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Queerfilmnacht

Was für ein kitschiger Sommer!

Dass da etwas ist zwischen Lena und Eva, merkt man schnell. Blöd nur, dass Eva eigentlich mit Lenas Bruder zusammen ist. Es beginnt eine kitschige Romanze, die kaum Klischees auslässt. Schade, denn "Zwischen Sommer und Herbst" hätte mehr Potential gehabt.


Die 17-jährige Lena und die 24-jährige Eva kommen sich in Daniel Manns' Spielfilm "Zwischen Sommer und Herbst" näher (Bild: Edition Salzgeber)
  • Von Fabian Schäfer
    5. Juli 2018, 07:38h, noch kein Kommentar

Die Küche, nachts, nur fahles Licht. Lena (Linn Reuse) sitzt da, sie überrascht Eva (Isabel Thierauch), die eigentlich nur etwas trinken will. Zum ersten Mal trifft die kleine Schwester die neue Freundin des Bruders. Wie die beiden sich ansehen, nebeneinandersitzen, da wird schon klar: Sie verstehen sich gut – und ganz schnell noch besser.

Die beiden Frauen unternehmen immer mehr miteinander, Evas Freund Jonas (Hannes Sell) tritt in den Hintergrund. Eva gibt Lena Fahrstunden auf einem Feldweg, später fährt die kleine Schwester die Freundin ihres Bruders mit dem Roller in die Uni. Wie sie sich da umklammern, in slow motion durch die Landschaft düsen, dazu sanfte Gitarrenmusik, ist ein viel zu oft gesehenes Bild. Völlig ausgelutscht.

Viel Potential nicht ausgeschöpft


Poster zum Film: "Zwischen Sommer und Herbst" läuft im Juli 2018 in vielen deutschen Städten in der Queerfilmnacht

Leider hat Autor und Regisseur Daniel Manns sich noch vieler weiterer kitschiger Melodrama-Klischees bedient. "Du hast da eine Wimper", sagt Lena allen Ernstes zu Eva. "Du darfst dir etwas wünschen." Dann, natürlich, küssen sie sich zum ersten Mal. Was ein dahindümpelnder Wohlfühl-Fernsehfilm sein könnte, nimmt sich leider viel zu ernst, als dass man ihn als solchen genießen könnte.

Dabei hätte der Film, sechs Jahre lang entwickelt, produziert und in NRW gedreht, viel Potenzial: Die beiden Hauptdarstellerinnen harmonieren großartig miteinander. Lena, die gefühlvolle Streberin, und die kühlere Eva geben ein tolles Paar ab, voller Unsicherheiten und Überforderung, aber auch voller Gefühl, Leidenschaft und Vertrautheit.

Und auch die Vaterfigur (Thomas Wolff) hätte so viel mehr gekonnt. Das Haus, das Zelt, in das sich die Geschwister zurückziehen, so detailreich ausgestattet, verkommt so zu einer leeren Kulisse für abgedroschene Plattitüden. "Zwischenmenschliche Beziehungen sind so anstrengend", sagt Lena zu ihrem Vater. "Manchmal lohnt es sich erst dann", mehr kann er nicht sagen. Dabei kann der Film stellenweise auch ganz anders, findet die richtigen Worte und Bilder voller Gefühl und Ästhetik, wenn Lena und Eva zum ersten Mal Sex haben etwa.

Der große Konflikt kommt dann auch bald, denn Lena wird in zwei Wochen nach Argentinien gehen. Das Drama geht weiter, emotionaler Abschied am Flughafen inklusive. Für beide war es ein kitschiger Sommer – und zwei Jahre später folgt für die Zwei ein nicht weniger kitschiger Herbst.

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film

Infos zum Film

Zwischen Sommer und Herbst. Spielfilm. Deutschland 2017. Regie: Daniel Manns. Darsteller: Linn Reusse, Isabel Thierauch, Thomas Wolff. Laufzeit: 96 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. Verleih: Edition Salzgeber. Im Juli 2018 in der Queerfilmnacht
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Zwischen Sommer und Herbst
8 Bilder