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"Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben"

Jürgen Marcus ist tot

Der schwule Schlagerstar der Siebzigerjahre wurde nur 69 Jahre alt.


Ein Plattencover aus dem Jahr 1975: In dieser Zeit sang Jürgen Marcus viel über die Liebe, hielt aber seine sexuelle Orientierung geheim

  • 29. Mai 2018, 07:47h 37 2 Min.

Jürgen Marcus ist bereits Mitte Mai im Alter von 69 Jahren in seiner Wohnung in München gestorben. Das teilte sein Manager und Lebenspartner Nikolaus Fischer am Dienstagvormittag nach dpa-Angaben mit. "Es war sein ausdrücklicher Wunsch, in aller Stille beigesetzt zu werden", erklärte Fischer laut "Focus". "Um in dieser schweren Zeit in aller Stille und Würde trauern zu können, bitte ich von Nachfragen abzusehen und diese Entscheidung zu respektieren." Fischer und Marcus waren seit 1995 ein Paar und lebten gemeinsam in der bayerischen Landeshauptstadt. Weitere Angaben wurden zunächst nicht gemacht.

Bereits vergangenes Jahr war bekannt geworden, dass der als Jürgen Beumer geborene Schlagersänger bereits seit 2002 an COPD leide, einer chronischen Erkrankung der Lunge. Der Sänger habe sich deshalb aus der Öffentlichkeit zurückgezogen (queer.de berichtete).

Hitlieferant der Siebzigerjahre

Marcus, ein gelernter Maschinenschlosser aus dem nordrhein-westfälischen Herne, gehörte in den Siebzigerjahren zu den erfolgreichsten deutschen Schlagersängern und war Dauergast in der ZDF-Hitparade. Er war von Erfolgsproduzent Jack White entdeckt worden. Zu seinen größten Erfolgen zählen "Ein Festival der Liebe", "Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben" und "Ein Lied zieht hinaus in die Welt". 1976 nahm er mit dem französischsprachigen Lied "Chansons pour ceux qui s'aiment" für Luxemburg am Eurovision Song Contest teil und erreichte Platz 14.

Direktlink | "Ein Festival der Liebe" schaffte es 1973 bis auf Rang drei der deutschen Charts
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Der Karriereknick kam mit den Achtzigerjahren: Seine Heile-Welt-Schlager waren in der Zeit, in der die Neue Deutsche Welle Erfolge feierte, nicht mehr gefragt. Marcus versuchte vergeblich, mit Chansons oder englischsprachigen Titeln an die alten Erfolge anzuknüpfen.

Coming-out in der Neunzigern

Erst in den Neunzigerjahre outete sich Marcus in der Öffentlichkeit. Der erste Bericht über seine sexuelle Orientierung erschien 1991 in der "Bild am Sonntag" unter dem Titel "Die Beichte des Jürgen Marcus" – der Artikel war alles andere als ein stolzes Coming-out, sondern es ging darin um Horrorgeschichten wie Alkoholmissbrauch, Erpressung und Aids-Angst.

Ein schwules Aushängeschild wollte der Sänger nie sein, auch weil er seine sexuelle Orientierung nur schwer mit seinem katholischen Glauben in Einklang bringen konnte. Das führte etwa dazu, dass er sich öffentlich gegen die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht aussprach – und gleichgeschlechtliche Paare, die heiraten wollen, in der "Bild"-Zeitung als "lächerlich" bezeichnete. "Nikolaus und ich haben uns mit dem Herzen verpflichtet", so Marcus damals. "Ich finde es lächerlich, wenn Schwule heiraten. Man sollte Respekt haben vor der christlichen Institution der Ehe. Heiraten sollte nur, wer zusammen Kinder haben möchte – und haben kann!" (dk)

Direktlink | "Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben" ist das wohl bekannteste Lied des Schlagersängers
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Artikel mehrfach aktualisiert und ergänzt

#1 ppppppppAnonym
  • 29.05.2018, 10:02h
  • Vielleicht erwähnenswert wäre hier mehr zu seinem Coming-Out, denn laut Wikipedia geschah das schon 1991 als erster bedeutender Schlagersänger (noch einige Jahre vor Patrick Lindner) in der Bild am Sonntag mit der reißerischen Überschrift "Die Beichte des Jürgen Marcus. Ich konnte nie eine Frau richtig lieben. Alkohol. Männerliebe. AIDS-Angst".

    Wie es dann in den 1990ern war, durch konserative Dorffeste und Fernsehshows zu tingeln, oderbereits in den 1970ern - als Bravo-Teeniestar im damals großteils homophoben Deutschland eigentlich schwul gewesen zu sein? Vielleicht war diese Angst noch so tief drin, dass er sich gegen die Homo-Ehe aussprach.

    Ruhe in Frieden
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#2 PatroklosEhemaliges Profil
#3 GerritAnonym
  • 29.05.2018, 10:27h
  • ""Ich finde es lächerlich, wenn Schwule heiraten. Man sollte Respekt haben vor der christlichen Institution der Ehe. Heiraten sollte nur, wer zusammen Kinder haben möchte und haben kann!""

    1.
    Andere finden es nicht lächerlich und ich finde es lächerlich, wenn man seine eigene Meinung zum Maßstab für alle anderen macht.

    2.
    Wo ist der Respekt der Kirche uns gegenüber?

    3.
    Es geht nicht um die "christliche Institution der Ehe", sondern um die staatliche Ehe. Ihre okkulten Riten kann diese Operetten-Organisation gerne für sich behalten. Aber bei staatlichem Recht wollen wir gleichbehandelt werden, wie es ein Grundsatz des demokratischen Rechtsstaats ist.

    4.
    Also sollten Hetero-Paare, die keine Kinder haben wollen und/oder können, auch nicht heiraten dürfen. Und umgekehrt dürfen es wohl Schwule und Lesben, die Kinder haben.

    Fazit:
    Sorry, aber er hat in diesen Fragen absolut unlogisch argumentiert.

    Dennoch tut es mir natürlich für ihn und seine Angehörigen leid. Und ich hoffe, dass seine letzten Jahre nicht zu schwer für ihn waren.
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