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Kinderwunschstudie

Große Mehrheit für Legalisierung der Eizellspende

Nach einer repräsentativen Studie unterstützen 57 Prozent der Bevölkerung Kinderwunschbehandlungen von Frauen in lesbischer Partnerschaft – die Leihmutterschaft wollen 42 Prozent erlauben.


Kein Babyglück für alle: Kinderwunschbehandlungen von Singlefrauen und von lesbischen Paaren sind in Deutschland nicht erlaubt (Bild: Kitt Walker / flickr)
  • 21. Juni 2018, 11:41h, noch kein Kommentar

Die Bevölkerung in Deutschland unterstützt mehrheitlich eine größere Wahlfreiheit in der Kinderwunschbehandlung – bei der Anwendung medizinischer Verfahren ebenso wie in der Frage, in welchen Lebenssituationen Frauen behandelt werden dürfen. Dies sind zentrale Erkenntnisse der aktuellen, repräsentativen VivaNeo-Kinderwunschstudie.

Die Studie dokumentiert neben der Einstellung der Gesamtbevölkerung zur Reproduktionsmedizin auch gezielt die Meinung von Menschen mit Kinderwunsch, die nicht durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr schwanger werden können oder wollen. Befragt wurden dabei sowohl gemischtgeschlechtliche Paare mit Fruchtbarkeitsstörungen als auch Singlefrauen und Frauen in einer lesbischen Partnerschaft, die beispielsweise auf Samen- oder Eizellspende angewiesen sind.

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Babywunsch bei Singles und Lesben akzeptiert

Gesellschaftlich ist die Erfüllung eines Kinderwunsches durch künstliche Befruchtung heutzutage breit akzeptiert. Fast 80 Prozent der Bevölkerung finden es positiv, wenn Betroffene offen mit dem Thema Fertilitätsstörung umgehen. Eine ebenso breite Mehrheit hält es für richtig, dass Krankenkassen grundsätzlich die Kosten von künstlicher Befruchtung übernehmen. Lediglich 20 Prozent sind der Meinung, In-vitro-Fertilisation sei eine persönliche Entscheidung und solle privat finanziert werden.

In der Umfrage sprachen sich 54 Prozent dafür aus, die verfügbaren medizinischen Möglichkeiten, um Paaren zu einem Kind zu verhelfen, auszuschöpfen. Die Mehrheit der Befragten (70 Prozent) ist der Meinung, dass sich die deutsche Gesetzgebung an EU-Ländern mit weniger Einschränkungen in der künstlichen Befruchtung orientieren solle. 57 Prozent finden, dass Kinderwunschbehandlungen bei lesbischen Paaren erlaubt sein sollten, und rund die Hälfte befürwortet die Behandlung von Singlefrauen.


Bild: obs / VivaNeo Kinderwunschzentren

Mit Blick auf Verfahren, die derzeit in Deutschland nicht zulässig sind oder scheinen, unterstützen mehr als zwei Drittel der Gesamtbevölkerung eine Legalisierung der Eizellspende. Innerhalb der Gruppe der Singles und Lesben plädieren sogar 89 Prozent für die Zulassung von Eizellspenden, rund 85 Prozent sind für die Legalisierung von Kinderwunschbehandlungen bei Alleinstehenden und gleichgeschlechtlichen Paaren sowie 64 Prozent pro Leihmutterschaft. In der Allgemeinbevölkerung gibt es für die Legalisierung der Leihmutterschaft mit 42 Prozent allerdings keine Mehrheit.

Schwangerschaftsraten in IVF-Zentren

Im Jahr 2016 wurden in Deutschland rund 63.000 Frauen künstlich befruchtet. Die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft bei einer 35-jährigen Frau beträgt durchschnittlich 36 Prozent pro Behandlungszyklus. Damit erzielt die Reproduktionsmedizin im Durchschnitt gleich hohe beziehungsweise höhere Schwangerschaftsraten als bei der natürlichen Befruchtung.

Allerdings sind den Ärzten bei bestimmten Ursachen von Fertilitätsstörungen und speziellen Patientengruppen die Hände gebunden. Während beispielsweise bei Unfruchtbarkeit des männlichen Partners eine Samenspende infrage kommt, ist bei Infertilität der Frau eine Eizellspende in Deutschland verboten. In ihren Richtlinien zur "assistierten Reproduktion" hatte die Bundesärztekammer bislang auch festgehalten, dass nur Frauen künstlich befruchtet werden dürfen, die mit einem Mann in einer Beziehung leben. Ärzte, die eine Befruchtung bei einer alleinstehenden Frau oder einer Frau durchführten, die mit einer weiteren Frau zusammenlebt, riskierten somit einen Verstoß gegen das Berufsrecht.

Manche Landesärztekammern hatten liberalere Regelungen erlassen, bei einer insgesamt unklaren Rechtslage hatten viele Ärzte entsprechende Behandlungen verweigert. Vor wenigen Wochen hat die Bundesärztekammer aber ihre Regelung aufgehoben (queer.de berichtete).

Medizinische Möglichkeiten im Ausland

Es überrascht wenig, dass mehr als die Hälfte der direkt Betroffenen (55 Prozent) Verbote und Ablehnungen bestimmter Behandlungsmethoden in Deutschland als größte Barriere für die Erfüllung ihres Kinderwunsches sehen. 64 Prozent ziehen eine Therapie im Ausland in Erwägung; unter den lesbischen Paaren sind es sogar 90 Prozent.

Die Gesellschaft zeigt sich verständnisvoll: 51 Prozent der Bevölkerung finden ein solches Verhalten "nachvollziehbar und richtig", weitere 38 Prozent halten es für zwar falsch, aber doch "nachvollziehbar".

"Man kann die Studienergebnisse so interpretieren, dass die aktuellen Rahmenbedingungen für die assistierte Befruchtung (ART) in Deutschland die gesellschaftlichen Entwicklungen für Familienplanung nicht mehr vollständig abbilden", sagt Sebastian Ahrens, CEO der VivaNeo-Gruppe. "Gerade weil die generelle medizinische Behandlungsqualität hierzulande so hoch ist, halten wir eine Diskussion über die Gesetzeslage vorhandener Therapieoptionen für sinnvoll."

Für die Kinderwunschstudie wurden im April und Mai insgesamt 1.150 Personen in Deutschland im Rahmen einer repräsentativen Online-Umfrage durch die GIM – Gesellschaft für Innovative Marktforschung mbH befragt. (ots/cw)