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USA

HIV-Test verweigert: Aids-Patient 18,4 Millionen Dollar Schadensersatz zugesprochen

Ein schwuler Amerikaner wollte sich auf HIV testen lassen, seine Ärzte führten den Test aber nie durch. Später erkrankte der Mann an Aids und erlitt Hirnschäden. Eine Jury sprach ihm nun einen Millionenbetrag zu.


Ärzte des Lahey Hospital & Medical Center in der Kleinstadt Burlington (Massachusetts) hatten heimlich einen HIV-Test verweigert – mit schlimmen Konsequenzen für ihren Patienten (Bild: Richard B. Johnson / wikipedia)

  • 21. Juni 2018, 12:50h 10 2 Min.

Vor elf Jahren hatten es zwei Krankenhausärzte im US-Bundesstaat Massachusetts abgelehnt, einen schwulen Mann auf HIV zu testen. Drei Jahre später führte eine nicht behandelte Aids-Erkrankung bei dem Patienten zu Hirnschäden, wodurch der Mann seinen Job als Rechtsanwalt aufgeben musste. Am Montag sprachen die Geschworenen eines US-Bundesgerichtes in Boston dem heute 48-Jährigen 18,4 Millionen Dollar (rund 16 Millionen Euro) Schadensersatz für den gewünschten, aber nicht durchgeführten HIV-Test zu. Allerdings hat das verantwortliche Krankenhaus, das Lahey Hospital & Medical Center in der Kleinstadt Burlington, angekündigt, Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen zu wollen.

"Er hatte eine tolle Zukunft vor sich. Die haben ihm buchstäblich den Boden unter den Füßen weggezogen", erklärte Anwalt David Angueira laut "Boston Globe" nach der Verhandlung. "Er hat seinen Job verloren. Seine Karriere ist vorüber. Sein Leben ist kaputt."

Gesundheitscheck wegen Gesichtslähmung

Der Patient hatte sich 2007 in dem Krankenhaus einem Gesundheitscheck unterzogen, weil er an einer Gesichtslähmung litt, und dabei auch einem HIV-Test zugestimmt. Vor Gericht wurde auch die Einverständniserklärung als Beweismittel gezeigt. Der Patient sei als schwuler Mann und wegen seines damaligen Jobs als Sanitäter einem erhöhten HIV-Übertragungsrisiko ausgesetzt gewesen – beide Faktoren seien laut dem Anwalt des Klägers auch in dessen Klinik-Unterlagen vermerkt gewesen. Sein Arzt schrieb aber damals in die Unterlagen, dass der Patient "kein Risiko für HIV" habe und führte den Test nicht durch – ohne den Patienten darüber zu informieren.

Drei Jahre später litt der Patient an Krankheiten. Schließlich erfuhr er, dass er an Aids erkrankt war und der HIV-Test nie durchgeführt worden war. Seither habe er Einschränkungen wegen kognitiven Störungen, die auf die Aids-Erkrankungen zurückzuführen seien.

Der Patient lebt inzwischen in der Bronx, einem Stadtbezirk von New York City. Er ist in antiretroviraler Behandlung. (dk)

#1 GerritAnonym
  • 21.06.2018, 16:11h
  • Richtig so!

    Es kann doch nicht sein, dass Ärzte ihren Job nicht richtig machen und die Patienten deshalb schwere Schäden erleiden.

    Das ist ganz klar ein ärztlicher Kunstfehler und dafür müssen die Verantwortlichen die Konsequenzen tragen. Und das Opfer hat die Entschädigung vollkommen verdient, auch wenn das seinen Schaden nicht rückgängig macht.
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#2 KostenAnonym
  • 21.06.2018, 16:50h
  • Antwort auf #1 von Gerrit
  • Es ist nicht in erster Linie ein Versagen des Arztes/der Aerzte (obschon natuerlich er die Entscheidung getroffen hat), es ist v.a. eine Folge der ungehemmten Monetarisierung bzw. "Oekonomisierung" des Gesundheitssystems (und wir koennen mit einem Blick auf/nach A(r)merika ganz gut sehen, was uns die Zukunft bringen wird oder kann. Es ist ja auch schon hier so (war vor kurzem eine Reportage im TV), dass Gelenkersatz-OPs nach dem jetzigen Erstattungssystem sich erst bei einer grossen Anzahl an Eingriffen lohnen, was ja auch z.T. durch die zunehmende Zahl an Eingriffen belegt wird (nat. werden Eingriffe auch noetig durch die zunehmende Zahle der Alten; es werden aber auch nach Aussagen von operierenden Aerzten (also keinen Gutachtern der KK!) eindeutig zuviele Prothesen eingesetzt, die gar nicht noetig sind.
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#3 YannickAnonym
  • 21.06.2018, 17:22h
  • Antwort auf #2 von Kosten
  • Ja, natürlich hat das mit der "Ökonomisierung" des Gesundheitssystems zu tun, die wir ja leider auch in Deutschland beobachten.

    Heute sind Ärzte und Krankenhäuser Wirtschaftsunternehmen und keine Heilanstalten mehr. Dafür muss man sich bei der Politik "bedanken".

    Aber dennoch ist es natürlich gut, dass so schwere Fehler mit so dramatischen Folgen nicht ungesühnt bleiben.
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