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Gefühle

Neugier aufs Leben: George Garcia

Das Debütalbum "Jeder Tag zählt" des deutsch-spanischen Musikers überzeugt mt einer entwaffnenden Emotionalität.


"Jeder Tag zählt" ist auch das Ergebnis eines langen persönlichen Reifeprozesses, bei dem Garcia mehr als einmal über Start gehen musste – viele seiner Themen trägt er Jahre mit sich herum, bis er einen Stift in die Hand nehmen kann, um sie aufzuschreiben (Bild: Philipp Nemenz)
  • 4. Juni 2018, 09:07h, noch kein Kommentar

Immer und überall geht es ums Gefühl. Aber Gefühle nicht nur zulassen, sondern auch darüber zu reden, fällt uns in unserer standardisierten Welt immer schwerer. Der Münchner Singer/Songwriter George Garcia schiebt diesem unerträglichen Leerstand jetzt einen Riegel vor. Seine Songs sind von einer entwaffnenden Emotionalität, bei der sich nicht nur sein südländisches Temperament Bahn bricht, sondern auch das Bedürfnis seinem Gegenüber einen Blick hinter die eigene Maske zu gewähren.

Ein Jahr sollte es nach der im Juli 2017 veröffentlichten Single mit dem Titel "Mittendrin" dauern, bis der Sänger, Komponist, Produzent und Arrangeur uns nun auf seinem Album "Jeder Tag zählt" mit einem entspannten Selbstbewusstsein gegenübertritt. Anspruchsvoll und mitreißend ist das ihn charakterisierende, präzise, orchestrierte Spiel mit Laut und Leise, Warm und Kalt, Hell und Dunkel.

"Für mich ist es wie ein Wunder, welche Kräfte man freisetzt, wenn man an die Verwirklichung eines Traums glaubt. Ich nutze jede Sekunde, um zu komponieren, produzieren und an meinen Texten und Arrangements zu arbeiten". So drückt Garcia die Leidenschaft und den Perfektionismus aus, mit dem er die Songs des Albums "Jeder Tag zählt" feingeschliffen hat. Exzessiv ehrlich! Unwiderstehlich sensibel!

"Jeder Tag zählt" ist auch das Ergebnis eines langen persönlichen Reifeprozesses, bei dem Garcia mehr als einmal über Start gehen musste. Viele seiner Themen trägt er Jahre mit sich herum, bis er einen Stift in die Hand nehmen kann, um sie aufzuschreiben. Zugleich ist das Album ein Stück in Wort und Klang gemeißelte Autobiografie. Der Deutsch-Spanier weiß, was es bedeutet, Hindernisse zu überwinden, sich zu hinterfragen, sich mit sich selbst zu konfrontieren. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und seine Aufrichtigkeit ist in einer Umgebung, in der wir längst gelernt haben, unsere Hoffnungen und Ängste zu chiffrieren, mehr als berührend.

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Große menschliche Kraft in Garcias Songs


Das Debütalbum "Jeder Tag zählt" von George Garcia ist am 1. Juni 2018 erschienen

In Andalusien geboren, kommt er als Sechsjähriger nach München. Seine Liebe zur Musik war bereits ein Jahr früher erwacht. Er lernt Geige und Klavier, doch sein Ehrgeiz hält sich in Grenzen. Mit 17 bricht er die Schule ab, beginnt erst eine kaufmännische Lehre, um dann in München Jazz zu studieren und das Studium abermals kurz vor dem Abschluss abzubrechen. Die Brüche in Garcias Biografie sollen sich fortsetzen und ihn stark machen.

Auf der Suche nach seinen Wurzeln kehrt er nach Spanien zurück und schlägt sich mit verschiedenen Jobs durch. Zurück in Deutschland entscheidet er sich für ein Medizinstudium, das er nach vier Semestern selbstredend abbricht. So geht es weiter und immer weiter, bis er 2003 nach Abschluss seines Marketing Studiums anfängt für unter anderem für die Sängerin Katie Melua zu arbeiten und sie in Deutschland zum Superstar aufbaut. Doch dem Glückssucher reicht es nicht, die Sphären des Erfolges im Dienste anderer kennenzulernen.

Er will seine eigenen Gefühle zum Ausdruck bringen. 2010 beginnt er mit dem Aufbau seines Labels und Verlages Autentico Music, noch einmal vier Jahre später setzt er sich ans Klavier, um seine eigenen Lieder zu komponieren.

All diese Brüche und seine Neugier aufs Leben sind in Garcias Liedern hörbar. Unfreiwillige Wendungen verstaut er gewinnbringend in der Schatztruhe des Lebens. "Mit Mitte 40 ist es ein schönes Gefühl zurückzuschauen, Schmerz, Trauer und Freude zu rekapitulieren und den Weg, den man geht, auf Papier und später zu Gehör zu bringen". Garcias Lieder sind alles andere als melancholische Retrospektiven des Verlorenen, mehr eine Übersetzung von Erfahrenem und Erlebtem in die Zukunft. "Was hinter uns liegt, können wir nicht mehr gestalten! Die Musik gibt mir die Chance, das Erlebte buchstäblich zu interpretieren".

Direktlink | Offizieller Albumteaser zu "Jeder Tag zählt" von George Garcia

Garcia weiter: "Ich möchte nicht behaupten, Dinge zu sagen, die so noch nicht gesagt wurden". Er setzt auf vertraute Gefühle und will von ihnen so erzählen, wie eben nur er allein von ihnen zu erzählen vermag. Es mag simpel klingen, aber diese Lieder setzen beim Hörer nichts Anderes voraus als zwei Ohren und ein offenes Herz.

George Garcia mag in seinem Leben viel aufgesammelt haben, doch mit seinen Liedern geht er bei Start los. Er positioniert sich eindeutig, und doch öffnet er dem Hörer gleichzeitig mit jeder Zeile unendliche Freiräume zur eigenen Auslegung. In dieser emotionalen Flexibilität liegt die große menschliche Kraft seiner Songs.

Garcias Songs bilden in ihrer Gesamtheit einen der menschlich ergreifendsten Liederzyklen der jüngeren Zeit, die trotz aller Leichtigkeit der Umsetzung den Vergleich mit den großen klassischen Liederzyklen der Vergangenheit nicht zu scheuen brauchen. (cw/pm)