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Medizinische Leitlinien

HIV-Negative mit "substanziellem Risiko" sollen die PrEP erhalten

Deutsche und österreichische Fachgesellschaften haben erstmals medizinische Leitlinien für die PrEP-Nutzung erstellt.


Das Medikament Truvada wurde 2012 in den USA erstmals als Präexpositions-Prophylaxe zugelassen

Für die Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) – also die Pille, die bei täglicher Einnahme das Risiko für HIV-Negative, sich mit dem Virus zu infizieren, praktisch auf null senkt – liegen erstmals medizinische Leitlinien für Deutschland und Österreich vor: Die zuständigen Fachgesellschaften haben sie in der vergangenen Woche unter Federführung der Deutschen Aids-Gesellschaft (DAIG) in Köln verabschiedet (PDF). An der Erarbeitung waren unter anderem die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) und das Robert-Koch-Institut (RKI) beteiligt. Die Leitlinien regeln detailliert, wie die neue HIV-Prophylaxe in den beiden deutschsprachigen Ländern eingenommen und ärztlich begleitet werden soll.

"Die PrEP wird mit den Leitlinien von einer Innovation zum Teil der regulären Versorgung", erklärte DAH-Vorstandsmitglied Sven Warminsky am Dienstag. "Die versammelte Fachwelt unterstreicht damit: Die medikamentöse Prophylaxe ist ein anerkannter Schutz vor einer HIV-Infektion. Die Regeln und Informationen geben Sicherheit – denen, die PrEP verschreiben, wie denen, die sie nutzen."

Medizinische Leitlinien sind systematisch entwickelte Feststellungen von Experten. Anders als Richtlinien sind diese aber nicht bindend. Die neuen Leitlinien ersetzen die "Vorläufigen Empfehlungen" der Deutsch-Österreichischen Aids-Gesellschaft zur Durchführung der PrEP.

Die Leitlinien schreiben fest, dass Menschen mit "substanziellem Risiko" einer HIV-Infektion die PrEP angeboten werden soll – für eine dauerhafte Einnahme. Dazu gehörten "MSM [Männer, die Sex mit Männern haben] oder Transgender-Personen mit der Angabe von analem Sex ohne Kondom innerhalb der letzten 3-6 Monate und/oder voraussichtlich in den nächsten Monaten bzw. einer STI [Geschlechtskrankheit] in den letzten 12 Monaten." Eine phasenweise Einnahme zu bestimmten Anlässen sei demnach ebenso möglich ("Off-Label-Gebrauch"), bedürfe aber einer besonders eingehender Beratung.

Leitlinien nennen Bedingungen für PrEP-Einnahme

Bedingungen für die PrEP-Einnahme sind ein negativer HIV-Test zu Beginn der Einnahme und ein weiterer vier Wochen danach, außerdem eingehende Aufklärung und Beratung. Während der Einnahme der Prophylaxe sollen alle drei Monate ein HIV-Test sowie Tests auf weitere sexuell übertragbare Infektionen in verschiedenen Abständen erfolgen, damit diese gegebenenfalls schnell behandelt werden können.

"Mit den Leitlinien wird es leichter, PrEP allen anzubieten, die die Prophylaxe brauchen", betonte Warminsky. "Ein Hemmnis bleibt aber, dass die Krankenkassen nicht dafür zahlen. Neben klaren Regeln brauchen wir eine Finanzierung, die niemanden ausschließt."

Die PrEP war 2012 in den USA zugelassen worden, aber erst vor knapp zwei Jahren in Europa. Die Behandlung wird derzeit in Deutschland nicht von der Krankenkasse oder einer anderen Behörde erstattet; seit der Zulassung sank der Preis der billigsten PrEP-Monatsration hierzulande allerdings bereits von 800 Euro auf gut 50 Euro (queer.de berichtete).

Von der Deutschen Aids-Hilfe und anderen Organisationen wird die PrEP als dritte Möglichkeit, sich vor einer HIV-Infektion zu schützen, unterstützt – neben Kondomen und der Schutzwirkung einer HIV-Therapie durch Positive. "Für manche Menschen ist sie die beste, für einige die einzig praktikable Methode", so die DAH. (pm/dk)



#1 Patroklos
#2 AuntieBiotic
  • 03.07.2018, 13:31h
  • Für das Sechstel der Bevölkerung, das an oder unterhalb der Armutsgrenze dahinvegetieren muss, sind das zwar schön klingende Worte, aber sie tönen hohl.

    Und zwar so lange, wie die PrEP keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen wird.

    Die monatlichen Kosten von ca. 100 Euro (incl. Arzt- und Laborkosten) bleiben für diese - im übrigen jährlich anwachsende - Bevölkerungsgruppe nach wie vor ein völlig unerreichbarer Luxus.

    In einem reichen Land, das sich erdreistet, sich nach wie vor "Sozialstaat" zu nennen, sollte immer noch die Grundregel herrschen, dass Gesundheit keine Frage des Geldbeutels sein darf.

    Daher müssen wir weiter für die Kassenzulassung kämpfen. Erst dann wird die PrEP für jeden verfügbar sein, der sie braucht. Und erst dann kann sich auch die epidemiologische Wirkung auf die Gesamtbevölkerung (deutlich sinkende Neuinfektionszahlen) voll entfalten.
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#3 Max_NRWAnonym
  • 03.07.2018, 16:08h
  • @2: Bei ein paar Risikogruppen, wie etwa Sexarbeiter*innen oder Partner*innen von Positiven kann ich das ja verstehen. Aber bei allen anderen Menschen sehe ich keinen Grund, wieso Krankenkassen das bezahlen sollten. Niemand muss die PrEP nehmen. Kondome sind ohnehin sicherer und die gibt's etwa bei Gesundheitsämtern oft kostenlos. Die Pille kostet beispielsweise ja auch, weil diese medizinisch nicht notwendig ist.
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#4 ursus
  • 03.07.2018, 16:37h
  • Antwort auf #3 von Max_NRW
  • "Bei ein paar Risikogruppen, wie etwa Sexarbeiter*innen oder Partner*innen von Positiven kann ich das ja verstehen. Aber bei allen anderen Menschen sehe ich keinen Grund, wieso Krankenkassen das bezahlen sollten."

    zum gefühlt tausendsten mal: weil das erwiesenermaßen viele infektionen verhindern kann, die man mit "einfach noch mehr kondompropaganda" nicht verhindern wird, und weil es dadurch kosten spart.

    aber eine frage finde ich hier besonders spannend. erkläre mir doch bitte mal, weshalb negative partner_innen in serodiskordanten beziehungen ein größeres anrecht auf sex ohne kondom haben sollten als andere (obwohl in diesen beziehungen oft schon eine therapie infektionen effektiv verhindert, worauf man sich bei gelegenheits-sex ja eher nicht verlassen sollte).

    gibt es innerhalb von beziehungen ein anrecht auf kondomfreien sex, sonst aber nicht? wenn ja, mit welcher begründung?
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#6 AuntieBiotic
  • 03.07.2018, 16:51h
  • Antwort auf #4 von ursus
  • Grins. Welcome back to the Fifties.

    Wenn man schon unbedingt schwul ficken muss, dann doch wenigstens nur innerhalb einer natürlich auch noch absolut monogamen Beziehung.

    ***

    Übrigens, auch für mich zum gefühlt tausendsten Mal: ich hab' absolut keinen Bock, all den Bullshit-Argumenten, die regelmäßig gegen die PrEP auftauchen, hier schon wieder mit rationalen Argumenten zu begegnen und immer wieder dasselbe schreiben zu müssen.
    Wen es wirklich interessiert, der findet ernsthafte und seriöse Infos z.B. hier:

    prep.jetzt/

    www.aidshilfe.de/hiv-prep

    prepster.info/

    Der zaunfink (Link siehe mein letzter Kommentar) hat eine perfekte sozio-psychologische Analyse zum Thema Sexualfeindlichkeit abgeliefert...

    ...ansonsten verweise ich auf all meine Kommentare (und die noch so manch Anderer) in den letzten 100 PrEP-Diskussionen hier auf queer.de. Da sind ALLE Argumente bis zum Abwinken nachzulesen.

    P.S. Bis zum 25.05.2018 kommentierte ich als BEAR.
    Auch auf diese Kommentare verweise ich.
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#7 airMeAnonym
  • 03.07.2018, 17:05h
  • Natürlich sollten Krankenkassen für Prep zahlen. Vor allem gibt es immernoch Krankenkassen die Homöopathie finanzieren (was ich nicht verstehen kann).

    Erschreckend finde ich jedoch, wie einige Prep Patienten (man siehe sich mal auf den unterschiedlichen Dating Platformen um) nun ausschließlich ungeschützten Sex haben, da sie meinen Prep mache sie unverwundbar. Erstens schützt Prep nicht zu 100 % vor HIV, zweitens bietet es überhaupt keinen Schutz vor Syphilis, Gonorrhoe, Hepatitis & co.

    Die HIV Neuinfektionen mögen ja seit Prep zurückgegangen sein (was natürlich positiv ist), allerdings gehe ich davon aus, dass Infektionen anderer STI's durch das zunehmende Immunitätsgefühl einiger Prep Patienten angestiegen sind.

    Hier ist es die Aufgabe der behandelnden Ärzte die Patienten über sämtliche Risiken aufzuklären und deutlich zu machen, dass Prep als zusätzlicher Schutz zusammen mit Kondomen und verantvortungsvollem Sexualverhalten dient. Denn momentan meinen viele: Prep = Safer Sex - und das stimmt so einfach nicht!
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#8 AuntieBiotic
  • 03.07.2018, 17:18h
  • Antwort auf #7 von airMe
  • PrEP-Nutzer bekommen ein Folgerezept i.d.R. erst, wenn sie sich nach einem bestimmten Schema (alle 3-6 Monate) auch auf genau diese weiteren Infektionen testen lassen. Die Kontrolle auch anderer sexuell übertragbarer Infektionen ist also bei PrEP-Nutzern wesentlich engmaschiger als bei allen anderen Gruppen. Somit können diese Infektionen früher erkannt und behandelt werden, und das Risiko, sie unerkannt weiterzugeben, wird signifikant gesenkt.
    Die weiteren Infektionen, oft als Scheinargument gegen die PrEP verwendet, sind bei PrEP-Nutzern also sogar besser in den Griff zu bekommen.

    ***

    "Denn momentan meinen viele: Prep = Safer Sex"

    Allerdings. Denn genau so ist es.
    Unter anderem sieht das auch die Deutsche AIDS-Hilfe so:

    www.aidshilfe.de/safer-sex

    Sex on PrEP ist also KEIN "ungeschützter" Sex.

    ***

    Wer unbedingt PreP und Kondome zusammen verwenden will - bitte schön: des Menschen Wille ist sein Himmelreich. NÖTIG ist es aber nicht.

    Verantwortungsvolles Sexualverhalten ist bereits, wenn man EINE der drei Safer-Sex-Methoden anwendet. So schwer das auch für Menschen zu akzeptieren ist, deren Leben von Moralinsäure heftig übersäuert ist.

    Eine virtuelle Basenkur, z.B. mit Basis-Fakten, wäre da manchmal doch sehr hilfreich.
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#9 CynthEhemaliges Profil
  • 03.07.2018, 17:24h
  • Antwort auf #4 von ursus
  • "gibt es innerhalb von beziehungen ein anrecht auf kondomfreien sex, sonst aber nicht? wenn ja, mit welcher begründung?"

    Naja, weil wir im Zuge der Aids-Krise alle gelernt haben, dass die Christen recht haben, wenn sie meinen, dass außerehelicher Sex böse ist, was Gott eben zur Not mit einer Krankheit bestrafen wird, wenn man als Mensch schon nicht mit Scheiterhaufen nachhelfen darf.

    Deswegen.

    :p
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#10 Patroklos
  • 03.07.2018, 17:30h
  • Antwort auf #8 von AuntieBiotic
  • "Sex on PrEP ist also KEIN "ungeschützter" Sex."

    Das sind ganz neue Erkenntnisse! Für die meisten aber schon, weil sie dann ohne Kondom durch alle Betten hüpfen können und PrEP dann sozusagen zum promisken Lebensstil beiträgt.
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