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Zwischen Improvisation und Komposition

Vielschichtigkeit, Experimentierfreude und Originalität

Die vierköpfige Nu-Jazz Band Salomea überzeugt mit ihrem gleichnamigen Debütalbum.


Salomea sind Rebekka Salomea (Gesang, Komposition), Yannis Anft (Synthesizer, Piano), Leif Berger (Drums) und Oliver Lutz (E-Bass, Bass-Synthesizer)
  • 27. Juni 2018, 05:35h, noch kein Kommentar

Mit ihrem ersten Album veröffentlichen Salomea ein fulminantes Debüt, das durch Vielschichtigkeit, Experimentierfreude und Originalität überzeugt. Die Musik der jungen Kölner Formation speist sich aus verschiedenen Strömungen wie Jazz-Pop, elektronischer Musik und Hiphop. Dabei verbleibt es nicht bei einer willkürlichen Kombination musikalischer Ausdrucksmittel aus diesen Traditionen, sondern es öffnet sich ein kreatives Spannungsfeld zwischen Improvisation und Komposition.

Die Band macht es möglich, dass dem Zuhörer im Salomeaversum innerhalb von 5 Minuten und 31 Sekunden ("Letter No.1"), ein expressives Jazz-Saxophon (Feature Niels Klein), verfremdete gesangliche Fragmente, geschickt rhythmisierte Passagen sowie offene — von Stimme und Instrumenten durchstrahlte — Klangräume begegnen.

Von wasserblasenartig aufsteigenden Synthie-Sequenzen auf "Grave-D". bis zu mysteriösen Klangplateaus auf "Hopscotch" gibt es auf dem ersten Album der Band vieles zu entdecken. Beispielsweise die weitläufige vokale Landschaft von "BabyY" oder das düster beginnende "M", das sich in ein rhythmisches Feuerwerk von steigender Intensität verwandelt. Das durch hermetische Lyrics, dissonante Klänge und eine Herzklopfbassdrum schlafwandlerisch-hypnotische "Letter No.2" oder das getriebene und dennoch nachdenkliche "Di It All".

Debütalbum als durchdachtes Gesamtkunstwerk


Das Debütalbum "Salomea" der gleichnamigen Band ist am 22. Juni 2018 erschienen

"Magnolia Tree", mit "For Jody" untertitelt, eröffnet das Album und ist Rebekkas Großmutter gewidmet. Der epische Refrain dieses Songs "You are hope, love, peace to me, Magnolia Tree" wäre wohl zu ergänzen mit Worten wie Freedom, Elegance, Wisdom oder Beauty. Vom großen Chor über das Instrumentalsolo hin zur Reprise durch Synthie-Streicher und Stimme ergibt der Song am Ende einen großen Bogen. Neben auskomponierten Abschnitten gibt es in der Musik Salomeas viel Raum für Improvisation: entweder als starkes Solo einzelner Bandmitglieder oder als eindrucksvolle Interaktionen in verschiedenen Besetzungen.

Salomea sind Rebekka Salomea (Gesang, Komposition), Yannis Anft (Synthesizer, Piano), Leif Berger (Drums) und Oliver Lutz (E-Bass, Bass-Synthesizer). 2014 gründete Rebekka die Band zusammen mit ihren Studienkollegen der Hochschule für Musik und Tanz, Köln, um ihre ersten Songs auszuprobieren. Anfang 2016 gab es Änderungen in der Besetzung, mit Oliver Lutz am Bass, die Band entfernte sich etwas vom Studienumfeld und feilt seither noch intensiver am gemeinsamen Sound.

Die Entstehung der Stücke ergab sich in einer engen Zusammenarbeit, wobei die Bandleaderin erste Entwürfe von Stücken schrieb die dann über das gemeinsame Spiel in Proben oder während Konzerten weiterentwickelt wurden. In diesem Prozess konnte jeder der vier musikalischen Einzelpersönlichkeiten seine oder ihre eigenen Ideen einbringen und trägt zu einem organischen Ganzen bei, das durch seinen kontrastreichen Einfallsreichtum begeistert.

Direktlink | Offizielles Video zu "Magnolia Tree" aus dem Debütalbum "Salomea"

Variantenreiche Basslinien, die zwischen minimalistisch und virtuos-überbordend changieren, bilden dabei das Fundament der Musik Salomeas. Das Schlagzeug steht dazu in einem Gegenpol, der mal zurückhaltend und mal in explosiven Kaskaden daherkommt. Synthesizer und Stimme verschmelzen in eigenwilligen Melodien und Spoken Word Passagen, die sich wie etwa auf "Bardarbunka" abwechslungsreich aneinanderfügen. Rebekka Salomea beweist dabei enorme stimmliche Fülle gepaart mit einer originellen Gestaltung vokaler Versatzstücke. Ihre Texte sind ehrlich, intim und poetisch, erzählen Geschichten oder erzeugen ein Geflecht aus Assoziationen. Auch hier ist Vielfalt Salomeas Stärke. Von der Weisheit der Natur über Ruhelosigkeit, Melancholie, Selbstfindung bis hin zu Freundschaft und Liebe wird eine breite Palette von Themen angesprochen, ohne je in Klischees zu verfallen.

Zusammen ergeben die Stücke ein Prisma in dem sich das eigene Hören in bunten Spektren auffächern kann. Der Spannungsbogen des Albums wird aufgelockert von drei Snippets ("Baby", "Lady", "Hopscotch"), die zwischen klanglich dichteren Stücken eingestreut sind und Salomeas Debüt als durchdachtes Gesamtkunstwerk den letzten Schliff geben.

Das erste Album dieser Ausnahmeband ist eine der erfrischendsten Hörerfahrungen 2018 abseits von ausgetretenen Pfaden und starren Genregrenzen. (Mark Wittek)

Salomea – Live

26.08.18 Frankfurt/Main – Museumsufer-Festival
20.09.18 Nürnberg – Brozzi Jazz
21.09.18 Karlsruhe – KOHI
24.09.18 Mainz – Schon schön