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Urteil in Kleve

Lebenslange Haft für Mord an schwulem Rentner

Der 25-jährige Angeklagte hatte im September Sex mit einem 77-Jährigen aus Emmerich – drei Monate später suchte er ihn auf, um ihn brutal zu töten. Weil er sich laut einem psychologischen Gutachten "schämte"?


Die lebenslange Freiheitsstrafe kann frühestens nach 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden (Bild: Blogtrepreneur / flickr)

Das Landgericht Kleve hat am Donnerstag einen 25-Jährigen wegen Mordes und Raubes mit Todesfolge zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Angeklagte hatte schon bei seiner Festnahme wenige Tage nach der Tat gestanden, im Dezember vergangenen Jahres einen 77-jährigen Emmericher brutal getötet zu haben (queer.de berichtete).

Der arbeitslose 25-Jährige, der wegen des Konsums von Betäubungsmitteln der Polizei bekannt war und wegen Körperverletzung und Eigentumsdelikten vorbestraft ist, hatte den Rentner über ein Gay-Dating-Portal kennengelernt. Knapp drei Monate vor dem Mord hatte es ein Sextreffen zwischen den beiden Männern in der Wohnung des jungen Mannes gegeben. Dieser gab gegenüber der Polizei an, heterosexuell zu sein, aber auch mal homosexuelle Kontakte ausprobiert haben zu wollen.

Das Hauptmotiv für den Mord konnte auch im Prozess nicht abschließend geklärt werden. Laut einem psychologischen Gutachten "schämte" sich der Angeklagte für den gleichgeschlechtlichen Sex mit dem über 50 Jahre älteren Mann. Das Merkmal der Mordlust sah das Landgericht Kleve hingegen nicht gegeben, obwohl der 25-Jährige eigenen Angaben zufolge seit seiner Kindheit Tötungsfantasien gehabt habe. Dagegen sah die Kammer das Mordmerkmal der Habgier erfüllt, da der Angeklagte 350 Euro aus der Garage des Opfers entwendete.

"Es tut mir sehr leid, was ich getan habe. Ich bereue es zutiefst – mehr möchte ich dazu nicht sagen", äußerte sich der 25-Jährige laut "Rheinischer Post" vor Gericht.

Brutaler Mord mit Spuren im ganzen Haus

Die Leiche des Rentners war am 15. Dezember 2017 in dessen Einfamilienwohnhaus im Emmericher Stadtteil Elten von seinem Stiefsohn gefunden worden. Der Eigentümer einer örtlichen Tankstelle galt als beliebt und wohlhabend. Nach dem Tod seiner Ehefrau vor vier Jahren hatte er vor allem online nach Männerbekanntschaften gesucht. Da er seinen Mörder den ersten Ermittlungen zufolge offenbar in seine Wohnung gelassen hatte, prüfte die Polizei die Möglichkeit, dass ein Date für die Tat verantwortlich sein könnte, und bat die schwule Szene um Hinweise (queer.de berichtete).

Die Mordkommission fand ihren Angaben zufolge dann auch rasch Chat-Protokolle auf dem Smartphone des Rentners, wonach sich die beiden Männer am 14. Dezember verabredeten. In der Wohnung des 77-Jährigen wurde der 25-Jährige dann schnell brutal. Erst schlug er dem Rentner im Dachgeschoss ins Gesicht; das Opfer konnte mit starkem Nasenbluten nach draußen flüchten, wurde von dem Täter aber wieder ins Haus gezogen.

Wie die Polizei weiter angab, schlug dieser vor der Kellertreppe mit der Faust weiter auf den Rentner ein, verband ihm die Hände mit einem Gürtel und stieß ihn die Kellertreppe hinunter. Im Keller stach er dem Mann ins Gesicht und versuchte, ihm die Kehle zu durchschneiden. Mit einem Feuerlöscher schlug er weiter und laut Obduktion tödlich auf den 77-Jährigen ein; er zerbrach dabei Schädeldecke, Augenhöhle und Kiefer.

Später übergoss der 25-Jährige den Mann noch mit Wodka, um ihn – erfolglos – anzuzünden, und setzte das Haus unter Wasser, indem er Hähne aufdrehte und Abflüsse verstopfte. Laut Polizei dauerte die ganze Tat nicht länger als 45 Minuten. Der 25-Jährige floh danach und nahm später in Tatortnähe ein Taxi.

Durch die Protokolle früherer Chats kam die Polizei später an seine Adresse, Bewegungsprofile seines Handys stimmten mit der Tat überein. Am Tatort selbst hatte der 25-Jährige eine Zigarette mit seiner DNA hinterlassen. Als die Polizei den Mann in seiner Wohnung festnahm, hatte er bereits eine Tasche für einen Haftaufenthalt gepackt. (cw)



#1 Patroklos
#2 Gerlinde24Profil
  • 14.07.2018, 06:01hBerlin
  • Man versucht es in Deutschland mit einer Variante der "Gay Panic"-Strategie. Normalerweise von homophoben Arschlöchern benutzt, ist es hier ein drogenabhängiger junger Mann, der sein Opfer vermutlich ausrauben wollte. Mit "schämen" hat das nix zu tun.
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#3 schwarzerkater
  • 14.07.2018, 07:24h
  • bei so einem brutalen und kaltblütigem vorgehen, ist eine lebenslange haft mehr als angebracht.
    und das gutachten, wonach sich der angeklagte für seine dreimonatige "affäre" mit dem mordopfer schämte, verhöhnt den getöteten rentner noch einmal, denn der kann sich gegen diese behauptungen nicht mehr wehren.
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