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Studie

Deutschland: PrEP-Nutzung stark angestiegen

Nach der Verfügbarkeit günstiger Monatsrationen nutzen immer mehr Menschen die "Pille zum Schutz vor Aids". Doch nicht jeder kann sich diese Verhütungsmethode leisten.


Die Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) ist eine Möglichkeit von mehreren, sich vor HIV zu schützen (Bild: NIAID / wikipedia)

Immer mehr Menschen nutzen in Deutschland die medikamentöse Prophylaxe PrEP, um sich vor HIV zu schützen. Seit im Oktober 2017 relativ günstige Präparate auf den Markt gekommen sind (queer.de berichtete), hat sich die Zahl der Nutzer verdreifacht und liegt jetzt bei rund 4.500.

Das ist eines der Ergebnisse der "PRIDE-Studie" zur PrEP-Nutzung in Deutschland, die Prof. Hendrik Streeck am Freitag beim Deutschen STI-Kongress in Bochum vorgestellt hat. Der Direktor des Instituts für HIV-Forschung der Universität Essen hat die Nutzung der Prophylaxe erstmals umfassend untersucht.

"Die PrEP etabliert sich in Deutschland schneller als in vielen anderen Ländern", so Streeck, das Interesse in der Zielgruppe sei hoch. Das sei "eine erfreuliche Entwicklung", denn: "Die neue Schutzmethode kann zahlreiche Menschen vor HIV bewahren und so dazu beitragen, dass die Zahl der Neuinfektionen sinkt".

Der Erfolg der PrEP sei ein Erfolg für die HIV-Prävention in Deutschland, betont Sven Warminsky vom Vorstand der Deutsche AIDS-Hilfe: "Die medikamentöse Prophylaxe ist eine zuverlässige Methode, sich zu schützen, und hat das Zeug, viele Infektionen zu verhindern. Für viele Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko ist sie unverzichtbar."

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Schutz darf keine Frage des Geldbeutels sein

Erschreckend sei vor diesem Hintergrund, dass Menschen mit geringerem Einkommen von dieser Schutzmethode ausgeschlossen sind, weil sie zu teuer ist. Prof. Streeck und sein Team stellten fest, dass die PrEP überwiegend von Besserverdienenden genutzt werde. Die Kosten für die Medikamente und die begleitenden Untersuchungen könnten sich auf bis zu 100 Euro im Monat summieren – für viele zu viel.

"Schutz vor HIV darf keine Frage des Geldbeutels sein", meint Warminsky. "Wir brauchen jetzt einen regulären Zugang für alle. Es ist an der Zeit, dass die Gesetzlichen Krankenkassen für das Medikament und die Begleituntersuchungen aufkommen. Nur so können wir die Chancen der PrEP voll ausschöpfen."

In vielen anderen Ländern wird die HIV-Prophylaxe bereits über die staatlichen Gesundheitssysteme zur Verfügung gestellt, so zum Beispiel in Frankreich, Australien und in US-amerikanischen Metropolen. Vielerorts sanken die HIV-Infektionszahlen laut DAH infolge der PrEP-Nutzung drastisch, etwa in England und in San Francisco.

Eine Studie der Universität Rotterdam ergab im letzten Jahr, dass die PrEP in Deutschland bis 2030 bis zu 9.000 HIV-Infektionen verhindern könnte. Das Gesundheitssystem würde damit hohe Folgekosten von HIV-Infektionen sparen.

Für Menschen mit erhöhtem Risiko

Die PrEP ist eine Schutzmethode für Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko. Neben Kondomen und der Schutzwirkung durch die HIV-Therapie ist sie die dritte Möglichkeit, eine HIV-Übertragung beim Sex zu verhindern. "Die PrEP wird die anderen Safer-Sex-Methoden nicht ablösen. Für manche Menschen ist sie aber die am besten geeignete Strategie, für einige die einzige auf Dauer praktikable", betont Warminsky.

Bei der PrEP nehmen HIV-negative Menschen – derzeit auf Privatrezept – ein HIV-Medikament mit zwei Wirkstoffen ein. Es verhindert die HIV-Übertragung bei regelmäßiger Einnahme so zuverlässig wie Kondome, kann aber auch zu Nebenwirkungen führen.

Bei der Aufklärung über die PrEP sieht Streeck noch Handlungsbedarf: "Die Studie deutet darauf hin, dass viele Anwender das Medikament nur phasenweise verwenden, etwa um bei einem bestimmten Anlass geschützt zu sein." Einige Studien und Erfahrungen in anderen Ländern legten nahe, dass dies möglich sei, aber die Datenlage sei noch dünn, so Streeck. Die DAH geht in ihren Infoseiten hingegen auf beide Möglichkeiten – tägliche Nutzung und anlassbezogene Einnahme – gleichermaßen ein.

Bei Anwendung der PrEP sei eine umfassende ärztliche Begleitung mit regelmäßigen HIV-Tests sehr wichtig, betonen sowohl der Forscher und die DAH. Auch Untersuchungen auf andere sexuell übertragbare Infektionen gehören dazu, damit sie gegebenenfalls schnell entdeckt und behandelt werden können. "Unser Ziel muss sein, dass den Anwendern alle Vorteile und Nachteile der PrEP genau erklärt werden", so Streeck. "PrEP schützt gut gegen HIV, aber nicht gegen andere sexuell-übertragbaren Erkrankungen. Umso wichtiger ist es, dass dies durch den Arzt begleitet wird." (nb/pm)



#1 AuntieBioticEhemaliges Profil
  • 08.06.2018, 17:59h
  • "Die Kosten für die Medikamente und die begleitenden Untersuchungen könnten sich auf bis zu 100 Euro im Monat summieren für viele zu viel.

    "Schutz vor HIV darf keine Frage des Geldbeutels sein" [...]. "Wir brauchen jetzt einen regulären Zugang für alle. Es ist an der Zeit, dass die Gesetzlichen Krankenkassen für das Medikament und die Begleituntersuchungen aufkommen."

    Meine absolute Zustimmung!
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Patroklos
#3 BluePageAnonym
#4 Patroklos
#5 überraschtAnonym
  • 09.06.2018, 07:50h
  • 4500?
    hab ich das richtig gelesen. Diese Zahl kommt mir doch sehr gering vor. Wenn ich in der Szene unterwegs bin, habe ich den Eindruck, dass viel mehr Männer PREP nehmen. Selbst wenn man annehmen würde, dass es nur ca. 500.000 schwule Männer gäbe, die Sex ausserhalb einer Beziehung haben, dann wäre das nicht mal 1 %. Die Angaben bei GRINDR und SCRUFF lassen da eher auf einen deutlichen höheren Anteil schliessen.
    Ich hoffe, dass sich PREP in D weiter verbreitet. Mit einem Kondom gemeinsam ist es der beste Schutz, und selbst wenn das Kondom nicht genutzt wird, so ist das HIV Risiko minimiert.
    Ich frage mich bis heute, warum D im Vergleich zu USA, Spanien oder Frankreich so lange mit der Einführung gewartet hat. Es hätten vermutlich tausenden von Neu-Infektionen verhindert werden können. Auch die immer noch hohen Kosten werden zu eigentlich unnötigen Neuinfektionen führen.
    Dafür zahl ich ca. 42 % Abgaben?
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#6 Nils BergmannAnonym
  • 09.06.2018, 12:37h
  • Antwort auf #1 von AuntieBiotic
  • Nöö, ich bin als Beitragszahler nicht bereit den Barebacksex der Mitschwulen zu finanzieren! Condome sind spottbillig und sogar gratis zu bekommen und schützen noch vor anderen sexuellen Krankheiten. Woher kommt eigentlich das Anspruchsdenken bei vielen Menschen?...
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#8 michael008
#9 AmarenaAnonym
  • 09.06.2018, 15:19h
  • Antwort auf #8 von michael008
  • Im Unterschied zu Raucherkrebs und Motorradunfällen kann man allerdings HIV-Infektionen durch Kondome vermeiden.

    Nils Bergmann hat daher völlig Recht mit seiner Anmerkung. Warum sollte auf Kosten der Solidargemeinschaft "Spaß für alle" finanziert werden, wenn es eine kostengünstige Alternative gibt?
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#10 AuntieBioticEhemaliges Profil
  • 09.06.2018, 15:37h
  • Antwort auf #9 von Amarena
  • Bullshit-Argumentation.

    Raucherkrebs kann man durch Nichtrauchen vermeiden; Motorradunfälle dadurch, dass man nicht Motorrad fährt. Im Gegensatz zum menschlichen Grundbedürfnis Sex sind weder Rauchen noch Motorradfahren Grundbedürfnisse.

    Ich persönlich bin es Leid, zum hunderttausendsten Mal sämtliche Argumente wieder hervorzuholen, die mindestens in den letzten 20-30 PrEP-Diskussionen hier im Forum bereits vollständig nachzulesen sind.

    Auf Dein Warum gibt es eine Antwort. Bzw. viele Antworten. Finde sie heraus, falls Du dazulernen willst. Falls nicht: Pech. DEIN Pech.
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