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Kämpferin für einen aufgeklärten Islam

Seyran Ateş erhält CSD-Preis

Die Gründerin der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee wird für ihr Engagement für LGBTI-Rechte mit dem "Soul of Stonewall Award" ausgezeichnet.


Seyran Ateş wird von den CSD-Organisatoren für ihr jahrzehntelanges Engagement für Menschenrechte geehrt (Bild: Dorothee Deiss)

Die 55-jährige Menschenrechtsanwältin und Gründerin der Berliner Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, Seyran Ateş, wird am Dienstagabend den Sonderpreis des "Soul of Stonewall Awards" (SoSA) überreicht, der vom Hauptstadt-CSD vergeben wird. Die liberale Reformmuslimin gründete 2017 die Moschee im Ortsteil Moabit, in der Männer und Frauen gemeinsam beten und muslimische LGBTI ausdrücklich willkommen sind (queer.de berichtete). Der Preis wird Ateş beim Empfang zum 40. CSD Berlin im Hotel "Berlin Berlin" überreicht.

"Seyran Ateş setzt sich mit viel Leidenschaft für einen aufgeklärten Islam ein", erklärte Jörg Steinert, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg, der Ateş den Preis überreichen wird. "Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung steht dabei im Mittelpunkt ihres Wirkens. Die im vergangenen Jahr von ihr gegründete Ibn Rushd-Goethe-Moschee ist die erste Moschee in Deutschland, die Menschen nicht aufgrund ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität diskriminiert."

"Seyran Ateş lässt sich nicht unterkriegen"

Bereits seit drei Jahrzehnten mache Ateş auf gesellschaftliche und politische Missstände aufmerksam und stoße dabei immer "wichtige gesellschaftliche Diskurse" an, so Steinert. "In Folge dessen wird sie angefeindet, bedroht und verleumdet. Doch Seyran Ateş lässt sich nicht unterkriegen. Dafür gilt ihr unser Dank, unser Respekt und unsere Solidarität."

Ateş selbst erklärte, die Auszeichnung bestärke sie in ihrem "Engagement für ein selbstbestimmtes Leben aller Menschen". "Als Anwältin und Kämpferin für Menschenrechte hatte ich immer die Menschen im Blick, die kein freies und selbstbestimmtes Leben führen dürfen", sagte die in Istanbul geborene und in Berlin aufgewachsene Menschenrechtlerin. Sie habe die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee gegründet, um einen Ort für Menschen zu schaffen, in dem sie "ihren Glauben ohne Diskriminierung und Ausgrenzung praktizieren können".

Schon seit Beginn ihrer Laufbahn kennt Ateş Angst und Einschüchterungsversuche aus eigener Erfahrung: 1984 erschoss ein Attentäter während einer Beratung in Berlin eine türkische Klientin und verletzte Ateş lebensgefährlich. Der mutmaßliche Täter, ein Extremist der nationalistischen türkischen Rechtsextremistengruppe "Graue Wölfe", wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Später engagierte sich Ateş für die Integration von Migranten sowie gegen Zwangsheirat und Ehrenmorde. Wegen Drohungen und Übergriffen gab sie 2006 vorübergehend ihre Anwaltszulassung zurück.

Zuletzt kritisierte sie scharf, dass die Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands (IGS) im Beirat des Instituts für Islamische Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin sitzen soll (queer.de berichtete). Die IGS macht Stimmung gegen Homosexuelle mit und unterstützte den antisemitischen Al-Quds-Marsch.

Die drei weiteren SoSA-Awards werden am 28. Juli am Brandenburger Tor beim Finale des 40. CSD Berlin vergeben. Preise gehen an die Initiative Dritte Option, an Video-Kolumnist Tarik Tesfu und an Queeramnesty-Aktivist Mamikon Hovsepyan. (dk)



#1 PierreAnonym
  • 17.07.2018, 19:04h
  • Vollkommen gerechtfertigt, da sie sich gegen alle Widerstände und Drohungen immer wieder für aufgeklärte Religion, Menschenrechte und Demokratie einsetzt.
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#2 Alexander_FAnonym
  • 18.07.2018, 00:31h
  • Ich dachte schon, dieser Preis sei völlig aussagelos, aber wenn ihn Frau Ates erhält, scheint man sich mittlerweile doch wieder etwas mehr Gedanken darum zu machen, wer ihn bekommt. Eine sehr löbliche Entscheidung.
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#3 aehdAnonym
  • 18.07.2018, 23:08h
  • Frau Ates möchte von Herzen zu diesem Preis gratulieren. Ihr freundliches Auftreten und ihr Bemühen um Verständigung hat mir immer gefallen.
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