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Einzelkommentar zu:
Scharfe Kritik nach transphobem Protest beim CSD London


#33 CynthEhemaliges Profil
  • 11.07.2018, 10:57h
  • Antwort auf #23 von fassungslos
  • "quantitative, und evtl. auch inhaltliche, dominanz "der anderen" ist in diesem fall nichts weiter als das resutat eigenen phlegmas."

    Es hat mit Phlegma nichts zu tun, wenn man keine Lust darauf hat, das Quoten-X zu sein, sei das die Quoten-Lesbe oder die Quoten-Transe in einer ansonste rein schwulen Runde, oder einer ansonsten reinen Cis-Gruppe.
    Vor allem, wenn man damit rechnen muss, in dem Rahmen mit genau denselben Vorurteilen und -annahmen umgehen zu müssen, mit denen man sich schon in der komplett heteronormativen Mehrheit ständig herumschlägt.

    Dass man sich bei Oberbegriffen wie LGBT*IQA oder queer mitgemeint fühlen soll, ändert leider nicht unbedingt viel daran, dass man im konkreten Fall eine Minderheit innerhalb der Minderheit ist, und im Zweifelsfalle meistens sehr einsam dasteht, wenn jemand in dem Kontext meint, seine Urteile oder Vorurteile über einem ausbreiten zu müssen.
    Man macht sich verwundbarer, wenn man sich als Subminderheit in einen queeren Rahmen begibt, zumindest mir geht das so. Eine Garantie dafür, dass deswegen irgendwie mehr Rücksicht genommen würde als sonst, bekommt man aber von niemandem, und eigentlich ist man besser dran, wenn man darauf auch nur sehr bedingt spekuliert.

    Ich tu mir das im realen Leben also häufig nicht an, weil ich aus Erfahrung weiß, dass ich an den Wunden, die ich von sowas davontrage, ungemein viel länger zu knabbern habe als an einem Dutzend trans- und homophober Kommentare, die man bspw. auf Nicht-LGBT-Seiten beinahe immer ertragen muss, wenn entsprechende Themen aufkommen.
    Ob und in welchem Rahmen man sich das geben will, sollte jeder für sich selbst entscheiden. Nicht bloß aus dem Recht auf Faulheit und Erholung, das auch und gerade Angehörigen von Minderheiten zusteht, sondern als häufig schlichtweg notwendiger Selbstschutz.

    Ist schon richtig, dass man den Mund aufmachen sollte, wenn man Rechte will. Aber dafür, dass man einer Minderheit angehört, kann man erstmal nix, und hat auch keine angeborene Verpflichtung dazu, umso häufiger anwesend und tätig zu sein, bloß damit der Minderheitenstatus nicht ganz so offensichtlich ist. Und ob man bereit dazu ist, Präsenz zu zeigen, hängt auch ein wenig von den Erfahrungen ab, die man mit der gerade vorherrschenden Mehrheit macht.
    Ich brauch als Transmann nicht oft unwidersprochen hören, wie eklig gewisse Aspekte von Frauenkörpern sind, um mir in der Folge zweimal zu überlegen, ob ich heute Lust darauf habe, das ertragen zu müssen, ehe ich zu einem Schwulentreffen gehe - Probleme mit meinem Körper hab ich schon genug. Das ist ein bisschen wie mit den negativen Reaktionen beim Händchenhalten von Homo-Pärchen: Einmal ein Dutzend schräger Blicke und ein, zwei aggressive Kommentare kassiert, vielleicht auch abschätzende Bemerkungen von bis dato positiven Bekannten, und man wird sich für sehr lange Zeit Gedanken machen, ehe man sich sowas nochmal wagt.

    Wie es Lesben damit geht, wie Schwule teilweise über Frauen sprechen, oder was es für Transfrauen heißt, wenn man ihnen mit der Prämisse Transfrau = Penis = ekliges Vergewaltigungsorgan begegnet, darüber kann ich bloß spekulieren. Aber sagen wir mal so: Dass Schwule mit ihrem Ekel vor Vaginas nicht hinterm Berg halten, finde ich zumindest schon belastend. Dabei bin ich mir darüber im Klaren, dass das im Vergleich zum Penishass mancher Feministinnen noch relativ harmlos ist.
    Ich bin sehr wohl der Ansicht, dass es in der Übergruppe LGBT+ genügend gemeinsame Ziele gibt, um möglichst geschlossen auftreten zu wollen. Aber wenn hier Kritik an vorgeblich selbstverschuldeter, mangelnder Präsenz aufkommt: Ob man als in dem Fall relative Mehrheit auch Schutzraum für Subminderheiten bzw. andere Minderheiten ist oder sein möchte, muss sich innerhalb der Mehrheit entscheiden. Das stellt leider auch Anforderungen, bei denen man bereit sein müsste, sich zurückzunehmen: Empathisch zu sein, sich im Vorhinein zu überlegen, was verletzend sein könnte, und auf Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen, selbst wenn es nicht die eigenen sind oder man sich vielleicht schwertut, die überhaupt nachzuvollziehen.
    Sowas sind Dinge, die man nicht als die Minderheit bestimmen kann - aber bei denen man mit den Konsequenzen leben muss, besonders wenn die unangenehm sind.
    Ein bisschen Verantwortung hat man insofern sehr wohl auch dann, wenn es mal nicht um den eigenen Karren geht.
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