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Einführung ab Herbst geplant

HIV-Selbsttest bald in Deutschland erhältlich

Das Bundesgesundheitsministerium will die in einigen anderen EU-Ländern bereits möglichen Selbsttests auf HIV-Antikörper auch in Deutschland einführen.


Ein HIV-Antikörper-Selbsttest mit positivem Testergebnis (Bild: nb)

Das Bundesgesundheitsministerium will ein Gesetz erlassen, das ab Herbst HIV-Selbsttests auch in Deutschland frei verkäuflich für jedermann zugänglich macht. Dies berichtet die Funke-Mediengruppe unter Berufung auf das Ministerium; ein entsprechender Referentenentwurf zur Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung werde am Freitag an Länder und Verbände zur Abstimmung geschickt.

"Der HIV-Selbsttest ist ein Meilenstein beim Kampf gegen Aids. Er kann auch jene erreichen, die sich sonst nicht testen lassen würden", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dem Blatt. HIV-Schnelltests dürfen in Deutschland bislang nur an Ärzte, Krankenhäuser, Gesundheitsämter, medizinische Laboratorien oder Beratungsstellen abgegeben werden – doch viele Menschen scheuen den entsprechenden Schritt der Kontaktaufnahme.


Jens Spahn leitet seit März das Gesundheitsministerium (Bild: BMG)

"Schätzungsweise 13.000 Menschen in Deutschland wissen nicht von ihrer HIV-Infektion", warnte Spahn unter Berufungen auf Schätzungen des Robert-Koch-Instituts. "Je früher Betroffene die Diagnose HIV kennen, desto früher können sie gut behandelt werden. Und andere haben bei Unsicherheit die Chance auf schnelle Gewissheit, nicht infiziert zu sein."

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt seit 2016 den Einsatz von HIV-Selbsttest als zusätzliches Angebot. Bei Gesprächen des Ministeriums mit Experten aus der Ärzteschaft, den Ländern, des öffentlichen Gesundheitsdienstes und der Selbsthilfe-Organisationen hatten sich diese im letzten Sommer für die Freigabe der Tests ausgesprochen.

"Wichtiger Fortschritt"

"Die Einführung des HIV-Selbsttests ist ein wichtiger Fortschritt", betonte Sylvia Urban vom Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe. "Sie wird dazu beitragen, dass mehr Menschen möglichst früh von ihrer HIV-Infektion erfahren und eine Therapie in Anspruch nehmen können. Das verhindert Aids-Erkrankungen und weitere HIV-Übertragungen."

Den HIV-Test selbst zu Hause durchführen zu können, kann die Hemmschwelle senken, so die DAH. Manche Menschen scheuen sich, in einer Arztpraxis, im Gesundheitsamt oder in einem Checkpoint der Aidshilfe danach zu fragen. Gründe können zum Beispiel Scham oder Angst vor einer negativen Bewertung ihres sexuellen Verhaltens sein. Andere Menschen würden den Test vor sich her schieben. Wenn sie den Selbsttest einfach in der Apotheke, der Drogerie oder im Online-Handel kaufen können, kann das motivieren, sich früher oder häufiger auf HIV zu testen.


Gängige HIV-Heimtests aus Frankreich und den Niederlanden. Bereits jetzt kann man Tests aus dem EU-Ausland online bestellen, die aber vom Zoll abgefangen werden können. Über die verschiedenen Angebote sollte man sich vorab gut informieren, rät die Aids-Hilfe. In Deutschland sollen nur Tests zugelassen werden, die einfach und sicher sind (Bild: nb)

Schätzungen zufolge wird der Test zwischen 20 und 50 Euro kosten, ggf. plus Versand. Die Schnelltests von Ämtern oder Beratungsstellen sind oft günstiger oder kostenlos.

Je früher, desto besser

"Heute ist klar: Je früher man von seiner HIV-Infektion erfährt, desto besser", so Urban. "Wer rechtzeitig behandelt wird, hat eine fast normale Lebenserwartung und kann leben wie andere Menschen auch. Es lohnt sich, Bescheid zu wissen!"

Die gängigen Tests prüfen auf das Vorhandensein von HIV-Antikörpern und gelten, ab rund zwölf Wochen nach einer Ansteckung, als zuverlässig. Ein HIV-Test empfiehlt sich immer, wenn eine Übertragung stattgefunden haben könnte. Schwulen Männern empfiehlt die Deutsche Aids-Hilfe einen jährlichen Routine-Check, da sie statistisch ein höheres Risiko haben, sich mit HIV zu infizieren.

Begleitende (anonyme) Beratung durch Angebote der Aidshilfen ist persönlich, telefonisch und per E-Mail sowie für schwule Männer auch im Live-Chat möglich. (nb/pm)



#1 DerStephanProfil
  • 08.06.2018, 10:23hNürnberg
  • Ein guter Schritt.
    Vor allem für die, Menschen die Hemmungen haben und ihre Sexualität neben Frau und Kind heimlich ausleben wollen(!).
    Das findet dann oft einfach an einem Crusingparkplatz statt. Unter solchen Umständen wird oft nicht auf Verhüttung geachtet. '

    So kann man dann wenigstens im nachhinein wenn das Gehirn wieder ohne Geilheit normal funktioniert sich testen ohne jemanden in die Augen schauen zu müssen.

    Die Frage ist nur dann, ob bei einem positiven Ergebnis die Hemmungen zur Familie oder Partnern noch eine Rolle spielen.

    #seid_ehrlich_wenns_um_die_gesundheit_geht
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#2 Homonklin44Profil
  • 08.06.2018, 10:50hTauroa Point
  • Das befürworte ich sehr.

    Das hilft auch vielen Menschen, die im Zusammenhang unfreiwilliger Sexualkontakte eine Angst, Bedenkens- oder Schamkulisse in sich tragen. Es hilft besonders auch all denen, die ungeouted leben und keine Risiken eingehen wollen, irgendwo registriert, wiedererkannt zu werden, oder darauf nicht angesprochen werden möchten.

    Gleichzeitig wundert mich, warum man auf ausdrückliches Bitten darum in einer Uni-Klinik keinen HIV-Test bekommt. Ob das mit dem Auftrag zum "wirtschaftlichen" Haushalten am Patienten zusammenhängt, ( unnötige Extras) oder mit irgendwelchen ganz seltsamen Vorgaben, würde mich ja schon interessieren.
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#3 Ulli_2mecsProfil
#4 Patroklos
#5 FozzyklosAnonym
#6 andreAnonym
  • 08.06.2018, 14:08h
  • Antwort auf #4 von Patroklos
  • Eigentlich hast Du recht. Wobei, ich meine nicht, die Sicherheit. Aber mit Selbsttest, können, psysisch labile Leute, gleich zu Hause, vom Balkon springen, wenns denn positiv ist. Und wenn ein Arzt dabei ist, der sagt ja, bei positivem Ergebnis, zumindest ein paar "begleitende, aufmunternde" Worte. Und sagt, was zu tun ist. Beim Arzt ist, meine ich, besser. Ist eben was Anderes, wie ein Schwangerschaftstest, wo man sich, maximal, Gedanken macht, wer der Vater sein könnte.
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#7 Rosa SoliAnonym
  • 08.06.2018, 14:40h
  • Antwort auf #6 von andre
  • Es gibt ja bereits Erfahrungen aus anderen Ländern, wo der Selbsttest bereits zugelassen ist. Solche Dramen haben sich dort nicht abgespielt, niemand hat Selbstmord begangen. Wohl aber hat der Selbsttest dazu geführt, dass sich mehr Menschen getestet haben.

    Mit dem Selbsttest werden die bisherigen Test-Angebote nicht abgeschafft, es ist eine sinnvolle Ergänzung. Wer weiterhin Beratung und einen Arzt dabei haben will, wird das jederzeit so tun können.

    Diejenigen aber, die den Arzt oder die Beratungsstelle gescheut haben, kriegen jetzt einen qualitativ guten Selbsttest und müssen sich diesen nicht mehr von dubiosen Quellen im Internet liefern lassen.

    Das ist ein echter Fortschritt!
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#8 AuntieBiotic
#9 andreAnonym
  • 08.06.2018, 19:05h
  • Antwort auf #7 von Rosa Soli
  • Und dann noch was, was ich allerdings gut finde. Habe ich gelesen. Vermutlich erfahren, durch
    die Diskretion beim Selbsttest, mehr Menschen, ob sie positiv sind. Jeder 2. und das ist sehr viel, weiß es nämlich nicht und ist positiv. (Quelle: n-tv)
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#10 Finn4Anonym
  • 08.06.2018, 21:20h
  • Dadurch das HIV mittlerweile behandelbar ist, finde ich es ok dass man den Test zuhause anwenden kann. Früher als es noch nicht so gute Medikamente gab hätte ich das nicht befürwortet.

    Ich komme aus einer Familie mit Chorea Huntington. Jeder ungetestete und bis dato nicht erkrankte Familienangehörige gilt als Risikoperson. Die Wahrscheinlich es vererbt gekriegt zu haben liegt bei jedem bei 50 Prozent.
    Wer sich testen lassen möchte muss zuvor ein langes Gespräch beim Humangenetiker führen und kann einen Test machen, den aber erst Wochen später in einem weiteren Gespräch mitgeteilt kriegen. Bis zur Mitteilung hat man jeder Zeit die Möglichkeit die Meinung zu ändern, denn es gibt in Deutschland ein Recht auf Nichtwissen.
    Das heftige ist bei einem positiven Ergebnis, man ist völlig gesund aber weiß dass man definitiv irgendwann erkranken und daran sterben wird. Wann man ungefähr erkrankt hängt von den Triplet Widerholungen des Gens ab die man auch mitgeteilt bekommt. Es gibt bis dato keine Therapie, so dass einem frühes Wissen keine Lebenszeit schenkt.
    Ich habe mich trotzdem letztes Jahr testen lassen weil ich besser mit Wissen als Unwissen leben kann. Der Testzeitraum war eine Tortour, aber ich bin glücklicherweise negativ. Der Test meiner Schwester steht noch aus. Das Thema CH bleibt bei uns auch präsent, da meine Mutter erkrankt ist.
    Sorry aber ich musste mir das von der Seele schreiben.
    Ich weiß auf jeden Fall was es bedeutet Angst vor einem Ergebnis zu haben und da können wir nur hoffen dass die Forschung stetig weiter geht, sei es beim Thema HIV oder CH.
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