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Förderung der Homophobie?
LSVD kritisiert Sahra Wagenknecht
Der Lesben- und Schwulenverband ist in Sorge, dass die Linkspartei unter Sahra Wagenknecht das Bekenntnis zu LGBTI-Rechten jederzeit aufkündigen könne.

Sahra Wagenknecht hatte letztes Jahr im Bundestag für die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben gestimmt – nun steht sie in der Kritik, weil sie die Gleichbehandlung im Ehe-Recht als "Wohlfühl-Label" für reiche Kapitalisten bezeichnete (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)
- 2. Juli 2018, 11:54h 2 Min.
"Mit Erschrecken" habe der Lesben- und Schwulenverband Äußerungen der Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht zu Homo-Rechten zur Kenntnis genommen. Das erklärte die Organisation in einem Offenen Brief an die 48-jährige Politikerin (PDF). Anlass war ein Gastbeitrag letzte Woche in der Tageszeitung "Die Welt", in dem Wagenknecht die Ehe für alle als "Wohlfühl-Label" bezeichnete, um "Nutznießern [der Umverteilung von unten nach oben] ein gutes Gewissen zu bereiten". Der Beitrag war bereits von queer.de-Geschäftsführer Micha Schulze kritisiert worden, weil er Homophobie schüre.
Im Offenen Brief kritisierte der LSVD die Aussagen, weil Wagenknecht die Ehe für alle lediglich als "Ablenkungsmanöver" der Politik darstelle und "in einem Satz mit dem sozialen Aufstieg von wenigen" verknüpfe. Damit suggeriere die langjährige Abgeordnete, "dass das eine mit dem anderen zu tun hätte". Insgesamt komme der Eindruck auf, dass Wagenknecht für eine Politik plädiere, die "sich deutlich von Antidiskriminierungspolitiken, Antirassismus oder einer Politik [für] die Menschenrechte verabschieden sollte".
"Falsche wie gefährliche Diagnose"
Der LSVD erinnerte Wagenknecht daran, dass "Homophobie, Sexismus und Rassismus wie alle anderen Formen der gruppenspezifischen Menschenfeindlichkeit" Menschen auseinander treibe und die Solidarität schwäche. Zu Wagenknechts Thesen meint der Verband in dem von den Vorstandsmitgliedern Henny Engels und Jenny Renner unterzeichneten Brief: "Wenn diese falsche wie gefährliche Diagnose Ausgangspunkt für die von Ihnen herbeigesehnte neue linke Sammlungsbewegung ist, dann wird uns einmal mehr vor Augen geführt, wie fragil und zerbrechlich Normen des respektvollen und gewaltfreien Umgangs eigentlich sind." Offenbar sei "ein unbedingtes Bekenntnis zu Menschenrechten auch für sich als links verstehende Politiken jederzeit aufkündbar."
Wagenknecht hatte bereits vergangene Woche die Kritik von queer.de zurückgewiesen, in einem Facebook-Video eines Vertreters des parteiinternen Verbandes DIE LINKE. LAG queer NRW. Dabei sei die Politikerin jedoch nicht direkt auf die Vorwürfe eingegangen, bemängelte unter anderem Johannes Kram im "Nollendorfblog".
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Die Reaktion der Fraktionschefin im Interview führte auch innerhalb der Linken zu Kritik, darunter in der queeren Arbeitsgemeinschaft der Partei. "Es gab den Vorwurf, dass sie mit ihrer Gegenüberstellung Homophobie schürt. Aber wenn sich Befrager und Befragte ohnehin einig sind, braucht man offenbar weder Fakten noch Erkenntnisgewinn", so LAG-NRW-Sprecher Frank Laubenburg in einem Kommentar zu dem Video. Der Offene Brief des LSVD fordert eine Distanzierung der Parteivorsitzenden von dem "Welt"-Gastbeitrag. (dk)
Links zum Thema:
» Der LSVD-Brief als PDF















Wie Frau Wagenknecht verschiedene Gruppen (Geringverdiener vs. LGBTI) gegeneinander ausspielt, ist nicht akzeptabel.
Die rechtliche Gleichstellung von LGBTI (inkl. der Eheöffnung) dient eben nicht der Zementierung "kapitalistischer Strukturen" und er Ablendung von anderen Themen. Sondern es ist ein zentrales Menschenrechtsthema.
Und man kann durchaus die Gleichstellung von LGBTI fordern und gleichzeitig auch soziale Gerechtigkeit im Blick behalten. Die einzige, die das konterkariert ist Frau Wagenknecht mit ihrem Ausspielen verschiedener Gruppen gegeneinander.