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Türkei

CSD in Istanbul: Polizei treibt hunderte Aktivisten durch die Straßen

Im vierten Jahr in Folge setzen Behörden das Verbot der Pride-Demo mit Gewalt durch – im vierten Jahr in Folge setzten dem Hunderte Trotz und Liebe entgegen.


Zunächst hatte es friedliche Szenen aus Istanbul gegeben

Die Polizei der türkischen Metropole Istanbul hat am Sonntagnachmittag den 16. "Marsch des Stolzes" teilweise mit Gewalt und einigen Festnahmen unterdrückt. Die Lage ist noch unübersichtlich, verdüstert sich aber. Mit der Demonstration wollten Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transsexuelle, Transgender und Freunde den Abschluss der CSD-Woche begehen, die zum 26. Mal abgehalten wurde.

Auf der Unabhängigkeitsstraße in der Innenstadt konnten sich ab kurz vor 18 Uhr Ortszeit (17 Uhr deutscher Zeit) zunächst hunderte Menschen friedlich versammeln und mit Gesängen den CSD feiern. "Schulter an Schulter gegen den Faschismus!", skandierten einige Teilnehmer, "Wir gehorchen nicht, wir schweigen nicht, wir fürchten uns nicht!"

Twitter / TerryReintke | Die Lage vor Einschreiten der Polizei. Die grüne Europapolitikerin Terry Reintke ist wie in den Vorjahren zum CSD angereist. Die Facebook-Seite des Istanbuler Pride bietet Aufzeichnungen der Live-Streams der ersten Stunden

Eigentlich war eine Versammlung am Taksim-Platz in der Nähe geplant gewesen, der aber von Beamten abgesperrt wurde. Später räumten in Westen gekleidete Polizisten zunächst friedlich die Straße, während sich die CSD-Demonstration von dort auch durch die Innenstadt bewegte und dabei an manchen Stellen von der Polizei zurückgedrängt wurde. Einige Beamte in Kampfmontur setzten dabei auch vereinzelt Reizgas und Schlagstöcke ein. Obwohl Wasserwerfer und Beamten-Hundertschaften bereit standen, kam es den bisherigen Berichten zufolge aber nicht zu extremen Gewaltexzessen wie in einigen Vorjahren: Entgegen einigen internationalen Berichten scheinen etwa die Wasserwerfer nicht eingesetzt worden zu sein.

Allerdings gibt es auch einen Bericht vom Einsatz von Gummigeschossen gegen eine Gruppe von rund 30 Demonstranten – und zuletzt auch Berichte von Attacken auf CSD-Teilnehmer durch Polizeihunde. Manche Aktivisten konnten bis zum Rande des Taksim-Platz vordringen und dort eine kurze Kundgebung abhalten, an anderer Stelle wurden offenbar einzelne mutmaßliche CSD-Besucher festgenommen.

Facebook / www.sendika.org | Späteres Chaos in der Innenstadt. Im hinteren Teil des Videos ist mutmaßlich der Einsatz von Gummigeschosse zu hören

Die unübersichtliche Lage hält derzeit noch an. Im sozialen Netzwerk Twitter nimmt der CSD derzeit einen Spitzenplatz in der Türkei ein – teilweise mit Bildern und Videos aus den Vorjahren. Gegen 20.30 Uhr Ortszeit erklärten die Organisatoren den Pride in sozialen Netzwerken für beendet – Teilnehmer sollten vorsichtig bei der Abreise und später der Anreise zur Abschlussparty sein. Man könne derzeit fünf Festnahmen an drei Orten bestätigen. Später sprachen Anwälte des CSD von mindestens 11 Festgenommenen.

Twitter / celikfuat | Festnahme einer Teilnehmerin

Wie in den drei Jahren zuvor war die Demonstration am Freitag durch den von der Erdogan-Regierung bestimmten Gouverneur verboten worden (queer.de berichtete). Das Verbot zeuge von Hass und richte sich nicht einfach gegen Aktionen, sondern gegen die Existenz von Menschen, betonten die Pride-Veranstalter in einer Erklärung, die im Rahmen des CSD vor Medien verlesen wurde. Angebliche Sicherheitsgründe seien vorgeschoben; für Unfrieden und Gewalt sorge allein das Verbot.

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Slogans gegen den Machthaber

"Unser Lachen, unsere Schreie und unsere Slogans" bildeten ein Echo in den Straßen, auf denen einst – bis zum ersten Verbot – zehntausende Menschen friedlich demonstrierten, betonten die Aktivisten. Während staatliche Verbrechen immer sichtbarer würden, werde versucht, die Sichtbarkeit von LGBTI zu verkleinern. Man werde den Taksim-Platz nicht aufgeben und erinnere die Gesellschaft daran, das "der Kampf gegen das Ein-Mann-Regime nicht ohne uns gelingen kann".

Die Beamten hatten schon Stunden zuvor Teile der Innenstadt abgeriegelt und laut kaos.gl Personen abgewiesen, die vom Aussehen her CSD-Teilnehmer sein könnten. Bei der "diskriminierenden" Kontrolle sei Abgewiesenen eine Festnahme angedroht worden, sollten sie sich nicht entfernen, berichtet das Portal. In der "verbotenen" Zone hatten zugleich einige EU-Botschaften Regenbogenflaggen und CSD-Plakate angebracht.

Twitter / MikiTakesPhotos

Bereits in den letzten drei Jahren war es in Istanbul immer wieder zu Polizeigewalt mit dem Einsatz von Wasserwerfern und Gummigeschossen sowie zu Festnahmen beim Pride und beim teilweise zusätzlich abgehaltenen Trans Pride gekommen (s. Archiv). Die Aktivisten wurden in der Regel nach wenigen Stunden auf der Wache wieder freigelassen.

Während in manchen Städten auch zuletzt noch weiterhin Kundgebungen zum CSD oder Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie ungestört stattfinden konnten, wurde in Ankara in dieser Woche selbst eine Vorführung des Films "Pride" untersagt. Die Regionalregierung von Ankara hatte im letzten November erst die Aufführung mehrerer deutscher LGBTI-Filme im Rahmen des "KuirFest", dann alle queeren Kulturverstaltungen verboten (queer.de berichtete). Später wurde das "KuirFest" auch in Istanbul untersagt; derzeit ist es für einige Wochen in Berlin zu Gast.

Für Sonntagnachmittag hatten Aktivisten auch nach Kreuzberg zur Kundgebung "Berlin walks with Istanbul Pride March" geladen. Vom Hermannplatz aus zogen hunderte Menschen durch die Straßen.

Twitter / taz_gazete | Video-Eindrücke aus Berlin

Twitter / istanbulpride | Die Kundgebung in Berlin wurde auch vom Istanbuler Pride mit Freude wahrgenommen

 Update  2.7.: Alle Festgenommenen freigelassen
Laut kaos.gl waren gegen 1.30 Uhr in der Nacht alle elf Festgenommenen wieder frei. Die Organisation hat einen Zeit-Überblick der Geschehnisse erstellt.



#1 swimniAnonym
  • 01.07.2018, 22:22h
  • unter erdogan stibt jegliche heiterkeit des lebens
    warum wollen so viele türken das?
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#2 schwarzerkater
  • 01.07.2018, 23:25h
  • erdogan is back: polizei gegen den CSD in istanbul und die deutsche schule in izmir wurde geschlossen und versiegelt.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 TomdarkAnonym
  • 01.07.2018, 23:39h
  • Antwort auf #1 von swimni
  • Für viele Türken ist Erdogan ein Held.
    Faschismus verblendet, fördert den Nationalstolz und unterdrückt das eigenständige Denken, aus dem Freiheit ensteht. Leider lernen die Menschen zu wenig von den anderen, so dass die Konsequenzen diktatorischer oder totalitärer Systeme immer wieder leidvoll erfahren werden müssen.
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#4 Gerlinde24Profil
#6 Bonifatius49Anonym
  • 02.07.2018, 13:08h
  • Antwort auf #5 von börekler
  • Unter Erdowahn "geht es mit der Türkei" immer weiter bergab.

    * Ende der Gewaltenteilung,
    * massive Einschränkungen der Pressefreiheit,
    * Verhaftung von kurdischen Oppositionspolitikern der HDP und Unterdrückung der kurdischen Bevölkerung im Südosten des Landes
    * Unterdrückung der Rechte sexueller Minderheiten
    * Islamisierung des Landes... jetzt wurde sogar die Deutsche Schule in Izmir geschlossen !
    * Kopftücher wieder an Universitäten/Bildungseinrichtungen zugelassen
    * Massive verbale Attacken Erdowahns auf die Regierungen in den Niederlanden, in Deutschland ("Nazimethoden") und Israels ("Kindermord")

    ---> NIemals kann die Türkei in die EU, solange dort die AKP von Erdowahn an der Macht ist.
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#7 michael008
  • 02.07.2018, 13:19h
  • Antwort auf #6 von Bonifatius49
  • Die Türkei unter bzw. mit Erdogan will nicht in die EU.
    Die noch laufenden Beitrittsverhandlungen sind von beiden Seiten nur taktisches Geplänkel.
    Die EU weiss, dass die Türkei mit dieser Regierung die Aufnahmekriterien nicht erfüllen wird.
    Die Türkei weiss das ebenfalls.
    Die Verhandlungen werden seitens der EU nicht abgebrochen, damit Erdogan sich nicht als Opfer inszenieren kann.
    Darauf wartet der nur.
    Darum geht auch die Türkei den Schritt des Abbruchs nicht.
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#8 goddamn liberalAnonym
  • 02.07.2018, 17:38h
  • Antwort auf # von
  • "Und hey, Erdo hasst alles linksgrünversiffte. Er ist also euer Verbündeter!"

    Die frühen Gratulationen von Orban und Putin, der muslimische 'Brüder' in Syrien in Grund und Boden bombt, nach dem getürken Wahlsieg Erdogans sprechen Bände.
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#9 TheDadProfil
#10 Patroklos
  • 03.07.2018, 18:09h
  • Antwort auf #9 von TheDad
  • Manchmal muß man eben von gesetzter Stringenz abweichen. Bei Dir dürfte die Steigerung allerdings unspektakulärer verfolgen. Demnächst werden wir wohl bald was von "TheGranddad" lesen!
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