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"Trump and Putin: A Love Story"

Homophobie-Vorwürfe gegen "New York Times"

Nicht alle finden einen Cartoon lustig, in dem Putin und Trump als knutschende Loverboys in einer pinken Fantasiewelt gezeigt werden.


Die Lippen aneinandergedrückt und mit Nippelspielen: So stellt sich die "New York Times" eine Liebesaffäre zwischen den beiden Staatschefs vor (Bild: New York Times)

Die angesehene "New York Times" wird beschuldigt, mit einem kurzen Zeichentrickfilm über eine Liebesaffäre zwischen den Präsidenten Donald Trump und Wladimir Putin homophobe Klischees zu bedienen. Der am Montag veröffentlichte gut einminütige Cartoon zeigt, wie Putin den US-Staatschef besucht, beide gemeinsam auf einem Einhorn durch eine Regenbogenwelt fliegen und sich dabei genüsslich küssen.

Laut der Zeitung handelt es sich bei dem Filmchen um eine "provokative und politische Satire", die "im Schlafzimmer eines Teenagers spielt, in dem die Fantasien dieser verbotenen Romanze zum Leben erweckt werden." Während des Videos werden echte O-Töne Trumps abgespielt, in denen er seine Bewunderung für den russischen Autokraten erklärt. Der Kurzfilm habe das Ziel, Trumps "absurde Äußerungen" zu illustrieren und so sein "turbulentes Seelenlen" zu zeigen, das von "Paranoia, Narzissmus und Fremdenfeindlichkeit" geprägt sei.

Twitter / nytopinion

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"Widerliche schwule Klischees"

In sozialen Netzwerken führte das Video zu einiger Kritik. So schrieb der durch die Snowden-Affäre bekannt gewordene offen schwule Journalist Glenn Greenwald: "Die NYT veröffentlicht einen Zeichentrickfilm, in dem sie sich über Trump und Putin lustig macht, weil die beiden homosexuelle Liebhaber sind. Sie benutzen dabei ein widerliches schwules Klischee nach dem anderen. Ich bin sicher, dass sie sagen werden, dass LGBT an dem Video beteiligt waren. Homophobie bleibt aber auch bei progressiven Botschaften falsch."

Twitter / ggreenwald

Bereits in der Vergangenheit hatte es in den USA Kritik an Medien gegeben, die wegen der Faszination Trumps mit Putin die beiden Staatslenker als schwule Liebhaber darstellten. So wurde vergangenes Jahr der Latenight-Talker Stephen Colbert, ein erklärter Trump-Gegner, aus diesem Grund attackiert (queer.de berichtete).

Der russische Propangadasender RT, der die homophobe Politik Russlands seit Jahren immer wieder verteidigt, versucht aus dem Cartoon der "New York Times" Kapital zu schlagen: In seiner deutschsprachigen Online-Ausgabe echauffiert sich "Russia Today" über die "verborgene Homophobie" und "pubertäre Fantasien" der "New York Times". Darunter wird in den gewohnt antiamerikanischen und homophoben Leserkommentaren über die "nichtsnutzigen schwulen der ami-diktatur" geklagt. (dk)


Kommentar eines RT-Deutsch-Lesers



#1 antosProfil
  • 28.06.2018, 19:51hBonn
  • Wie Glenn Greenwald feststellt: Homophobie bleibt auch bei progressiven Botschaften falsch. Recht hat er!

    Moment, nein, er hat ja gar nicht recht: Wenn mit Homo-Verachtung bestätigenden und/oder fördernden Botschaften gearbeitet wird, infiziert das auch die angeblich progressiven Botschafts-Anteile. Die faule Form kontaminiert die Gesamtaussage - was lässt sich hier denn noch redlich als reine Lehre, als eigentliche Aussage destillieren?

    Das gilt für Wagenknechts schillernde und traulich nach rechts funkelnde Äußerungen (warum wohl wird sie auf Kubitscheks rechtsextremer Online-Sezession immer wieder anerkennend erwähnt?), das gilt ebenso für den idiotischen Versuch, mißliebige Politiker oder sonstige öffentliche Personen dadurch zu diskreditieren, indem man sie als schwul darstellt. Egal, welche angeblich progressiven Botschafts-Anteile mitgefunkt werden, hängen bleibt immer auch die Form-Botschaft: Schwul, das ist feindlich, narzisstisch, zerstörerisch - einfach: falsch.
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#2 PiepmatzAnonym
  • 28.06.2018, 20:24h
  • Die Basis, auf der dieser reichlich pubertäre "Humor" aufbaut, ist: Schwulsein ist etwas Lächerliches. Wir stellen Trump als schwul dar, und das entwertet ihn und beraubt ihn seiner Würde. Ohne diese Grundidee funktioniert der Clip nicht. Und wie in der Szene mit den verschlungenen Zungen deutlich wird: Schwule Erotik ist irgendwie auch ein bisschen eklig. Dazu kommen noch allerlei Klischees, aber die hätte es nicht mal mehr gebraucht.

    Selbstverständlich ist das Ganze homophob. Was denn sonst?

    Hätte sich die New York Times einen Clip geleistet, in dem Trump der Lächerlichkeit preisgegeben würde, indem man ihn als behindert darstellt - und alle so: "Höhöhö, voll behindert, höhöhö!"? Wohl eher nicht. Man hätte gemerkt, dass da irgendwas mit dem eigenen Taktgefühl schiefläuft, wenn man so etwas lustig fände. Aber mit Schwulen kann man's ja machen.

    ---
    Siehe zum Thema auch eine Kolumne von M. Stokowski:

    www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/donald-trump-und-emmanuel
    -macron-haha-sie-knutschen-fast-a-1205585.html
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#3 LarsAnonym
  • 28.06.2018, 21:17h
  • Leider gehört in die Reihe dieser Technik, homophobe Machos lächerlich zu machen, in dem man sie femininer, weicher, weiblicher oder eben auch "schwul" darstellt, auch das gern benutzte "geschminkte" Putin-Porträt.

    Ich habe das nie verstanden. Warum stellt man dem Bild des barbusig auf einem Pferd reitenden, bzw. fischenden alternden Staatsmannes nicht das Bild von reitenden, fischenden Schwulen gegenüber, die nun rein optisch sicher eine genauso gute Figur machen können und die es in der Realität ja auch massenweise gibt?
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#4 schwarzerkater
  • 28.06.2018, 21:54h
  • mir gefällt der cartoon - ich musste mehrmals grinsen.
    karrikaturen und cartoon müssen und dürfen politisch nicht korrekt sein, das nennt man meinungsfreiheit und freiheit der kunst.
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#5 AuntieBioticEhemaliges Profil
#6 SpäterpeterAnonym
  • 29.06.2018, 06:57h
  • Finde das ganze überhaupt nicht homophob ehrlich gesagt. Sie könnten genauso gut eine Liebesaffäre zwischen Merkel und Trump darstellen. Nur passt das halt einfach nicht, weil Trump Merkel nicht ständig in den Arsch kriecht, wie er es bei Putin macht.
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#7 niccinicciAnonym
  • 29.06.2018, 09:11h
  • null homophob, einfach nur witzig gemacht! man kann mit viel zeit auch alles 10mal durchleuchten, dann findet man schon irgendetwas. geniesst lieber den sommer und lacht.
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#8 Patroklos
#9 UrberlinerAnonym
#10 habemus_plemplem
  • 29.06.2018, 10:47h
  • Hier wird schwule Liebe hässlich und lächerlich gezeichnet, sowohl im graphischen als auch im metaphorischen Sinn, und deshalb gefällt mir die Darstellung nicht.

    Ein breiter und tief verankerter gesellschaftlicher Konsens, dass schwule Liebe etwas Selbstverständliches, Schönes und Wertvolles ist, würde diese Bilder anders wirken lassen. Allerdings fände sie dann wahrscheinlich auch niemand mehr lustig. Dieser Konsens existiert aber längst noch nicht!

    Ich fürchte daher, dass große Teile der heutigen Gesellschaft eine Assoziationskette "schwul-hässlich-lächerlich" unreflektiert verinnerlichen, wenn die NYT sowas verbreitet.
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