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Pseudo-Therapien

Wieso Behörden gegenüber "Homo-Heilern" ohnmächtig sind

Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt meint, nichts gegen den Leo-Verein unternehmen zu können – und schiebt die Verantwortung dem Landkreis zu. Doch dort sind Politik und Verwaltung überfordert.


"Selbsthass ist keine Therapie": Protest gegen "Homo-Heiler" in den USA (Bild: Daniel Tobias)

Die Landesregierung in Magdeburg sollte sagen, was sie gegen "Homo-Heiler" machen will. So forderte es die Linksfraktion im Rechtsausschuss des Landtags von Sachsen-Anhalt am vergangenen Freitag. Nachdem ein Journalist im April durch die Veröffentlichung eines Handouts zeigte, dass der Verein Leo sogenannte Konversionstherapien für Homosexuelle bewirbt, sollte dieser rechtliche Konsequenzen spüren.

Doch die von der Opposition eingeforderten "Handlungsbedarfe" fielen mager aus. Wie Teilnehmer der nicht-öffentlichen Sitzung berichten, konnte das SPD-geführte Sozialministerium nur wiedergeben, was bereits in der Zeitung stand: Dass der Fall wieder auf der Kreis-Ebene behandelt wird. Die Landesregierung, hieß es, sei nicht zuständig.

"Wir haben da gar keinen Spielraum, die Verantwortung liegt beim Kreis", sagt Eva von Angern, Linken-Abgeordnete. Sie hatte den Fall in den Rechtsausschuss des Landtags eingebracht. "Auf keinen Fall sollte dieser Verein weiter öffentliche Gelder bekommen." Daher soll die freie Trägerschaft in der Jugendhilfe aberkannt werden. Doch dafür ist der Jugendhilfeausschuss des Landkreises Mansfeld-Südharz verantwortlich. In seiner Sitzung am 14. Mai einigten sich die Mitglieder darauf, die Aberkennung nicht sofort zu beschließen. Denn das hatte der Ausschuss schon 2014 gemacht. Der Leo-Verein klagte und bekam vor dem Verwaltungsgericht in Halle Recht. Die Aberkennung wurde rückgängig gemacht.

Verantwortung auf den Landkreis geschoben


Im "Birkenhof" in Bennungen veranstaltet der Verein für Lebensorientierung (Leo e.V.) Seminare, in denen für die "Heilung" von Lesben und Schwulen geworben wird (Bild: Markus Kowalski)

"Wir werden jetzt zunächst abwarten, wo das Rechtsamt der Kreisverwaltung juristische Möglichkeiten für eine wirksame Aberkennung sieht", sagt Christine Kümmel, Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses. Der Ausschuss sei entschlossen, gegen den "Homo-Heiler"-Verein vorzugehen. "Wenn es Möglichkeiten gibt, werden wir diese ausschöpfen." In den kommenden Wochen wird die Kreisverwaltung nun ein Rechtsgutachten erstellen, das eine Handlungsempfehlung aufzeigen wird (queer.de berichtete). "Das ist klug", sagt von Angern, "denn der Kreis ist schon einmal auf die Nase gefallen."

Das heißt ebenso: Die Landtagsabgeordneten überlassen den Kampf gegen "Homo-Heiler" lieber dem Landkreis. Ausschuss-Vorsitzende Kümmel sieht diese Haltung kritisch. "Das Land muss auch aktiv werden und darf nicht nur abwarten", sagt sie. Im April hatten Landespolitiker mehrerer Fraktionen politische Konsequenzen im Leo-Fall gefordert. "Jetzt lässt man uns im Regen stehen."

Ermittlungen gegen "Homo-Heiler" werden schwierig

Hinter vorgehaltener Hand wird in den Behörden im Südharz jedoch gesagt, dass die Kompetenz der Haus-Juristen für ein Rechtsgutachten nicht ausreiche, diesen komplizierten Fall rechtlich wasserdicht zu lösen. Die hausinterne Einschätzung könne nicht gut genug sein. Eva von Angern sieht daher eine weitere, bislang nicht genutzte Möglichkeit: "Dem Rechtsamt steht es frei, für solche Fälle Juristen einzukaufen, zum Beispiel einen Professor oder einen ehemaligen Richter des Bundesverfassungsgerichts." Denn rechtliche Gutachten gab es in dem Fall bislang noch nicht.

Für Manfred Bruns, ehemaliger Bundesanwalt am Bundesgerichtshof in Karlsruhe, ist der Fall Leo eindeutig: "Das ist zunächst eine Tatsachenfrage", sagt er auf Anfrage von queer.de. Es müsse vom Landkreis ermittelt werden, was der Verein tue. "Dafür reicht es nicht aus, dass der Verein zu Fragen der Homosexualität Ansichten vertritt, die in konservativen Kirchen und Teilen von Kirchen heute noch immer vertreten werden. Dafür können sich diese Kirchen auf das Grundrecht der Glaubensfreiheit berufen." Zusätzlich müsse der Verein gezielte Anstrengungen unternehmen, um homosexuelle Jugendliche "umzupolen". Erst dann wäre eine Aberkennung der freien Trägerschaft gerechtfertigt. Die bisherigen Ermittlungen des Landkreises durch schriftliche Befragungen des Vereins-Vorstands reichten für einen Ausschluss nicht aus.

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#1 AuntieBiotic
#2 Gerlinde24Profil
  • 14.06.2018, 07:10hBerlin
  • Wie funktioniert deutsche Politik? Man schiebt das Problem so lange hin und her, bis es sich von selbst erledigt. Nur, liebe Abgeordnete und sonstige politischen Amtsträger: Es wird sich nicht von selbst erledigen, so lange, bis Leo die rote Karte sieht°
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#3 FinnAnonym
  • 14.06.2018, 08:51h
  • Doch, sie könnten sehr wohl etwas unternehmen.

    Da wissenschaftlich belegt ist, dass diese Gehirnwäsche-"Therapien" schwerste psychische Schäden verursachen und bis zum Tod führen können, könnten sie es einfach verbieten. So wie z.B. schon in 12 US-Bundesstaaten.

    Noch besser wäre es natürlich, wenn die Bundesregierung das endlich deutschlandweit verbieten würde. Es gibt auch regelmäßig Initiativen der Grünen dazu, aber das wird von unserer schwarz-roten Bundesregierung laufend abgeschmettert.
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#4 herve64Ehemaliges Profil
  • 14.06.2018, 08:58h
  • Manfred Bruns' Einschätzung in allen Ehren, aber sie beantwortet die Frage nicht, warum einem Verein, der ewig-gestrige Ansichten vertritt (noch dazu derartige, die das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit in Frage stellt), auch noch Fördermittel zugeschustert werden.

    Und den Grund dafür möchte ich als Allererstes mal aus dem Munde der dafür verantwortlichen Politiker erfahren.
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#5 PeerAnonym
#6 PeerAnonym
  • 14.06.2018, 09:55h
  • Antwort auf #3 von Finn
  • Ja, und als Ausrede übernehmen Union und SPD eins zu eins die "Argumentation" solcher Homoheiler:
    dass Menschen, die unter ihrer Homosexualität "leiden" auch Hilfsangebote bekommen müssen.

    1.
    Niemand leidet aus sich heraus unter seinen romantischen Gefühlen. Das kommt immer nur durch Druck aus Familie, Freundeskreis, Arbeitskollegen, Gemeinde, soziales Umfeld oder ganz allgemein der Gesellschaft.

    Wenn jemand also wirklich leidet, dann liegt der Fehler nicht bei ihm, sondern bei seinem Umfeld. Da müsste man also ansetzen (z.B. durch mehr Aufklärung an Schulen, Förderung von Vielfalt, mehr Sichtbarkeit in Medien, etc.).

    2.
    Wenn jemand wirklich leidet, bringt ihm so eine Gehirnwäsche-"Therapie" auch nichts. Denn nicht nur, dass man die sexuelle Orientierung nicht ändern kann, sondern diese Versuche sind gesundheitsschädlich. Man kann auch Menschen, die mit irgendwas nicht zufrieden sind, nicht in Gefahr begeben.

    3.
    Wenn Menschen wirklich ein Problem mit ihrer Homosexualität haben (induziert durch Familie, Freunde, etc., siehe Punkt 1), dann wäre statt solcher wirkungslosen und obendrein brandgefährlichen Gehirnwäsche stattdessen der richtige Ansatz, ihnen zu zeigen, dass sie völlig normal sind und ihnen zu helfen, zu sich selbst zu stehen und sich nicht von irgendwelchen Homohassern beeinflussen zu lassen.

    Aber das alles (und noch einiges mehr) wird von Union und SPD komplett ignoriert und stattdessen übernehmen die eins zu eins die Pseudo-Argumente der Homohasser.
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#7 Carsten ACAnonym
  • 14.06.2018, 10:11h
  • Solche menschenverachtenden Maßnahmen haben nur einen einzigen Zweck:
    von Hass zerfressene Fanatiker wollen glückliche Menschen, die sich nicht unterordnen, brechen. Sie wollen ihnen unliebsame Menschen mit Selbsthass erfüllen, damit diese zu willenlosen Zombies werden, die man einfach lenken und für die eigenen Ziele missbrauchen kann.

    Religion hat immer schon versucht, den Menschen Schuldgefühle und Selbsthass einzupflanzen (deswegen auch die ewigen Gruselgeschichten von "Hölle", "Fegefeuer", etc.). Denn nur unglückliche, mit sich selbst unzufriedene Menschen suchen ihr Wohl bei irgendwelchen Heilspredigern und lassen sich bereitwillig von denen ausnehmen und führen.

    Jede Religion basiert im Kern auf Unterdrückung, Bevormundung und Hass. Anders kann das System Religion gar nicht funktionieren.

    "Religion ist das Asyl der Dummen."
    (Spinoza)
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#8 GerritAnonym
  • 14.06.2018, 10:54h
  • Es wird höchste Zeit, dass diese unmenschlichen Praktiken auch in Deutschland verboten werden - wie in immer mehr anderen Staaten auch.

    Aber leider scheitert das ja an unserer schwarz-roten Bundesregierung. Die Union lehnt das aus Überzeugung ab und die SPD ist ja eh nur noch Schoßhündchen der Union und nickt brav alles ab, was die ihnen vorsetzt.

    Manchmal gaukelt die SPD der Öffentlichkeit dann noch ein wenig Widerstand vor, um nicht sofort einzuknicken, aber am Ende sichert die SPD immer der Union brav die Mehrheiten. Erst recht wenn es um LGBTI-Themen geht.

    Und das von einer Partei, die hoch und heilig versprochen hatte, nicht nochmal in eine Groko zu gehen. Das zeigt schon, was vom Wort der SPD zu halten ist - gar nichts.
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#9 TheDadProfil
  • 14.06.2018, 11:40hHannover
  • Antwort auf #4 von herve64
  • ""warum einem Verein, der ewig-gestrige Ansichten vertritt (noch dazu derartige, die das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit in Frage stellt), auch noch Fördermittel zugeschustert werden.""..

    Alle Verbände die mit Jugendarbeit betraut sind erarbeiten Konzepte..
    Diese werden eingereicht, um die per Gießkanne verteilten Fördergelder zu erhalten..

    Es ist kaum vorstellbar das sich Vereine wie "Leo" in ihrem Konzept wirklich explizit dazu äußern was sie alles so im Portfolio ihrer Angebote haben, sondern man "bewirbt" mit einem konkretem Projekt oder auch mehreren um diese Gelder..

    Wie die dann in den eigenen Haushalt der Verbände einfließenden Fördergelder dann am Ende konkret verwendet werden, wird auch nicht weiter überprüft..

    Wie auch schon in der Gesundheits-Versorgung oder der Alten-Pflege bekannt, "kauft" sich Staat damit von einem eigenem Engagement frei, und läßt deshalb lieber "Fremdanbieter" solche Angebote aufstellen..
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#10 JadugharProfil