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Berliner Badeordnung

"Homosexuelle Herren werden ersucht, sich ihre Anlage nicht merken zu lassen"

Schon vor 100 Jahren trafen sich schwule Berliner in den öffentlichen Bädern der Stadt – doch damals versuchte die Bäderverwaltung noch, den inoffiziellen "Queer Summer Splash" einzudämmen.

Am 1. Juli richten die Berliner Bäderbetriebe im Kreuzberger Prinzenbad zum zweiten Mal den "Queer Summer Splash" aus – einen offiziellen Badetag für die LGBTI-Community (queer.de berichtete). Was in Aschersleben oder Tübingen vielleicht noch für Staunen sorgt, hat in der Hauptstadt eine gewisse Tradition: Bereits vor über 100 Jahren trafen sich die schwulen Berliner in den öffentlichen Bädern.

In seinem 1914 erschienenen Buch "Die Homosexualität des Mannes und des Weibes" schreibt Magnus Hirschfeld:

Auch die Volksbäder, Schwimmhallen und Brausebäder bilden nicht selten Treffpunkte Homosexueller; doch werden sie weniger zwecks sexueller Betätigung aufgesucht, als um sich am Anblick sympathischer Gestalten zu weiden…

Über diesen inoffiziellen "Queer Summer Splash" war die Berliner Bäderverwaltung allerdings Anfang des 20. Jahrhunderts alles andere als erfreut. In Paragraf 14 der Badeordnung wurden Homosexuelle sogar "ersucht", sich ihre Veranlagung nicht anmerken zu lassen.

Magnus Hirschfeld führt dazu aus:

Bezeichnend war, dass in einem der ersten Berliner Lichtluftbäder in der aufgehängten Badeordnung ein Paragraph enthalten war, welcher lautete: ''Homosexuelle Herren werden ersucht, sich ihre Anlage nicht merken zu lassen." Tatsächlich wurde später dort einigen homosexuellen Herren der Zutritt verboten, lediglich auf Grund ihrer bekannt gewordenen seelischen Neigung zum gleichen Geschlecht.

Der schräge Straight-Acting-Paragraf wurde damals sogar in einer Karikatur aufgegriffen:



Ein Jahrhundert später folgt die indirekte Wiedergutmachtung: Am Donnerstag haben die Berliner Bäderbetriebe sogar ihren Beitritt zum Bündnis gegen Homophobie erklärt. In einer Pressemitteilung schreibt Vorständin Annette Siering:

Rund sechs Millionen Besuche zählen die Berliner Bäder jedes Jahr. Alle Menschen sollen sich bei uns wohlfühlen. Durch unsere Mitgliedschaft im Bündnis gegen Homophobie wollen wir ein sichtbares Zeichen gegen Diskriminierung, Ausgrenzung, Hass und Gewalt setzen. Um unser Selbstverständnis von Vielfalt und Respekt zu unterstreichen, findet am kommenden Sonntag bereits zum zweiten Mal der Queer Summer Splash im Prinzenbad statt. Selbstverständlich weht dort die Regenbogenflagge schon seit Beginn der Saison.

Mit Dank an Erwin In het Panhuis, der uns auf die Karikatur und das Hirschfeld-Zitat hingewiesen hat.

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#1 TuggerAnonym
  • 29.06.2018, 12:02h
  • "doch werden sie weniger zwecks sexueller Betätigung aufgesucht, als um sich am Anblick sympathischer Gestalten zu weiden"

    Ja sicher doch ! ;-)
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#2 LuddisAnonym
  • 29.06.2018, 13:10h
  • sehr interessant! Bemerkenswert ist, dass damals von einer "Neigung" und nicht von einer "Wahl" ausgegangen wurde. So weit sind nicht mal die christlichen Fundamentalisten im Jahre 2018. Man sollte sich die "Neigung" damals zwar nicht anmerken lassen, aber damit hatte man offiziell eingestanden, dass es diese "Neigung" nun mal gibt und sie nicht die Schuld des "Geneigten" ist.
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#3 ErlhofAnonym
  • 30.06.2018, 12:28h
  • Krass, es wirkt vor hundert Jahren freundlicher, eher ein Gebot, als aus heutigen "AfD-Mündern" mit vielen erdachten Verboten und Diskriminierungswünschen!

    P.s. gute Aktion von den Bäderbetrieben!
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