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Darf eine Cis-Frau einen Trans-Mann spielen?

Trans-Schauspielerinnen attackieren Scarlett Johansson

Scarlett Johansson will in einem neuen Film einen Trans-Mann spielen. Das führte zu einem Shitstorm gegen die Schauspielerin. Auch transsexuelle Kolleginnen üben Kritik.


Scarlett Johansson will einen Trans-Mann spielen – nicht jeder ist glücklich damit (Bild: Chairman of the Joint Chiefs of Staff / wikipedia)

US-Schauspielerin Scarlett Johansson steht in der Kritik, weil sie diese Woche angekündigt hat, für den Film "Rub & Tug" in die Rolle eines Trans-Manns zu schlüpfen. Der Film beruht auf wahren Begebenheiten und handelt vom transsexuellen Bordellbesitzer Dante Gill, der in den Siebzigerjahren in Pittsburgh eine Reihe von Massagesalons betrieben hatte.

Die Kritik entzündete sich daran, dass eine Cisgender-Schauspielerin als Trans-Person zu sehen sein soll. In sozialen Netzwerken zeigten viele Nutzer Unverständnis, dass die Produzenten keinen Trans-Mann für die Rolle angeheuert hatten. Dragqueen Nicky Nastasia veröffentlichte etwa ein Bild des echten Dante Gill und beklagte, dass ihm Johansson nicht ähnlich sehe und dass Cisgender an "tollen Geschichte über trans/queere Erfahrungen" herumpfuschten.

Twitter / NickiNastasia

Am Dienstag versuchte Johansson, die Kritik im Magazin "Bustle" zu entkräften. Die 33-jährige New Yorkerin verwies auf die Cis-Schauspieler Jeffrey Tambor, Jared Leto und Felicity Huffman, die alle drei transsexuelle Figuren dargestellt hatten. Huffman und Leto erhielten jeweils Oscar-Nominierungen für ihre Darstellung von Transfrauen in "Transamerica" (2005) und "Dallas Buyers Club" (2013) – Leto konnte den Preis am Ende sogar gewinnen; Tambor erhielt mehrere TV-Preise für seine Darstellung einer transsexuellen Rentnerin in "Transparent".

Das führte zu scharfen Reaktionen von transsexuellen Schauspiel-Kolleginnen: "Also, du kannst uns spielen, aber wir dürfen nicht dich spielen? Hollywood ist so im Arsch", erklärte Trace Lysette auf Twitter. Lysette spielt in "Transparent" eine Nebenrolle – sie sorgte Ende 2017 für Schlagzeilen, als sie Hauptdarsteller Jeffrey Tambor im Rahmen der #MeToo-Kampagne beschuldigte, sexuell übergriffig geworden zu sein (queer.de berichtete). Daher feuerte das Streamingportal Amazon Video zunächst Tambor und kündigte im Mai die Einstellung der Serie an (queer.de berichtete).

In einem weiteren Tweet schrieb sie an Johansson: "Du spielst uns nicht nur, sondern klaust unsere Geschichten und unsere Chancen [als Schauspielerinnen], aber du erhältst dafür Filmpreise und gute Kritiken, weil du unser Leben nachäffst. Das ist so unredlich. Ich hab's so satt."

Twitter / tracelysette

Clayton: Trans-Schauspieler erhalten keine Cis-Rollen

Trans-Schauspielerin Jamie Clayton ("Sense8") war ebenfalls über Johansson empört – und schrieb teilweise in Großbuchstaben: "Trans-Schauspieler werden nie zum Vorsprechen FÜR IRGENDWAS ANDERES ALS TRANS-FIGUREN eingeladen. DAS IST DAS ECHTE PROBLEM. WIR KRIEGEN NICHT MAL DEN FUSS IN DIE TÜR. Man sollte Schauspieler, DIE TRANS SIND, ALS TRANS-FIGUREN engagieren. TRAUT EUCH."

Twitter / MsJamieClayton

Trotz der Kritik sind in TV-Serien in den letzten Jahren immer mehr Trans-Schauspieler für Trans-Rollen gecastet worden. Beispiele sind "American Horror Story" oder die neue LGBTI-Serie "Pose", in der allein fünf transsexuelle Schauspielerinnen Teil der Hauptbesetzung sind (queer.de berichtete).

Auch Kritik an Hetero-Männern in schwulen Rollen

Ähnliche Diskussionen wie in der Trans-Cisgender-Debatte gibt es auch über Filme, in denen heterosexuelle Männer die Rolle von Schwulen übernehmen. In britischen und amerikanischen Medien gab es etwa Kritik an den vor wenigen Monaten mit zwei Oscars ausgezeichneten und von Kritikern hoch gelobten Film "Call Me By Your Name", weil die beiden männlichen Hauptfiguren, die eine Sommeraffäre haben, von Schauspielern dargestellt werden, die nicht schwul sind. Der "Guardian" kritisierte etwa vergangenen Herbst diese Casting-Entscheidung, weil umgekehrt schwule Schauspieler selten Rollen als heterosexuelle Männer erhielten. "Ist es Zeit für #OscarsSoStraight?", fragte die Londoner Tageszeitung.


Die heterosexuellen Schauspieler Timothée Chalamet und Armie Hammer erhielten viel Lob für ihre Darstellung von schwulen Figuren in "Call Me By Your Name"

Bereits jetzt verpönt ist in den USA die Darstellung von vielen Figuren, die einem anderen ethnischen Hintergrund wie der Schauspieler angehören. Insbesondere "Blackfacing", also wenn weiße Menschen schwarze Figuren darstellen, gilt als rassistisch. Auch Scarlett Johansson hatte wegen dieser Sensibilitäten bereits einen Shitstorm hervorgerufen, als sie im Science-Fiction-Film "Ghost in the Shell" eine asiatische Frau spielte. Das Konzept, stets Rollen nur mit weißen Schauspielern zu besetzen, wird als "Whitewashing" bezeichnet. (dk)

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    Ergebnis der Umfrage vom 09.07.2018 bis 16.07.2018


#1 TestbildAnonym
  • 06.07.2018, 11:47h
  • Am besten man trennt alle Gruppen und sperrt sie in jeweils einem eigenen Land oder Sektor ein. Dann dreht da jeder seine eigenen Filme, die auch nur die eigene Zielgruppe sehen darf!
    Community wird sowieso überbewertet, Apartheid ist doch viel besser. Und bloß nicht miteinander reden, sonst entwickelt man am Ende noch Verständnis für andere!
    Darüber hinaus ist es wichtig, dass man sich ausschließlich an solchen wichtigen Themen wie diesen hier ab arbeitet, da es auf der Welt ja keine anderen Probleme gibt. Außerdem bekommt man durch derartige Diskussion von der Mehrheits(Cis-)Gesellschaft noch mehr Vertrauen und Verständnis - die sind ja sowieso alle schon ganz links. Leben ja schließlich nicht in Zeiten, in denen die Simpsons Realität geworden sind und z.B. Ein New Yorker Bauunternehmer namens Donald Trump Präsident geworden ist. Wenn das so wäre, dann müssten wir über andere Dinge reden, aber so haben wir ja ausführlich Zeit über Rollenverteilung and in Hollywood zu sprechen...

    Wer hier Ironie findet, darf sie behalten!
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#2 FOX NewsAnonym
  • 06.07.2018, 11:56h
  • Antwort auf #1 von Testbild
  • Der Sinn einer Schauspielerin ist ja eine andere Rolle als die Eigene zu spielen. Würden nur noch Schwule für schwule Charaktere genommen werden und Transen für Transen, dann wäre es kein Schauspiel mehr und die Schauspieler würden sich zurecht aufregen.

    Eine weiße CIS Frau darf dies und das nicht spielen. Das ist Ungleichbehandlung und eine Form von Rassismus.
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#3 remixbeb
  • 06.07.2018, 13:10h
  • sehe ich genauso. Schauspieler*innen sind Schauspieler*innen, weil sie für einen Film eine andere Rolle als die eigene annehmen. Ansonsten wäre es etwas überspitzt gesagt eine Doku.

    Es mag beklagenswert sein, dass Trans-Personen schlechtere Chancen im Film-Business haben. Dann soll der Ärger aber da hin gehen und nicht gegen Schauspieler*innen, die ihren Job machen.
    Mich jedenfalls hat es nicht wirklich gestört, dass die beiden Hauptdarsteller bei Call Me By Your Name nicht schwul sind.
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#4 rahoorAnonym
  • 06.07.2018, 13:24h
  • ich finde es richtig, das sich darüber aufgeregt wird. besonders wenn heteros lgbt "spielen"
    es erinnert mich immer an die alten filme wo ein weißer sich schwarz anmalt um als farbiger aufzutreten. da muss man nicht weiter drüber reden das es rassistisch und nicht tragbar ist.
    wo ist da der unterschied bei lgbt?
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#5 michael008
  • 06.07.2018, 14:32h
  • Antwort auf #4 von rahoor
  • Dürfen LGBT's dann auch nicht Heteros spielen?
    Das ist doch Unfug.
    Hier wird ja niemand angemalt, wie in Deinem Beispiel.
    Es ist die Aufgabe eine* SchauspielerIn sich in verschiedene Rollen hineinzuversetzen und den Charakter zur Geltung zu bringen.
    Sich schwarz anzumalen, war dagegen wirklich rassistisch, da es schwarzen Menschen unterstellt, nicht für das Schauspiel geeignet zu sein, respektive den Rassismus der Zuschauer pflegt, die keine Schwarzen als Stars akzeptierten.
    Wichtig ist die Sichtbarkeit der LGBTI.
    Wenn Menschen als geoutete LGBTI als gute Schauspieler und eventuell Stars akzeptiert werden, können doch die Rollen nicht nur auf die eigene sexuelle oder geschlechtliche Identität beschränkt bleiben.
    Und das Gleiche möchte ich Heteros ebenfalls zubilligen.
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#6 Vater
  • 06.07.2018, 15:09h
  • Antwort auf #5 von michael008
  • Genau!

    Das ging mir auch die ganz Zeit über durch den Kopf.

    Spätestens wenn Schwule keine Heten spielen dürfen sollte der letzte Knallkopf merken, dass dies ein völliger Irrweg ist.

    Wie soll man das denn Steuern? Mit Quoten für Frauen, Männer, Schwule?

    Klingt für eine Sekunde vernünftig, führt dann aber ausschließlich zu Knallchargen.
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#7 EternalAlmanAnonym
  • 06.07.2018, 15:41h
  • An die Trans-Acting BefürworterInnen hier: Findet ihr es dann auch ok, wenn in normalen Filmen in Zukunft Frauen von Männern und Männer von Frauen gespielt werden?

    Also bei Sissy wird Sissy dann durch Bernhard Hoecker ersetzt und bei Rambo übernimmt Yvonne Catterfeld die Rolle des Action Helden?

    Wie weit wäre das noch erträglich? immerhin soll im aktuellen Beispiel eine Frau einen (Trans)Mann spielen, ob das so OK ist, ich finde nicht.

    Man stelle sich vor, in Schwulen-Pornos wird in Zukuft aus Gründen der Gleichberechtigung, die Rolle eines Parts durch eine verkleidete Frau ersetzt. Da freut sich die Kundschaft doch, gell?

    Was Rassismus angeht: Stellt euch mal vor, ein NS-Film in dem Hitler von einem Han-Chinesen gespielt wird und die amerikansichen Soldaten von australischen Aborigines, wie glaubwürdig ist das? Kommt der nächste Black Panther dann aus Finnland?
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#8 Gerlinde24Profil
  • 06.07.2018, 16:21hBerlin
  • Filme lassen sich am Besten mit großen namen verkaufen. Je berühmter, desto besser! Die Kunst bleibt dabei oft auf der Strecke.
    Und, es gibt keinen ausgebildeten Transmann als Schauspieler, der zugkräftig genug wäre, und auch gut spielen kann. Bei transsexuellen Frauen ist die Auswahl schon etwas größer.
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#9 Gerlinde24Profil
#10 MatsAnonym
  • 06.07.2018, 16:57h
  • Diese Frau ist Schauspielerin. Es ist ihr Job, auch Dinge darzustellen, die sie selbst nicht erlebt hat.

    Einige der tollsten Darstellungen von Schwulen und Lesben kommen von Heteros.

    Natürlich ist es ärgerlich, dass Trans-Menschen keine Hetero-Rollen bekommen. Aber das ist Schuld der Produzenten und nicht von Scarlett Johansson .

    Die Forderung, dass Heteros keine Trans-Menschen spielen dürfen, finde ich übrigens kein bisschen weniger sexistisch, als die umgekehrte Forderung, Trans-Menschen dürften keine Heteros spielen.
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