Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?31547

"Finde dich selbst, feier dich selbst"

So machen Netta und Claudia Roth Mut fürs Coming-out

Beim Kölner CSD konnten die Besucher in einer Box Video-Statements zum Motto "Coming-out in DEINEM Style" abgeben – auch die ESC-Gewinnerin und die Bundestagsvizepräsidentin beteiligten sich.


In dieser "Coming-out-Box" konnten Besucher des Kölner CSDs persönliche Statements vor einer Videokamera abgeben (Bild: anyway)

Interessiert wurde die "Coming-out-Box" bestaunt, die der Jugendtreff anyway gemeinsam mit dem Cologne Pride auf dem CSD-Straßenfest in Köln aufgestellt hatte. Einige CSD-Besucher interpretierten sie als eine Art Beichtstuhl. Aber weit gefehlt: Mit einer Kamera ausgestattet, lud die Box dazu ein, ein Statement für das Thema Coming-out abzugeben.

Auch ESC-Gewinnerin Netta gab neben vielen anderen Pride-Teilnehmern eine Botschaft ab: "Das Leben ist sehr; sehr kurz. Wenn du nicht das machst, was du wirklich willst, dann ist es wertlos", meinte die israelische Sängern auf Englisch. "Wenn du nicht deine eigene Farbe findest und sie nach außen strahlen lässt, dann wird ein kleiner Teil von dir dunkel bleiben. Finde dich selbst, feier dich selbst."

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) richtete ihre Botschaft vor allem an die mehrheitlich heterosexuelle Gesellschaft: "Und wenn ich verlange, Gesicht zu zeigen und die Stimme zu erheben, dann erwarte ich das von den Heterosexuellen, die sich vor die Menschen stellen, die immer noch Angst haben, ihr Coming-out zu begehen. Was muss das für ein Leben sein, wenn ich nicht sein kann, wie ich bin?"

Darüber hinaus wurden beim Kölner CSD viele Mut machende, mitunter witzige, aber auch traurige und vor allem sehr persönliche Statements aufgenommen Ein Vater outet sich dafür, dass er stolz auf seinen schwulen Sohn ist. Andere erzählten vom Coming-out von vor 20 Jahren oder als HIV-Positiver. Ein Student aus Köln nutze die Gunst der Stunde, sich in der Box bei seinen Eltern zu outen: "Ich oute mich, nicht bei meinen Eltern out zu sein. Mama, Papa, falls ihr es seht: Ich bin schwul."

Die "Coming-out-Box" zeigt, dass es viele Arten und Weisen des Coming-outs gibt – und dies ein lebenslanges Thema ist. Einige Menschen haben Coming-outs für verschiedene Identitäten, zum Beispiel erst als lesbisch und später als trans. Andere Menschen werden aufgrund ihrer Lebensumstände nie ein Coming-out haben können.

"Das war unser Anliegen: mit dem diesjährigen CSD-Motto: Coming-out in seiner ganzen Breite sichtbar zu machen", erklärte Ina Wolf vom Cologne Pride. "Es ist etwas, was uns Lesben, Schwule, Bi und Trans* ein Leben lang beschäftigt. Egal ob nun in der Jugend bei Familie und Freunden oder später auf der Arbeit oder im Seniorenheim."

Auch Léon, Ehrenamtlicher aus dem Medienprojekt anyway.tv, zeigte sich von der "Coming-out-Box" begeistert: "Es gab unglaubliche viele tolle und bewegende Momente in der Box. Nachdem die Kamera aus war, haben wir oft noch geredet. Wenn alle Menschen in unserer Gesellschaft so offen wären wie die Menschen in der Box, dann brauchen wir irgendwann kein Coming-out mehr, weil es normal ist, vielfältig zu sein."

Alle Videos der Box sind jetzt auf Youtube zu sehen. (cw/pm)



#1 von_hinten_genommenAnonym
  • 15.07.2018, 12:45h
  • Danke, Frau Claudia Roth :-)
    Mögen diese Worte alle erreichen, die genau das noch lernen müssen.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 von_hinten_genommenAnonym
  • 15.07.2018, 13:16h
  • Antwort auf #1 von von_hinten_genommen
  • Ein Leben ohne seine Identität ausleben zu können, ohne diskriminiert zu werden, sieht folgendermaßen aus:
    Es wird einem die Würde genommen. Es werden einem plötzlich Dinge unterstellt, die ich niemals zu hören bekam, als ich noch dachte, ich sei hetero. Plötzlich muss man um einen Arbeitsplatz kämpfen. Plötzlich ist man vom Team ausgegrenzt. Plötzlich muss man länger suchen, um Freundschaft zu finden.
    Erklärungen gibt es keine, aber es wird einem unterstellt, man würde falsch interpretieren.

    Was als Hetero selbstverständlich ist, müssen sich die LSBTTIQ hart erkämpfen, und das nicht ohne erhebliche Folgen.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 giliatt 2Anonym
  • 16.07.2018, 00:49h
  • Coming-out in einer BOX ???
    Das Coming-out ist das wohl privateste Bekenntnis im Leben eines Homosexuellen. Gehört daher meines Erachtens in den engsten Kreis des Outers. Sofern natürlich die Familie intakt ist.
    Mein (heute 61) Outing damals vor vierzig Jahren lief derart ab: Unter innerem Bekennungs-Druck leidend, zeigte ich meiner Mutter ein Foto meines Mannes und sagte, dass das der Mensch ist, mit dem ich mein Leben verbringen will. Meine Mutter hatte eh den Braten gerochen und war nicht geschockt. Sie sagte: "Du bist mein Sohn. Du gehst einen schweren Weg."

    Was verbindet NETTA und CLAUDIA ROTH ???
    Nix! Die unterdurchschnittliche Gesangseinlage beim ESC mit dersinnlos- routierenden Ahnungslosigkeit einer Partei, deren einst zukunftsweisende Ökologie heute Stammkonzept jedweder Partei und selbst der nazistischen BEWEGUNG AfD ist ???
  • Antworten » | Direktlink »
#4 CynthEhemaliges Profil
  • 16.07.2018, 12:38h
  • Ich weiß nicht, ob ich das so gut finden soll. In der Hitze des Gefechts traut man sich am Ende was, und muss mit den Konsequenzen den Rest des Lebens klarkommen.
    Ich hätte nie damit gerechnet, dass mein Leben mal so bescheiden wird und ich mich derart rechtlos fühlen würde. Wenn mir so klar gewesen wäre wie heute, dass gerade die schwule Community ein Ort sein würde, an dem ich um Akzeptanz so sehr kämpfen muss wie nichtmal im Rest der Welt... Ich mein, was hab ich mir erhofft? - Okay zu sein, akzeptiert zu werden, vielleicht auch mal nen Typ zu finden, der mich nicht als Weib sieht und der mich trotzdem nicht eklig findet.
    Stattdessen bin ich nun Teil des personifizierten Horrors jedes Durchschnittsschwulen, Verkörperung des "Genderwahns" für die Neue Rechte, und hab einen derart versauten Lebenslauf, dass ich mich bei bloß ansatzweise konservativen Arbeitgebern nie wieder bewerben brauche.

    Die Menschen, von denen ich mich nicht bloß verstanden, sondern ernstgenommen fühle, kann ich bis heute an einer Hand abzählen, und von denen, die mir "nahestehen" gehört gerade eine einzige Person dazu.
    Schwule und Lesben - ja, okay, kann man sein, gibt's entsprechend auch in meiner Fantasiewelt. Transpersonen nicht, denn das ist ein Leben, wie ich's einfach niemandem wünsche.
    Im Wesentlichen lernt man viel über Menschen. Evtl mehr als man gern wissen wollte.
    Und das sind Hinweise auf mögliche Folgen, die ich für meinen Teil mir deutlicher gewünscht hätte.

    Sicher, man leidet auch darunter, sich verstecken zu müssen, das ist nicht schön, und kann einem in einer Welt, in der man "man selbst" sein soll, sehr wohl zum Vorwurf gemacht werden.
    Mich persönlich können die Selbstverwirklichungsblinden inzwischen mal. Ich wünschte, ich hätte es gelassen.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 ursus
  • 16.07.2018, 13:31h
  • Antwort auf #4 von Cynth
  • "Ich wünschte, ich hätte es gelassen."

    es ist sehr bitter, das zu lesen. und nartürlich sicherlich noch viel bitterer, es zu schreiben. es tut mir wirklich leid, dass du es so erleben musst.

    ich finde es aber richtig, dass du auf ein problem hinweist, das wir gerne mal verdrängen. ich möchte zwar am ideal des offenen lebens festhalten, aber natürlich gibt es tendenzen, die realen gefahren eines coming-outs zu verharmlosen oder ganz zu verdrängen. es ist immer eine individuelle einschätzung der risiken und der ressourcen notwendig. mit pauschalen ratschlägen sollten wir bisweilen wirklich vorsichtiger umgehen.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Rechtsruck-WatchAnonym
  • 16.07.2018, 15:02h
  • Antwort auf #4 von Cynth
  • Das liest sich für mich wie der Beitrag einer Organisation, die Homo-"Heilung" anbietet und hier Coming-out-Willige einschüchtern will.

    "ein Typ, der mich nicht als Weib sieht", "versauter Lebenslauf", "Konsequenzen für den Rest des Lebens" ... Das klingt mir auffällig nach Unkenntnis der Trans*Szene und Altmenschen-Wortwahl, gepaart mit Horrorszenarien wie einem unwiederbringlich verpfuschten Leben, "die Szene" als ein Ort, der schlimmer ist als die bisher gelebte Alltagsrealität mit unterdrückter Identität und dem implizierten Rat, lieber im Schrank zu bleiben und nicht aufzufallen.

    Als ich trau diesem Kommentar nicht über den Weg.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 CynthEhemaliges Profil
  • 16.07.2018, 19:14h
  • Antwort auf #6 von Rechtsruck-Watch
  • Tja, im Gegensatz zu dir schrieb ich mit Login, du kannst ja mal ein Dutzend meiner Beiträge überfliegen und dir selbst einen Eindruck verschaffen, was für Diskussion ich hier manchmal mit Leuten führen muss.

    Den Anfang mit der Homo-Heilung fand ich sehr lustig. Nach dem ersten Halbsatz hatte ich eigentlich eher so das Übliche erwartet: Den Vorwurf "Mal wieder jemand, der schwulen Männern ihre teuer erkaufte Identität rauben will, indem von ihnen verlangt wird, mit Leuten ins Bett zu gehen, die ohne Penis auf die Welt gekommen sind, und ihnen hintenrum damit nachzuweisen, dass sie eigentlich doch verkappte Heten sind".
    Stattdessen geht's also bloß darum, dass angeblich Outings immer toll sein müssen und man etwas anderes nicht behaupten darf, da fühl ich mich ja fast schon geehrt, als schwuler Transmann.
    Na, mal abwarten, nach dem deutlicheren Outing folgt o.g. Vorwurf am Ende ja vielleicht doch noch.

    Der Verweis auf meine vorgebliche Unkenntnis der Trans*-Szene hat auch Potential. Die Szene, in der man als "unecht" gilt etwa, wenn man keine OPs will, aus welchen Gründen auch immer man die ablehnt, oder die Szene, in der man erst als "fertig" gilt, wenn rechtliche und medizinische Schritte vollends ausgeschöpft wurden, aka man sich mit Dingen wie beispielsweise Gutachterzwang abgefunden hat?
    Soll ich dann weiterhin mal vorsichtig schätzen, wie viele Bewerbungen du persönlich schon geschrieben hast, in denen Zeugnisse mit verschiedenen, und verschiedengeschlechtlichen Namen, auftauchen, die dir gar nicht die Wahl lassen, ob du out sein willst (was bei Lesben und Schwulen nur ein Problem wird, wenn sie irgendwo auf evtl. vorhandene Beziehungen verweisen). Und ob du die Angst davor kennst, irgendwo zur Altersverifikation oder als Beleg für den Fahrschein den Personalausweis vorzeigen zu müssen, bei dem du zumindest befürchten musst, dass anschließend Diskussionen darüber aufkommen, ob das wirklich du bist?

    Ist alles schwer zu beurteilen bei jemandem, der anonym postet und dessen "Watch" zumindest wohl nicht so ernstgemeint ist, dass mehr als bloß ein Beitrag "beobachtet"/beachtet würde.
    Stell dir vor, es kann vorkommen, dass die Angst vor einem Outing tatsächlich nicht unbegründet ist. Mit dem Coming Out meinem Vater gegenüber habe ich mir fast ein Jahr Zeit gelassen, nachdem der Rest der Familie schon Bescheid wusste (zu Hause gelebt hab ich da nicht mehr). Von der ersten Reaktion noch am Telefon, der Forderung, ich hätte vorher ihn fragen müssen, ehe ich sowas anfange, und darüber nachdenken, wie er damit jetzt vor dem Reitverein dasteht (Leute, die das niemals im Leben erfahren hätten, solange ER nicht drüber redet, weil ich zu denen keinen Kontakt habe), bis zum lautstarken Vorwurf im Restaurant einen Tag später, trotz von mir als schützend erhoffter Öffentlichkeit, ich würde "das nur machen", weil ich mir da mit begründetem Blick auf den typischen Nobelpreisträger (männlich, evtl. Brille, meist Bart) Vorteile in Karriere und Beruf erhoffen würde, durfte ich mir innerhalb von zwei Tagen so ungefähr den gesamten Mist anhören, den man überhaupt zu hören bekommt.
    Outing, solange ich noch im Haus dieses Menschen gelebt hätte? No way.
    Dass irgendein Recht darauf, ich selbst zu sein, frühestens dann anfängt, wenn ich ausgezogen bin, habe ich instinktiv sehr gut gewusst. Was da evtl. noch auf mich zugekommen wäre, will ich lieber gar nicht wissen. Vor allem nicht, wenn man obendrein dann noch auf Männer steht (O-Ton sehr vieler Leute: "Na, dann kann man's aber eigentlich doch lassen.. Wieso willst du ein Mann sein(sic!), wenn du auf Männer stehst?" - Dinge, die man zuweilen sogar von heterosexuellen Transpersonen hört).

    Ich will gar nicht ins Detail gehen, mit was ich sonst noch so all klarkommen musste, aber eine Sache zumindest noch, die ich meinen Leuten wohl nie wirklich verzeihen werde: Die allgemeine Erleichterung, als ich nach ein paar Jahren nochmal versucht habe, mit meinem alten Namen wieder in mein altes Leben zurückzukommen.
    Nicht ein einziger Mensch hat mich gefragt an dem Punkt, wie's mir mit dem ganzen Trans-Kram und dem Doppelouting als trans* und schwul geht. Nicht eine Person hat mal in Frage gestellt, wieso ich das nicht mehr aushalte. Aber eines dabei hängt mir immer noch nach: Wie froh man überwiegend gewesen ist, sich mit diesem ganzen Mist endlich nicht mehr in Gestalt meiner Person befassen zu müssen.

    Dass LGBT meistens schwul heißt, und es in einem öffentlichen Forum wie hier meistens keine zwei Kommentarspalten dauert, bis irgendwer auftaucht, der in mir jemanden sieht, der ihm vaginalen Sex aufzwingen will (was btw so ungefähr das Letzte ist, was ich selbst wollen würde, abgesehen davon, dass ich hier überhaupt nicht auf Partnersuche bin), statt dass man in mir mal jemanden sehen würde, der sich Solidarität in einer Welt wünscht, in der man auch als schwuler Transmann unter Homophobie zu leiden hat, ist dabei alles andere als hilfreich.

    Was kommt also dabei raus - na, wenn ich doch mal so vermessen bin, eine Beziehung zu wollen, darf ich mir die Haare wachsen lassen, mich als Frau verkleiden und mir eine Hete dazu suchen. Eine OP (die ich mir erstmal mit zwei Jahren Geschlechter-TÜV verdienen müsste), bei der ich zumindest für Monate meine Orgasmusfähigkeit verlieren werde, die dann bloß mit Glück überhaupt wiederkommt, bloß um sowas wie "strictly gay" Parties oder einen Darkroom betreten zu dürfen, ohne vorher explizit um Erlaubnis gefragt zu haben, und Typen für sich zu begeistern, die sich für den Charakter dann doch nicht interessieren (ansonsten wär ich denen wohl auch so gut genug) - das ist es mir einfach nicht wert. Aber auch der erstgenannte Deal mitsamt der Selsbtverleugnung ist mir inzwischen schlichtweg zu blöd geworden.
    Was aber unterm Strich übrig bleibt: Behandelt, betrachtet und teilweise bezeichnet werd ich am Ende meistens doch als Weib, das einen gehörigen Sprung in der Schüssel hat und überzogene Ansprüche stellt. Mit diesem Fazit hätte ich mir den sonstigen Kram mitsamt der Verletzungen einfach sparen können.
    Ich sag damit nicht, dass das für Menschen gelten muss, die ein akzeptierendes Umfeld haben, und dass es mEn für Lesben und Schwule besser aussieht, hab ich oben schon geschrieben. Bei Transpersonen, die emotional auf Durchzug schalten können und in der Lage sind, in den ersten zwei Jahren alles einfach glatt durchzuziehen, um im Stealth verschwinden zu können, ohne nach rechts und links geschaut zu haben, mag es auch besser aussehen als bei mir. Aber wer so tut, als sei das alles heute so gar kein Problem mehr, der lügt sich in die Tasche. Insbesondere, wenn man zu der Sorte Mensch gehört, die einige der gesellschaftlich etablierten Demütigungsspielchen nicht mitspielen möchte, ist das nicht immer so locker-flockig, wie's einem im heiter-aufgekratzten CSD-Umfeld vielleicht vorkommt.

    Etwas bewegen können hätte ich vielleicht, wenn ich in der weiblichen Rolle geblieben und Feministin geworden wäre, so seltsam sich das auch anhört. So wie jetzt, ohne Vornamensänderung und ohne vollständige Angleichung, bin ich einfach jemand, den es in einer zweigeschlechtlichen Welt nicht geben sollte. Und allein dieses Gefühl ist etwas, das ich niemandem auf der Welt wünsche.

    Wenn du das fragwürdig findest, dann sei dir das unbenommen. Vielleicht wärst du ein Mensch, der mir in der einen oder anderen Situation geholfen hätte, wenn er*sie dabeigewesen und etwas mitbekommen hätte - weiß man's? Bloß, für sehr wahrscheinlich halte ich es nicht. Wenn man hinreichend anders ist, kämpft man meistens für sich alleine. Sowas wie Ehre kann man sich da an irgendeinem Punkt einfach nicht mehr leisten.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 CynthEhemaliges Profil
  • 16.07.2018, 19:38h
  • Antwort auf #5 von ursus
  • Ach, du bist ein liebes Ding.. danke dir.

    Ich bin immer Idealist und Individualist gewesen, weißt. Wenn man mich vor fünfzehn Jahren gefragt hätte, hätte ich's für ein Unding gehalten, dass mir sowas mal über die Tasten kommen würde.
    Aber ich hätte vor fünfzehn Jahren auch nicht damit gerechnet, dass ich mal extrem knapp davor stehen würde, mich umzubringen, und es mir später nichtmal anrechnen zu können, dass es irgendwie tapfer oder positiv wäre, dass ich das gelassen habe - sondern dass es eigentlich bloß ziemlich bösartige Missgunst gegenüber der Oberärztin in der Psychiatrie war, mit ihrer Dienstanweisung, mich ausschließlich weiblich anzusprechen und auf sämtlichen Listen den zunächst akzeptierten männlichen Namen gegen den weiblichen auszutauschen, nachdem sie mitbekommen hatte, dass ich das mit dem trans* ernst meinte.

    Ich betrachte das bis heute als Umerziehungsversuch, und als Versuch, mich als Trans*person auszulöschen, und irgendwie hab ich es dem Weib einfach nicht gegönnt, damit erfolgreich zu sein und sich gleichzeitig meiner Person und damit dem Zeugen des Ganzen zu entledigen. Und wenn ich bloß einer LGBT-Person davon hätte abraten können, mit einer Depression in diese Klinik zu gehen und sowas erleben zu müssen, wär's das wert gewesen.
    Inzwischen sind wir übrigens mindestens zwei Transpersonen, die das da so erlebt haben. Aber ob das reicht, und ob und was man dagegen machen kann, wenn das wirklich ein Markenkern dieser Klinik ist - wär begrüßenswert, aber leider keine Ahnung. Falls hier also jemand mitlesen sollte, der Geld und Lust für einen Krieg mit einer Anstalt hätte, mag so jemand sich sehr gerne melden. Aber wer hat das schon.

    Wünschen würde ich mir einfach eine Welt, in der es auf den Körper so sehr nicht ankommt und man einfach sein könnte, wie man ist. Mir ist ja auch durchaus klar, dass die Feindseligkeit, die ich von einigen schwulen Männern abbekomme, im Wesentlichen eine Reaktion auf die gesellschaftliche Forderung ist, gefälligst hetero sein zu müssen. So gesehen kann ich es den Leuten nichtmal verübeln, wenn die sich von mir provoziert fühlen. Bloß, mir gegenüber ist es trotzdem unfair, denn ich kann weder was für meinen Körper, noch dafür, wie die Welt eben ist.

    Ich bin halt schon mit dieser heterosexuell und mehrheitstauglich vermittelten Perspektive aufgewachsen, dass Anderssein etc. alles gar kein Problem sei, heutzutage. So sehr ich jedem Menschen wünsche, sich ausleben zu können, und man selbst sein zu können: Das kann man leider wirklich nur glauben, solange es einen selbst nicht betrifft.
    Trans* zu sein und nicht bloß ein bisschen androgyn, war leider ein Punkt, an dem es auch einigen Gothics zu viel war, bei denen kultiviertes Anderssein ansonsten wirklich großgeschrieben wird. Diese gefühlte Familie bzw. diese Subkultur zu "verlieren" war für mich irgendwo schlimmer als die Reaktion der Leute, mit denen ich genetisch verwandt bin. Irgendwie gehört man nirgends mehr dazu.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Rechtsruck-WatchAnonym
  • 16.07.2018, 20:21h
  • Antwort auf #7 von Cynth
  • Da hatte sich mir wohl ein falscher Eindruck aufgedrängt. Ich konnte die "Vorkommentare" von dir allerdings nicht kennen. In diesem Fall tut es mir leid und ich bitte um Entschuldigung.

    Dein Satz
    >Die Szene, in der man als "unecht" gilt etwa,
    >wenn man keine OPs will, aus welchen Gründen
    >auch immer man die ablehnt, oder die Szene,
    >in der man erst als "fertig" gilt, wenn rechtliche
    >und medizinische Schritte vollends ausgeschöpft
    >wurden, aka man sich mit Dingen wie
    >beispielsweise Gutachterzwang abgefunden hat?
    klingt frustrierend (nicht(!) frustriert).
    Das ist ebensowenig mein Verständnis von Selbstbestimmtheit wie es offenbar deins ist.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 CynthEhemaliges Profil
  • 16.07.2018, 22:52h
  • Antwort auf #9 von Rechtsruck-Watch
  • Hmja, akzeptiere ich dann.

    Ist aber bei registrierten Usern schon möglich, sich einen Eindruck zu verschaffen => einfach aufs Profil klicken, da gibt's nen Link zu verfassten Kommentaren.

    Ja, doof ist's. Weniger als zwei Tage zum BfA-Prepatch, und ich hab vom Heulen jetzt Kopfweh und kann nicht zocken. Virtual Reality disturbed by Real Life. Geht gar nicht.
  • Antworten » | Direktlink »