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Disziplinarverfahren
WM: Geldstrafe für "Puto"-Sprechchöre
Mexiko muss wegen den homophoben Rufen seiner Fans beim Spiel gegen Deutschland eine Geldstrafe zahlen.

Mexiko-Fans kurz vor Beginn des Vorrundenspiels gegen Deutschland vom Sonntag
- 20. Juni 2018, 20:34h 2 Min.
Die FIFA hat nach Abschluss von Disziplinarverfahren am Mittwoch die ersten Geldstrafen wegen Fanverhaltes während der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland verhängt. So muss der serbische Verband eine Geldstrafe zahlen, weil Fans beim Spiel gegen Costa Rica ein "beleidigendes und politisches Banner" zeigten.
Zugleich wurde der mexikanische Fußballverband mit einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 Schweizer Franken (rund 8.700 Euro) belegt, weil Anhänger der Mannschaft beim ersten Vorrundenspiel gegen Deutschland vom letzten Sonntag "diskriminierende und beleidigende Gesänge" angestimmt hätten. Das Gremium sprach laut dpa zudem eine Warnung aus, dass bei erneuten Vorkommnissen dieser Art weitere Strafen drohen.
Während des Spiels im Moskauer Luschniki-Stadion, das Mexiko mit 1:0 gewann, waren mehrfach "Puto"-Rufe zu hören, mit denen vor allem Torwart Manuel Neuer belegt wurde (queer.de berichtete). Entsprechende Rufe, die "Schwuchtel" oder auch "Stricher" bedeuten, sind zur Beleidigung gegnerischer Spieler in vielen Teilen Lateinamerikas populär – sie sind, mit Anlauf, zumeist vor einem Torabstoß zu hören.
/ laaficion | Die "Puto"-Rufe waren teilweise im Fernsehen und noch deutlicher im Stadion zu hören¡LAMENTABLE!
La Afición (@laaficion) June 17, 2018
La afición de @miseleccionmx no lo pudo resistir y terminó gritando 'eh, puto', al minuto 24 del #GER vs. #MEX | vía @MINELLIATAYDE
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Erste Strafe für "Puto" bei einer WM
Bereits bei der letzten WM 2014 in Brasilien hatte es bei mehreren Spielen "Puto"-Rufe mexikanischer Fans gegeben, in einer deutlich höheren Frequenz und Lautstärke als an diesem Sonntag. Die FIFA hatte die Rufe damals noch nicht sanktioniert, sondern im Fußball-Kontext als "nicht beleidigend" bewertet (queer.de berichtete).
Zuletzt hatte der Weltfußballverband allerdings ein Umdenken gezeigt und entsprechende Rufe bei Länderspielen mehrfach mit Geldstrafen belegt. In der WM-Qualifikation wurde Chile wegen entsprechender Verstöße der Fans gar dazu gezwungen, zwei Spiele in kleineren Stadien auszutragen als vorgesehen (queer.de berichtete).
Nach dem Spiel vom Sonntag hatte der Schiedsrichter die "Puto"-Rufe in seinem Spielbericht festgehalten; auch spezielle Anti-Diskriminierungs-Beobachter, die bei jedem WM-Spiel zum Einsatz kommen, wurden offenbar von der FIFA zu den Vorfällen befragt. Der Schiedsrichter hätte auch nach einem neu eingeführten Drei-Stufen-Plan gegen Rassismus oder Homophobie handeln können (1. Stufe: Öffentliche Warnung, 2. Stufe: Spielunterbrechung, 3. Stufe: Spielabbruch). Laut einigen Medien hieß es seitens der FIFA inoffiziell, eine Warnung über den Stadionlautsprecher sei am Sonntag vorbereit worden, aufgrund einer abnehmenden Frequenz der Rufe habe man aber darauf verzichtet.
/ 3Lionspride | Zeichen gegen Homophobie, wie diese – mit Unterstützung des englischen Fußballverbands – am Montag von einem Fan ins Stadion in Wolgograd gebachte England-Flagge mit Regenbogen, sind bei der WM in Russland bislang selten. Mehr zur Lage im unten verlinkten ersten Bericht zu den "Puto"-RufenBanner up! #ThreeLions #Pride #WorldCup #Russia! pic.twitter.com/uXZncIoCL8
3LIONSPRIDE (@3Lionspride) June 18, 2018
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Der mexikanische Fußballverband hatte seine Anhänger immer wieder dazu aufgerufen, auf die Sprechchöre zu verzichten – vor zwei Jahren nahm die Mannschaft gar ein Video gegen Homophobie auf (queer.de berichtete). Nach dem Spiel vom Sonntag baten mehrere Spieler die Fans in Pressekonferenzen und in sozialen Netzwerken, sich bei der WM angemessen zu verhalten. Das nächste Spiel Mexikos folgt am Samstagnachmittag gegen Südkorea. (cw)
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