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Aufbruch in der Ukraine

Kiew: Polizei räumt CSD den Weg frei

Nach der Festnahme von über 50 Gegendemonstranten zog die bislang größte Pride-Demo durch die Innenstadt.


Ein Schild gegen die Hasser: Teilnehmerinnen beim CSD in Kiew

Mit geschätzten 5.000 Teilnehmern – nach Veranstalterangaben fast doppelt so vielen wie im Vorjahr – hat Kiew am frühen Sonntagmorgen den bisher größten Pride erlebt. Von tausenden Polizisten geschützt konnten LGBTI und sie unterstützende Heterosexuelle für gut eine Stunde friedlich durch Teile der Innenstadt der ukrainischen Hauptstadt demonstrieren, bevor sie aus Sicherheitsgründen mit der Metro den Bereich verließen.

Der Zugang zum Pride war streng kontrolliert worden. Nur vereinzelte Gegendemonstranten konnten die Demonstration auf dem Weg stören und wurden von der Polizei schnell zur Seite gezogen. Bereits gegen 6 Uhr morgens hatten die Beamten einen Blockadeversuch von hunderten Nationalisten auf der Wegstrecke unterbunden; die Gegendemonstranten setzten dabei teilweise Reizgas und Gewalt gegen die Beamten ein. Die Polizei nahm hier und später bei einer kleineren Ausschreitung am Einlass zum CSD über 50 Menschen fest; insgesamt wurden fünf Beamte verletzt.


Über 50 Nationalisten wurden festgenommen. Nach dem CSD kam es noch zu Rangeleien mit Beamten an der Gefangenensammelstelle

In den Vorjahren war der "Marsch der Gleichberechtigung" nicht immer so gut geschützt: Mehrfach konnten Nationalisten Teilnehmer attackieren. In einigen Jahren hatte die Stadtverwaltung nach Drohungen durch Rechtsextreme auch Absagen gefordert; 2012 und 2014 fand deshalb kein Pride statt. In den letzten Jahren hat sich die Zusammenarbeit zwischen CSD-Organisatoren und Stadtverwaltung und Polizei aber deutlich verbessert. Als wichtiger Wendepunkt gilt der CSD 2016, als viele Bürger den CSD nach Drohungen unterstützten (queer.de berichtete).

Twitter / UATV_en | Nachträglich hier eingebautes Video mit Eindrücken des Tages. Radio Free Europe bot auch einen mehrstündigen Livestream

- w - Video (51s) - Feiere Pride mit Levi's®

Unterstützung aus dem In- und Ausland

Wie in den letzten Jahren war auch wieder eine Delegation aus München angereist, die auf Facebook und in einem Blog von der Reise berichtet. Ganze 25 Menschen reisten im Namen von "Munich Kyiv Queer" an, Stadträtin Lydia Dietrich zum letzten Mal in offizieller Funktion. Der "Süddeutschen" schilderte sie die Tage, wie sich die Lage des Pride nach und nach verbesserte. Verstärkung bekam die Truppe in diesem Jahr vom Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, dem schwulen SPD-Politiker Michael Roth, vom deutschen Botschafter in Kiew sowie erneut von der grünen Europapolitikerin Rebecca Harms.

Twitter / MaximEristavi

Auch mehrere ukrainische Parlamentsabgeordnete und Pop-Sängerinnen nahmen an dem Pride teil; Iwanna Klympusch-Zynzadse, Vize-Ministerpräsidentin und Ministerin für europäische Integration, hatte in der Woche bereits einen Preis des CSD entgegen genommen. Den CSD unterstützten auch mehrere diplomatische Vertretungen. So ließen sich u.a. die Botschafter der USA, von Kanada und Schweden blicken. Unter den "regulären" CSD-Teilnehmern, die von Medien interviewt wurden, waren auch Besucher aus Russland (darunter eine Bären-Truppe aus St. Petersburg), aus Weißrussland und Moldawien.

Twitter / Hromadske

Zwischen Aufbruch und Gegenbewegung

Im Vorfeld hatte es einige Drohungen gegen den CSD gegeben, Nationalisten wie der "Rechte Sektor" haben noch immer viel Macht und Einfluss in der Ukraine. Unterstützung erhalten sie von der orthodoxen Kirche, der fast die Hälfte der Bevölkerung angehört und die sich öffentlich gegen Homo- und Transsexuelle stellt.


Schilder bei einem Gegenprotest vom Sonntag

Erst vor wenigen Wochen hatten über 7.000 Menschen in Kiew gegen LGBTI-Rechte demonstriert, angeführt von der orthodoxen Kirche nahmen laut "Munich Kiev Queer" auch Vertreter der katholischen Kirche, von Evangelikalen und Freikirchen sowie ein Rabbi teil.


Auch am Sonntag engagierten sich Gläubige gegen den CSD

Während sich die Lage rund um den CSD in Kiew dank klarem Polizeischutz entspannt, gibt es im ganzen Land noch immer Gewalt und Einschüchterungen gegen LGBTI-Veranstaltungen, -Einrichtungen und Organisationen. Erst vor wenigen Wochen hatte ein rechter Mob ein queeres Kulturfestival in Czernowitz verhindert (queer.de berichtete). Wenige Tage zuvor war bei einer Kundgebung zum 17. Mai in Saporischschja ein Feuerwerkskörper explodiert (queer.de berichtete).


Auch in Deutschland gibt es Rechtsextreme, die LGBTI ablehnen

CSDs fanden an diesem Wochenende derweil auch in anderen Städten Europas und der Welt statt. In Wien nahmen über 200.000 Menschen, eine Rekordbeteiligung, an der Regenbogenparade teil, die von einer kleineren, "Demo für alle"-artigen Gegenkundgebung begleitet wurde. Beim Zurich Pride wurde mit einer Rekordbeteiligung die Ehe für alle gefordert. In Deutschland gab es am Samstag Prides in Bielefeld, Oldenburg, in Hamm und erstmals in Schwäbisch-Hall.



#1 öpolikujhgbfvAnonym
  • 17.06.2018, 15:27h
  • Das ist doch mal was wenn die Polizei gegen Nazis vorgeht. In Deutschland ist es mittlerweile umgekehrt.
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#2 Simon HAnonym
  • 17.06.2018, 16:06h
  • Die Ukraine muss sich entscheiden, ob sie zu Europa oder zu Russland gehören will.

    Wenn sie zu Europa gehören will, muss sie auch für LGBTI Grundrechte wie Rede- und Versammlungsfreiheit gewährleisten. Und sie muss auch für die Sicherheit von LGBTI sorgen, damit diese offen und frei, aber auch ohne Angst leben können.
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#3 JoonasAnonym
  • 17.06.2018, 16:55h
  • "Während sich die Lage rund um den CSD in Kiew dank klarem Polizeischutz entspannt, gibt es im ganzen Land noch immer Gewalt und Einschüchterungen gegen LGBTI-Veranstaltungen, -Einrichtungen und Organisationen."

    Es ist ja schön, dass zumindest in Kiew dieses mal einiges anders läuft. Aber solange in anderen Regionen (die weniger mediale Aufmerksamkeit finden) weiterhin Gewalt und Einschüchterungen an der Tagesordnung sind und Politik und Behörden dort nichts gegen unternehmen, hat sich die Ukraine nicht wirklich gebessert.

    Das mag ein erster erfreulicher Schritt sein, dem aber noch viele weitere folgen müssen. Denn jetzt ist es allenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein.
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#4 PierreAnonym
  • 17.06.2018, 17:17h
  • Antwort auf #3 von Joonas
  • Ich fürchte sogar, dass die Behörden in diesem Fall nur deshalb eingegriffen haben, weil der CSD in Kiew halt seit Jahren große internationale Aufmerksamkeit (auch in Massenmedien) hat. Und da will man sich halt keine Blöße geben.

    Aber bei den tausenden kleineren Vorfällen in der Provinz, die nicht diese Aufmerksamkeit haben, sieht man weiterhin weg.

    Dieselbe Taktik haben z.B. auch Polen und Ungarn vor der EU-Aufnahme gefahren. Offenbar sind damals genug Leute darauf reingefallen und nach der Aufnahme konnte dann alles weitergehen wie vorher, weil die EU keinerlei Druckmittel mehr hatte.
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#5 YannickAnonym
  • 17.06.2018, 17:39h
  • Antwort auf #4 von Pierre
  • "und nach der Aufnahme konnte dann alles weitergehen wie vorher, weil die EU keinerlei Druckmittel mehr hatte."

    Noch viel schlimmer:
    es ist sogar schlimmer als vorher geworden.

    Das beweist auch wieder mal, dass eine EU-Mitgliedschaft nicht automatisch Fortschritt und gesellschaftlichen Wandel bringt.

    Selbst wenn diese Staaten viele EU-Fördergelder kriegen (was wohl deren einziges Ziel war), sind die oft komplett undankbar und hetzen gegen die EU.

    Eigentlich muss es so sein, dass man nicht über EU-Mitgliedschaft verhandelt oder gar aufnimmt, damit sich Dinge ändern. Sondern zunächst mal müssen DInge sich von sich aus ändern und auch dauerhaft bewähren. Und dann kann man erst über eine EU-Mitgliedschaft nachdenken.

    Dann wären auch diese jahrelangen Verhandlungen unnötig, denn entweder erfüllt ein Land die Voraussetzungen oder nicht und wird dann aufgenommen oder eben nicht. Wenn das Land erst bei Verhandlungen zum Erfüllen der Kriterien gezwungen werden muss, ist das schon ein schlechtes Zeichen...
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#6 Carsten ACAnonym
  • 17.06.2018, 17:52h
  • Und wieder mal marschieren die religiösen Fundamentalisten mit ihren Kreuzen, Bildchen, etc. gegen demokratische Grundrechte, gegen Freiheit und gegen Liebe.

    Was ich nicht verstehe:
    niemand demonstriert gegen deren Religion. Von mir aus können die sich in ihrem religiösen Wahn auch selbst kasteien oder sonstwas tun, solange sie andere in Ruhe lassen.

    Wieso können die nicht einfach umgekehrt andere auch in Ruhe deren Leben führen lassen, sondern müssen immer meinen, anderen Vorschriften diktieren zu müssen.

    Das beweist wieder mal, dass Religion zu Fanatismus führt und dass dort der Geist des Totalitarismus herrscht.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 AlieschenAnonym
  • 17.06.2018, 17:56h
  • Antwort auf #3 von Joonas
  • Ich finde, dass es nicht nur ein Tropfen auf den Heißen Stein ist, sondern ein deutliches Zeichen der Staatsmacht gegen die Verletzung der Menschenrechte durch rechte Gruppierungen, denen auch Kirchenvertreter*innen beigetreten sind oder durch wen auch immer.
    Diese Veranstaltung und ihr Beschützen zeigt natürlich auch nach außen, denn die Welt sieht ja zu, dass sich etwas ändern soll und der Staat Position bezieht.
    Ich weiss nicht wie und wie sehr in den ukrainischen Medien darüber berichtet wird, geht man von einer sichtbaren korrekten ukraineweiten Berichterstattung in den Nachrichten, Tageszeitungen oder Sondersendungen aus, leuchtet dies auch in die "Hinterwäldler-Ecken", denn es sagt
    "Es ist Unrecht die LGBTI anzugreifen!
    Es sind auch unsere Leute und die LGBTI gehören zur Ukraine und werden falls nötig vom Staat beschützt." (deutlich in der Hauptstadt) und die Unterstützung von Politiker*innen anderer Staaten tut sein Übriges.
    Wenn es in meiner Jugend "sowas" in Deutschland gegeben hätte mit dem nötigen Medienrummel, es wäre für mich etwas "weltbewegendes" gewesen und kein Tropfen auf einen heißen Stein.
    Es macht Mut dazu zu stehen, sich Fragen zu stellen auch bei anderen, die vielleicht noch nicht so recht wissen was sie davon denken sollen oder von sich selbst.
    Da (nicht nur) Russland "diese" LGBTI-Dinge als ein westliches (Propaganda)-Phänomen kommuniziert sagt die Ukraine damit zu Russlands aktuellem Regime ein lautes, buntes und sichtbares "Nein wir schließen uns Russland nicht an!"
    Außerdem ist es ein deutliches Zeichen dass die Ukraine beabsichtig ein sekularisierter Staat zu sein und weist damit die (einflussreiche) Orthodoxie in ihre Schranken: Die Staatsmacht steht über jeglichem religiösen Machtanspruch und setzt dies ggf. auch durch.
    Wenn das ein Tropfen auf den Heißen Stein sein soll, habe ich dieses Bild bisher immer falsch verstanden.
    Gesellschaftliches Umdenken benötigt Zeit, das ist nicht nur in Deutschland so: 25 Jahre bis zur Öffnung der Ehe und manche wollen es einfach nicht (AfD will das Ehe-Gesetz wieder einschränken).
    Auf deutschen den Schulhöfen gibt es "Du schwule Sau" immer noch als häufig verwendetes Schimpfwort. Doch es gibt viele Schüler*innen die das inzwischen nicht mehr "normal" finden wenn man solche Schimpfe loslässt.
    Irgendwann, so hoffen wir, ist LSBTI* kein spaltendes Thema mehr sondern einfach als sichtbare "Subkultur" ein Teil der Gesellschaft. Oft ist das heute schon der Fall. Auf einem CSD in seiner Stadt mitzugehen und Regenbogenfarbe zu bekennen ist für manche dennoch immer noch eine Herausforderung.
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#8 Patroklos
  • 17.06.2018, 20:01h
  • Dem nationalistischen Pöbel in der Ukraine ist mit dem Polizeieinsatz die Grenzen aufgezeigt worden!
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#9 TheDadProfil
  • 17.06.2018, 20:17hHannover
  • Antwort auf #2 von Simon H
  • ""Die Ukraine muss sich entscheiden, ob sie zu Europa oder zu Russland gehören will.""..

    Untaugliche Frage, denn Russland ist EIN LAND und Europa ein Staatenbund..

    Die revanchistische Idee einer Renaissance der UDSSR, zu der man dann Staaten wie die Ukraine einfach so abschieben könnte, führt nicht zu Lösungen von Konflikten in Europa, sie befördert Konflikte, denn es mangelt bei der Frage an die Ukraine schon an Wertschätzung für die sich 1991 emanzipierende Bevölkerung des Landes..

    ""Wenn sie zu Europa gehören will, muss sie auch für LGBTI Grundrechte wie Rede- und Versammlungsfreiheit gewährleisten.""..

    Ich denke nicht das diese Fragen allein mit Europa zu beantworten sind, denn alle diese Parameter sind auch dann einzuhalten, wenn man sich als "demokratischer Staat" begreifen will, völlig unabhängig davon, welchen Bündnissen man angehören wollte..
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#10 PeerAnonym