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"LGBT Action Plan"

Großbritannien will Homo-"Heilung" verbieten

Mit einem Aktionsplan will die Regierung von Theresa May die Lage von queeren Briten verbessern. LGBTI-Organisationen und die Opposition begrüßen den Schritt, allerdings gehe der Plan nicht weit genug.


Premierministerin Theresa May erklärte, sie wolle "echte und anhaltende gesamtgesellschaftliche Veränderungen" für LGBTI herbeiführen (Bild: Controller of Her Majesty’s Stationery Office/ Andrew Parson / wikipedia)

Die konservative britische Regierung hat am Dienstag in London einen Aktionsplan zur Bekämpfung der Ungleichbehandlung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transpersonen vorgeschlagen, in dem unter anderem ein Verbot von sogenannten Konversionstherapien vorgesehen ist (PDF). Bislang ist Malta das einzige europäische Land, das die "Heilung" von Homo- oder Transsexualität verboten hat (queer.de berichtete).

Insgesamt sieht der "LGBT Action Plan" 75 Einzel-Maßnahmen vor, darunter etwa eine stärkere Zusammenarbeit der Polizei mit der Community oder Verbesserungen an den Schulen. Außerdem soll ein offizieller LGBT-Gesundheitsberater ernannt werden. Bis 2020 sind dafür 4,5 Millionen Pfund (5,1 Millionen Euro) im Haushalt vorgesehen.

Grundlage für den Aktionsplan war eine groß angelegte Umfrage innerhalb der LGBTI-Community, an der sich 108.000 Menschen im Königreich beteiligt hatten. Dabei kam unter anderem heraus, dass fünf Prozent der Befragten bereits angeboten worden sei, eine "Konversionstherapie" durchzuführen – zwei Prozent hätten sich bereits einer derartigen Behandlung unterzogen. Aus diesem Grund kündigte Gleichstellungsministerin Renny Mordaunt in der Zeitung "Independent" an, dass nun Möglichkeiten für ein Verbot, etwa durch Gesetzesänderungen, geprüft werden würden.

Homo-"Heilung" wird nicht nur von LGBTI-Aktivisten, sondern auch Psychologenverbänden abgelehnt, weil Menschen mit derartigen "Therapien" in den Selbstmord getrieben werden könnten. Der Weltärztebund verabschiedete 2013 eine Stellungnahme, nach der derartige Behandlungen "die Menschenrechte verletzen und nicht zu rechtfertigen" seien (queer.de berichtete). In Deutschland dürfen Homo-"Heiler" trotzdem generell aktiv sein: Die Bundesregierung hatte im letzten Jahr erklärt, dass sie "Konversionsthreapien" zwar ablehne, aber keinen Grund sehe, diese zu verbieten (queer.de berichtete).

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Zwei Drittel haben Angst, in der Öffentlichkeit Händchen zu halten


Der Aktionsplan stellt auf 30 Seiten dar, wie LGBT in Großbritannien besser geschützt werden können

Die Umfrage brachte weitere Defizite im Leben von LGBTI ans Tageslicht: So sagten mehr als zwei Drittel der schwulen oder lesbischen Befragten, sie würden in der Öffentlichkeit aus Angst nicht Händchen mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin halten. Ein Viertel der Befragten habe bereits negative Reaktionen am Arbeitsplatz wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität erfahren müssen. Eine Mehrheit der Transpersonen berichtete zudem, aus Angst vor Diskriminierung ihre Geschlechtsidentität in der Öffentlichkeit geheim zu halten.

"Ich war schockiert, wie viele Menschen gesagt haben, dass sie ihre sexuelle Orientierung nicht offen leben können oder nicht die Hand ihres Partners in der Öffentlichkeit halten können, weil sie Angst vor negativen Reaktion haben", erklärte Premierministerin Theresa May bei der Vorstellung des Aktionsplanes. "Niemand sollte jemals verstecken müssen, wen sie lieben. Der Aktionsplan hat konkrete Schritte dargestellt, um echte und anhaltende gesamgesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen."

Twitter / theresa_may | In sozialen Netzwerken erklärte die Premierministerin, dass sie stolz auf den "LGBT Action Plan" sei

LGBTI-Aktivisten begrüßten die Initiative der May-Regierung als positiven ersten Schritt: "Wir sind glücklich, dass die Regierung auf die Stimmen von tausenden LGBT hört, die sich an dieser Umfrage beteiligt haben", erklärte Ruth Hunt, die Chefin von Stonewall.

Twitter / stonewalluk | Die LGBTI-Organisation Stonewall begrüßte den Aktionsplan

Allerdings gehe der Plan nicht weit genug, kritisierte der prominente Aktivist Peter Tatchell. So werde nichts gegen die Ausweisung von queeren Flüchtlingen getan, die aus "homophoben Ländern wie Uganda, Iran, Russland, Ägypten oder Jamaika geflohen" seien. Außerdem würden Opfer der Verfolgung von Homosexualität nicht entschädigt. Homosexuelle Handlungen waren in Teilen des Königreichs bis 1982 illegal.

Die oppositonelle Labour-Partei bemängelte, dass der Plan zu vage sei. So würde auch beim Thema Homo-"Heilung" nicht eindeutig gesagt, ob "Konversionstherapien" künftig per Gesetz verboten werden, so Schatten-Gleichstellungsministerin Dawn Butler. Außerdem sei die Labour-Forderung, Verbrechen aus Hass auf sexuelle und geschlechtliche Minderheiten härter zu bestrafen, nicht erfüllt worden. Hassvebrechen auf LGBT müssten genauso hart geahndet werden wie Verbrechen gegen Menschen, die aus Hass auf deren Rasse oder Religion verübt werden würden, forderte Butler.

Großbritannien ist mit dem "LGBT Action Plan" weiter als Deutschland: Der 2013 im schwarz-roten Koalitionsvertrag versprochene Nationale Aktionsplan gegen Homophobie fiel vergangenes Jahr sehr dünn aus und erntete scharfe Kritik von LGBTI-Organisationen (queer.de berichtete). Eine ähnliche Initiative wie der "Action Plan" in Großbritannien ist derzeit von der deutschen Bundesregierung nicht geplant. Immerhin hat die Bundesregierung aber vergangenes Jahr die Rehabilitierung von Homosexuellen inklusive einer kleinen Entschädigung beschlossen (queer.de berichtete).



#1 TimonAnonym
  • 03.07.2018, 17:02h
  • Hoffentlich!

    Es ist schließlich wissenschaftlich belegt, dass diese Gehirnwäsche schwerste psychische Schäden verursacht und bis zum Tod führen kann.
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#2 Patroklos
  • 03.07.2018, 17:09h
  • Ausgerechnet die Tories wollen Homoheilung bald verbieten, obwohl es in dieser Partei bestimmt den einen oder anderen noch gibt, der das befürwortet und noch unter der "Eisernen Lady" seine bzw. ihre politische Karriere begann.
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#3 von_hinten_genommenAnonym
  • 03.07.2018, 18:59h
  • Ich bedanke mich erst, wenn aus Worten Taten werden.
    Aber die Gedanken sind schon mal gut :-)
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#4 TwitterAnonym
  • 03.07.2018, 23:07h
  • "Die oppositonelle Labour-Partei bemängelte, dass der Plan zu vage sei. So würde auch beim Thema Homo-"Heilung" nicht eindeutig gesagt, ob "Konversionstherapien" künftig per Gesetz verboten werden, so Schatten-Gleichstellungsministerin Dawn Butler..."

    Und hier - nicht bei "Die Welt", "Bild", dem "Telegraph" oder "The Sun" - die klare Botschaft des demokratischen Sozialisten und Parteivorsitzenden von Labour, Jeremy Corbyn:

    twitter.com/jeremycorbyn/status/1013781974681554945
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#5 ben nevisAnonym
  • 03.07.2018, 23:29h
  • Eine Blaupause von Theresa für Angela, von der Conservative Party in GB an die CDU in D. Na dann legt mal los.

    Ach, ich vergas. Da gibt es noch eine deutsche Regionalpartei, die torpediert alles, was aus Berlin kommt. CSU !!
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#6 GerritAnonym
  • 04.07.2018, 11:10h
  • Damit wäre dann ein weiteres Land fortschrittlicher als Deutschland...

    Hierzlande sehen Union und SPD ja weiterhin "keinen Handlungsbedarf" oder erklären das gar als "freie Entscheidung" und schmettern alle Anträge der Opposition ab.
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#7 GerritAnonym
  • 04.07.2018, 11:18h
  • Antwort auf #5 von ben nevis
  • Das liegt nicht nur an der CSU, sondern auch die CDU will das nicht. Gerade wenn es um die "Freiheit" der Kirchen geht, auch Gehirnwäsche durchführen zu dürfen, ist die CDU genauso fundamentalistisch wie die CSU.

    Und die SPD nickt eh alles ab, was die Union ihr vorsetzt.
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#8 PierreAnonym
  • 04.07.2018, 12:10h
  • ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
    "Ich war schockiert, wie viele Menschen gesagt haben, dass sie ihre sexuelle Orientierung nicht offen leben können oder nicht die Hand ihres Partners in der Öffentlichkeit halten können, weil sie Angst vor negativen Reaktion haben", erklärte Premierministerin Theresa May bei der Vorstellung des Aktionsplanes. "Niemand sollte jemals verstecken müssen, wen sie lieben. Der Aktionsplan hat konkrete Schritte dargestellt, um echte und anhaltende gesamgesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen."
    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

    Danke Theresa May.

    Wann hat man so klare und deutliche Worte jemals von deutschen Regierungschefs gehört? Oder auch nur von Ministern?

    NIEMALS.

    Wir brauchen auch in Deutschland endlich eine Regierung, die "echte und anhaltende gesamgesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen" will.
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#9 PfuiAnonym
#10 stromboliProfil
  • 04.07.2018, 15:10hberlin
  • Antwort auf #8 von Pierre
  • "Wir brauchen auch in Deutschland endlich eine Regierung, die "echte und anhaltende gesamgesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen" will."

    Wir brauchen mehr! Wir brauchen ein funktionierendes bewusstsein hin zu demokratischem handeln.
    Da können wir vom britischen parlamentarismus noch lernen. Die haben wenigstens ihre revolutionen durchgelebt , um sich ein stabiles selbstbewusstsein demokratischen selbstverständnisse leisten zu können.
    Bei uns wird bei widerrede der ordnungsruf zur demokratischen (un)kultur .

    Dass da eine konservative nun auch im vorwahlkampfmodus interessen entdeckt, die sonst bei dem entscheidungsmodus, unter zu vernachlässigende minderheiten abgeheftet werden, ist insofern bemerkenswert, da es genau die partei ist , die mit thatcher einstmals die rückwärtsentwicklung gesamtpolitisch progressiver emanzipationsbestrebungen im weitesten sinne eingeleitet hat.
    38 jahre verloren gegangene entwicklung. 38 jahre kuschen unter die reaktionäre fuchtel, mit trostpreisen für einzelinteressen verbunden.

    Erst wenn die homoheilenden vor gericht und hinter gittern (eltern incl.!) , ist ein wirklicher durchbruch hin zu freiheit und selbstbestimmung getan!
    Bereits das schwammige konstrukt ablesbar aus der ankündigung, dämpft die begeisterung..
    " So würde auch beim Thema Homo-"Heilung" nicht eindeutig gesagt, ob "Konversionstherapien" künftig per Gesetz verboten werden, so Schatten-Gleichstellungsministerin Dawn Butler. Außerdem sei die Labour-Forderung, Verbrechen aus Hass auf sexuelle und geschlechtliche Minderheiten härter zu bestrafen, nicht erfüllt worden. Hassvebrechen auf LGBT müssten genauso hart geahndet werden wie Verbrechen gegen Menschen, die aus Hass auf deren Rasse oder Religion verübt werden würden, forderte Butler."

    Es bleibt also immer ein hintertürchen geöffnet, so denn der homos selbst um "heilung" bettelt. Und dass "religion " und rasse gegen glbt** interessen aufrechenbar sind., lässt die frage aufkommen: wo sind denn die stimmen eben jener so "bevorzugten gruppen , die über ihren tellerrand der vergünstigungspolitik hinaus schauen.
    Das wäre so die umkehrung der hier unglücklich geführten "wagenknechtdebatte".
    Wo sind die dort marginalisierten solidarisch zueinander.
    Den vorwurf kann man so ebenfalls erheben!

    Schlussendlich bleibt festzuhalten: die emanzipation weg vom heteronormativen ist gescheitert!
    Die einpassung in die heterogesellschaft, unterliegt zweierlei kriterien: spielraum ökonomischer art; also die dem schwul/lesbischen unterstellte finanzielle basis , die ihn zum interessanten objekt unserer konsumgesellschaft macht.
    Unabhängig, meist doppelverdienende, leistungsträger in der mitte der gesellschaft. Kurzum, der klassische aufsteiger!
    So ist er willkommen und umworben.
    Da darf er denn auch sichtbar sein, role model spielen.
    Die zweite ist dann schon besetzt vom im heteronormativen denken verankerten angstzustand gegenüber der eigenen sexualität und deren "beständigkeit.
    Bei soviel sichtbar werdenen neuen entwürfen darüber, was mensch an lebensmöglichkeiten für sich beansprucht, gibt er nur die vorgegebene norm/alität auf, zugunsten vielfältiger spielmöglichkeiten, überfordert dies den ohnehin unsicheren ... Wer angst hat vor "verfü+hrung", kann sich seiner eigenen identität nicht sicher sein!
    Dem begegnet er mit rückgriff auf autoritäre ausschlussverfahren.
    Ob dies dann unter religiösen oder moralischen gesichtspunkten geschieht, ist sich gleich: verteidigt wird sein status quo. Da ist zwar liberal angedeuteter spielraum , wenn genug druck auf ihm lastet. Aber umso härter und verzweifelter schlägt er um sich, wird seine "mehrheit" zunehmend ideologisch minderheit.
    "Besorgte bürger& eltern sprechen da ihre eigene sprache.

    Hier nun unser ertaunen dartüber , dass umfragen scheints genau das gegenteil von angekommensein aufzeigen.
    Der doch so emanzipierte nun doch wieder den schwanz einzieht, wenn die gegenwelt wieder sichtbar wird.
    Wo ist der doch so gefeierete effekt des coming out, als stütze unseres öffentlichen auftrittes?
    Bleibt der doch nur im überschaubar "familiären freundeskreis stecken.

    Müssen wir von neuem ein weiteres gesellschaftliches coming out erfinden, der uns selbst gegenüber der restgesellschaft die stabilität und würde gibt, die es möglich macht, anders zu sein als die anderen!

    Wie wichtig es scheint, uns hiermit auseinander zu setzen, man sich wieder (!) auf einen wirklich emanzipativen weg bringt, zeigt die weiterhin scheints zunehmende angst vor dem öffentlich werden...
    "Die Umfrage brachte weitere Defizite im Leben von LGBTI ans Tageslicht: So sagten mehr als zwei Drittel der schwulen oder lesbischen Befragten, sie würden in der Öffentlichkeit aus Angst nicht Händchen mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin halten. Ein Viertel der Befragten habe bereits negative Reaktionen am Arbeitsplatz wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität erfahren müssen. Eine Mehrheit der Transpersonen berichtete zudem, aus Angst vor Diskriminierung ihre Geschlechtsidentität in der Öffentlichkeit geheim zu halten."

    Einerseits hochzeitstorten mit symbolfigürchen oben auf, andererseits angst , dass zu sein, was man nun mal ist: ANDERS als die Andern.
    Hier aber liegt dann auch die wurzel unserer dauernden angreifbarkeit.
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