig das erste Mal auftaucht. Nun fällt es noch schwerer, dieses Buch mal aus der Hand zu legen.

Ein einziges Manko hat der Roman dennoch: Das offene Ende verlangt ausdrücklich und umgehend nach Fortsetzung. Man könnte auch sagen: ein typischer Thorstad eben oder auch ganz großes Kino im Buch.

Infos zum Buch

Raik Thorstad: Wildfang. Roman. 470 Seiten. Cursed Verlag. Taufkirchen 2017. Taschenbuch: 14,95 € (ISBN 978-3-95823-104-7). Ebook: 8,99 €


#1 Mel_VixenAnonym
  • 22.05.2018, 13:34h
  • Ich hätte auf Queer.de jetzt keinen Furry content erwartet bin aber ehrlich gesagt angenehm überrascht. Ich denke das Buch werde ich mir holen.
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#2 BearWhoAnonym
  • 22.05.2018, 16:10h
  • Antwort auf #1 von Mel_Vixen
  • Wieso furry? Das ist doch ein klassischer Werbär und ich geh mal fest davon aus, dass der Protagonist mit dem Bären keinen Sex hat, sondern nur mit der menschlichen Form. Somit ist das wie die klassische Werwolf Geschichte und die gab's auch schon ewig vor furry.
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#3 Homonklin44Profil
  • 23.05.2018, 12:05hTauroa Point
  • Die Gestaltwandler-Geschichten haben sowohl in vielen Indianer-Ethnien als auch in nordischen Legenden uralte Wurzeln, lange bevor es die Idee für Furry überhaupt gab.

    Denke man etwa an altnordische Sagen über Hamingjur oder den Kveldúlfr, der wohl als Vorlage für "Beorn" aus den Tolkien-Geschichten gedient haben dürfte, oder diese Geschichten über Flußdelphine, die sich in Frauen verwandeln, und nachts zu Fischern kommen. Das gibt es auch über Wölfe, Bären und sogar Hirsche
    ( Hindin ) , einige Vögel und große Schlangen. Odin konnte sich in Vögel oder Schlangen verwandeln.

    Klingt nach einem spannenden Roman, und ja, Fantasy geht auf in einem ansonsten aufgeklärten Leben immer.
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