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Förderung der Homophobie?

LSVD kritisiert Sahra Wagenknecht

Der Lesben- und Schwulenverband ist in Sorge, dass die Linkspartei unter Sahra Wagenknecht das Bekenntnis zu LGBTI-Rechten jederzeit aufkündigen könne.


Sahra Wagenknecht hatte letztes Jahr im Bundestag für die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben gestimmt – nun steht sie in der Kritik, weil sie die Gleichbehandlung im Ehe-Recht als "Wohlfühl-Label" für reiche Kapitalisten bezeichnete (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

"Mit Erschrecken" habe der Lesben- und Schwulenverband Äußerungen der Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht zu Homo-Rechten zur Kenntnis genommen. Das erklärte die Organisation in einem Offenen Brief an die 48-jährige Politikerin (PDF). Anlass war ein Gastbeitrag letzte Woche in der Tageszeitung "Die Welt", in dem Wagenknecht die Ehe für alle als "Wohlfühl-Label" bezeichnete, um "Nutznießern [der Umverteilung von unten nach oben] ein gutes Gewissen zu bereiten". Der Beitrag war bereits von queer.de-Geschäftsführer Micha Schulze kritisiert worden, weil er Homophobie schüre.

Im Offenen Brief kritisierte der LSVD die Aussagen, weil Wagenknecht die Ehe für alle lediglich als "Ablenkungsmanöver" der Politik darstelle und "in einem Satz mit dem sozialen Aufstieg von wenigen" verknüpfe. Damit suggeriere die langjährige Abgeordnete, "dass das eine mit dem anderen zu tun hätte". Insgesamt komme der Eindruck auf, dass Wagenknecht für eine Politik plädiere, die "sich deutlich von Antidiskriminierungspolitiken, Antirassismus oder einer Politik [für] die Menschenrechte verabschieden sollte".

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"Falsche wie gefährliche Diagnose"

Der LSVD erinnerte Wagenknecht daran, dass "Homophobie, Sexismus und Rassismus wie alle anderen Formen der gruppenspezifischen Menschenfeindlichkeit" Menschen auseinander treibe und die Solidarität schwäche. Zu Wagenknechts Thesen meint der Verband in dem von den Vorstandsmitgliedern Henny Engels und Jenny Renner unterzeichneten Brief: "Wenn diese falsche wie gefährliche Diagnose Ausgangspunkt für die von Ihnen herbeigesehnte neue linke Sammlungsbewegung ist, dann wird uns einmal mehr vor Augen geführt, wie fragil und zerbrechlich Normen des respektvollen und gewaltfreien Umgangs eigentlich sind." Offenbar sei "ein unbedingtes Bekenntnis zu Menschenrechten auch für sich als links verstehende Politiken jederzeit aufkündbar."

Wagenknecht hatte bereits vergangene Woche die Kritik von queer.de zurückgewiesen, in einem Facebook-Video eines Vertreters des parteiinternen Verbandes DIE LINKE. LAG queer NRW. Dabei sei die Politikerin jedoch nicht direkt auf die Vorwürfe eingegangen, bemängelte unter anderem Johannes Kram im "Nollendorfblog".

Facebook | Im "Interview" mit Parteifreund Heiner Bäther erklärt Sahra Wagenknecht, dass sie nicht homophob sei

Die Reaktion der Fraktionschefin im Interview führte auch innerhalb der Linken zu Kritik, darunter in der queeren Arbeitsgemeinschaft der Partei. "Es gab den Vorwurf, dass sie mit ihrer Gegenüberstellung Homophobie schürt. Aber wenn sich Befrager und Befragte ohnehin einig sind, braucht man offenbar weder Fakten noch Erkenntnisgewinn", so LAG-NRW-Sprecher Frank Laubenburg in einem Kommentar zu dem Video. Der Offene Brief des LSVD fordert eine Distanzierung der Parteivorsitzenden von dem "Welt"-Gastbeitrag. (dk)



#1 GerritAnonym
  • 02.07.2018, 14:12h
  • Die Kritik ist absolut berechtigt.

    Wie Frau Wagenknecht verschiedene Gruppen (Geringverdiener vs. LGBTI) gegeneinander ausspielt, ist nicht akzeptabel.

    Die rechtliche Gleichstellung von LGBTI (inkl. der Eheöffnung) dient eben nicht der Zementierung "kapitalistischer Strukturen" und er Ablendung von anderen Themen. Sondern es ist ein zentrales Menschenrechtsthema.

    Und man kann durchaus die Gleichstellung von LGBTI fordern und gleichzeitig auch soziale Gerechtigkeit im Blick behalten. Die einzige, die das konterkariert ist Frau Wagenknecht mit ihrem Ausspielen verschiedener Gruppen gegeneinander.
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#2 LinksAnonym
  • 02.07.2018, 14:55h
  • Antwort auf #1 von Gerrit
  • Sigmar Gabriel und Peer Steinbrück von der SPD hatten bereits ähnliche Äußerungen in der Vergangenheit gemacht. Winfried Kretschmann und Boris Palmer bei den Grünen auch. Nun also auch die Linke. Bedauerlich dieser Rechtsrutsch bei RRG.
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#3 goddamn liberalAnonym
  • 02.07.2018, 15:10h
  • Antwort auf #2 von Links
  • Wagenknecht ist in ihrer Partei ja nicht unumstritten.

    Es ist aber allein schon strukturell homopob, dass sie ständig ihre Thesen über RTdeutsch verbreiten lässt.

    Das ist ungefähr so, als wenn ein Politiker einer westlichen Demokratie in den 30ern ständig die Nähe zum großdeutschen Rundfunk gesucht und dann nachdrücklich bestritten hätte, antisemitsch zu sein, obwohl es schon vor dem Holocaust in Deutschland Staats-Antisemitismus gab wie heute Staats-Homophobie in Russland, z. B. via Staatsfernsehen:

    www.youtube.com/watch?v=0m8-_QlwYV8

    Die "liebe Sahra" spielt ein raffiniertes Doppelspiel.
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#4 LinksAnonym
  • 02.07.2018, 15:30h
  • Antwort auf #3 von goddamn liberal
  • LOL, in den 30ern musste niemand bestreiten antisemitisch zu sein. Das war nichts ungewöhnliches damals und wurde gesellschaftlich nicht geächtet! Wie insgesamt damals gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nicht überwiegnd gesellschaftlich abgelehnt wurde. Eine Antidiskriminierungsstelle des Bundes gab es auch noch nicht damals.
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#5 goddamn liberalAnonym
#6 baerchen2407Anonym
  • 02.07.2018, 17:18h
  • Sry Leute aber ich denke ihr habt die Wagenknecht falsch verstanden. Wenn wir politisch weiter mit 200km/h und 10 m Sicht auf den Abgrund zusteuern, wird der Hass auf Minderheiten in diesem Land zunehmen. Genau das versucht die gute Frau zu verhindern...
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#7 NielsAnonym
  • 02.07.2018, 17:19h
  • Antwort auf #1 von Gerrit
  • Sahra ist die einzige Person, die einen weiteren Aufstieg der AfD in Deutschland verhindern kann. Ohne sie haben wir bald österreichische Verhältnisse! Sie hat verstanden, dass linke Politik sich dadurch auszeichnet, dass sie die Interessen der Arbeiter und Geringverdiener in den Vordergrund stellt. Die Eheöffnung befürwortet sie und will sie auch nicht rückgängig machen. Auch hat sie keine Gruppen gegeneinander ausgespielt, sondern lediglich beschrieben, wie neoliberale Kapitalisten a la FDP, Jens Spahn und Teile von SPD/Grüne Dinge wie die Eheöffnung oder Frauenquoten nutzen, um der Bevölkerung das Gefühl zu geben, unsere Gesellschaft entwickele sich in eine bessere Richtung, während sie sich aber für die meisten (ärmeren) Menschen gar nicht oder in eine negative Richtung entwickelt.

    Die Massenzustrom von Wirtschaftsflüchtlingen verschärft diese Politik. Es gibt immer weniger Wohnraum und Arbeitsplätze und das treibt die Wähler zur AfD. Für Frauen und Schwule wird es immer gefährlicher nachts auf die Straße zu gehen. Sahra hat, im Gegensatz zu den meisten "Linken", verstanden, wo diese Entwicklung dauerhaft hinführt. Die wirklich Ärmsten auf der Welt, die gar nicht die Möglichkeit haben, hierher zu kommen, werden im Stich gelassen und die einheimischen Armen ebenfalls.

    Entweder die Linken verstehen das irgendwann oder wir werden in 10 Jahren von der AfD regiert und DANN hat der LSVD einen Grund rumzujammern! Trump wurde in den USA ebenfalls durch die linke Realitätsverweigerung an die Macht gebracht.
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#8 goddamn liberalAnonym
#9 LarsAnonym
  • 02.07.2018, 18:43h
  • Ich finde es nötig, wenn sich die queeren Verbände mit den Aussagen von Frau Wagenknecht inhaltlich auseinandersetzten. Sie benennt ein Dilemma der Linken im Zeitalter der Globalisierung: Die - um es platt zu sagen - "Armen" und "Unterdrückten" in den westlichen Staaten sind nun mal aus globaler Sicht eher die Privilegierten, Wohlhabenden, Mächtigen oder werden zumindest als solche wahrgenommen.

    Ich finde, es wird hier viel zu sehr auf die sichtbaren queeren Menschen geschaut und nicht gefragt, wie der Rest , die nichtsichtbare queere Welt unter ganz anderen sozialen ökonomischen und politischen Bedingungen zurechtkommen muss.

    Eine Homoehe z.B. können sich eben nur diejenigen leisten, der in einem rudimentär funktionierenden Sozialstaat leben und nicht existenziell von Familienstrukturen abhängen. Es reicht nicht , Menschenrechte zu propagieren, man muss auch sehen, wie diese für alle / möglichst viele umgesetzt werden können, sonst wird "der Rest" sie als Hohn empfinden.

    Mich nervt es regelmäßig, wenn hier über nichtwestliche Länder berichtet wird, dass sich als links verstehende Foristen auf negative Berichte aus diesen Ländern mit der kapitalistischen Geldkeule reagieren mit Vorschlägen wie: "Entwicklungshilfe kürzen", oder: "In diese Länder kann man nicht mehr reisen" oder die Bevölkerung als unheilbar religiotisch, homophob oder rückständig beschreiben.

    Das ist im Zeitalter der Globalisierung einfach zu kurz gedacht und zu wenig.

    Die Sorge, dass die erkämpften Standards wieder zurückgenommen oder in Frage gestellt werden könnten, ist ja berechtigt - aber Schuld ist daran nicht Frau Wagenknecht, wenn sie die möglichen Gründe für eine solche Entwicklung benennt.
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#10 Patroklos
  • 02.07.2018, 19:57h
  • Der LSVD sieht Gespenster, wo keine sind, denn auf jeden Fall wird die Linkspartei der LGBTIQ-Szene weiterhin erhalten bleiben!
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