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Pille zum Schutz von HIV

Spahn: PrEP soll Kassenleistung werden

Künftig sollen die gesetzlichen Krankenkassen die Pille zum Schutz vor HIV finanzieren – für Personen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko. Die Deutsche Aids-Hilfe bezeichnet diesen Schritt als "Meilenstein für die HIV-Prävention".


Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) (Bild: Heinrich-Böll-Stiftung / flickr)

Zu Update springen: Lob von SPD, FDP und Grünen für Spahn-Entscheidung (14.00 Uhr)

Die gesetzlichen Krankenkassen sollen die Kosten für die Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) übernehmen. Das hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt angekündigt. Demnach wolle er dafür sorgen, "dass Menschen mit einem erhöhten Infektionsrisiko einen gesetzlichen Anspruch auf ärztliche Beratung, Untersuchung und Arzneimittel zur Präexpositionsprophylaxe erhalten", kündigte er im Vorfeld der 22. Internationalen Aidskonferenz an, die am Montag in Amsterdam beginnt. Das Vorhaben solle noch in diesem Monat auf den Weg gebracht werden.

Laut Studien senkt die Pille das Risiko für HIV-Negative, sich mit dem Virus anzustecken, bei korrekter Einnahme praktisch auf Null. Details, wer genau zum Empfängerkreis gehöre, nannte Spahn nicht. Das sollen der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen und die Organisation der ärztlichen Selbstverwaltung, die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), innerhalb der nächsten Monate in ihrem paritätisch besetzten Bewertungsausschuss aushandeln.

Zu den Hauptabnehmern werden wohl Männer, die Sex mit Männern haben, gehören – sie machen rund zwei Drittel der Neuinfektionen in Deutschland aus (queer.de berichtete). Für einen Teil von ihnen ist die PrEP als Alternative zu den anderen Präventionsmethoden wie Kondomen sinnvoll.

Die PrEP-Ausgabe soll einhergehen mit einer ausführlichen ärztlichen Beratung und Untersuchung, bei der die Nutzer regelmäßig auf HIV und andere Geschlechtskrankheiten getestet werden. Die PrEP kann die Zahl der HIV-Infektionen in Deutschland nach einer Studie der Universität Rotterdam bis 2030 um rund 9.000 verringern. Andere europäische Länder, wie etwa Belgien, haben die PrEP bereits in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen (queer.de berichtete).

DAH: Kostenübernahme wird "zahlreiche Infektionen verhindern"

Die Deutsche Aids-Hilfe begrüßte am Freitagvormittag die Ankündigung des Gesundheitsministers: "Die neue Regelung ist ein Meilenstein für die HIV-Prävention in Deutschland", erklärte DAH-Vorstandsmitglied Winfried Holz. "Die Kassenfinanzierung wird Menschen den Zugang zur HIV-Prophylaxe eröffnen und damit zahlreiche Infektionen verhindern. Sie ist der entscheidende Schritt, um das Potenzial dieser Maßnahme auszuschöpfen."

Bisher müssen PrEP-Nutzer die Kosten selber tragen. Die Medikamente, die einmal täglich eingenommen müssen, schlagen dabei mit 50 bis 70 Euro zu Buche, hinzu kommen ärztliche Beratung und die erforderlichen Begleituntersuchungen. Menschen mit geringem Einkommen sind damit praktisch ausgeschlossen.

Schätzungsweise 5.000 Menschen lassen sich bisher die PrEP bislang in Deutschland verschreiben – laut einer Studie der Universität Essen überwiegend Besserverdienende. Schutz vor HIV dürfe aber nie am Geldbeutel scheitern, betonte Holz. "Es ist dringend an der Zeit, diese Lücke in der HIV-Prävention zu schließen." Aufgrund der hohen Kosten bezögen zurzeit "nicht wenige Menschen" die Medikamente kostengünstig aus dem Ausland – teils ohne ärztliche Begleitung. Auch wegen der damit verbundenen Risiken sei die Initiative Spahns begrüßenswert.

PrEP seit 2012 in den USA erhältlich

Die Erfolgsgeschichte der PrEP begann 2012, als die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA erstmals das Medikament, eine Kombination der Wirkstoffe Emtricitabin und Tenofovirdisoproxil, nicht nur zur Behandlung einer bereits vorliegenden HIV-Infektion, sondern auch zur Vorbeugung zugelassen hatte. Die Gesundheitsbehörde CDC hat 2015 empfohlen, dass Menschen mit besonders hohem Risiko das Medikament einnehmen sollten – darunter laut CDC rund ein Viertel der sexuell aktiven schwulen und bisexuellen Männer, die HIV-negativ sind (queer.de berichtete). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stimmt inzwischen dieser Einschätzung zu und hat deshalb im Juni 2017 die PrEP-Wirkstoffe in die Liste der "unentbehrlichen Arzneimittel" aufgenommen (queer.de berichtete).

Die Europäische Kommission ließ die Nutzung für Erwachsene im Sommer 2016 zu. Seit letztem Jahr ist auch für Erwachsene in Deutschland ein Generikum erhältlich, das die Kosten des Medikaments von 800 auf knapp über 50 Euro pro Monat senkte (queer.de berichtete). (dk)

 Update  14.00 Uhr: Lob von SPD, FDP und Grünen für Spahn-Entscheidung

Politiker aus Regierungs- und Oppositionsfraktionen haben die Ankündigung von Gesundheitsminister Spahn, die PrEP zu einer Kassenleistung zu machen, begrüßt. "HIV & AIDS haben das Sexleben vieler Menschen grundlegend verändert. Kondome, Therapie und PrEP haben wiederum die Lust gerettet. Deswegen ist es längst überfällig, die HIV-Prophylaxe PrEP gesetzlich über die Krankenkassen abzusichern", erklärte Sven Lehmann, der Sprecher für Queerpolitik der grünen Bundestagsfraktion. Die eigenen finanziellen Spielräume dürften nicht entscheidend sein, ob man sich vor HIV wirksam schützen könne.

Jens Brandenburg, Sprecher für LSBTI der FDP-Fraktion, ergänzte: "Gesundheitlicher Schutz darf nicht vom eigenen Geldbeutel abhängen. Eine Kostenübernahme der PrEP wäre eine hervorragende Chance, Neuinfektionen mit HIV deutlich zurückzudrängen." Das sei eine "gute Nachricht für die schwule Szene", die leider immer noch zu den Hochrisikogruppen für HIV-Neuinfektionen zähle. "Wir sollten jetzt aktiv für die PrEP werben und vorhandene Vorurteile abbauen. Wer sich und andere schützt, handelt verantwortungsvoll. Das verdient nicht nur auf Grindr Anerkennung."

Die SPD-Gesundheitsexpertin Hilde Mattheis begrüßte die Ankündigung auf Twitter als "wichtigen Schritt in die richtige Richtung!". Die Bundestagsabgeordnete aus Ulm zollte auch dem Koalitionspartner Anerkennung: "Überraschend, dass die Union mal ohne ideologische Scheuklappen bei dem Thema Politik machen will."

Twitter / HildeMattheis



#1 Patroklos
  • 20.07.2018, 10:26h
  • Da hat die Spahnimaus eine überaus wichtige und gute Entscheidung gefällt und ich hoffe, sie wird in Kürze umgesetzt.
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#2 Rosa SoliAnonym
  • 20.07.2018, 10:34h
  • Wow! Ich hätte nicht damit gerechnet, dass unter einem so konservativen Gesundheitsminister die PrEP zur kassenärztlichen Leistung wird.
    Das zeigt, dass man das Potenzial dieser Prophylaxemöglichkeit endlich erkannt hat und nicht umhin kommt, wenn man den Anschluss in der Aidsprävention nicht verpassen will.

    Ich schreibe es nur ungern, aber es spricht auch für Jens Spahn, der allem Anschein nach nicht beratungsresistent ist und eine pragmatische Entscheidung getroffen hat, die alle medizinischen Fachgesellschaften nicht nur unterstützen, sondern längst gefordert haben.

    Vermutlich konnte er es sich auch gar nicht anders leisten. Ich hätte auch nicht der Gesundheitsminister sein wollen, unter dessen Ägide sich die Infektionszahlen nicht ändern, während die anderen europäischen Länder (mit PrEP) an uns vorbeiziehen.

    In der heutigen Zeit ist es schön zu sehen, dass manchmal auch die Vernunft siegt!
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#3 AuntieBioticEhemaliges Profil
#4 FinnAnonym
#5 michael008
  • 20.07.2018, 11:24h
  • Ich bin nun wirklich kein Spahnfan, aber das muss man ihm unbedingt zu Gute halten.
    Wenn das umgesetzt wird, gibt's da nix zu meckern.
    Eine logische und kluge Entscheidung.
    Hoffentlich wird ihm das nicht von seinen konservativen Mitstreitern in der Union als Klientelpolitik ausgelegt.
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#6 MischmaschAnonym
  • 20.07.2018, 11:36h
  • Genau das meine ich! JENS SPAHN ist das beste Beispiel dafür, wie man sich für LGBT-Rechte einsetzen kann, ohne so zu tun, als wären alle Minderheitenrechte untrennbar miteinander verbunden. Letzteres ist nämlich neo-progressive Ideologie. Spahn ist aber konservativ, was wie er beweist kein Widerspruch zu LGBT-Rechten sein muss.
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#7 DominikAnonym
  • 20.07.2018, 12:13h
  • Antwort auf #2 von Rosa Soli
  • Du schreibst es richtig: Es ist eine pragmatische Entscheidung, um die HIV-Ansteckungsraten unter promiskuitiv lebenden Menschen zu senken.

    Einen Nachteil (zzgl. der Nebenwirkungsfrage) hat die PrEP-Pille gegenüber dem Kondom aber dennoch: Die beiden Sexualpartner müssen sich immer darauf verlassen, dass der jeweils andere die Pille auch ordnungsgemäß sprich regelmäßig einnimmt. Wie bei jedem Medikament kann die Wirkung verloren gehen, wenn die Einnahme nur schludrig vorgenommen wird bzw. sich auf Dauer eine gewisse Nachlässigkeit einschleicht. Beim Kondom hat man die Kontrolle, im wahrsten Sinne des Wortes, wenigstens noch selbst in der Hand. Bei der PrEP-Pille aber muss man sich immer auf die Aussage seines Gegenübers verlassen, der bei promiskuitiv lebenden Menschen ja nicht selten auch nur eine One-Night-Stand-"Bekanntschaft" ist. Also: Ein Rest-Risiko bleibt. Die Suggestion, die PrEP-Pille sei jetzt die große Lösung, halte ich für leichtsinnig und gefährlich.

    Außerdem: Zu den Nebenwirkungen gibt es (logischerweise) auch noch keine Langzeitstudien. Zumindest auf die Leber wird sich ein jahrelanger oder gar jahrzehntelanger Konsum auswirken, denn von ihr werden die Substanzen ja abgebaut.

    Ich halte lieber am Kondom fest und bevorzuge ein Sexualleben, das die Einnahme von Medis nicht nötig macht.
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#8 Ith_Anonym
  • 20.07.2018, 12:32h
  • Antwort auf #7 von Dominik
  • Auf den anderen kommt es überhaupt nicht an... Wenn DU dir sicher bist, die PrEP korrekt zu nehmen/anzuwenden, schützt du dich damit.
    Endlich auch mal eine Option, bei der man das Risiko auch als Bottom selbst in der Hand hat.
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#9 blablabearAnonym
  • 20.07.2018, 12:33h
  • Antwort auf #7 von Dominik
  • >>> Einen Nachteil (zzgl. der Nebenwirkungsfrage) hat die PrEP-Pille gegenüber dem Kondom aber dennoch: Die beiden Sexualpartner müssen sich immer darauf verlassen, dass der jeweils andere die Pille auch ordnungsgemäß sprich regelmäßig einnimmt. [...] Bei der PrEP-Pille aber muss man sich immer auf die Aussage seines Gegenübers verlassen, der bei promiskuitiv lebenden Menschen ja nicht selten auch nur eine One-Night-Stand-"Bekanntschaft" ist. <<<

    Auch beim Kondom passieren Anwendungsfehler. Die Pille einmal am Tag zu nehmen, ist für viele aber einfacher als stets an das kondom zu denken, zumal viele auch einfach keine Kondome verwenden.

    Die Behauptung, dass beide sich darauf Verlassen müssen, dass ihr Sexualpartner auch die PREP einnimmt, ist aber FALSCH. Sie können sich selber vor einer HIV-Ansteckung mit der Einnahme von PREP schützen, unabhängig ob der andere kondome oder PREP verwendet.

    >>>
    Außerdem: Zu den Nebenwirkungen gibt es (logischerweise) auch noch keine Langzeitstudien. [...] Ich halte lieber am Kondom fest und bevorzuge ein Sexualleben, das die Einnahme von Medis nicht nötig macht.
    <<<
    Truvada ist nun bald seit 20 Jahren im Einsatz, wenn auch nicht in der Prophylaxe, von "keiner Langzeiterfahrung/studien" kann man nicht hier nicht reden. Aber genau deshalb sind ja auch Begleituntersuchungen notwendig.
    Kondome sind auch für mich immer noch die beste Wahl, aber ich bin deutlich entspannter bei einem Date, wenn ich geprept bin und es vielleicht doch über safersex hinausgeht. Wobei ich jetzt nicht zur Hochrisikogruppe gehöre -- ich fahre mit dem "Prep-on-Demand"-Schema ganz gut, denke ich.
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#10 UngleichbehandlungAnonym
  • 20.07.2018, 12:36h
  • Und warum müssen heterosexuelle Frauen über 21 die Anti-Baby-Pille weiterhin aus eigener Tasche bezahlen?
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