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Lega Nord in Verantwortung

Neue italienische Regierung: Homophobie an der Macht

Für Vize-Regierungschef Matteo Salvini bestehen Familien nur aus Mann, Frau und Kindern. Familienminister Lorenzo Fontana nennt sich selbst einen "Kreuzzügler" gegen LGBTI-Rechte.


Gegen jedwede Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften: Für Italiens neuen Innenminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten Matteo Salvini sind homosexuelle Paare auch mit Kindern keine Familien

Die am Freitag vereidigte neue italienische Regierung aus Fünf-Sterne-Bewegung und Lega Nord hat für Entsetzen unter italienischen LGBTI geführt. Mit der "mehr oder weniger bewussten Mitschuld" ihrer Koalitionspartner werde der "homo- und transfeindliche Zorn" der rechten Partei "Schaden" anrichten, befürchtet etwa die Organisation Arcigay.

Als konkretes Beispiel benannte sie den gerade verkündeten Ausstieg der von der Lega Nord angeführten neuen Regierung der Region Friaul-Julisch Venetien aus einem Verwaltungs-Netzwerk gegen Homo- und Transphobie. Dieser unnötige und sich selbst isolierende Schritt sei ein "erster unverdaulicher Geschmack dessen, was die Liga in der späteren Regierung dieses Landes zu implementieren bereit ist", so Arcigay.

Sie hätte auch den Lega-Parteichef Matteo Salvini als Beispiel wählen können, der am Donnerstag – am Vorabend seiner Ernennung zum Innenminister und stellvertretenden Regierungschefs Italiens – vor Anhängern in Sondrio sagte: "Ich möchte Teil einer Regierung mit einigen klaren Ideen seien. In der die Mutter Mutter und der Vater Vater heißt. Ich möchte nicht über Eltern 1 und Eltern 2, 3, 4, 5 reden. In der Familie gibt es eine Mutter und einen Vater und Kinder, die eine Mutter und einen Vater haben."

"Kinder haben ein Recht auf einen Vater und eine Mutter", hatte Salvini bereits im Wahlkampf betont. Seine Partei hatte in der letzten Legislaturperiode die Einführung von Lebenspartnerschaften abgelehnt und mit ganzen 4.500 Änderungsanträgen zu blockieren versucht. Zusammen mit taktischen Spielchen der Fünf-Sterne-Bewegung, die eine Unterstützung der Gleichstellung versprochen hatte, hatte das wochenlange Chaos dazu geführt, dass die Regierung das ursprünglich geplante Recht auf Stiefkindadoption opferte.

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Erzhomophober Familienminister


Familienminister Lorenzo Fontana erklärte, dass "Homo-Ehen und Massenimmigration das italienische Volk auslöschen" (Bild: euranet_plus / wikipedia)

Neuer Familienminister wird der Lega-Politiker Lorenzo Fontana, wie sein Parteichef ein Putin-Fan, der sich schon auf dem Roten Platz mit einem T-Shirt mit einem Konterfei des russischen Präsidenten fotografieren ließ.

Von ihm stammen homo-, trans und ausländerfeindliche Zitate wie die Aussage, dass "Homo-Ehen und Massenimmigration das italienische Volk auslöschen". Der frühere Abgeordnete des Europäischen Parlaments, der als Architekt eines Lega-Bündnisses mit dem französischen Front National gilt, hat sich zudem als strikter Abtreibungsgegner einen Namen gemacht und kämpfte in Straßburg gegen die Estrela- und Lunacek-Berichte, u.a. weil sie zu einer Schulaufklärung über LGBTI rieten oder "den Kampf für die traditionelle Familie als homophob definieren" würden.

Die Zitate stammen aus einem Brief von Fontana an die katholische Organisation Pro Vita, in dem er sich 2014 gegen Christopher Street Days aussprach und betonte: "Wir sind Kreuzzügler. Wir kämpfen nicht mit dem Schwert, aber mit den Werkzeugen der Kultur, der Wissenschaft und der wahrheitsgemäßen und korrekten Information, ein schwieriger Kampf, der aber zum Sieg führt." Das italienische Volk werde angegriffen durch Einwanderung und die "Schwächung der Familie durch den Kampf für die Homo-Ehe und die Gender-Theorie in den Schulen". All diese verwandten Themen hätten zum Ziel, "unsere Gemeinschaft und unsere Traditionen zu zerstören".

Die "natürliche Familie" werde durch Homosexuelle angegriffen, hatte Fontana mehrfach betont. Putin zeige in Russland, wie man gegen diese Bedrohungen angehen könne: "Es ist die Referenz für diejenigen, die an ein Identitätsmodell der Gesellschaft glauben." (nb)

 Update  3.6.: Fontana: Regenbogenfamilien existieren nicht

Der neue italienische Familienminister sorgte am Samstag erneut für Schlagzeilen und Empörung. Im Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della sera" sagte Lorenzo Fontana auf die Frage, was er für Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern tun wolle: "Existieren Regenbogenfamilien?" Auf den Einwurf des Journalisten, dass es davon sehr viele gebe, sagte Fontana: "Gesetzlich existieren sie derzeit nicht." Ferner meinte er, er verberge nicht, dass er katholisch ist. "Und deshalb sage ich auch, dass die Familie jene ist, wo ein Kind eine Mama und einen Papa haben soll."

"In den letzten 24 Stunden haben wir zahlreiche Erklärungen von Minister Salvini und Minister Fontana gelesen, die aus einer Zeitung von vor mindestens einem halben Jahrhundert stammen könnten", kommentierte Gabriele Piazzoni von Arcigay. "Ich finde es unerhört, dass ein Minister der italienischen Republik die Rechte jener Personen leugnet, die als Familie anerkannt werden wollen", meinte die PD-Politikerin Monica Cirinna, die das Gesetz zu Lebenspartnerschaften entworfen hatte.

Matteo Salvini sagte zu den Äußerungen, Fontana könne "seine eigenen Vorstellungen haben. Aber sie sind nicht Priorität und sie stehen nicht in unserem Regierungsvertrag."

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#1 HermineAnonym
#2 schwarzerkater
  • 02.06.2018, 16:12h
  • sind die staaten korrupt, sind die staaten kurz vor der staatspleite, dann wird die homo-keule hervorgekramt.
    überall in italien, ob bei der mafia im süden, im vatikan oder bei den rechten/wirtschaftsliberalen im norden, stand und steht die familie immer im mittelpunkt. "kinder, küche, kirche" haben in den letzten 70 jahren allerdings auch nicht dafür gesorgt, dass obengenannte (politiker, banken, und mafia) italien witschaftlich nicht ausgeplündert hätten, genau das gegenteil ist der fall.
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#3 goddamn liberalAnonym
  • 02.06.2018, 16:34h
  • Antwort auf #2 von schwarzerkater
  • "stand und steht die familie immer im mittelpunkt."

    Bei der extrem niedrigen Geburtenrate ist diese 'Familie' (egal ob traditionell, Patchwork oder Regenbogen) in der Realität aber nur ein Phantom, das zwar hochgehalten, aber nicht mehr gelebt wird.

    Homo-freundliche Länder wie die skandinavischen Staaten sind dagegen putzmunter und vermehrungsfreudig.
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#4 goddamn liberalAnonym
  • 02.06.2018, 16:37h
  • Antwort auf #1 von Hermine
  • "Also wir haben unseren Urlaub in Italien storniert.
    No LGBTI -no money !"

    Richtig so.

    Es gibt auch im Süden Europas gute Alternativen zum Geburtsland des leider immer noch lebendigen Faschismus.
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#5 swimniAnonym
  • 02.06.2018, 16:51h
  • es ist vor allem traurig, dass die sogenannten -angeblichen seriösen Parteien eben auch nichts hinbekommen. wie man auch in Spanien gerade sieht. das nährt das Wagnis des Extremismus - ungeachtet dessen, dass diese Populisten insgesamt noch viel weniger demokkratisch und nah am Volk sind, sondern nicht selten mit einem arm in Richtung Gewalttätigkeit proportioniert sind. nun müssen wir unsere demokratische kampferprobtheit erneut unter beweis stellen.
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#6 gatopardo
  • 02.06.2018, 17:09h
  • Antwort auf #5 von swimni
  • Die "seriöse Partei" namens PSOE hat aber schon 2005 weit vor Deutschland die totale Gleichstellung hinbekommen. Nun hat ihr Führer Pedro Sánchez gerade die Vertrauensfrage gegen die Konservativen gewonnen, die ja sogar in ihrer Legislaturperiode gegen den erbitterten Widerstand der Kirche nichts davon zurückgenomen haben.
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#7 Vater
  • 02.06.2018, 18:01h
  • Und wieder einmal sind wir angeblich die Zerstörer der Familie. Ich wüsste wirklich gerne, wie diese Zerstörung vor sich gehen soll?
    Einerseits behaupten diese Homohasser ständig, dass wir nur eine unbedeutende und winzige 5-Prozent-Minderheit, deren Anliegen in der Politik völlig überrepräsentiert sind.

    Dann aber spinnen sich diese sogenannten 'konservativen Politiker' irgendwelche Weltuntergangsszenarien zusammen, wie unsere Gleichberechtigung mit den übrigen 5 Prozent der Bevölkerung die komplette Kultur zusammenbrechen lässt.
    Sagen wir mal, dass die Homosexuellen tatsächlich 5 Prozent der Gesellschaft ausmachen.
    Gleichberechtigung bedeutet nicht, dass wir irgendwelche Extrawürste haben wollen. Wir wollen dasselbe Recht wahrnehmen können wie 95 Prozent der Gesellschaft: den einen Menschen heiraten dürfen, den wir lieben - egal, was sich zwischen dessen Beinen befindet!

    Man stelle sich ein Balkendiagramm vor, dass 95 Prozent der Einwohner in grüner Farbe darstellt und 5 Prozent in roter Farbe obendrauf.

    Die Heteros sind also grün und der winzige rote Teil stellt die Schwulen und Lesben dar.
    Den 95 Prozent, den Heteros ist also eine Liebesheirat gestattet. Würde aber dieser kleinen und winzigen rot dargestellten Minderheit ebenfalls eine Liebesheirat gestattet werden, würde das in den Augen der sog. Ultrakonservativen die Ehe für die 95 Prozent zerstören - weiß der Kuckuck weshalb.
    Warum diese 5 Prozent den verbleibenden Paaren (die sie überhaupt nicht persönlich kennen) mehr schaden sollten als irgendwelche anderen 5 Prozent aus dem Heteroblock des Diagramms steht in den Sternen.

    Da ich gerade keine aktuellen Zahlen im Kopf habe, greife ich mal auf die der eingetragenen Lebensgemeinschaften im Jahr 2014 (oder '15?) zu.

    Zu diesem Zeitpunkt existierten in Deutschland 43.000 eingetragene LG.

    Dem standen dann 17,6 Millionen heterosexueller Ehepaare gegenüber, deren Familien absolut nichts mit den Rechten der (im Verhältnis) kleinen homosexuellen Gruppe zu tun haben.

    Nehmen wir mal an, es gibt exakt genauso viele Schwule wie Lesben.

    Gäbe es dann keine 43.000 gleichgeschlechtliche Paare, sondern 43.000 aus exakt denselben 5 Prozent gebildete verschiedengeschlechtliche Paare (jeder Schwule wäre also mit einer Lesbe verpartnert), dann wären diese Homohasser höchstwahrscheinlich zufrieden.
    Natürlich wäre diese Aktion völlig sinnfrei, würde womöglich 43.000 unglückliche Paare schaffen und geht die Homohasser mit ihren bescheuerten Ansichten, wie eine Familie zu sein hat auch überhaupt nichts an.

    Jetzt gibt es hierzulande mittlerweile eine Zivilehe für jeden.
    Jeder Mensch hat das Recht einen anderen mündigen geliebten Menschen zu heiraten.
    Ich frage mich immer wieder, ob die "Argumente", heute dürfe man einen Menschen des gleichen Geschlechtes heiraten, morgen dann seinen Hund, sein Fahrrad oder sein Kind tatsächlich ernst gemeint sein sollen.
    Meinen diesen Unsinn wirklich ernst oder geht es denen um ein absichtliches Übertreiben und lächerlich machen.

    Diese "Argumente" sind so substanzlos wie unlogisch.
    Da stimmt man heute im Parlament gegen gleiche Rechte für Homosexuelle, weil morgen die "Haustier-Liebhaber" kommen würden?

    Man stimmt also gegen ein Gesetz, weil man morgen nicht für ein völlig anderes Gesetz stimmen will?

    Die jetzige Ehe für alle wurde seit Ewigkeiten mit einem Wahnsinnsdruck immer wieder ins Spiel gebracht und erst nach vielen Jahren harter politischer Arbeit, nach vielen Gerichtsurteilen und unendlich viel Engagement der LGBT-Community möglich gemacht.

    Von Haustierehen war in all dieser Zeit niemals die Rede und kein Mensch mit nur einem Fitzelchen politischen Sachverstandes würde tatsächlich ernsthaft prognostizieren, dass sich jemals eine Mehrheit für derartige Gesetze findet.
    Nur die Menschen, für die eine Liebe zu einem Angehörigen desselben Geschlechtes wirklich genauso absurd finden, wie den Wunsch, eine Kröte oder einen Goldhamster zu heiraten werden ernsthaft solche Befürchtungen in den Raum stellen. Wer aber wirklich glaubt, es fänden sich alsbald politische Mehrheiten für derartige Gesetze, den kann man getrost als völlig weltfremd bezeichnen.

    Man vergleiche nochmal das Verhältnis zwischen den 43.000 eingetragenen LP und den 17,2 Millionen Ehen.

    Heute werden hierzulande keine LP mehr geschlossen, sondern ausschließlich gesetzliche Ehen nach bürgerlichem Recht.

    Konservative sagen immer, dass man Ungleiches nicht gleich behandeln darf.

    Die Gleichberechtigung von vielen verschiedenen Menschen mit noch wesentlich mehr verschiedenen Menschen ist aber verfassungsrechtlich geboten und entspricht eben doch durchaus dem Gleichheitsgrundsatz.
    Dort heißt es nämlich, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind.
    Dort steht keinesfalls, dass sich diese vor dem Gesetz gleichseienden Menschen nicht voneinander unterscheiden dürfen.

    Wenn der Gesetzgeber den 5 Prozent Schwulen und Lesben dasselbe Recht einräumt, einen geliebten Menschen zu heiraten, dann darf diese kleine Minderheit dasselbe konservative Recht wahrnehmen, diese besagte Einstehungsgemeinschaft einzugehen, die juristisch Ehe genannt wird.
    Sicherlich gleichen sich ein konservatives Hetero- und ein konservatives Homopaar weitaus mehr als ein konservatives Heteropaar einerseits mit der Familie Flodder auf der anderen Seite.

    Dass Homosexuelle heiraten dürfen bedeutet keinesfalls, dass sämtliche Homosexuellen nun heiraten wollen.
    Es wird nur eine kleine Minderheit sein von einer ohnehin recht kleinen 5-Prozent-Minderheit.

    Diejenigen, die sich aber dazu entschließen zu heiraten und füreinander einzustehen, sind keinesfalls Heteros, die sich aufgrund der Eheöffnung für eine Homoehe entscheiden und dadurch den geplanten Nachwuchs sausen lassen.

    Es heiratet niemand gleichgeschlechtlich, der nicht schon vorher in der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft steckte.

    Wenn in einem Land nur 95 Prozent den Partner ihrer Wahl ehelichen dürfen (von denen aber ohnehin nur die Minderheit verheiratet ist), dann schadet es keinem verheirateten Menschen im Land, wenn die übrigen 5 Prozent nun auch heiraten dürfen (unabhängig von der Form ihrer Genitalien). Auch von diesen 5 Prozent will aber auch hier nur ein kleiner Teil der Menschen heiraten.

    Es macht stattdessen aber klar, dass auch Schwule und Lesben normale und nicht selten konservative Werte leben und entsprechende Lebensentwürfe haben, was das Bedürfnis nach Eheschließungen deutlich machen sollte.
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#8 Micky MausAnonym
#9 raganello
  • 02.06.2018, 18:37h
  • Mir ist die Tatsache fremd, dass Homosexualität Familien oder Eltern oder Kinder bedrohen. Wie werden denn Homosexuelle andere Menschen bedrohen?
    Ist die Unterdrückung der Rechte und der Wahrheit nicht selber eine Bedrohung, allerdings für Homosexuelle?

    Was hätte man denn erwarten können bei solch einer Partei. Ich verstehe nicht, wie die Lega Nord mit den M5S zusammen konnte. In diesem und in vielen weiteren Fällen gibt es doch gar keine Schnittmengen.
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#10 QueerblickAnonym
  • 02.06.2018, 19:13h
  • Als Südtiroler mit italienischer Staatsbürgerschaft überraschen mich die Aussagen des neuen Familieministers nicht. So manche Bischöfe, Kardinäle ( auch in Deutschland ) werden sich über die gemachten Äußerungen freuen. Der Wind für die GLBTIQ-Gemeinschaft in Italien wird nun rauher, kälter. Dies zeigt, wie sehr schnell die politische Rechte erkämpfte Rechte der GLBTIQ in Frage stellt bis hin zur Gefahr der Aufhebung. Die mir nicht genommene Hoffnung: jede gegebene, gewählte Macht von unten ( diesmal siegte das rechte Lager bei den Parlamentswahlen ) ist nicht für immer.
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