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Staatshomophobie

Indonesien: Homosexualität soll verboten werden

Gleichgeschlechtliche "Unzucht" könnte in Indonesien erstmals seit Bestehen der Republik untersagt werden.


Der erzkonservative Abgeordnete Arsul Sani glaubt an eine Mehrheit für das Homo-Verbot

Homosexuelle Handlungen werden offenbar in der 260 Millionen Einwohner zählenden Republik Indonesien in Kürze mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden können. Das kündigte Arsul Sani von der national-islamistischen Vereinigten Entwicklungspartei am Dienstag gegenüber dem Magazin "Tempo" an.

Sani ist Mitglied eines Parlamentsausschusses, der über eine Reform des Strafgesetzbuches verhandelt. Vor einigen Wochen hatten mehrere religiöse Parteien angekündigt, sie wollten auch ein Verbot von "Perbuatan Cabul" (Unzucht) unter gleichgeschlechtlichen Paaren in dem Gesetz verankern. Laut Sani gebe es für einen solchen Paragrafen innerhalb der Reform, die bis August verabschiedet werden soll, trotz Kritik eine Mehrheit. "Statt uns von diesem Artikel zu verabschieden, werden wir ihn so verändern, dass ihn die Menschen nicht mehr als diskriminierend ansehen werden", sagte Sani. Wie ein nicht diskriminierendes Homo-Verbot aussehen könnte, sagte der Politiker aber nicht.

Bereits heute ist "Ehebruch" in dem mehrheitlich muslimischen Land verboten. Vergangenes Jahr klagte eine islamistische Gruppe vor dem Obersten Gerichtshof darauf, dass dieses Verbot auch auf Homosexuelle ausgedehnt wird. Dieser Antrag wurde nur knapp mit fünf gegen vier Richterstimmen abgelehnt (queer.de berichtete).

Lage für LGBTI verschlechtert sich seit Jahren

Ob das Verbot tatsächlich verabschiedet wird, ist noch nicht sicher. Das Parlament in Jakarta arbeitet in der Regel sehr ineffektiv und verabschiedet jedes Jahr nur wenige Gesetze. Außerdem könnte das Gesetz dem internationalen Ansehen des Landes und dem Tourismus schaden – so ist insbesondere die Insel Bali auch unter homosexuellen Touristen beliebt.

Dennoch warnen LGBTI-Aktivisten angesichts der aufgeheizten homophoben Stimmungslage davor, dass eine weitere Verschlechterung der Situation von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten möglich sei. Seit mehreren Jahren beklagen Menschenrechtler bereits einen "nie dagewesenen Angriff" auf LGBTI-Rechte in Indonesien, mit dem sich Politiker Legitimation in der nach Umfragen äußerst homophob eingestellten Bevölkerung verschaffen wollten.

Im Rahmen der homophoben Kampagne des Staates mehrten sich in ganz Indonesien Übergriffe auf LGBTI – obwohl Homosexualität mit Ausnahme der Region Aceh eigentlich legal ist. In Aceh steht auf Homosexualität die Auspeitschung nach Scharia-Recht. Letztes Jahr wurde diese Folterstrafe gegen ein angeblich schwules Paar vollstreckt (queer.de berichtete). Die deutsche Bundesregierung erklärte Ende Februar auf eine schriftliche Anfrage des Grünenabgeordneten Sven Lehmann, man verfolge die Entwicklung zu LGBTI-Rechten in Indonesien "mit Sorge". (dk)



#1 Petrus48Anonym
  • 30.05.2018, 16:03h
  • In den islamisch dominierten Staaten "geht es immer weiter" bergab. Indonesien war einst ein Land, das als gemäßigt galt.

    Was bleibt an gemäßigt oder liberal geprägten Staaten weltweit, wenn nunmehr auch Indonesien fällt.

    Da sind dann "nur" noch Jordanien, das gemischt christlich/islamische Land Libanon, der Inselstaat Bahrein, Albanien, das gemischt christlich-islamische Land Bosnien-Herzegovina und nur noch eingeschränkt die Türkei zu nennen, wo es unter Erdowahn mit seinem Nationalismuswahn immer weiter bergab geht.

    Während in den christlich-atheistisch und buddhistisch geprägten Ländern in vielen Weltregionen (Ausnahme: Afrika/Osteuropa) vorangeht, schaut es in den allermeisten islamisch geprägten Staaten immer´schlechter aus.

    Sollte diese gesetzliche Verschärfung in Indonesien durchkommen, wäre dies für den Islam sehr negativ in der weiteren Entwicklung, da Indonesien über die meisten islamisch geprägten Menschen weltweit verfügt.
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#2 MatsAnonym
  • 30.05.2018, 16:31h
  • Für diesen Homohasser-Staat ist Tourismus eine der wichtigsten Einnahmequellen.

    Da weiß man ja, wo man die treffen kann.

    Ich würde jedenfalls als Tourist nicht solche Staaten und deren Homohass mit meinem Geld unterstützen wollen.

    Und als LGBTI-Tourist erst recht nicht - zumal man sich und den Partner / die Partnerin damit auch noch in Gefahr bringt...
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#3 schwarzerkater
  • 30.05.2018, 17:48h
  • "national-islamistisch" - das sagt doch schon alles. warum kein internationaler druck auf indonesien?
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#4 Homonklin44Profil
  • 30.05.2018, 19:10hTauroa Point
  • Wie immer, wenn die Religiotie über die Vernunft dominiert, entstehen radikale und extremistische Systeme.

    Traurig für die Bevölkerung des Landes mit den sagenhaften Stränden und teils excellent surfbaren Wellen-Spots.

    Leider konnte die Tsunami den Gläubigkeitswahn nicht aus den Köpfen der meisten Einwohner fortwaschen. Und da hätte man sich mal beinahe als Freiwilliger gemeldet. Wenn man da heute dran denkt...
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#5 seb1983
  • 30.05.2018, 19:44h
  • Und ein weiterer muslimischer Staat der Deutschland zeigt wie ein "roll back" richtig funktioniert.
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#6 swimniAnonym
  • 30.05.2018, 22:16h
  • und das alles nur wegen irgendwelcher billigen sekten die sich Islam oder Katholizismus oder sonst was nennen.
    die welt braucht einen gehörigen sakularisierungsschub, damit das vernüftige denken wieder Oberwasser bekommt.
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#7 Leo 0099Anonym
  • 31.05.2018, 07:55h
  • So schade für das schöne Land mit den so freundlichen Menschen. Und auch schade für ein Beispiel für einen Islam der fortschrittlich ist. Ist wohl gescheitert. Aber Aceh ist wohl nicht ganz Indonesien, sondern eher eine IS Enklave in abgelegener Provinz. Wird nicht nur für Homosexuelle sondern auch für Christen und Chinesen weitere Minderheiten dort zu sehr ernsten Problemen führen, wenn das so weitergeht. Was sagen da vernünftige Islam-Anführer dazu? Schweigen?
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#8 saltgay_nlProfil
  • 31.05.2018, 07:55hZutphen
  • Schon erstaunlich, was es hier für "Experten" gibt.
    Keine Ahnung, aber davon jede Menge.

    Seit der Vertreibung der chinesischen Bürgerschicht, die unter Sukarno den höchsten gesellschaftlichen Einfluss besaß, ist Indonesien immer eine miese Diktatur mit Scheinparlament gewesen. Unter Suharto gewannen die islamischen Bevölkerungsteile die Oberhand. Das führte soweit, das Indonesier chinesischer Abstammung sich "indonesische Namen" zulegten, obwohl ihre Gesichtszüge sich deutlich von den "Ureinwohnern" abhoben. Es war ein Tabu über die Herkunft eines Bürgers zu sprechen.

    Homosexualität ist ein politischer Kampfbegriff und kann als Waffe verwendet werden. Der Bürger eines Staates kann über seinen Sexualtrieb hervorragend gesteuert werden. Der Nationalsozialismus ist ja nicht durch Homosexuelle bedroht worden. Man denke an die widerliche Operettentucke Staatsrat Dr. Hans Severus Ziegler, der bis zu seinem Tod ein glühender Nazi war. Er organisierte die Ausstellung "Entartete Musik". Homosexualität war ein willkommender Anlass zur öffentlichen Brandmarkung als Sündenbock. Die Verfolgung schweißte den "heterosexuellen" Rest als Volksgemeinschaft gegen alles "Abartige" zusammen.

    Nicht anders wird heute in Russland, in afrikanischen Staaten und demnächst wohl auch in Indonesien gehandelt. Es ist dann nur eine Frage der Zeit, bis in der nächsten Legislaturperiode, durch die CDU/CSU/AfD-Koalition, Homosexualität auch in der BRD wieder strafbar wird. Wahrscheinlich wird dann Jens Spahn Bundesminister für sexuelle Reinheit.

    Was ich aber gar nicht verstehen kann, warum schwule Touristen solche Länder bereisen. Indonesien ist auf den Tourismus angewiesen. Das wäre es nämlich möglich durch persönlichen Boykott zumindest einen Wassertropfen zum Aushöhlen des Steines zu bilden. Der Verzicht auf Sex mit einem Indonesier dürfte dagegen zu verschmerzen sein.
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#9 Ralph
  • 31.05.2018, 11:38h
  • Leider gefallen sich viele Schwule darin, ihren Urlaub in den dreckigsten Verfolgerstaaten zu verbringen. So ist es ein verheerendes Signal, dass einer der wenigen wirklich prominenten Schwulen, der sogar eigentlich durch seine Stiftung schwule Jugendarbeit unterstützt, seine Flitterwochen ausgerechnet auf den Malediven verbringen will, statt mit gutem Beispiel voranzugehen, ein homofreundiches Land auszuwählen und das auch öffentlich so zu erklären: Patrick Lindner.
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#10 Homonklin44Profil
  • 31.05.2018, 11:42hTauroa Point
  • Antwort auf #8 von saltgay_nl
  • ""Was ich aber gar nicht verstehen kann, warum schwule Touristen solche Länder bereisen.""

    Hat unter Umständen so banale Gründe, wie dass man mit seinen Heterokumpels da Wellenreiten geht, marine Biologie oder rare Arten im Feld erkundet, oder günstige Ausbildungsangebote nutzt.
    ( Surf Instructor) Der Umstand, schwul zu sein, ist da weniger ein Anlass dafür.

    Die sich verschärfende Lage dürfte aber auch die paar Leute vertreiben, die sich vielleicht aus vermutlich sehr albernen Ideen hervor erhoffen, ihre große Liebe da zu treffen.
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