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USA

Opfer des Orlando-Massakers verklagen die Polizei

Der Attentäter von Orlando ist tot, dennoch strengen Opferfamilien eine Klage an: Sie werfen der Polizei vor, wegen schlechter Ausbildung beim Anschlag versagt zu haben.


Der Anschlag kostete vor zwei Jahren 49 Menschen das Leben (Bild: flickr / Daniel Ruyter / by 2.0)

  • 11. Juni 2018, 17:36h, noch kein Kommentar

Mehr als 35 Opfer des Orlando-Massakers im queeren Club "Pulse" haben die Stadt Orlando, die städtische Polizei und über 30 Polizisten verklagt. Sie werfen den Polizeibeamten vor, dass diese während des Massakers vom 12. Juni, bei dem der islamistisch motivierte Attentäter Omar Mateen 49 Menschen erschossen hatte und mehr als 50 weitere verletzte, nicht richtig reagiert hätten und damit die verfassungsmäßigen Rechte der Opfer verletzt habe.

Bei den Klägern handelt es sich um Familienmitglieder von getöteten Personen und Club-Besucher, die bei dem Massaker anwesend waren. In der öffentlichen Klageschrift wird unter anderem ein Ex-Polizist mit vollem Namen genannt: Dabei handelt es sich um Adam R., der zum Zeitpunkt des Anschlags als Sicherheitspersonal im Club gearbeitet hatte. R. war zunächst von der Presse als Held gefeiert worden und erhielt einen Orden, weil er als erster den Attentäter in einen Feuerwechsel verwickelte.

Beim Verfahren gegen die Witwe des Attentäters kam allerdings heraus, dass R. seinen Posten als Securitymitarbeiter verlassen hatte, als Mateen in den Club kam. R. begründete seine Abwesenheit damit, dass er eine mutmaßlich minderjährige Person verfolgte, die sich trotz der gesetzlichen Altersbeschränkung von 21 Jahren im Club aufgehalten haben soll. Für R. ist die Klage besonders bitter, da er nach dem Anschlag von der Polizei gefeuert wurde, weil er wegen einer Posttraumatischen Belastungsstörung seine Aufgaben nicht mehr erfüllen konnte.

Vorwurf: Verfassungsrechte der Opfer verletzt

Laut der Klageschrift wird der Polizei auch vorgeworfen, die überlebenden Opfer "zusammengetrieben" und in einem Polizeigebäude zwangsweise festgehalten zu haben. Dabei sei der Besuch der Toilette nicht erlaubt gewesen, die Opfer hätten weder Trinken noch Essen erhalten und hätten nicht ihre Familien informieren dürfen. Ein solches Vorgehen sei in der US-Verfassung ausdrücklich verboten, selbst in einem Kriminalfall, so Opfer-Anwalt Solomon Radner bei einer Pressekonferenz.

Radner warf der Stadtverwaltung vor, Mitschuld an den vielen Toten gehabt zu haben: "Die Stadt Orlando hat ihre Gleichgültigkeit damit gezeigt, dass sie die Polizisten nicht ausreichend vorbereitet hat", sagte der Anwalt.

Berto Capo, der Bruder eines von Mateen erschossenen Mannes, erklärte weiter: "Was wäre gewesen, wenn das 'Pulse'-Sicherheitspersonal verhindert hätte, dass der Attentäter den Club betritt? Was wäre gewesen, wenn Orlando Polizisten mit besserer Ausbildung gehabt hätte? Wäre mein Bruder dann noch am Leben?"

Die Stadtverwaltung von Orlando wollte sich bislang nicht speziell zum Fall äußern, verteidigte aber ihre Polizisten, "die sich dem Attentäter entgegenstellten und so viele Leben wie möglich retteten". Wahrscheinlich werden beide Seiten hinter den Kulissen um die Höhe einer Abfindung feilschen.

Derartige Klagen sind in den USA üblich: So verklagten etwa Familienangehörige von Opfern des Terroranschlags während der Halloween-Parade 2017 in New York City Stadt und Bundesstaat auf 600 Millionen US-Dollar (eine halbe Milliarde Euro). Ein Islamist tötete damals mit einem Lieferwagen acht Fußgänger und Fahrradfahrer in Manhattan. In der Regel enden derartige Klagen mit einem Vergleich. (dk)