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#ToRussiaWithLove

Queere Fußballfans veranstalten Mahnwachen vor russischen Vertretungen

Vier Tage vor Beginn der Fußball-WM wollen LGBTI-Aktivisten in fünf deutschen Städten vor russischen Konsulargebäuden Händchen halten.


Queere Fußballfans befürchten Repressionen während der WM in Russland (Bild: QFF)

Für den kommenden Sonntag um 14 Uhr laden die Queer Football Fanclubs, das Netzwerk der schwul-lesbischen Fußball-Fanclubs, zu Demonstrationen vor den diplomatischen Vertretungen Russlands in Berlin, Bonn, Frankfurt, Leipzig und München ein. Die Veranstaltungen tragen den Titel: "Holding Hands For LGBTI Rights".

Twitter / QFFde


Die QFF-Aktivisten haben bereits seit Wochen unter dem Hashtag #ToRussiaWithLove unter anderem beim Internationalen Tag gegen Homophobie oder bei CSDs angesichts der am 14. Juni beginnenden Fußball-WM auf staatliche Repressionen gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten in Russland hingewiesen. Die Teilnahme am öffentlichen Leben sei für LGBTI in Russland angesichts des Gesetzes gegen Homo-"Propaganda" praktisch unmöglich. Das betreffe auch queere Fußballfans bei der WM; sie müssten sich "sehr vorsichtig äußern und verhalten, um nicht zum Ziel staatlicher Verfolgung oder gar massiver körperlicher Übergriffe seitens gewaltbereiter russischer Hooligans zu werden", so QFF.

Dem Netzwerk gehören rund drei Dutzend schwul-lesbischer Fanclubs aus Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und Spanien an. Dazu zählen der Bayern-Fanclub MonacoQueers, der RB-Fanclub RainbowBULLS und der Fanclub Andersrum auf Schalke.

LSVD: Deutsche Politik und DFB müssen Flagge zeigen

Unterstützt wird die Aktion auch vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland. LSVD-Sprecher Christian Rudolph forderte am Donnerstag die deutsche Politik und den Deutschen Fußballbund dazu auf, "sich nicht nur mit der Weltmeisterschaft zu schmücken." Vielmehr sollte die Chance genutzt werden, "auf die schwierige Menschenrechtslage in Russland und die Verfolgung und Ermordung von homosexuellen und transgeschlechtlichen Menschen in Tschetschenien aufmerksam zu machen."

Rudolph erklärte weiter: "Russische Lesben, Schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen benötigen sichtbare Zeichen der Solidarität." So könnten Politiker oder Fußballfunktionäre ein Zeichen setzen, indem sie sich mit unabhängigen russischen Menschenrechtsorganisationen treffen oder Veranstaltungen des russischen LGBTI-Sporverbands besuchten. Eine Gruppe von Europa-Abgeordneten hatte zudem bereits Regenbogenschnürsenkel an WM-Teams verschickt (queer.de berichtete).

Zwar betonten die WM-Ausrichter zuletzt mehrfach, dass auch LGBTI-Sportfans willkommen seien und es trotz des Gesetzes gegen Homo-"Propaganda" keine Strafen für das Schwenken von Regenbogenfahnen in Stadien geben werde. Dennoch zeichnet sich bereits jetzt eine agressiv homophobe Atmosphäre ab; im WM-Austragungsort Rostow am Don brachte etwa ein Bäcker ein Holzschild mit der Aufschrift "Schwuchteln nicht erlaubt" an seinem Laden an und in der Stadt sollen auch Kosaken für die Sicherheit der Fans sorgen, die bereits angekündigt haben, küssende Homo-Paare der Polizei zu melden (queer.de berichtete).

Die Fan-Organisation "Football Against Racism in Europe" (FARE) warnt in ihrem kürzlich vorgestellten Bericht (PDF auf Englisch) zur Lage der Diskriminierung im russischen Fußball davor, dass sich in den letzten Jahren der Hass auf Homosexuelle in den Stadien verstärkt habe. Grund sei auch die Staatshomophobie unter Putin. Am Donnerstag veröffentlichte FARE einen ausführlichen Guide zur WM und allen WM-Städten, der auch Infos für LGBTI-Besucher bereit hält. In Moskau und St. Petersburg eröffnet die Organisation während der Spiele zudem ein "Diversity House" und hat für Fans eine Hotline geschaltet, an die sie sich bei Gewalterfahrungen wenden können (Whatsapp +7 916 948 11 08, täglich 10-23 Uhr). (dk)

Holding Hands For LGBTI Rights

Die Veranstaltungen beginnen am 10. Juni ist 14:00 Uhr vor dem jeweiligen Konsulargebäude.

Die Adressen lauten:

Berlin: Unter den Linden 63-65, 10117 Berlin

Bonn: Waldstr. 42, 53177 Bonn

Frankfurt am Main: Eschenheimer Anlage 33, 60318 Frankfurt

Leipzig: Turmgutstr. 1, 04155 Leipzig

München: Maria-Theresia-Str. 17, 81675 München


#1 PionAnonym
  • 07.06.2018, 13:05h
  • Die Fußball-WM sollte auf jeden Fall genutzt werden, um auf die dortigen Missstände aufmerksam zu machen.

    Nicht dass die glitzernde Oberfläche manche noch von der Wahrheit ablenkt und für deren Propaganda wie toll dort alles sei missbraucht wird.
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#2 swimniAnonym
  • 07.06.2018, 14:13h
  • gute aktion ----Russland muss endlich liberaler werden und Putins gift neutralisieren
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#3 D F BAnonym
#4 Alexander_FAnonym
  • 07.06.2018, 21:12h
  • Antwort auf #2 von swimni
  • Leider kommt dieses Gift keineswegs nur von Putin. Der ist sogar, so komisch das klingt, im Vergleich zu vielen seiner Spießgesellen vor allem der Kosaken-SA noch vergleichsweise liberal eingestellt. Wenn er wirklich hätte punkten wollen, hätte er homosexuelle Handlungen gleich wieder unter Strafe gestellt. Nur wäre das dann gegen ihn gegangen, weil die LGBTs in seinen eigenen Reihen dann drangewesen wären.

    Das Problem ist leider sehr tief in der russischen Gesellschaft verwurzelt, und es rührt einerseits von der Religion her, andererseits von einem Sowjetatheismus, der Schwule entweder als Dekadenzerscheinung des Kapitalismus oder gleich als Nazis betrachtete. Es ist schon sehr bezeichnend, dass das einzige russische Wort, das Schwule wertungsfrei beschreibt, aus dem Englischen stammt: 'gej'.
    Und was ich selbst in Russland von Betroffenen gehört habe, lässt einen wirklich erschaudern. Auf dem Lande ist unsereiner da seines Lebens schonmal nicht sicher, und auch in der Großstadt kann man sich verdammt glücklich schätzen, wenn man Freunde findet, denen man das erzählen kann, ohne verprügelt zu werden.
    Unsere Brüder und Schwestern dort haben wirklich einen schweren Stand.

    Ich möchte dir aber keineswegs darin widersprechen, dass sich das ändern muss. Nur befürchte ich, dass dafür mehr weg muss, als nur Putin. Ich habe da selbst kein Patentrezept, aber ich würde fast meinen, eine militärische Niederlage gegen die westlichen Schwuchteln könnte einen Denkanstoß darstellen.
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#5 von_hinten_genommenAnonym
#6 Alexander_FAnonym
  • 08.06.2018, 18:14h
  • Antwort auf #5 von von_hinten_genommen
  • Über kurz oder lang wird es ohnehin dazu kommen, denn falls es dir entgangen sein sollte ist ein beträchtlicher Teil der Ukraine in den letzten Jahren durch russisch unterstützte Paramilitärs an Russland gefallen. Putin stützt sich vor allem auf solche "Siloviki", die unabhängig von Recht und Ordnung agieren und die nur darauf warten, endlich loszulegen. Russland hat auch wirtschaftlich sonst nicht mehr viel zu bieten, rüstet aber dafür seit Jahren beträchtlich auf. Alle Zeichen deuten also darauf hin, dass Putin und seine Bluthunde den Krieg gegen den dekadenten schwulen Westen wollen.

    Wie aber, wenn sie den verlören? Dann würde es die derzeitige klerikalfaschistische Ideologie, die dahin geführt hat, äußerst in Frage stellen. Und da die westlichen Armeen technisch immer noch deutlich die Nase vorn haben, bin ich recht zuversichtlich, dass sich Putin in einem solchen Falle die Finger verbrennen würde. Für unsere Brüder und Schwestern in Russland wäre das nicht das Schlimmste.

    Dass man mich nicht falsch verstehe: Krieg ist natürlich die Hölle. Und es hätte natürlich auch ein gewisses historisch bedingtes Geschmäckle, als Deutsche gegen Russland die Waffen zu erheben. Aber ein "Frieden", der sich allein auf die Zusammenschweißung der Gesellschaft durch Kanalisation der Unzufriedenheit gegenüber einer Judenersatzgruppe gründet, wie das in Russland beobachtet werden kann, ist noch viel schlimmer und verdient allenfalls den Namen Friedhofsruhe.

    Es ist natürlich richtig, dass unsere bewaffneten Streitkräfte so kaputtgespart sind, dass sie derzeit kaum einsatzfähig wären. Das wäre aber durchaus leicht zu ändern, und wie ich finde mehr als nur angebracht.
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