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- 18. Juli 2005 3 Min.
Der baden-württembergische CDU-Sozialminister wehrt sich als Schirmherr des Stuttgarter CSDs gegen Gestrige aus den eigenen Reihen.
Von Dennis Klein
Erst im April dieses Jahres wurde der 46-jährige Andreas Renner Sozialminister des drittgrößten Bundeslandes. Doch schon jetzt hat er einen Kulturkampf in der Südwest-CDU entfacht: Er übernahm als erster süddeutscher CDU-Minister die Schirmherrschaft eines CSDs - und griff in einem Grußwort das Tabu-Thema unter Konservativen auf: Homosexuelle Eltern. Für diese ganz neuen Töne aus dem tiefschwarzen Südwesten verdient Andreas Renner den Homo-Orden. Denn mit seiner Unterstützung geht er anders als Claudia Roth oder Guido Westerwelle ein politisches Risiko ein.
Die baden-württembergische CDU war stets ein konservativ-katholischer Trachtenverein, der der östlichen Schwester CSU nacheiferte. Die Partei war kulturell irgendwo auf der Alb angesiedelt; was in den Großstädten des Ländle vor sich ging, war den Mannen um Ministerpräsident Erwin Teufel schon immer unheimlich. Der Bauernsohn Teufel hatte 14 lange Jahre lang die Geschicke des Landes und der Partei geleitet. Erst vor drei Monaten konnte sich die Partei endlich aus den Griffeln des "Alten" befreien. Und siehe da: Es tut sich was. Während die Teufel-Regierung stets jede Anfrage der CSD-Veranstalter ignorierte, sagte Renner gleich zu. Auch andere CDU-Politiker, wie Stuttgarts CDU-OB Wolfgang Schuster, äußerten sich nach jahrelangem Schweigen nun plötzlich positiv über den CSD.
Das Sozialministerium ist nach Bekanntgabe der Schirmherrschaft mit bösen Briefen eingedeckt worden. Renner schlage eine Ablehnung entgegen "in einer Form, wie ich sie nur von vor 60 Jahren kenne", zitiert die "Stuttgarter Zeitung" den Minister. Er unterhöle "die altbewährte Familie" und praktiziere primitive "linksliberale Zeitgeisthascherei", wird ihm vorgeworfen. Auch Parteifreunde schlugen offen auf den 46-Jährigen ein. Der Abgeordnete Karl Zimmermann befürchtete schon, dass das C im Parteinamen "durch Christopher" ersetzt werde. An die Spitze der Traditionalisten setzte sich der 39-jährige Fraktionschef Stefan Mappus: Er bezeichnete den CSD in der "Pforzheimer Zeitung" als "abstoßend" - die Forderungen seien ebenso überzogen wie die "frivole, karnevaleske Form" - der gebürtige Pforzheimer scheint züchtiges Fasching-Feiern dem lebensfrohen Karneval vorzuziehen. Trotz der Kritik gab das Sozialministerium bekannt, dass es trotz der Proteste an der Schirmherrschaft festhalte.
Natürlich ist die Unterstützung allein nicht viel wert; Baden-Württemberg ist nach wie vor eines der rückständigsten Länder in punkto Homo-Rechte. So müssen sich in einigen Landkreisen heiratswillige Schwule und Lesben im KfZ-Zulassungsamt das Ja-Wort geben. Dennoch: Wenn sich auch die CDU langsam öffnet, steigt auch die gesellschaftliche Akzeptanz.
"Dem diesjährigen Christopher Street Day wünsche ich gutes Wetter, auch im übertragenen Sinn", so Renner in seinem CSD-Grußwort. Hoffentlich hält der streitbare Christdemokrat auch den Sturmböen in seiner eigenen Partei stand.
18. Juli 2005
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