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Wahl-Berliner

Samuel Hope mach Hoffnung

Das Debütalbum "Other Man" des aus New York stammenden Musikers stellt der Welt eine neue Stimme vor: außerordentlich, auffallend und unverzichtbar.


Der gebürtige New Yorker Samuel Hope verließ seine geliebte Stadt mit acht Jahren, um nach New Jersey zu ziehen, heute nennt er Berlin sein zu Hause (Bild: Vitali Gelwich)
  • 13. Juni 2018, 10:14h, noch kein Kommentar

Der Rockwood Music Hall in New York City hat Sänger Samuel Hope viel zu verdanken, denn dort entwickelte er nicht nur seine musikalische Expertise, sondern erhielt auch den besten Rat seines Lebens: Bei guter Musik geht es um den Einklang einer wunderbaren Melodie und einer tollen Stimme. Hope folgt dieser Philosophie seit dem Tag, an dem er dort das erste Mal auf der Bühne stand. So ist es auch kein Wunder, dass diese beiden Elemente zentral für sein umwerfendes Debütalbum "Other Man" sind. Für den 34-jährigen Hope ist die Stimme das absolute A und O eines Künstlers – selbst wenn es sich bei der 'Stimme' um ein Instrument wie etwa Louis Armstrongs Trompete handelt.

"Other Man" stellt der Welt eine neue Stimme vor: außerordentlich, auffallend und unverzichtbar. Neben Hopes faszinierend einzigartiger Stimme präsentiert sich das Album in seiner Gesamtheit als eines der seltenen Werke, die den Zuhörer in ein wohlgerundetes und gut durchdachtes Klang-Universum einladen. "Lead Me On" schmerzt in seinem Anstieg, während "Carried Away" sowohl Leidenschaft als auch Frust ausstrahlt. Das melancholische, gequälte "Won't Put Up A Fight" erzählt mit unfassbar genauer Eleganz von einer verdammten Liebe – ähnlich wie "Nothing To Lose", dass nur Mittels Hopes sanfter Stimme und einer begleitenden Gitarre eine ähnliche Geschichte beschreibt. "Believe" beginnt vergleichbar mit seiner Stimme und einem Klavier, steigt aber schon bald zu einem erfassend dramatischen Schluss an.

Instrumentales Multitalent


Das Debütalbum "Other Man" von Samuel Hope ist am 8. Juni 2018 erschienen

Zusammen mit Mike Hedges entwickelte Samuel Hope einige der ausladenden, anspruchsvollen Arrangements des Albums. Schon während der Probephase ihrer Zusammenarbeit schaffte Hedges es, einige besondere Performances aus Hope zu ziehen. So entstanden "Runaway", üppig und beinahe schon episch, Hopes markante Stimme an der Grenze ihres Könnens, und "Hold On" mit all seiner emotionalen Eloquenz. "I Won't Keep You Waiting" ist eine fantastisch gefühlvolle Nummer, die durch unglaublich viel Ehrlichkeit und Soul überzeugt. Der letzte Titel, "Without Warning", leitet den Zuhörer feinfühlig wieder zurück zum ersten Titel des Albums. Gestützt von Bläsern und akustischen Gitarren kommt dieser Song zu einem unerwarteten und poetischen Schluss, dessen mehrdeutige Worte einem lange im Kopf bleiben: "I won't fly away/ Without warning…"

"Other Man" ist der Höhepunkt, auf den Hope sein Leben lang gewartet hat. Der gebürtige New Yorker verließ seine geliebte Stadt mit acht Jahren, um nach New Jersey zu ziehen. Fern von bekannten und geliebten Umgebungen wie dem Museum Of Natural History, dass er besser kennt als seine eigene Westentasche, fiel es dem jungen Musiker schwer, sich anzupassen. Die Idee, spontan in der Cafeteria mit seiner Blockflöte aufzutreten, war wenig hilfreich, wie er sich heute schmunzelnd erinnert. Doch schon bald wurden aus der Blockflöte eine Trompete und Gitarre, auf der er zu Hause Beatles Songs nachspielte. Nach jugendlichen Eskapaden in Richtung Hip Hop und Pop beruft er sich heute vor allem auf Musik, die er seinen Eltern zuschreibt: Lateinamerikanische Musik, hauptsächlich aus Kolumbien und Kuba, waren die Einflüsse seiner Mutter; die Beatles, Louis Armstrong, Barry White und Cat Stevens die seines Vaters.

Interessanter Weise hasste Hope das Singen in jungen Jahren. Selbst als er in seiner Jugend begann Lieder zu schreiben, ließ er sie lieber von anderen vorführen. Nach einigen Jahren realisierte er jedoch, dass nur er selber die Texte mit ihren feinen Nuancen richtig auf die Bühne bringen konnte. "Niemand hat es geschafft, die Essenz eines Songs so rüber zu bringen, wie ich es beim Schreiben im Kopf hatte. Nachdem einige Freunde mich dazu überredet hatten, war ich mit 19 dann so weit selber zu singen. Gelernt habe ich von Jeff Buckley's Grace." Noch bevor es ihm erlaubt war, selber zu trinken, trat er in New Yorker Kneipen auf. Heute sieht er diese Zeit als bestes Training: "Wenn dein Publikum sich unterhält während du spielst, musst du lernen interessanter zu sein. Ich habe mir immer vorgestellt, dass meine Show viel weiter reicht als mein eigenes Publikum. Ich wollte, dass selbst der Abwäscher im chinesischen Imbiss hinter dem Veranstaltungsort meine Musik fühlt."

Direktlink | Live Session von Samuel Hopes "Carried Away"

Nach zwei Jahren Studium der klassischen und Jazz-Trompete folgte Hope seinem Traum, sich nur auf Musik zu konzentrieren. Die harte Arbeit zahlte sich schon bald aus: innerhalb von drei kurzen Jahren hatte er sich zu einem wahren Musik-Nomaden gewandelt, der auf seiner langen Tour durch die USA immer mehr Inspiration in den Cafés, Bars und Wohnzimmern seines Heimatlandes fand. "Dass ich mein gesamtes Erwachsenenleben damit verbracht habe, umher zu ziehen, hat meine Musik sehr beeinflusst. Mich immer wieder an neues Publikum überall auf dieser Welt anzupassen hat mich zu dem Künstler gemacht, der ich bin. Egal ob in Portland, NYC, London, Berlin, auf meinen Reisen durch Spanien und Deutschland, ich hatte immer diese Motivation etwas Neues zu sehen. Ich arbeite noch daran, einen Ort zu finden an dem ich mich niederlassen kann!"

Heute jedenfalls nennt er Berlin sein zu Hause. Während die Stadt Hope durch ihre vielfältige (Musik)- Geschichte zweifellos inspiriert hat, gab diese Inspiration ihm vor allem den Freiraum, Neues auszuprobieren. "Von monotoner, manchmal schon fast robotisch klingender Elektromusik umgeben zu sein hat mich dazu getrieben, dieser Art von Musik etwas mehr Soul und Menschlichkeit zu verleihen." Das Berliner Studio X von Dirk Feistel entpuppte sich als der perfekte Ort, um das Album aufzunehmen. "Ich habe mich hier immer willkommen gefühlt. Dirk habe ich in den ersten paar Monaten kennen gelernt als ich hier war. Er hat mich dazu eingeladen, einige Songs vor zu spielen, danach habe ich mein erstes Berliner Weihnachten und Neujahr mit ihm und seinen Freunden verbracht. Nach dieser Zeit wurde Berlin zu einem Zuhause. Das war mir unglaublich wichtig. Als ich wusste, dass dieses Album Realität werden würde, habe ich keine Sekunde daran gezweifelt, wen ich anrufen sollte. Ich habe mich beim Aufnahmeprozess noch nie so wohl gefühlt."

Unterstützt wurde Hope, der die Mehrzahl der Instrumente des Albums selber spielt, von Pete Davis (New Order, Björk, Dido) am Keyboard und bei der Programmierung, sowie Sally Herbert (Christine And The Queens, Muse, Robbie Williams) und ihrem Ehemann bei Arrangement, Ausführung und Aufnahme der Streicher. Zum ersten Mal seit der klassischen Trompetenausbildung seiner Kindheit hatte Hope die Möglichkeit, auf "Nothing To Lose" und "Without Warning" das Waldhorn zu spielen. Natürlich gleicht dies nicht Louis Armstrongs Trompete, aber nichtsdestotrotz ist es eine wunderbar melodische Erinnerung daran, dass der Mann hinter diesem Debütalbum genau so vielfältig ist wie seine Stimme. Um Jules Vernes zu zitieren: "Anything one man can imagine, "Other Man" can make real." (cw/pm)