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"Kein Vorzeigekonservativer"
"Forum Deutscher Katholiken" greift Jens Spahn an
Der Vorsitzende des erzkatholischen Verbands wirft dem CDU-Politiker vor, mit seiner Homosexualität eine "schlimme Abirrung" auszuleben.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kämpft seit Jahren mit teils populistischen Äußerungen für ein konservatives Profil der Union und sorgte im Frühjahr etwa mit Aussagen zur Abtreibung für Schlagzeilen. Zugleich warb er – vorsichtig – für die Ehe für alle und die Akzeptanz von Homo- und Transsexuellen (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)
- Von Norbert Blech
10. Juni 2018, 12:49h 4 Min.
Hubert Gindert, der Vorsitzende des "Forums Deutscher Katholiken", hat dem CDU-Politiker und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in einem Blog-Beitrag vorgeworfen, aufgrund seiner ausgelebten Homosexualität und der Unterstützung der Ehe für alle kein "Vorzeigekonservativer" und kein "Hoffnungsträger für die Katholiken in der CDU/CSU" zu sein.
Der 2000 in Fulda gegründete Verein gilt als erzkatholische bis fundamentalistische Gegenbewegung zum Zentralkomitee der deutschen Katholiken, ist aber zugleich gut in Teile der katholischen Kirche und in rechte Politikerkreise vernetzt. Im Kuratorium sitzen mehrere, sich teilweise inzwischen im Ruhestand befindende Bischöfe, wie Heinz Josef Algermissen, Andreas Laun und Gerhard Ludwig Kardinal Müller, frühere Unions-Politiker wie Werner Münch, Bernd Posselt und Norbert Geis und Glaubenskrieger wie die homofeindliche Publizistin Gabriele Kuby.

Gindert 2016 beim Kongress "Freude am Glauben", den der Verein einmal jährlich veranstaltet
In dem Beitrag für das fundamentalistische und rechtspopulistische Blog "Christliches Forum / Charismatismus" arbeitet sich Gindert an dem Gedanken ab, Spahn werde als "Vorzeigekonservativer" bezeichnet. Ein solcher Begriff könne jemanden meinen, der "herausgehobene Werte unseres Grundgesetzes, z.B. den besonderen Rang der Ehe und traditionelle Werte, öffentlich vertritt".
Spahn vertrete "gelegentlich andere Positionen als Frau Merkel", schreibt Gindert anerkennend, habe aber "bei der von ihr eingefädelten Abstimmung über die 'Ehe für Alle' dafür gestimmt" und sei für Merkels "Gesamtkurs ungefährlich". Spahn sei "bekennender Schwuler und Katholik", so Gindert, der ätzt: "Bekennender Katholik, soweit die Kirche nicht seinem Lebensstil in die Quere kommt. Er ist kein Hoffnungsträger für die Katholiken in der CDU/CSU."
Spahn Katechismus um die Ohren geschlagen
Überraschen können diese Aussagen nicht: Das "Forum Deutscher Katholiken" macht immer wieder mit ausgrenzenden Aussagen Schlagzeilen. Allein bei seiner Jahrestagung 2015 referierte u.a. Hedwig von Beverfoerde über ihre Bewegung "Demo für alle", nannte Bischof Algermissen die Segnung von Homo-Paaren "destruktiv", warnte Werner Münch vor der "staatlich verordneten sexuellen Verführung unserer Kinder" durch Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt und zitierte Bischof Vitus Huonder ohne Distanzierung Aussagen des Alten Testaments zur Todesstrafe für Schwule – diese Stellen würden "genügen, um der Frage der Homosexualität aus der Sicht des Glaubens die rechte Wende zu geben" (queer.de berichtete).
Gindert schlägt Spahn in dem Gastbeitrag zwar nicht das Alte Testament, dafür aber den Katechismus der Katholischen Kirche um die Ohren. Die "Lehre der Kirche" gelte auch für Bundesminister, belehrt er Spahn. Dieser habe die Kirche "angegriffen", als er kritisiert habe, dass sie "beim Thema Homosexualität nicht umdenkt" und "dadurch viele Chancen vertan" habe. Spahn fühle sich von seiner Kirche, "wenn sie mich verdammt für das, was ich bin", nicht respektiert, zitiert ihn Gindert aus einem Gastbeitrag in der "Zeit"-Beilage "Christ&Welt" aus diesem Mai (queer.de berichtete).

Ausschnitt aus dem Gindert-Eintrag im Blog von Felizitas Küble, die dort homo- und transfeindliche Stellungnahmen, etwa von der "Demo für alle" und der "Aktion 'Kinder in Gefahr'", ebenso veröffentlicht wie erzkatholische Positionen oder Stellungnahmen aus rechten Unionskreisen und der AfD. Zuletzt arbeitete die Leiterin des Christoferuswerks in Münster vermehrt mit dem schwulen, erzkatholischen und rechten Publizisten David Berger zusammen
Aber Spahn sei "zur Wahrheit" verpflichtet, so Gindert; er könne "sich nicht, weil er zu Recht darauf spekulieren kann, dass die Katholiken ihren Glauben kaum mehr kennen, wie ein katholischer Analphabet geben." In Folge zitiert Gindert aus dem Katechismus in einer älteren Fassung aus 1997: "Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen haben tiefsitzende homosexuelle Tendenzen. Diese Neigung, die objektiv ungeordnet ist, stellt für die meisten von Ihnen eine Prüfung dar".
Man dürfe Homosexuelle nicht "ungerecht zurücksetzen", diese müssten aber, in Kurzfassung, ihr Leben mit dem Glauben in Einklang bringen. Gindert zitiert an dieser Stelle nicht noch die folgende Passage, wonach Homosexuelle zur Keuschheit aufgerufen sind. Er betont aber, Spahn zeige "mangelnden Respekt" gegenüber einer weiteren Passage des Katechismus: "Gestützt auf die Heilige Schrift, die Homosexualität als schlimme Abirrung bezeichnet, hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, dass die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind", heißt es darin.
Weiter zitiert Gindert zum Abschluss, die Handlungen verstießen "gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen."

Gindert 2014 bei einer "Demo für alle" in Stuttgart gegen Schulaufklärung über Homo- und Transsexualität im Bildungsplan in Baden-Württemberg, der als "Kulturkampf mit der Gender-Ideologie (…) gegen die Natur, gegen die Vernunft und gegen Gott" sei (Bild: Screenshot aus DfA-Video)
Spahn hatte Ende letzten Jahres seinen langjährigen Partner Daniel Funke geheiratet. Der 38-Jährige ist unter LGBTI-Aktivisten umstritten, weil er im Streit um den Bildungsplan in Baden-Württemberg oder um die Ehe für alle eine "Abrüstung" auf den jeweiligen "beiden Seiten" gefordert und mehrfach betont hatte, dass eine Ablehnung der Gleichstellung noch keine Homophobie darstelle. Der erzkonservativen "Werte-Union", die gegen "Genderforschung" und für ein "Leitbild 'Vater, Mutter, Kinder'" eintreten will, schrieb er kürzlich ein Grußwort (queer.de berichtete).














