Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?31325

Italien

Mafia-Villa wird queeres Zentrum

Erstmals kommt ein von der Mafia eingezogener Besitz einer LGBTI-Organisation zugute.

Die italienische Küstenstadt Castel Volturno hat ein beschlagnahmtes Grundstück samt Villa, das von der Mafia genutzt wurde, der LGBTI-Organisation Rain Arcigay Caserta zur Verfügung gestellt, um damit einen Zufluchtsort für queere Menschen und Flüchtlinge zu schaffen.



Dimitri Russo, Bürgermeister der Stadt mit 25.000 Einwohnern nordwestlich von Neapel, sagte gegenüber Reuters, man wolle damit ein Zeichen für Akzeptanz gerade im konservativen Süden Italiens setzen. So werde sich das Zentrum mit dem Schwerpunkt auf Notunterkunft an LGBTI richten, die in der Region von ihren Familien verstoßen wurden, und ebenso an Flüchtlinge, die in ihrer Heimat von Diskriminierung und Gewalt bedroht waren.

Nach Angaben von Arcigay ist es das erste Mal in Italien überhaupt, dass eingezogener Besitz einer LGBTI-Organisation zugute kommt. Das dreistöckige, an einem Fluss gelegene Gebäude, das dem Mafiaboss Francesco Rea aus Neapel gehörte, war bereits Ende der 1990er Jahre beschlagnahmt worden.

Ein Leuchtturm für die Region

Die Organisation kann das Gebäude nun zunächst für zwanzig Jahre kostenlos nutzen; zur Renovierung hat sie eine Crowdfunding-Kampagne gestartet und hofft dabei auf Einnahmen in Höhe von 60.000 Euro. Nebem dem Social Housing, für das Gemeinschaftsräume und eine Küche sowie Schlaf- und Badezimmer für acht Personen geplant sind, soll das Zentrum mit mehreren Räumen auch als klassisches LGBTI-Zentrum für die Region dienen.

Neben gesellschaftlichen Aktivitäten denkt der Verein dabei auch an Beratungs- und Unterstützungsangebote, die in der Region noch spärlich seien. Das nächste Unterkunfts-Projekt für LGBTI befindet sich gar im 200 Kilometer entfernten Rom.


Die Pläne für das Zentrum

Bernardo Diana von Arcigay betonte, gerade im Süden komme es noch häufig dazu, dass junge LGBTI und speziell Transpersonen von ihren Familien verstoßen würden. Auch die rund 600.000 Flüchtlinge, die in den letzten Jahren nach Italien gekommen waren, hätten mit Anfeindungen zu kämpfen – LGBTI unter ihnen sowohl von Italienern als auch durch Mitflüchtlinge.

Italien gilt in LGBTI-Fragen, auch dank des Einflusses der katholischen Kirche, als rückständig im politischen Bereich und gesellschaftlichen Leben. 2016 wurden nach langem Streit Lebenspartnerschaften eingeführt, aber ohne jegliches Adoptionsrecht. Das neue Regierungsmitglied Lega Nord kämpft aktiv gegen LGBTI-Rechte an; der neue Familienminister Lorenzo Fontana hatte kurz nach Amtsantritt betont, dass Regenbogenfamilien rechtlich nicht existieren würden (queer.de berichtete). (nb)



#1 PedroAnonym
  • 08.06.2018, 16:32h
  • "Italien gilt in LGBTI-Fragen, auch dank des Einflusses der katholischen Kirche, als rückständig im politischen Bereich und gesellschaftlichen Leben."

    Da sieht man wieder mal:
    die Kirche frisst nur dort Kreise, wo es marketingtechnisch raffinierter ist.

    Aber wo sie offen ihre Gesinnung zeigen kann, tut sie dies auch.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 schwarzerkater
#3 TheDadProfil
  • 09.06.2018, 23:32hHannover
  • Antwort auf #2 von schwarzerkater
  • Dazu bieten sich auch hierzulande einige Immobilien an, beispielsweise etliche ehemalige Gebäude des Nazi-Regimes in Berlin..

    Denn wozu muß der Finanzminister im ehemaligem Göbbels-Ministerium residieren ?

    Auch andere Gebäude böten sich dort an, wie etwa die ehemalige Konzern-Zentrale der IG-Farben in Frankfurt, oder wo wir schon dort sind, der Tower der Deutschen Bank..
  • Antworten » | Direktlink »