Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?31582

Präsentation in Berlin

Wir feiern die "Hetero-Marke" für Magnus Hirschfeld

Wurde eine Chance vertan bei der ersten queeren Briefmarke der Bundesrepublik? Am Donnerstag wurde sie im Centrum Judaicum offiziell vorgestellt.


Der Zehner-Bogen der Hirschfeld-Briefmarke kann online bei der Deutschen Post bestellt werden (Bild: Deutsche Post)

Eines vorneweg: Briefmarken-Präsentationen gehören nicht zu den spannendsten Eventformaten der Republik. Da machte auch die Vorstellung des 70-Cent-Postwertzeichens zum 150. Geburtstag von Magnus Hirschfeld am Donnerstagabend im Berliner Centrum Judaicum durch Finanzstaatssekretärin Christine Lambrecht (SPD) keine große Ausnahme.

Rund 100 Gäste lauschten blumigen Begrüßungsphrasen, pflichtbewussten Grußworten und bestellten "Kurz"-Vorträgen, die sich teils leider wiederholten, vor einem übergroßen Modell des "nassklebenden" Originals, und am Ende wurden einige mehr oder weniger Verdiente nach vorn gerufen, denen feierlich ein Markenbogen wie ein Abizeugnis überreicht wurde. Dass hier nicht die ebenfalls neue Sondermarke "Gartenreich Dessau-Wörlitz" präsentiert wurde, merkte man nur an der grandiosen Sigrid Grajek, die zwischendurch das "Lila Lied", "Hannelooore" und den Hirschfeld-Song in den Saal schmetterte.

- Werbung - Video (60s): KLM – Wir sind eine Airline

Deutschlands erste queere Briefmarke

Das eigentliche Thema, das viele Gäste beschäftigte, fand auf dem Podium kaum statt: Wurde bei Deutschlands erster queerer Briefmarke, gedruckt immerhin in einer Auflage von 4,2 Millionen Exemplaren, eine Riesenchance vertan? Ist das ausgewählte Motiv, für das über 20 Jahre gekämpft wurde, gar ein Schlag ins Gesicht der LGBTI-Bewegung? "Wenn ich das richtig sehe, wird Magnus Hirschfeld gerade mit einer bunten Heterobriefmarke geehrt", ätzte Nollendorfblogger Johannes Kram live aus dem Saal auf Facebook.

Wenn ich das richtig sehe, wird Magnus Hirschfeld gerade mit einer bunten Heterobriefmarke geehrt.

Gepostet von Johannes Kram am Donnerstag, 19. Juli 2018
Facebook / Johannes Kram

In der Tat springen einem bei dem Postwertzeichen für den Mitbegründer der ersten deutschen Homosexuellenbewegung ausgerechnet überlappende Gender-Symbole für Frau und Mann – das Zeichen für Heterosexualität – entgegen. Man sei "nicht ganz glücklich" gewesen mit dem siegreichen Wettbewerbsentwurf der Wuppertaler Designerin Andrea Voß-Acker, räumte Ralf Dose, Geschäftsführer der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, in seinem Grußwort ein. Erst nach Intervention habe Voß-Acker, die bereits 50 Briefmarken für die Deutsche Post entworfen hat, darunter "Ferien in Deutschland" oder "10 Jahre Vertrag von Maastricht", das Hetero-Symbol zumindest in Bewegung gesetzt.

Ausdruck von Hirschfelds Theorie der sexuellen Zwischenstufen


Alle Gäste der Briefmarkenpräsentation fanden einen Ersttagsbrief auf ihrem Platz: Der Berliner Ersttagsstempel wurde deutlicher als die Hirschfeld-Marke (Bild: Micha Schulze)

Für Staatssekretärin Lambrecht ist die Marke dagegen gelungen. Die SPD-Politikerin lobte das "lebhafte Bildmotiv" als Ausdruck von Hirschfelds Theorie der sexuellen Zwischenstufen und verwies auf die verwendeten Regenbogenfarben als weltweites Symbol der Homosexuellenbewegung. Dass sich der Kunstbeirat des Finanzministeriums gegen ein Porträt und damit "gegen das Naheliegende" entschieden habe, findet Lambrecht nicht schlimm: "Die Symbole machen neugieriger auf den Namen Hirschfeld." Wenn jetzt über das Motiv diskutiert werde, habe man ein Ziel schon erreicht, nämlich ein Zeichen für LGBTI-Akzeptanz auch in der heutigen Zeit zu setzen.

Was die Staatssekretärin übersieht: Außerhalb der queeren Fachpresse und einigen Wuppertaler Regionalblättern (dank Andrea Voß-Acker) wurde die Hirschfeld-Marke bislang kaum wahrgenommen. Eine Meldung der Nachrichtenagentur epd lief weitgehend ohne Beachtung über den Ticker, und nicht einmal die AfD oder die "Demo für alle" haben sich bislang über die "Homopropaganda" der Deutschen Post aufgeregt. Vielleicht sollte man ihnen einfach mal einen Brief schreiben…



#1 seb1983
#2 Andreas SchwarzkopfAnonym
  • 20.07.2018, 09:12h
  • Ich finde nicht, dass sie misslungen ist. Wenn man genau hinsieht sind die Männlich- und Weiblichkeitszeichen mehrfach hintereinander dargestellt.

    Andreas Schwarzkopf
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Suki11Anonym
#4 Rosa SoliAnonym
  • 20.07.2018, 13:02h
  • Für AfD-Mitglieder und Sympathiesanten hätte man aber einen Warnhinweis am Zehner-Bogen anbringen müssen. Kaum auszudenken, was passiert, wenn die erst nach dem Leckvorgang erfahren, um was für eine Marke es sich handelt!
  • Antworten » | Direktlink »
#5 LenorgewissenAnonym
#6 GayofcultureAnonym
  • 20.07.2018, 15:42h
  • Es gibt viele Fotografien von Dr. Hirschfeld, dass hätte ich passender gefunden, zumal um sein Gesicht und die Geschichte dahinter dem Mainstream bekannter zu machen. Die Marke gefällt mir überhaupt nicht. Ich werde sie nicht explizit nutzen. Schade, hier hat man mal wieder was verpasst...
  • Antworten » | Direktlink »
#7 MarkKerzmanProfil
  • 20.07.2018, 19:24hVenice Beach
  • Ich hatte zu diesem Thema bereits am 12. Juli hier im Forum geschrieben,

    > Schade, mit dieser Briefmarke wird man dem Gedenken Hirschfelds meiner Meinung nach in keiner Weise gerecht;. die verwendeten Symbolzeichen, na gut, da hat die Community endlich ihr *Postwertzeichen*, aber das hat mit Magnus Hirschfeld nur marginal was am Hut. Wenn Königin Elizabeth ihr Portrait auf jeder zweiten UK-Briefmarke findet, hätte diese Ehre in Deutschland auch Hirschfeld widerfahren sollen. Erbitte ich da zuviel? <

    Das Portrait Magnus Hirschfelds hätte der Briefmarken sicherlich >besser zu Gesicht gestanden
  • Antworten » | Direktlink »
#8 seb1983
#9 Anon4Anonym
  • 21.07.2018, 11:31h
  • Antwort auf #7 von MarkKerzman
  • "Wenn Königin Elizabeth ihr Portrait auf jeder zweiten UK-Briefmarke findet, hätte diese Ehre in Deutschland auch Hirschfeld widerfahren sollen."

    Was genau hat das Design von Briefmarken in einer Monarchie mit der republikanischen Ehrung des Lebenswerks von verschiedenen Personen auf Briefmarken zu tun? Bzw. warum ist das Porträt der Königin eine Begründung dafür, dass bestimmte andere Personen als Porträt auf Briefmarken müssen?
  • Antworten » | Direktlink »
#10 TheDadProfil
  • 21.07.2018, 12:25hHannover
  • Antwort auf #9 von Anon4
  • ""Was genau hat das Design von Briefmarken in einer Monarchie mit der republikanischen Ehrung des Lebenswerks von verschiedenen Personen auf Briefmarken zu tun? Bzw. warum ist das Porträt der Königin eine Begründung dafür, dass bestimmte andere Personen als Porträt auf Briefmarken müssen?""..

    Nichts..
    Die Frage lautet dann auch, warum man Menschen wie Adenauer, Erhardt, diverse Bundespräsidenten und andere Personen der "deutschen Zeitgeschichte" wie Goethe und Schiller als Konterfei auf Briefmarken wiederfindet, aber einem Magnus Hirschfeld diese Ehre verweigert ?
  • Antworten » | Direktlink »