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GLAAD-Index

"Alarmierender Rückgang" von queeren Figuren in Hollywood-Filmen

Im vergangenen Jahr gab es trotz Ausreißern wie "Call Me By Your Name" viel weniger erkennbare LGBT-Rollen in den großen US-Spielfilmen als in den Jahren zuvor.


Der oscarnominierte Film "Call Me By Your Name" war eine Ausnahme unter den US-Filmen: Immer weniger Produktionen enthalten queere Figuren (Bild: Sony Pictures Classics)

Die amerikanische LGBTI-Organisation GLAAD hat in ihrem am Dienstag veröffentlichten "Studio Responsibility Index" einen starken Rückgang von schwulen, lesbischen, bisexuellen, transsexuellen oder queeren Figuren in Hollywood-Blockbustern des Jahres 2017 festgestellt. Von den 109 Produktionen, die von den großen Filmstudios USA-weit in die Kinos gebracht worden waren, haben nur 14 eine erkennbare LGBTQ-Rolle enthalten. Das entspricht einem Anteil von 12,8 Prozent. Im Jahr zuvor waren es noch 18,4 Prozent (queer.de berichtete).

Im neuen Bericht wurde damit der niedrigste Anteil an LGBTQ-Figuren in Hollywood-Blockbustern seit Beginn des Indexes im Jahr 2012 gemessen. GLAAD spricht deshalb von einem "alarmierenden Rückgang von LGBTQ-Figuren" in großen US-Produktionen. Insbesondere die Transidentität sei unsichtbar: 2017 habe es keine einzige Transperson in einem Blockbuster gegeben.

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GLAAD-Ziel: LGBTQ-Figuren in 50 Prozent der Filme bis 2024

"Extrem erfolgreiche Filme wie 'Wonder Woman' oder 'Black Panther' zeigen, dass das Publikum Vielfalt und neue Geschichten in Filmen schätzt. Es gibt daher keinen Grund, warum die großen Filmstudios solch niedrige Werte in unserem Index erzielen", erklärte GLAAD-Chefin Sarah Kate Ellis. LGBTQ-Darstellungen in die von Hollywood erzählten Geschichten einzubauen, sollte eine Priorität der Filmindustrie sein. Sie forderte, dass bis 2021 jeder fünfte Film eine LGBTQ-Figur enthalten sollte – bis 2024 sollte sich dieser Anteil auf 50 Prozent steigern, so Ellis.

Zufrieden zeigte sich Ellis mit der ethnischen Vielfalt von LGBTQ-Figuren. 57 Prozent der Rollen seien Farbige ("People of Color"). In diese Kategorie werden in dem Index unabhängig von der Hautfarbe auch Personen aus Mittel- oder Südamerika sowie teilweise auch Einwohner der iberischen Halbinsel gezählt.

GLAAD beklagte, dass in vielen Filmen LGBTQ-Figuren höchstens angedeutet werden, die von der Allgemeinbevölkerung nicht als solche erkannt werden würden. Insbesondere in Comicverfilmungen würden Rollen auftauchen, die im Quellenmaterial queer sind, im Film aber nicht. Als Beispiel nannte GLAAD etwa "Thor: Ragnarok" – hier gebe es in der Comicvorlage mit Valkyrie und Korg eine bisexuelle und eine queere Figur, die aber im Film nicht als solche gezeigt werden würden.

Kritisiert wurde auch die Filmkomödie "CHiPs" mit Dax Shepard und Michael Peña. Hier kämen zwar homosexuelle Figuren vor, sie würden aber nur als Schenkelklopfer für Gags mit "beleidigenden Inhalten" dienen. Diese Darstellung sei ein Relikt aus der Vergangenheit. (dk)



#1 FinnAnonym
  • 23.05.2018, 16:36h
  • Der konservative Rollback greift immer weiter um sich. Manche wollen das nicht wahrhaben, aber wenn wir nicht sehr schnell dagegen kämpfen und auch die Politik mehr in die Pflicht nehmen, wird es ein böses Erwachen geben. Schneller als viele ahnen.
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#2 ReaperXProfil
  • 23.05.2018, 18:18hLos Angeles
  • Ich sehe darin weniger ein Indiz für einen Rollback, und mehr die Auswirkungen der internationalen Märkte. China steht jetzt kurz davor, der weltweit größte Markt für Filme zu sein. Hollywoodstreifen werden also jetzt im Prinzip für China produziert, und alles andere ist zweitrangig, siehe

    www.scmp.com/culture/film-tv/article/2140381/china-will-soon
    -be-worlds-top-film-market-having-overtaken-us-canada


    (Diese Neuorientierung Hollywoods kann man auch daran erkennen, dass auf einmal asiatische Schauspieler in Hollywood Blockbustern regelmäßig in Hauptrollen auftauchen, siehe z.b. Rose in Star Wars - The Last Jedi.)

    In China sind positive LGBT Figuren im TV seit 2016 offiziell verboten. Von einem offiziellen Verbot im Kino weiss ich nichts, aber da wird es wohl ähnliche Regeln geben, bzw. es würde sie schnell geben, wenn sie durch LGBT Inklusivität "provoziert" würden.

    Im mainstream Hollywood Kino können wir daher auf Jahre hinaus nichts erwarten. LGBT Aktionhelden und Titelfiguren werden dort ein Traum bleiben.
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#3 TeslaAnonym
  • 23.05.2018, 20:41h
  • Antwort auf #1 von Finn
  • Mit dem Konservativen Rollback ist es nicht weit her. Immerhin sind 87,4 % der Bevölkerung gegen den Rechtsdrall immun (Wahl 2017) und zeigen ihm die rote Karte. Das macht mich optimistisch.
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#4 giliatt 2Anonym
  • 23.05.2018, 20:53h
  • Alarmierend war in den letzten Jahren auch der überproportionale ZUGANG an schwulen Figuren in deutschen Serien-Fernsehehproduktionen: Jede noch so schwachsinnige Reihe musste ihren QUOTENSCHWULEN haben. Unter uns gesagt, schwult es in der Lindenstraße zu guten und schlechten Zeiten gewaltig, trotz verbotener Liebe und heterosexuell überbrachter Sträuße aus roten Rosen.
    Nur 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung empfindet gleichgeschlechtlich - glaubt man der uns Schwulen von Schwulen eruierter Statistik. Glaubt man den Serien, dann lüstern wohl mehr als 50% nach dem gleichen Geschlecht, wiewohl die Protagonisten bisweilen unschuldig sind an ihrer Gesinnung, da mit Unfall, Gesichtsoperation und damit einhergehender totaler Amnesie im Drehbuch auch die sexuelle Orientierung alterniert.
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#5 NicciAnonym
  • 24.05.2018, 00:12h
  • Antwort auf #3 von Tesla
  • Und für Dich ist nur die AfD homophob? Und was ist mit CDU, CSU! NPD & Co?

    Zusammen kommen die auf fast 50 % oder werden sie vielleicht schon bald erreichen.

    Kein Grund zur Sorge?
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#6 LesbenkussAnonym
  • 24.05.2018, 03:14h
  • Antwort auf #4 von giliatt 2
  • In einer Welt in der Menschen von der iberischen Halbinsel People of color sind und queere Charaktere zu fast 60% farbig, bleibt für deine Einschätzung (die ich zu 100% teile) wohl wenig Raum. Es geht doch nur noch darum irgendwas durchzusetzen - egal für welchen Zweck! Verstehen tut das doch eh keiner mehr - und daraus entsteht alles, aber nicht mehr Respekt!
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#7 Ith_Anonym
  • 24.05.2018, 07:19h
  • Hmm, für einen alarmierenden Rückgang hätte es halt erstmal ein relevantes Maß an Präsenz geben müssen. Falls es in Sachen trans* ein relevantes Maß an Präsenz gegeben haben sollte, abgesehen von dieser Transparent-Serie, dann muss die an mir wohl vorbei gegangen sein.

    Hin und wieder mal Indie-Filme, die in einem Kunstkino oder im expliziten Rahmen Queer-Cinema laufen, das mag schon vorgekommen sein. Beliebt sind und waren Transfrauen ja auch immer mal wieder als Opfer in Krimis. Transmännlichkeit kommt meiner Wahrnehmung nach überhaupt nicht vor.
    Welche Blockbuster hab ich in den letzten zehn bis zwanzig Jahren verpasst, in denen das angeblich anders gewesen sein soll?
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#8 Homonklin44Profil
  • 24.05.2018, 11:53hTauroa Point
  • Das liegt, ungern wahrgenommen, wahrscheinlich einfach da dran, dass der Erlös von Filmproduktionen größtenteils von Heterosexuellen kommt, und die dafür sorgen, was ankommt, und was nicht.
    Die Kritiker können einen Film befördern oder abwatschen, und was die Test-Audienzen so sagen, hat wahrscheinlich auch noch mal einen Einfluss darauf, was letztlich gezeugt wird oder nicht.

    Da zeigt sich dann die Diskrepanz zwischen der Toleranz oder Akzeptanz und der Wirklichkeit in der Filme konsumierenden Bevölkerung her.
    Angebot und Nachfrage-Thema.

    Auf Filme, in denen die Haupt-Liebesgeschichte lesbisch, trans* oder schwul abläuft, die als Blockbuster einschlagen, wird man da selten stoßen. Es bleibt ein Nischeninteresse.

    1st-Nations Leute hängen auch ewig in bestimmten Cliché-Sparten fest, Maori-Leute sind unterrepräsentiert im US-Film, Inuit spielen selten Rollen, die dem klassischen weißen US-Film-Paar vorbehalten sind

    Wie viele erkennbare Sorben spielen im Deutschen Film mit? GLBT ist hier häufiger, und allmählich auch nicht mehr mit derart von Rollen, über die man sich nur lustig macht.
    Die Hälfte aller Filme mit GLBTIQ*-Rollen ist aber schon ein bisschen übersteuert anvisiert.
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#9 PhilAnonym
#10 SiegmundAnonym
  • 24.05.2018, 14:16h
  • Antwort auf #4 von giliatt 2
  • Passiert es dir öfter, dass du nur das liest, was du möchtest, bzw. dass du nicht mitdenken kannst? "In 50% der Filme" ist nicht gleichbedeutend mit "50% der Rollen". Kannst du dem so weit gedanklich noch folgen oder ist das schon zu schwierig für dich? Oder betreibst du solche AfD-mäßige Desinformation absichtlich?

    Brisant wird natürlich die Frage, warum du dich besser fühlst, wenn du Schwule und Lesben unsichtbar machen kannst. Denn das ist genau die Frage, die dein Kommentar im Kern aufwirft. Diese Frage musst du allerdings mit deinem Psychologen klären, je schneller desto besser für dich und deine Mitmenschen.
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