Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?31380

Reform ab 2022

WHO: Transpersonen bald nicht mehr als "psychisch krank" eingestuft

Am Montag stellte die Weltgesundheitsorganisation die Überarbeitung ihres Katalogs zu Krankheiten vor.


Viele Trans-Verbände begrüßten die Änderungen und hatten auf sie hingewirkt (Bild: Ted Eytan / flickr)

Die Weltgesundheitsorganisation wird Transsexualität demnächst nicht mehr als geistige Krankheit einstufen. Am Montag stellte die Koordinationsbehörde der Vereinten Nationen für das internationale öffentliche Gesundheitswesen mit Sitz in Genf ihre Überarbeitung des Krankheitenkatalogs ICD vor.

Twitter / IGLYO

Die International Classification of Diseases gilt – mit rund 55.000 Schlüsseln – als weltweit wichtigster Katalog von Diagnosen zu Zuständen (wie Schwangerschaft), Verletzungen, Krankheiten und Todesgründen. Die aktuelle Fassung ICD-10 behandelt "Transsexualismus" bislang im Bereich "mental and behavioural disorder" (psychische und Verhalts-Störung). Nun soll von "Gender Incongruence" die Rede sein, also von "geschlechtlicher Nicht-Übereinstimmung".

Der neue Begriff wandert zudem in das Kapitel zu "Conditions related to sexual health" (Krankheiten / Umstände sexueller Gesundheit) und ist nicht mehr zweigeschlechtlich definiert: War bisher in der offiziellen Übersetzung vom "Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden", die Rede, spricht man nun von einer "beständigen Nicht-Übereinstimmung zwischen dem erlebten Geschlecht und dem zugeordneten Geschlecht" (nicht-offizielle Übersetzung).


Trans Personen und Verbände hatten schon lange gefordert, die stigmatisierende und schlicht falsche Katalogisierung zu ändern (einige hatten auch eine komplette Streichung des Themas aus dem Katalog gefordert). Der komplette Katalog, dessen Überarbeitung über zehn Jahre lang in Arbeit war, wird nun zunächst im Mai 2019 der Versammlung der Mitgliedsstaaten vorgelegt und soll zum 1. Januar 2022 in Kraft treten. Der lange Vorlauf soll Übersetzungen und Training des Personals ermöglichen.

Kritik an spezieller Diagnose für Minderjährige

Das Transgender Network der Schweiz schrieb in einer ersten Stellungnahme, man begrüßte "diese Ent-Psychopathologisierung, die einen wichtigen Schritt zur psychischen Gesundheit von trans Menschen beitragen wird. Die bisherige Diagnose als psychisch und verhaltensgestört trug massgeblich zu Stigmatisierung und gesellschaftlicher Marginalisierung bei und unterstützte einen massiv paternalistischen Umgang der Medizin mit trans Menschen." Der Verband weist darauf hin, dass die neue Diagnose keinen Einfluss auf die Leistungspflicht der Krankenkassen haben.

Der Verband sieht aber auch einen "großen Haken" bei der ICD-11: "Neu eingeführt wird eine Diagnose für trans Kinder vor der Pubertät. Diese Pathologisierung wird durch die weltweite trans Community und auch von TGNS abgelehnt. Denn vor der Pubertät können und müssen noch keine medizinischen Maßnahmen ergriffen werden. Entsprechend sind diese gesunden Kinder weder mit einem diagnostischen Prozess zu belasten noch mit einer Diagnose zu behaften."


"Auch TGNS erlebt in der Begleitung von trans Kindern, dass diese in der Regel nicht zu Ärzt_innen / Psychiater_innen wollen", so der Verband weiter. "Ein solcher aufgezwungener diagnostischer Prozess kann ihnen mehr Schaden zufügen als helfen. Denn nicht die Kinder brauchen medizinische Behandlung, sondern ihr Umfeld muss lernen, affirmativ mit ihnen umzugehen. In einer nächsten Revision der ICD ist dieser Fehler rückgängig zu machen."

Twitter / TGEUorg

Von einer "historischen Errungenschaft der weltweiten Trans-Community" sprach auch die Organisation Transgender Europe. Es sei zu hoffen, dass weiterhin ein Zugang zu nötigen medizinischen Versorgungen geleistet werde, während zugleich Zwangsbehandlungen der Vergangenheit angehören sollten. Man fordere Gesetz- und Richtlinengeber auf, nun den Ball aufzunehmen und überall eine rechtliche Anerkennung des Geschlechts und passende medizinische Handlungen aufgrund der Selbstbestimmung von Personen zu ermöglichen.

Ein Wort in eigener Sache
Hinter gutem Journalismus stecken viel Zeit und harte Arbeit – doch allein aus den Werbeeinnahmen lässt sich ein Onlineportal wie queer.de nicht finanzieren. Mit einer Spende, u.a. per Paypal oder Überweisung, kannst Du unsere wichtige Arbeit für die LGBTI-Community sichern und stärken. Abonnenten bieten wir ein werbefreies Angebot. Jetzt queer.de unterstützen!


#1 Patroklos
#2 TimonAnonym
  • 18.06.2018, 21:08h
  • Und wieso dauert das noch 4 Jahre? Wenn man weiß, dass man falsch lag, sollte man das doch sofort korrigieren...
  • Antworten » | Direktlink »
#3 KatembersAnonym
  • 18.06.2018, 21:15h
  • Cool. Bis 2022 bin ich mit meiner Transition selbst in Deutschland schon 3 mal fertig. Warum auch Fehler sofort eingestehen, wenn man es noch n halbes Jahrzehnt ignorieren kann. Is ja nich so als würden Leute unter dieser Pathologisierung leiden.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 KleineKetzerinProfil
  • 18.06.2018, 21:27hHannover
  • Dann ist ja jetzt immerhin absehbar, wann F64.0 dann endlich mal endgültig auf dem Müllhaufen der Geschichte landen wird.

    Blöd ist halt nur, dass man uns hier in Deutschland dennoch weiterhin so behandeln wird, als wären wir "psychisch krank", denn dafür hat die geballte "Kompetenz" der deutschen Sexualpsychiatrie mit ihrer "S3-Leitlinie" ja rechtzeitig gesorgt. Eine selbstbestimmte Behandlung ohne ständige Überwachung durch eine psychiatrische/psychotherapeutische Gender-Supernanny wird auch mit der ICD-11 in Deutschland ein Traum bleiben. Irgendwas hat man hierzulande an dem Begriff Ent-Psychopathologisierung offenbar nicht verstanden.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Gerlinde24Profil
#6 Gerlinde24Profil
  • 18.06.2018, 22:34hBerlin
  • Antwort auf #4 von KleineKetzerin
  • Also, ganz ehrlich? Mir hat es geholfen, dass ich eine "Supernanny" hatte. Weißt Du, wie viele Menschen in Wirklichkeit eine psychotische Störung haben, und nicht trans sind? Ne Menge! Und um den Spreu vom Weizen zu trennen, wurde das damals gemacht. Ich sage nicht, dass die es gut gemacht haben, aber mir haben sie geholfen.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 SarahAnonym
  • 19.06.2018, 00:39h
  • What implications does the change of category have?

    "...In terms of health care provision we don't expect much change..."

    Was the decision made mainly on the basis of advocacy from patient groups?

    "...but this decision was not only based on the advocacy and the feedback of the concerned communities.
    All available evidence was reviewed and discussed by an external advisory group and together with the scientific basis of the conditions and the feedback from the professional community and concerned communities formed the basis of this decision..."

    "...patients...patients groups...patients..." *sigh*

    www.youtube.com/watch?v=kyCgz0z05Ik

    (..something remarkable on the side: she calls homosexuality an "issue")

    Your representations have predictably failed. Nothing changes and everything stays the same. You are now only "nicer" pathologized and continue to subject the same externally determined coercive measures.
    All that has changed is that you can decide from now on, in which color your lounge in psychiatry is painted.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 Manuela SchneiderAnonym
  • 19.06.2018, 00:55h
  • In 4 Jahren kommt die Änderung....... Halleluja....
    Bin ich froh das ich postoperativ bin seit 2015....na dann werden die Krankenkassen sich ja freuen.....
  • Antworten » | Direktlink »
#9 KleineKetzerinProfil
  • 19.06.2018, 02:01hHannover
  • Antwort auf #6 von Gerlinde24
  • Also... Ganz ehrlich? Es gibt Kommentare, da weiß ich echt nicht mehr, ob ich lachen oder weinen soll, und ob es überhaupt Sinn macht, darauf zu antworten, weil sie vor offensichtlich chronifizierter Unwissenheit nur so strotzen. Dein Kommentar fällt zweifelsohne in genau diese Kategorie.

    @Gerlinde24: >Weißt Du, wie viele Menschen in Wirklichkeit eine psychotische Störung haben, und nicht trans sind? Ne Menge!<

    Aha, soso, 'ne Menge also. Das ist natürlich ein Argument, das mich sofort auf ganzer Linie überzeugt. Echt jetzt... Nee, lass Dich nicht veräppeln, das war nur ein Scherz. Wärst Du vielleicht einfach mal so lieb, solche Behauptungen auch irgendwie zu belegen, wenn Du sie wie ein braves, psychiatrisiertes Schäflein in die Welt blökst? Und bitte komm mir jetzt nicht mit irgendeiner blödsinnigen anekdotischen Evidenz in der Art von "ich kenne jemanden, der mal jemanden kannte, der... [blah...]". (Kleiner Hinweis: Du wirst keine Belege finden, weil das Märchen vom "Psychotiker", der sich für "transsexuell" hält, genau das ist: ein Märchen, das auch dadurch, dass man es immer und immer wieder in die Welt blökt, nicht wahr wird.)

    @Gerlinde24: >Und um den Spreu vom Weizen zu trennen, wurde das damals gemacht.<

    In der Tat, Psychiater trennten in der Geschichte schon öfter gerne mal die Spreu vom Weizen - und das nicht nur "damals". Heilige Scheiße, was zum Teufel redest Du bloß für krankes Zeug?

    @Gerlinde24: >[...] aber mir haben sie geholfen.<

    Offensichtlich.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 AlmansForeverAnonym