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Entgleisung auf Twitter

"Landesverrat!": AfD-Poggenburg empört über Dragqueens bei der Bundeswehr

Den Besuch zweier Travestie-Künstler in einer Kaserne nennt der rechte Landtagsabgeordnete eine "Schande für unser Land" – und sehnt sich zurück nach der Wehrmacht der Nationalsozialisten.


Die beiden Hamburger Dragqueens Lee Jackson und Barbie Stupid besuchten am 5. Juli das Kraftfahrtausbildungszentrum Simulator der Rommel-Kaserne in Dornstadt (Bild: Die Bundeswehr in Baden-Württemberg / facebook)

Der harmlose Besuch zweier Dragqueens bei der Bundeswehr hat den AfD-Landtagsabgeordneten André Poggenburg in Schnappatmung gebracht: "Dieser Zustand ist eine Schande für unser Land und zugleich Landesverrat, da es jeden Gegner förmlich in Versuchung führt unser Land zu überfallen!", schrieb der ehemalige Fraktions- und Parteivorsitzende aus Sachsen-Anhalt auf Twitter. In der Diskussion zum Tweet ergänzte er: "Es ist Landesverrat die eigene Verteidigungsarmee durch immer neue linke Verzückungen in aller Welt zu beschämen anstatt Stärke zu demonstrieren und abzuschrecken."

Poggenburgs Vorbild für eine stolze Armee ist ausgerechnet die Wehrmacht im nationalsozialistischen Deutschland. In seinem Tweet stellte der AfD-Rechtsaußen dem Bild einer der Dragqueens ein Foto von NS-Generalfeldmarschall Erwin Rommel gegenüber und schrieb dazu: "Die deutsche Armee … im Laufe der Jahre." Sein Vergleich gelte der "Einstellung zum Soldatentum eines Mannes, der bis heute sogar vom Gegner geschätzt wird", ergänzte der extrem rechte Politiker. Die Beziehung des ab 1940 durch den Afrikafeldzug als "Wüstenfuchs" bekannt gewordenen Rommel zur NS-Ideologie ist bis heute ungeklärt, sein militärischer Aufstieg wäre jedoch ohne die Gunst der Nationalsozialisten nicht möglich gewesen.

Twitter / PoggenburgAndre

Lee Jackson und Barbie Stupid im Fahrschulpanzer

Anlass des "Landesverrat"-Tweets war die Veröffentlichung mehrerer Fotos der beiden Travestie-Darsteller Lee Jackson und Barbie Stupid am 5. Juli auf der offiziellen Facebook-Seite der Bundeswehr in Baden-Württemberg. Die beiden Dragqueens, die in Hamburg Kieztouren anbieten und seit März miteinander verheiratet sind, besichtigten zweieinhalb Stunden lang das Kraftfahrtausbildungszentrum Simulator der Rommel-Kaserne in Dornstadt bei Ulm und fuhren unter anderem in Fahrschulpanzern mit. Bereits der Facebook-Post der Bundeswehr erhielt über 1.000 Kommentare, darunter zahlreiche homo- und transphobe Reaktionen.

Nicht alltäglicher Besuch in der Rommel-Kaserne Dornstadt bei Ulm (Baden-Württemberg): Kürzlich schauten dort zwei…

Gepostet von Die Bundeswehr in Baden-Württemberg am Donnerstag, 5. Juli 2018
Facebook / Die Bundeswehr in Baden-Württemberg

Einer der erbittertsten LGBTI-Gegner in der AfD

André Poggenburg ist einer der erbittertsten LGBTI-Gegner in der AfD und geradezu besessen von Fragen der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt. Auch mit einer Dragqueen hat er eine Vorgeschichte: Olivia Jones erstattete 2016 wegen Poggenburgs Hetze gegen den Landesaktionsplan gegen Homo- und Transphobie Strafanzeige gegen den AfD-Politiker (queer.de berichtete). Einen Besuch von Jones im Landtag nutzte der Abgeordnete zu einer weiteren Kampfansage gegen eine "überbordende Förderung von Minderheiten" und Aktionspläne, die eine "Schändung von Kinderseelen" seien . Erst im Mai hatte der völkische Abgeordnete einen Diskriminierungsschutz für LGBTI im Grundgesetz als "dekadent" bezeichnet (queer.de berichtete).


Rücktritt nach rassistischer "Kameltreiber"-Rede: André Poggenburg war bis März Fraktions- und Landesvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt (Foto: AfD-Fraktion Sachsen-Anhalt)

Für seine Twitter-Entgleisung erhielt André Poggenburg neben zustimmenden Reaktionen auch viel Kontra. "Sie müssen lernen ihre Hormone in den Griff zu bekommen, dann werden sie auch nicht ständig von Transsexuellen in Uniform in Versuchung gebracht", merkte etwa ironisch der Berliner Stand-up-Comedian Ingmar Stadelmann an: "Wissen ihre Parteikollegen von ihrem Outing? Wünsche weiterhin so viel Mut zur Wahrheit!" (cw)

Twitter / IngmarStadelman



#1 NetReaper
  • 08.07.2018, 09:17h
  • Ich gebe mal direkt die Frage weiter, die der @Schwulemiker auf Twitter gestellt hat.

    "Die Frage, was zwei Travestie-Künstler in einer Kaserne der Bundeswehr zu suchen haben, darf man sich aber schon stellen, oder?"

    Wie seht ihr das?
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#2 andreAnonym
  • 08.07.2018, 09:32h
  • Poggenburg ist bekannt. Da kann ich nur abwinken. Der eigentliche Skandal ist, für mich, das Dragqueens in einer "Rommel-Kaserne", unbeschwert, herumhopsen. Hätte sich Rommel (u.a. Kommandant im Führerhauptquartier) nicht selbst umgebracht, vor Kriegsende, wäre er in Nürnberg gelandet. Skandal , daß eine Bundeswehr-Kaserne, diesen Namen trägt. Laut Wikipedia, sind einige positiven Dinge, die von Rommel berichtet werden, nur Legenden. Ich gehe mal davon aus, daß es nicht noch einen Rommel gibt.
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#3 NetReaper
#4 EternalAlmanAnonym
  • 08.07.2018, 09:59h
  • Antwort auf #1 von NetReaper
  • Ich sehe das nicht anders, wer kämpfen will, muss sich auch unheimlich und eindrucksvoll präsentieren. Das gilt nicht nur für die Bundeswehr, auch für politische Aktionen.
    Kein Wunder, dass ein Haufen bunter Halbnackter, nie die vollen Rechte bekommt.

    Maschiert doch mal lieber mit Schwarz, Braun, Rot oder Grau, mit Kriegsbemahlung, dann nehmen euch die Leute auch mehr ernst.

    Macht aus dem schwächlichen Baby-Einhorn einen adulten schwarzen Hengst mit dicken Eiern und ihr werdet Respekt ernten.
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#5 Maike PfudererAnonym
#6 Ralph
  • 08.07.2018, 10:15h
  • Von einem opportunistischen Hitler-Fan wie Rommel möchte ich unsere Bundeswehr nicht geprägt sehen. Wer genau hinschaut, sieht übrigens das Hakenkreuz in der Mitte des Ritterkreuzes, das Rommel um den Hals hängt. In der Tat, das war die Wehrmacht. Militärisches Instrument eines kriegsverbrecherischen Regimes, das den Massenmord deckte. Dass Rommel auch beim damaligen Feind als genialer Stratege galt, wäscht ihn nicht rein.
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#7 FennekAnonym
  • 08.07.2018, 10:30h
  • Wo ist das Problem?

    Es ist völlig normal und immer schon so gewesen, dass im Rahmen der Truppenbetreuung auch Showacts auftreten. Das sind oft Sänger, Bands, Artisten, Comedians, Zauberkünstler, etc. Und diesmal eben Travestie-Künstler.

    Und den Soldaten hat es offenbar gefallen.

    So what?
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#8 goddamn liberalAnonym
  • 08.07.2018, 10:49h
  • Es gab auch Travestie-Auftritte bei der Wehrmacht.

    Dass sich der Rassist Poggenburg allerdings in deren Zeiten zurücksehnt, kann nicht verwundern.

    Vor ein paar Jahren gab es hier noch verharmlosenden Widerspruch, als ich auf die offensichtliche NS-Tradition der AfD hinwies.

    Wo bleibt da der Verfassungsschutz?

    Ja, wo bleibt der denn nur?
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#9 NielsAnonym
#10 FrancisAnonym
  • 08.07.2018, 11:25h
  • Was bitteschön soll an einem Showact "Landesverrat" sein?

    Aber egal, wie man dazu steht: spätestens, wenn als positives Gegenbeispiel das Dritte Reich gewählt wird, weiß man, wie die AfD tickt. Das ist keine rechtspopulistische Partei mehr, sondern eine offen rechtsradikale Partei.
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